Kleine Gesundheitsdurchsage:
Ventolin Asthmaspray ist nicht dafür gedacht, dass man es vor dem Joint benutzt um ein „besseres High“ zu bekommen!
Kleine Gesundheitsdurchsage:
Ventolin Asthmaspray ist nicht dafür gedacht, dass man es vor dem Joint benutzt um ein „besseres High“ zu bekommen!
Samstag war … Samstag. Ein etwas seltsamer Samstag allerdings. Vor allem viel mehr Leute, die etwas rezeptpflichtiges haben wollten, ohne dass sie (im Moment zumindest) ein Rezept dafür haben. Manches davon kam mit einer begreiflichen Erklärung und war für etwas, wo es Sinn machte … anderes eher nicht. Entscheidungen, Entscheidungen.
Und nicht alle waren mit dem negativen Bescheid, dass das noch warten kann zufrieden.
Aber es hat mich dazu animiert, mal eine Liste aufzustellen, was ich schon alles als Erklärung gehört habe. Die (sorry) abstrusesten Erklärungen und Ausreden bekommt man meist von Medikamenten zu hören, die das Potential haben abhängig zu machen. Meist genau aus dem Grund: weil die Leute abhängig davon sind.
Gründe, warum Sie einen Vorbezug für ihr Beruhigungs-/Schlafmittel brauchen:
Sie haben es verloren.
Jemand hat es Ihnen gestohlen.
Ihr eigenes Kind hat es gestohlen. (derartiges hört man nie von anderen Medikamenten).
Sie gehen in die Ferien, wo es das nicht gibt.
Sie trauen den Medikamenten im Ferienland nicht, sonst würden Sie sie dort kaufen, dort sind sie ohne Rezept und erst noch günstiger.
Sie haben es im Tram/Flugzeug/Taxi/Restaurant liegen lassen.
Weil Sie es sowieso selber zahlen. (Das macht gar keinen Unterschied)
Weil demnächst Pfingsten/Ostern/Weihnachten/Ramadan ist.
Weil Sie gerade eben schlechte Nachrichten bekommen haben und es wirklich, wirklich brauchen.
Weil „das geht Sie gar nichts an“ als Begründung ausreichen sollte.
Weil, obwohl der Arzt aufgeschrieben hat, sie sollen EINES pro Tag nehmen, Sie zwei nehmen, denn ZWEI müssen besser sein. Mehr ist immer besser, nicht?
Weil ich Ihnen das geben muss, weil Sie Sich sonst bei meinen Vorgesetzten/ Arbeitgeber beklagen.
Weil der Arzt gesagt habe, das sei okay. (Das glaube ich, sobald der Arzt mir das sagt. Meist mit einem Rezept).
Weil der Arzt, (der nicht erreicht werden kann) gesagt hat, das sei okay und ich muss Sie einfach beim Wort nehmen.
Weil Sie gerne etwas Vorrat zuhause haben – für den Fall, dass es nächsten Monat nicht mehr erhältlich ist.
Sie brauchen sie eigentlich gar nicht, Sie wollen einfach nicht noch einmal herkommen müssen nächste Woche.
Es ist Ihnen ausgegangen, weil Sie es mit ihrem Partner geteilt haben
Der Hund hat den Rest der Tabletten gefressen.
Weil Sie mit irgendeiner einigermassen glaubhaften Erklärung aufwarten müssen – auch ihnen selber gegenüber, weil Sie Sich nicht zugeben können, dass auch Sie davon abhängig geworden sind.
Die Geschichte ist schon ein paar Jahre her, aber trotzdem wert erzählt zu werden.
Es geht um ein gefälschtes Rezept und einen offenbar heilsamen Schreck. Allzu viele gefälschte Rezepte habe ich in meiner Laufbahn noch nicht zu sehen bekommen, aber an dieses erinnere ich mich gut. Und auch an die Umstände: das war eine wirklich unangenehme Situation.
Denn die Frau, die uns das gefälschte Rezept für Xanax gegeben hat, war schon seit Jahren Kundin bei uns. Und ich weiss bei ihr sogar, warum sie das Medikament bekommen hat. Sie ist in den frühen 50ern und hat vor kurzem ihren Sohn verloren – er hat sich mit einer Armeepistole erschossen … und sie hat ihn gefunden. Sie ging dann zum Psychiater, der ihr eine Menge Antidepressiva und Mittel gegen Panikanfälle aufgeschrieben hat.
Es wurde irgendwann ziemlich deutlich, dass sie anfing mehr zu nehmen, als die vom Arzt aufgeschriebene Dosis – das merkt man daran, dass die Abstände beim Bezug immer kürzer wurden.
Und dann kam also der Tag, an dem sie uns ein Rezept gab für Xanax 2mg – bisher hat sie immer 1mg verschrieben bekommen … und uns sagte, sie würde es bezahlen, wir sollten es nicht über die Versicherung nehmen. Das Rezept sah ungewöhnlich aus für den Arzt – eine neue Dosierung … und sie war wieder zu früh dran, also rief man rasch in der Praxis an und fand heraus, dass sie im letzten Monat nicht dort gewesen war … und sie dort das Rezept nicht ausgestellt haben.
Das wäre eigentlich ein Grund für eine Strafanzeige, denn ein Rezept zu fälschen ist illegal. Es kann bestraft werden mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe.
Aber will ich das wirklich? Vor allem bei ihr?
Stattdessen habe ich mit ihr geredet und ihr die Situation sehr deutlich gemacht. Grundsätzlich habe ich ihr gesagt, ich verstehe, dass sie eine schwere Zeit durchmache, dass es aber hochgradig illegal ist, was sie da gemacht hat … und dass, falls das wieder vorkommt, sie eine Anzeige bekommt, ich aber hier darauf verzichte.
Sie hat verstanden.
Dann habe ich nochmals dem Arzt angerufen, der sich einverstanden erklärte auch keine Anzeige zu machen und versprach das in den nächsten Sitzungen zu Rede zu bringen und ihr zu helfen.
…
Ein Jahr später … und es geht ihr erstaunlich gut.
Nach dieser für sie erschreckenden Erfahrung bei uns hat sie sich geschworen von ihren Medikamenten runterzukommen … und das hat sie. Sie hat die Beruhigungsmittel mit Hilfe des Arztes stetig abgebaut. Und sie hat daneben angefangen mehr auf ihre Ernährung zu achten und tatsächlich wieder etwas Sport z machen … mit dem Ergebnis, dass man sogar ihre Cholesterinmittel absetzen konnte und bei ihrem Blutdruckmedikament die Dosis verringern konnte.
Manchmal kann auch etwas Gutes aus dummen Handlungen kommen.
Die rüstige Frau um die 60 kommt in die Apotheke und verlangt von mir 2 Fläschchen Codeinhaltige Hustentropfen.
„Ist es für Sie selber?“
„Nein, ich soll das meiner Freundin mitbringen.“
Das kann so sein oder nicht. Ich glaube es jetzt mal. Sie selber sieht nicht wirklich so aus, als ob sie regelmässig das holen würde.
Pharmama: „Haben Sie eine Ahnung, was für eine Art Husten ihre Freundin hat?“
„Nein, sie hat mir nur gesagt ich soll ihr das mitbringen“
„Ich kann Ihnen ein Fläschchen geben. Es ist aber nur für trockenen Husten gedacht – könnten Sie das ihrer Freundin deutlich sagen?“
„Sie hat aber gesagt ich soll 2 Flaschen mitbringen.“
Ja, das hat sie sicher. Ich finde es immer wieder spannend, wenn man andere Leute vorschickt, um Medikamente zu holen – speziell, wenn die nicht wissen, für was die Mittel sind.
„Ich kann ihnen nur eine geben.“ Ich stelle ihr das Fläschchen auf die Theke.
„Aber warum? Ist ja nicht so, als ob man damit etwas dummes machen könnte!“
Sagt sie.
„Und ich könnte auch einfach in eine andere Apotheke gehen und es dort kaufen!“
Dass ich das von ihr hören muss!
Ich ziehe die Augenbraue hoch. Soll sie doch merken, was ich von der Aussage halte.
„Wir verkaufen nur eine Flasche pro Person, weil das gerne missbraucht wird – und weil man, wenn der Husten länger dauert, das auch mal vom Arzt anklären lassen soll. Es könnte ja auch eine Lungenetzündung geben und ähnliches.“
„Missbrauchen? Weshalb?“
Sie ist wirklich fast amüsant ahnungslos. Und ich stehe jetzt vor einem kleinen Dilemma. Wieviel soll ich ihr darüber erzählen?
„Ich soll ihnen erzählen, was passiert?“
„Ja?“
„Nun, dieses Mittel enthält Codein – ein Hustendämpfer. Ein Teil davon wird aber, wenn man es nimmt, im Körper umgewandelt in Morphium – das sagt ihnen etwas? …Dementsprechend macht es ein Hochgefühl – und Abhängig. Es ist nicht ungefährlich, es dämpft in den hohen Dosen nicht nur den Husten, sondern die Atmung selber.“
„Und da gibt es Leute, die das so trinken?!?“
„JA.“
„Oh. Das wusste ich nicht. Geben sie mir das eine Fläschchen – ich sage das meiner Freundin.“
Sie hat das tatsächlich begriffen. Cool.
Wobei ich ja noch interessiert wäre, wie das Gespräch mit der Freundin nachher gelaufen ist. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass die das Mittel missbraucht.
…
Das ist ein Unsinn, den es so zumindest in Deutschland nicht gibt: Dauerrezepte für Benzos. Benzodiazepine haben sicher ihre Berechtigung, aber wenn ich so was sehe, dann nerve ich mich:
Zur Erinnerung. Bei Seresta steht im Arzneimittelbuch und in der Packungsbeilage folgende Einsatzgebiete:
Symptomatische Behandlung von Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen. Zusatzbehandlung von Angstzuständen bei Depressionen.
Kurzzeitbehandlung von angst- und spannungsbedingten Schlafstörungen.
Seresta/Seresta forte ist bei Alkoholikern zur Behandlung von akuten Entzugserscheinungen wie Tremor und Angstzuständen geeignet.
und unter Dauer der Anwendung:
Die Behandlungsdauer ist so kurz als möglich zu wählen und sollte im Allgemeinen einen Zeitraum von 2–3 Monaten nicht überschreiten.
Im Falle einer Langzeittherapie sollte regelmässig die Notwendigkeit einer Weiterführung der Behandlung abgeklärt werden.
Es ist ein hochgradig abhängig machendes Beruhigungs- und Schlafmittel. Der Arzt verschreibt ihr das schon seit langem so. Am liebsten hätte er ja Jahresrezepte ausgestellt – das zumindest hat er eingestellt, nachdem ich ihm einmal mitgeteilt habe, dass das für Bezodiazepine – die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen – nicht geht. 6 Monate ist das Maximum dafür.
Die Patientin ist ein herziges älteres Fraueli, der ich nicht wirklich einen Vorwurf machen kann und will. Sie ist ganz sicher nicht Alkoholikerin. Und ich halte ihr sehr zugute, dass sie zumindest bisher nicht angefangen hat eigenständig die Dosierung zu steigern.
Trotzdem: an dem Rezept ist in meinen Augen so einiges nicht okay:
Ein Kardiologe verschreibt also Schlafmittel. Regelmässig. Behandlungsgrund: Krankheit (heisst was genau?). Zu nehmen bis auf weiteres … Nö, ein Abbau ist da nicht geplant. Wieso auch? Geht ihr ja gut mit, oder?
Grummel.
Ich habe eine längere Diskussion wegen dem abgelaufenen Rezept für ein Beruhigungsmittel bei einer Frau, mit der wir schon diverse Probleme hatten …
Pharmama: „Nein, für ein neues Rezept müssen Sie erst einen Termin beim Arzt machen und eines verlangen. Vorher können wir Ihnen das Medikamente nicht geben.“
Später am Tag ruft sie an:
Frau: „Sie können mir das Medikamente jetzt geben, ich habe einen Termin mit dem Arzt abgemacht!“
Pharmama: „Das ist gut, aber Sie müssen ihren Arzt wirklich sehen und ihn dazu bringen ein Rezept auszustellen. Den Termin zu machen allein reicht nicht …“
…
herziger Versuch.
