Medikamenteneinnahme: Vor, zum oder nach dem Essen?

Allgemein gültige Richtlinien, ob Medikamente am besten vor, nach oder zum Essen eingenommen werden sollen, gibt es nicht. Tatsache ist aber, dass die gleichzeitige Aufnahme von Speisen und Getränken für die Wirkung von Medikamenten eine wichtige Rolle spielt. Denn Nahrung beeinflusst nicht nur den Zeitpunkt des Wirkungseintritts, sondern auch die Menge und Verfügbarkeit des Wirkstoffs in der Blutbahn..

Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme kann die Wirkung des Arzneimittels verlangsamen, beschleunigen, verstärken oder vermindern. Auch Nebenwirkungen können in bestimmten Fällen stärker oder schwächer auftreten. Wichtig ist, das Arzneimittel in regelmässigen Zeitabständen einzunehmen – nur so ist eine ausgeglichene Konzentration im Blut gewährleistet.

Auf den Beipackzetteln finden sich die Hinweise, wann die Medikamente eingenommen werden sollen.

„Einnahme vor dem Essen“ die Arznei sollte 60 bis 30 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen werden.

„Einnahme während des Essens“ bedeutet, Einnahme innerhalb von fünf Minuten nach der Mahlzeit.

„Einnahme nach dem Essen“: zwischen Mahlzeit und Einnahme sollte ein Abstand von 30 bis 60 Minuten liegen.

„Einnahme nüchtern“: entweder 1 Stunde vor oder aber 2 Stunden nach dem Essen.

„unabhängig von einer Mahlzeit“: Die Kapseln, Tabletten oder Dragees müssen zu keinem festen Zeitpunkt eingenommen werden. Die Einnahme kann entweder nach dem Essen, zum Essen oder vor dem Essen erfolgen.

Medikamente sollten immer mit ausreichend Flüssigkeit, am besten reinem Wasser, eingenommen werden.

Warum man Medikamente nicht mit Grapefruitsaft, Milch, Kaffee oder Alkohol nehmen soll, sieht man, wenn man auf die Links klickt.

Übrigens: wer will, dass sein Schmerzmittel superschnell wirkt, sollte hier schauen, wie das geht.

Citrate in Limonade etc. und Medikamente

Teil 7 der Reihe Wechselwirkungen zwischen Nahrungs- und Genussmitteln und Medikamenten. Heute: Citrate

Limonaden, Obstsäfte, Wein, Brausetabletten enthalten Salze der Zitronensäure, so genannte Citrate. Schluckt man damit Medikamente, die Aluminiumsalze enthalten (z. B. die Antacida Riopan, Alucol), kann die
Aluminiumkonzentration im Blut ansteigen.

Mögliche Symptome: Anämie, Verwirrung, Krampfanfälle bis hin zum Koma. Aluminium steht außerdem im Verdacht, die Alzheimer Krankheit zu begünstigen.

Soviel zur Theorie. In der Praxis ist das eine Frage der Dosis: Wer nimmt Mittel gegen Magensäure und trinkt dann sofort viel Limonade? Kurzfristig sollte das kein Problem sein.
Aufpassen müssen höchstens Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Kinder. Die sollten das nicht gleichzeitig einnehmen – ein Abstand bei der Einnahme löst auch hier das Problem.

… Mal abgesehen davon, dass Brausetabletten oder Kohlesäurehaltige Getränke sowieso nicht gut sind bei Magenbrennen und übersäuertem Magen.

Milchprodukte, polyvalente Kationen und Medikamente

Nun also – wie gewünscht – Teil 5 der Reihe Wechselwirkungen zwischen Nahrungs- und Genussmitteln und Medikamenten

Zuerst ein bisschen Chemie: Polyvalente Kationen nennt man die mehrfach positiv geladenen Teilchen zu denen Calcium, Eisen, Aluminium, Magnesium oder auch Zink in Lösung werden: Ca++, Mg++, Fe++ oder Fe+++ etc.
Diese Kationen sind Bestandteil von Antacida sowie Mineralstoffpräparaten und werden häufig im Rahmen der Selbstmedikation erworben oder ärztlich verordnet.

Calciumsalze finden sich in etlichen Multivitamin- und Monopräparate, auf Rezept zur Osteoporoseprophylaxe. (Calcimagon, Calcium Sandoz, Calperos ..)
Eisenpräparate sind bei Eisenmangelzuständen indiziert, beispielsweise während oder gegen Ende der Schwangerschaft. (Maltofer, Tardyferon, Ferrosanol…)
Magnesiumpräparate dienen bei Magnesiummangelzuständen als Ersatz. In der Selbstmedikation werden sie häufig gegen nächtliche Wadenkrämpfe eingenommen. (Magnesium Biomed, Magnesium Diasporal, Mag2 …)
Präparate mit Zink sind indiziert bei Zinkmangelzuständen; (Redoxon mit Zink, Zinkvital…) Zink findet sich zudem in vielen Multivitaminpräparaten.
In Antacida sind neben Magnesiumionen auch Aluminium und Calcium enthalten. (Rennie, Alucol, Riopan,…)

Ausserdem muss man daran denken, dass auch Nahrungsmittel diese polyvalenten Kationen in grösseren Mengen enthalten können, z.B. das in Milch und Milchprodukten (Käse, Yoghurt, Quark) enthaltene Calcium. Oder calcium- und magnesiumreichen Mineralwässer.

Was alle diese polyvalenten Kationen machen ist, dass sie im Magen zusammen mit den Wirkstoffen in manchen Medikamenten Verbindungen eingehen, die schwer löslich sind. Und diese können danach nicht oder nur wenig in den Körper aufgenommen werden. Daraus folgt eine Wirkverminderung bis Wirkungsverlust.

Deshalb:
Abstand von 2 Stunden einhalten zwischen der Einnahme dieser Kationen- sei es in Medikamenten oder Nahrungsmitteln und:

  • Schilddrüsenhormone: Levothyroxin (Euthyrox, Eltroxin, Novothyral, Tirosynt)
  • Gyrasehemmer- Antibiotika (Ciprofloxacin, Norfloxacin)
  • Tetracyclin-Antibiotika (Doxycyclin, Minocyclin)
  • Bisphosphonate (Osteoporosemittel) wie Alendronat (Alendron, Fosamax) oder Etidronat (Bonviva)

Bei den Antacida (den Mitteln gegen Magenübersäuerung) wie Rennie, Riopan, Alucol etc sollte man sicherheitshalber diesen 2 Stunden Einnahme-Abstand auch mit anderen Medikamenten einhalten, da man hier nicht nur das Problem der Komplexbildung mit den Kationen hat, sondern wegen der Magensäureneutralisation auch eine Veränderung des pHs und damit verbunden eine eventuelle Veränderung der Wirkstoffaufnahme – meist auch eine Verschlechterung.

Übrigens: Bei den Tetracyclinen gibt es grosse Unterschiede wie sie durch die gleichzeitige Einnahme von Milch beeinflusst werden. Bei Doxyzyklin, Minozyklin haben wir eine bis ca. 30% verminderte Serumkonzentration – Aber: andere Tetracycline, die in der CH nicht im Handel sind, werden mehr beeinflusst: bis 70% Verminderung.

Der Grund liegt darin, dass Doxycyclin ist verhältnismässig gut lipidlöslich, darum scheint die Substanz auch als Calciumkomplex durch die Membranen zu diffundieren und aufgenommen zu werden.

Bei einigen Doxycyclin-haltigen Spezialitäten wird die Einnahme mit Milch zur Reduktion möglicher Magenbeschwerden empfohlen. Da frage ich mich, ob es nicht besser wäre, das Antibiotikum statt mit Milch einfach während dem Essen zu nehmen? Das sollte gegen eventuelle Magenbeschwerden genauso gut helfen und nicht so problematisch sein wegen den polyvalenten Kationen wie in der Milch.

Die Namen in den Klammern sind die in der CH zugelassenen Medikamente – es handelt sich um eine Auswahl, es gibt noch mehr mit den Wirkstoffen. Die Liste erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Alkohol und Medikamente

Teil 4 der Reihe: Wechselwirkungen zwischen Nahrungs-/Genussmitteln und Medikamenten:

Dass man Medikamente nicht mit Alkohol zusammen nehmen soll, ist bekannt. Auf der sicheren Seite trinkt man am besten gar keinen Alkohol. Wobei: 1 Glas Wein pro Tag liegt bei den meisten Medikamenten trotzdem drin. Aber nicht mehr! Zur Sicherheit fragt man besser nach.

Alkohol dämpft das ZNS (Zentralnervensystem) und verstärkt alle ZNS aktiven Medikamente. Außerdem können alkoholische Getränke den Abbau von Medikamenten hemmen: während der Körper dabei ist, den Alkohol abzubauen, bleiben andere Wirkstoffe länger im Körper und wirken stärker / länger.

Wirkverstärkung / Wirkungsverlängerung bei:

  • Antidepressiva
  • Beruhigungsmittel, Tranquillizer
  • Barbiturate (Antiepileptika)
  • Schlafmittel: Chloralhydrat, Benzodiazepine …
  • Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen)
  • Diabetes Medikamente wie Metformin (hier ist auch eine Wirkverminderung möglich)
  • Insulin

Ausserdem: Alkohol macht eine Gefässerweiterung, darum kann es in Kombination zu Blutdruckabfall bis Kreislaufkollaps kommen bei:

  • Blutdruckmitteln
  • Mittel gegen Herz-Rhythmusstörungen
  • Durchblutungsfördernde Mittel

Medikamente, die in Kombination mit Alkohol den Magen, sowie den Darm reizen können:

  • Schmerzmittel
  • Kaliumsalze
  • Eisenpräparate

Medikamente, deren Wirkung durch chronischen Alkoholkonsum vermindert werden können:

  • Beruhigungsmittel
  • Schlafmittel
  • Blutgerinnungshemmende Medikamente

Und dann gibt es noch ein paar Medikamente, die sich überhaupt nicht mit Alkohol vertragen. Bei diesen kann einem schon bei einem Glas Bier oder Wein übel werden:

  • Disulfiram (Antabus) – hier nutzt man den Effekt auch zum Alkoholentzug
  • Das Antibiotikum Metronidazol (Flagyl, Arilin, Metrolag)
  • Das Antibiotikum Trimethorprim (wie in Bactrim, Cotrim, Nopil, Cotrimoxazol)

Nikotin und Medikamente

Teil 3 in der Reihe: Wechselwirkungen von Medikamenten mit Nahrungs- und Genussmitteln: das Nikotin, respektive das Rauchen.

Ich lasse mich hier jetzt nicht über die schädlichen Wirkungen vom Rauchen und die suchterzeugende Wirkung des Nikotins aus, sondern möchte auf die Gefahren hinweisen, die in Kombination mit Medikamenten auftreten.

Rauchen und Nicotin (wie in den Nikotinersatzpräparaten Nicotinell und Nicorette) induziert das Isoenzym Cytochrom P450 1A2 (CYP1A2). Durch die erhöhte Aktivität des Leberenzyms werden Arzneistoffe, die überwiegend über CYP1A2 verstoffwechselt werden, beschleunigt eliminiert, was zu einem klinisch relevanten Wirkungsverlust führen kann.

Besonders betroffen sind Wirkstoffe wie

  • Theophyllin (Unifyl cont, Euphyllin)
  • Tacrin
  • Clozapin (Clopin, Leponex)

Ebenfalls beeinflusst werden u.a.

  • Propranolol (Inderal)
  • Clomipramin (Anafranil)
  • Imipramin (Tofranil)
  • Olanzapin (Zyprexa)
  • Fluvoxamin (FloxEx, Floxyfral)
  • Flecainid (Tambucor)
  • Pentazocin

Zur Vermeidung der Wechselwirkung sollte auf den Genuss von Zigaretten und anderen Tabakprodukten verzichtet werden. Gegebenenfalls (z.B. im Rahmen einer Raucherentwöhnungstherapie mit nikotinhaltigen Präparaten: Nicotinell, Nicorette) muss die Dosis der gleichzeitig verabreichten Arzneistoffe angepasst werden – nach oben, ansonsten kann es sein, dass sie nicht so wirken, wie sie sollen.

Die Namen in den Klammern sind die in der CH zugelassenen Medikamente – es handelt sich um eine Auswahl, es gibt noch mehr mit den Wirkstoffen. Die Liste erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Mein Essen zahle ich selbst!

Was etwas seltsam tönt, ist eine Organisation, die den Einfluss der Pharmafirmen auf die Verschreibungsmethodik der Ärzte dämpfen will: MEZIS
Die Ärzte sollen sich von den Pharmavertretern nicht mehr zum Essen ausführen lassen oder Gutscheine, Geschenke, Ärztemuster von Medikamenten und ähnliches annehmen. Am besten sollen sie ganz auf den Besuch der Vertreter verzichten und ihre Informationen aus unabhängigen Quellen einholen.

Es ist nämlich schon so: Wir (alle) sind konditioniert, dass Geschenke und derartiges bei uns einen Gegenreflex auslösen, so dass wir versuchen etwas zurückzugeben. Das ist derart in uns drin, da kommen wir gar nicht drum rum.
Ausserdem versuchen die Vertreter eine persönliche Beziehung mit den Ärzten aufzubauen, das fördert ebenfalls später, dass ihre Produkte vermehrt verschrieben werden.

Ich möchte hier nicht behaupten, dass in der Apotheke nicht auch ähnliche Mechanismen ablaufen. Auch wir bekommen Besuch von Vertretern, auch wir bekommen „Verkaufsunterstützung“, Muster, Ansichtsexemplare, Degustationssets, Plakate, ausserdem Kugelschreiber, Schokolade an Weihnachten etc. manche gehen sogar so weit einem Ausflüge anzubieten oder Kinobesuche– natürlich in Kombination mit einer Weiterbildung (hust).
Apropos Weiterbildung: da sind ja auch die professionellen meist gesponsert von den Pharmafirmen, mal ganz davon abgesehen, dass die Fachliteratur von den Inseraten derselben lebt…

Aber im Unterschied zu den Ärzten können bei uns immer noch die Kunden selbst entscheiden, ob sie ein Produkt brauchen – und kaufen. Das ist bei rezeptpflichtigen Medikamenten nicht so gut möglich, da muss man sich auf das Wissen und die Erfahrung des verschreibenden Arztes verlassen.
In seinem Ermessen liegt es zum Beispiel, ob er bei einem Magengeschwür als Säurehemmer das alte (bewährte) Omeprazol oder das neue (und teurere) Nexium aufgeschrieben wird, obwohl beides die gleiche Wirkung hat …

Ja, da können sich schon eine Menge Kugelschreiber ansammeln … Bildquelle.

Was meint ihr: Ist das übertrieben? Oder eine logische Notwendigkeit als Schutz vor der Beeinflussung durch die „bösen Pharmafirmen“? Ich würde mich als Arzt / Apotheker nie so beeinflussen lassen?