Ist meine Arbeit gar nichts wert? Nachtrag.

Nachtrag.

Nur eine Woche nach dem Vorfall, den ich hier beschrieben habe und der Kunde kommt mit einem Rezept vom Arzt. Für Schmerzmittel und ein Schmerzpflaster.

Ich erinnere mich an ihn, verhalte mich aber, als sei nichts.

Ich lege ihm das Schmerzmittel hin – erst die Tabletten.

„Ist das wie Voltaren?“ fragt er, noch bevor ich dazu komme etwas dazu zu sagen.

Pharmama: „Es ist ein anderer Wirkstoff, meist besser Magenverträglich, aber auch schmerzstillend und entzündungshemmend“

Mann: „Und was ist das für ein Pflaster?“

Pharmama: „Das enthält den gleichen Wirkstoff wie Voltaren. Sie können es 12 Stunden auf der Haut lassen. Es ist auch Schmerzstillend und entzündungshemmend“.

Mann: „Aber das habe ich ja schon in den Tabletten, das brauche ich nicht.“

Pharmama: „Okay, dann können wir das auch weg lassen. Möchten Sie es selber zahlen und einschicken, oder soll ich es über ihre Krankenkasse abrechnen?“

(Das ist mein sanfter Hinweis daran, dass ich mich an das letzte Gespräch erinnere.)

Mann: „Nehmen sie es über die Krankenkasse. Wissen sie, wenn ich nicht so Rückenschmerzen hätte, hätte ich das im Internet bestellt.“

Danke für die Erinnerung.

Ich lächle nur leicht, als ich es ihm einpacke. Und denke:  Ja … nur hätten sie es dort erst in 1, 2 Tagen bekommen. Frühestens, denn es ist Wochenende.

Und sie brauchen ja auch keine Beratung – was sollten dann die Fragen oben?

Das Pflaster wäre natürlich mitgeliefert worden – und verrechnet.

Aber ich rechne das für sie mit der Krankenkasse ab.

Auf Wiedersehen?

Preisdiskussionen – oder: ist meine Arbeit gar nichts wert?

Ich mag Diskussionen nach der Abgabe von Medikamenten auf Rezept über die Preise der Medikamente und die LOA gar nicht. Ich mache die Preise nicht, das sind hauptsächlich die Hersteller und bei den Sachen, die von der Grundversicherung übernommen werden – da hat der Gesetzgeber seine Hand drin, was die Preise angeht.

Für unsere Arbeit haben wir die Pauschalen, die zwischen den Krankenkassen und den Apotheken aushandelt wurden: den Vertrag nennt man von der LOA – Leistungs-Orientierten-Abgabe. Diese Pauschalen sind nicht wirklich hoch. Beide Pauschalen zusammen etwa CHF 7.30. Tatsächlich sind sie niedrig genug, dass etwa jede 4. Apotheke in der Schweiz sehr zu kämpfen hat. Dazu kommt noch, dass sie Nur für rezeptpflichtige Medikamente gelten, die von der Grundversicherung übernommen werden. Mehr über sparen an der Apotheke hier.

Trotzdem hatte ich wieder einen Kunden, der fand, er brauche für seine Medikamente keine „Beratungstaxe“ zu zahlen –schliesslich schaut der Arzt ja welche Medikamente er bekommt und erklärt ihm das. Also will er, dass wir ihm gar keine „Taxen“ verrechnen, ansonsten gehe er halt seine Medikamente via Internet besorgen.

Au ja. Das sind keine „Taxen“, das hat nichts mit Steuern zu tun. Das ist auch bei weitem nicht nur für eine „Beratung“. Das ist für unsere Ganze Arbeit, angefangen vom Medikament bestellen, an Lager halten, Patienten- Dossier führen, Interaktionen abklären, Nachfragen beim Arzt, Nebenwirkungen festhalten, mit Generika austauschen, Dosierungen kontrollieren, Medikamente und Anwendung erklären, Hauslieferungen, mit der Krankenkasse abrechnen und so weiter und so fort.

„Aber“ (sage ich ihm nach der Erklärung) „… ich könnte ihnen anbieten, auf eine der beiden Pauschalen (die für 3 Franken) zu verzichten, wenn Sie bereit sind, dafür die Medikamente gleich zu bezahlen und die Rezepte selbst der Krankenkasse zum Zahlen einzuschicken. Dann habe ich auch weniger Arbeit damit. Auf die ganzen Pauschalen kann ich nicht verzichten, denn DAS IST MEIN LOHN! Die Abgeltung für meine Arbeit! Arbeiten Sie etwa gratis??“

Ach, Sie sind pensioniert.

Ja, es tut mir leid, wenn Sie das nicht verstehen können.

In dem Fall gehen Sie von jetzt an ihre Medikamente im Internet bestellen. Das ist sicher auch viel weniger Arbeit für sie.

Danke dass Sie hier waren.

(Sehe ich den wieder?)

5 Sterne Dienstleistung (Rerun)

(Dieser Post ist eine Wiederholung vom Mai 2008.)

Ich hatte letzthin eine alte Kundin (im Sinne von: ältere Dame und seit Jahren bei uns), die am Morgen telefonierte, um zu fragen, ob das Rezept, dass sie beim Doktor bestellt hat schon angekommen ist. Ist es nicht.

Weil sie eher schlecht zu Fuss ist, bringen wir ihr normalerweise die Medikamente vorbei. In diesem Fall Voltaren und Omezol (ein Mittel gegen Magenübersäuerung und das Generikum von Antra).

Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass sie eine sehr nette Person ist, aber nicht gerade die unkomplizierteste.

Heute dachte ich, wäre es eine relativ einfache Sache. Warte, bis der Arzt das Rezept schickt (faxt), Rezept ausführen, Medikamente bringen.

Ich hatte mich getäuscht.

Bis zur Auslieferung lief es wie ich es mir vorgestellt hatte, dann bekomme ich ein Telefon von unserem Lehrling, der die Medikamente bringt: „Sie sagt, das sei das falsche Medikament“.

Ich sage: „Aber es ist genau das, was sie heute morgen telefonisch bestellt hat und genau das, was der Arzt aufgeschrieben hat – und genau das, was sie schon ein paar Mal vorher gehabt hat; wieso soll das jetzt auf einmal nicht mehr richtig sein?“.

Ich habe dann nochmal mit ihr geredet und dabei ist herausgekommen, dass sie, als sie letzhin wegen einer kleineren Operation im Spital war, anders aussehende Magentabletten bekommen hat. Sie meinte, mit den Omezol, die sie von uns bekommt, hat sie trotzdem Magenprobleme, aber mit den Omezol, die sie im Spital bekommen hat  -keine. Sie hat mit ihrer Tochter diskutiert (ich liebe es, wenn sie denken, sie bekommen von einem Familienmitglied oder Nachbarn kompetentere Info als von den Spezialisten = uns), jedenfalls hat die gemeint, es läge an den Hilfsstoffen. Es gibt nämlich verschiedene Omezol (Firma Mepha, Sandoz, Helvepharm, … alle machen Generika von Antra) und sie verträgt halt „unseres“ nicht, aber das vom Spital ist viel besser. Eventuell sei es ja das Original gewesen?

Hmmm. Es kann schon sein, dass sie auf einen Hilfsstoff seltsam reagiert, aber der beschriebene Effekt scheint mir doch etwas unglaublich. Trotzdem schlage ich ihr vor, ausfindig zu machen, was genau sie im Spital bekommen hat, und ihr das zu besorgen.

Wer schon einmal etwas vom Spital wollte, weiss was das bedeutet: Telefonieren, herumgereicht werden, ständig die Frage wiederholen und gelegentlich herausgeworfen zu werden vom Telefonsystem, worauf das Ganze wieder von vorne anfängt.

Endlich in der richtigen Abteilung bekomme ich die gewünschte Info: Sie hat gar kein Omezol bekommen, sondern Pantozol! (Auch ein Magenmittel).

Das ist allerdings auch ein anderer Inhaltsstoff und eine andere Dosierung, also muss ich noch dem Arzt anrufen und ihm die ganze Sache erklären und ihn bitten, ein neues Rezept auszustellen.  Was er dann auch tut.

Nun muss ich nur noch einmal den Lehrling schicken, damit er die Medikamente austauscht ( Pantozol hin, Omezol zurück).

Und das alles gratis! Sind wir nicht super?

Metall – los?

Ein häufiger vorkommender Fall: der Patient mit Rezept zahlt selber – er bekommt sein Rezept zurück (gestempelt und mit dem Preis drauf) und er bekommt seine Quittung.

Stanely Bostitch Stapler
Stanely Bostitch Stapler (Photo credit: Wikipedia)

Bisher habe ich die Quittung gleich mit Bostitch ans Rezept geheftet  -für meine deutschen Leser: das ist ein Tacker, für meine Österreichischen: ihr nennt das glaub eine Klammermaschiene?. Das braucht wenig Material und so geht die Quittung am wenigsten verloren, denn immerhin braucht der Kunde die für die Abrechnung mit der Krankenkasse.

Jetzt sagt mir eine Kundin, sie bekommt von der Kasse, wenn sie die Rezepte so einschickt, immer einen bösen Brief retour, dass man an die Rezepte kein Metall anbringen soll, das störe ihren Ablauf.

Büroklammern
Büroklammern (Photo credit: Gunnar Ries)

Kein Metall? Dann fallen auch Büroklammern weg. Klebestreifen ist super-unpraktisch und ganz ohne … ist die Gefahr recht gross, dass man die Quittung verliert.

(Vielleicht ist das aber auch der Sinn der Sache?)

Jedenfalls, Frage an meine Mit-Apotheker, Pharmaassistenten und auch an die betroffenen Krankenkassen-Kunden:

Was macht ihr?

Über das 190 Millionen Euro-„Geschenk“

Ich bin Apothekerin in der Schweiz, aber natürlich interessiert mich, was ‚äne a dr Grenze‘ – in dem Fall Deutschland so läuft. Da bekomme ich natürlich aus den Medien mit, wie sich die Öffentlichkeit über das „190-Millionen-Geschenk“ an die Apotheken aufregt. Es geht um die 25 Cent mehr, die Wirtschaftsminister Rösler den Apotheken „gönnt“.*

Mehr zufällig bin ich über dieses youtube Video gestolpert, in dem Ann-Katrin Kossendey (eine deutsche Apothekerin) gut beschreibt, um was es da eigentlich geht. Unbedingt Anschauen!

Ich denke das ist eine realistische und sehr gut herübergebrachte Beschreibung der Situation.

Toll gemacht!

* Entschuldigt bitte die übertriebene Verwendung von Anführungszeichen, aber die kennzeichnen in dem Fall nicht nur Zitate, sondern ich will den Inhalt wirklich ironisch verstanden wissen.

Oh, die Dinge, die man so lernt …

Bei der Blutdruckmessung am Oberarm an einem … offenbar… alten Seemann fällt mir sein Tattoo auf dem Arm auf. Wir kommen ins reden und er erklärt mir den Grund warum man sich leichtbekeidete Damen auf die Arme tätowiert hat.

Ich versuche es mal so vorsichtig wie möglich auszudrücken … auf See gibt es keine Frauen (oder vielleicht besser: gab keine). Lange nicht. Fotos, Hefte und derartiges können nass werden oder verloren gehen …

(Fällt der Groschen?)

English: Studio portrait photo of Betty Grable...
(Photo credit: Wikipedia)