Er hat’s tatsächlich getan.

Er hat’s wirklich getan. So ganz ist es noch nicht angekommen, dabei war seine Frau gerade hier, unter anderem um uns das mitzuteilen.

„Er“ ist ein Kunde von uns. Oder besser: war. Er hat sich umgebracht. Das war angekündet … das nur für diejenigen, die sagen, dass Leute, die das ankünden ja sowieso nicht durchziehen.

Herr Tempusi (Name wie immer geändert) war Stammkunde bei uns, wir haben uns viele Male unterhalten, weshalb ich neben seiner Medikation noch einiges von seinem Leben mitbekommen habe. Er war um die 60 Jahre … und Auslöser für seinen Selbstmord war nicht eine eigene Krankheit, sondern der Tod seiner (sehr betagten) Mutter, die sein ein und alles war und um die er sich bis zu ihrem Tod vor ein paar Wochen gekümmert hat. Schon vorher hat er bei uns in der Apotheke gelegentlich Ballast abgeladen und unter anderm eben auch diese Aussage gemacht: „Wenn meine Mama nicht mehr lebt, dann will ich auch nicht mehr. Ich glaube, dann bringe ich mich um.“

Er hat es uns gemeldet als sie gestorben ist … und wir haben ihn so gut wir konnten zu trösten versucht, aber er war sehr niedergeschlagen.

Heute nun ist seine Frau hier – die ich ehrlich gesagt noch nicht häufig gesehen habe. Das hat mehrere Gründe. Zum einen die, dass er sich auch um die Medikation seiner Frau gekümmert hat. Die ist einiges jünger und er „hat“ sie von … irgendwo aus dem Ausland. Herr Tempusi war einer jener Schweizer, die irgendwie mit den Frauen in der Schweiz und vielleicht sogar Europa beziehungsmässig nie zurechtkommen und nichts passendes gefunden hat. Deshalb hat er sein Glück bei einer Frau aus dem (ferneren) Ausland gesucht. Wirklich gefunden hat er es allerdings nicht. Die Frau, die zu sich hierher geholt und geheiratet hat, stellte sich als … widerspenstiger und schwieriger heraus, als die durchschnittliche schweizer Frau (behaupte ich jetzt mal). Sie kann inzwischen leidlich deutsch und findet sich eigentlich gut zurecht, auch wenn sie nicht arbeitet. Trotzdem verlangte sie weiter von ihm, dass er alles für sie organisiert. Dabei ging sie ausgesprochen herablassend mit ihm um – das habe ich hier in der Apotheke schon selber gesehen, wenn sie dann mal mitkam, weil er etwas nicht zu ihrer Zufriedenheit regeln konnt. Da konnte er ihr gar nichts recht machen. Faktisch stand sie nur daneben und reklamierte. Auf französisch. Und er durfte das dann für uns übersetzen und für sie reden und alles organisieren etc.

Dazu möchte ich anmerken: Ich kann französisch. Ich rede es nicht sehr gut, aber ich verstehe es. Sie kann deutsch, auch nicht sehr gut, aber eine Verständigung ist so auch ohne Dolmetscher möglich. Auch wenn ich hier sagen muss, dass der „Dolmetscher“ vielleicht deshalb nötig war, die ganzen Schimpfwörter dazwischen herauszufiltern. Nicht nur über unsere „Unfähigkeit“ und „miserablen Service“, sondern auch den abschätzigen Umgangston, den sie allgemein drauf hatte. Vor allem mit ihm. Für sie waren wir nur Dienstpersonal und er … wohl auch. Das Problem damals hatte mit der Übernahme eines Mittels durch die Krankenkasse zu tun. Als „Life-Style-Medikament“ zahlen sie das nicht und man muss das selber übernehmen. Sie war der Meinug, das Problem sei, dass er ihre Position nicht genügend forsch vertrat. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis sie der Pharmaassistentin und mir endlich glaubte … oder besser soweit war, dass sie das selber mit der Krankenkasse ausdiskutieren würde. (Oder eher er.)

Ein paar Mal, als er alleine kam, hat er erzählt, wie sie ihn zu Hause geschlagen hat, weshalb er direkt Angst vor ihr hatte. Dass wir das melden, wollte er aber auch auf keinen Fall. Wenn er vergessen hat Geld zu ihren Verwandten nach Hause zu schicken, dann kam es vor, dass sie als Strafe einige Tage auswärts übernachtete.

Ich hätte auch versucht da rauszukommen – also fortlaufen, nicht der Abgang, den er gemacht hat. Er konnte nicht. Nicht nur, weil sie von ihm finanziell abhängig war (und im Fall einer Trennung ändert das wenig). Wegen seiner Mutter, um die er sich kümmerte. Und als sie weg war … ja :-(

Ich denke, es gibt immer einen anderen Weg. Obwohl wir mit ihm geredet haben … es ist uns nicht gelungen, ihm den aufzuzeigen, mehr Hilfe anzubieten (auch professionelle), die er auch hätte annehmen können. Das muss ich jetzt auch erst mal verdauen.

Nun steht die Frau jedenfalls in der Apotheke und ist … dezent unglücklich. Vielleicht ist das nur mein Eindruck, aber vor allem darüber, dass sie jetzt selber für sich sorgen muss. Normalerweise versuche ich Angehörige zu trösten wie ich kann … allein, bei ihr habe ich jetzt wirklich Mühe die Empathie aufzubringen. (Nicht schön, ich weiss, darauf bin ich auch alles andere als stolz).

Sie braucht aber etwas aus der Apotheke– deshalb ist sie hier. Nachdem ich ihr ein Medikament auf einem bereits abgelaufenem Dauer-Rezept wiederholt habe, damit sie Zeit hat ein neues zu besorgen und einen Termin mit dem Arzt zu machen, hält sie mir ein Formular der Versandapotheke „zur Rose“ unter die Nase und fragt mich, ob ich ihr damit helfen könne, sie wisse nicht wie das geht, ihr Mann habe ja immer alles gemacht.

(!)

Da war dann auch fertig mit meiner Hilfsbereitschaft: Wenn sie etwas aus der Apotheke hier braucht, dann helfe ich ihr gerne. Wenn sie das via Versandapotheke beziehen will, dann darf sie gerne auf die angegebene Telefonnummer dort anrufen. Ich bin sicher, die können auch französisch.

Sie geht und ich geh mich setzen und den Schock verdauen.

hicetnunc

 

Zur Grippeimpfung in der Apotheke

Es ist Herbst, bald Winter und Zeit für die Grippeimpfungen. In der Schweiz sind einige Änderungen im Gesundheitssystem im Gange, so dürfen in manchen Kantonen die Apotheker schon impfen (vor allem gegen Grippe, vereinzelt auch schon anderes), während es in anderen Kantonen noch die Ärzte braucht, die dafür auch im Rahmen von Grippeimpfaktionen in die Apotheke impfen kommen. Ich kann hier nicht sagen, zu welchen wir gehören, aber …

Frage gestern: „Wenn ich keine Beratung brauche, bekomme ich die Grippeimpfung dann gratis?“

Umm – nein. Die hat mich im Einkauf gekostet und ausser dem Abklären vorher, ob das geht, kostet auch das Spritzen selber was. Egal ob ich das mache oder der Arzt.

P.S: da ist sie wieder, die „Beratungstaxe“ – Die gibt es nicht. Es ist unsere Aufgabe abzuklären, ob es das richtige Medikament ist und ob die Anwendung bekannt ist, aber wir machen mehr als das. Bei rezeptpflichtigen Sachen, die von der Krankenkasse übernommen werden ist das „mehr als das“ in den Pauschalen enthalten … Und bei nicht rezeptpflichtigen Sachen oder Dingen, die die Krankenkasse nicht zahlen muss, gibt es die Marge (und auch das sind keine 30% mehr.) Die Grippeimpfung ist auch immer noch rezeptpflichtig und muss gekühlt transportiert und gelagert werden, was ein zusätzlicher Aufwand bedeutet.

Apotheken aus aller Welt, 706: Venedig, Italien

3 Bilder aus unseren kurzen Ferien in Venedig. Venedig hat uns (trotz der vielen Touristen dort) sehr gut gefallen, speziell die nicht so frequentierten Plätzchen. Apotheken habe ich einige gesehen … und mich sehr gewundert, wie das wohl logistisch funktioniert. Ob die wohl auch 2x tägliche Lieferungen haben? Schon möglich, immerhin haben sie auch einmal täglich Müllabfuhr (die haben wir gesehen). Funktioniert einfach anders: viel auf dem Wasserweg und der Rest zu Fuss. Venedig ist eine Stadt für Fussgänger.

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gruseliges Halloween allerseits!

apohalloween8web

… Ich würde das öffnen können (ist ja keine Lament Configuration), aber bei einem Cenobite gehe ich lieber kein Risiko ein. (Wer die nicht kennt: das sind Figuren aus dem Horrorbuch The Hellbound Heart und den Hellriser Filmen, von Clive Barker)

Mehr gruseliges zu Halloween bei Pharmama:

Dieses und viele Cartoons mehr findet ihr in meinem Buch: „Einmal täglich“!