Pech ist es, wenn genau das Medikament, das man sonst nur etwa 1 x alle 6 Monate braucht, genau 5 Minuten vor der Kundin schon verkauft wurde.
„Oh, Tut mir leid, wir bekommen heute Mittag wieder eine Packung.“
Pech ist es, wenn genau das Medikament, das man sonst nur etwa 1 x alle 6 Monate braucht, genau 5 Minuten vor der Kundin schon verkauft wurde.
„Oh, Tut mir leid, wir bekommen heute Mittag wieder eine Packung.“
Die Frau kommt mit einem Rezept für Ventolin. Während sie wartet atmet sie schwer und hustet quer durch die ganze Apotheke und zieht damit viel Aufmerksamkeit auf sich, von Angestellten und Kunden.
Ich beeile mich.
Sie sagt: „Ich brauche das jetzt ganz dringend! Zeigen Sie mir rasch, wie man das anwendet!“
Also stelle ich ihr Ventolin vor sie, hole das Demo Gerät und zeige ihr wie das geht: Schütteln, Deckel ab, ausatmen, ansetzen, gleichzeitig drücken und einatmen …
Die Frau greift sich das DemoGerät, inhaliert und … ihr scheint es sofort besser zu gehen! Kein Husten mehr, kein Keuchen, sie atmet auf ….
Alle schauen sie an.
Pharmama: „Äh, das war nur das Demogerät, ich habe ihr Ventolin noch gar nicht aufgemacht.“
Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war unbeschreiblich.
Im Demogerät hat es keinen Wirkstoff drin, es sprüht aber wie das Original.
Pharmama zum Kunden: „Das ist eine Creme – für die die äusserliche Anwendung.“
Kunde: „Ja, soll ich jetzt jedes Mal nach draussen gehen um sie aufzutragen?“
…
Älterer Mann kommt in die Apotheke, mitten in eine sehr turbulente Zeit. Er quetscht sich an ein, zwei anderen Kunden vorbei und verlangt lautstark „die Medikamente von meinem Dauerrezept“.
Die Pharmaassistentin nimmt sich ihm an, fragt nach dem Namen und schaut. Und schaut. Dann kommt sie zu mir.
„Ich kann nirgendwo etwas finden. Kannst Du ihn nehmen?“
Ich rieche ein Problem.
Ich frage noch mal, ob wir den Namen richtig haben. Nichts im Computer. Ich suche auf alle möglichen Arten.
Er beharrt darauf, dass er immer die Medikamente bei uns holen kommt und fängt an uns als unfähig, unsorgfältig und desorganisiert zu bezeichnen und dass wir ihn kennen müssten. Die anderen Kunden fangen an zu schauen, er legt noch einen drauf und zückt die „ohne die Tabletten sterbe ich“-Karte.
Ich versuche etwas anderes und frage ihn, wann er denn in etwa das letzte Mal bei uns gewesen ist.
Jedenfalls … kommt dann schliesslich heraus, dass er gar nicht Kunde von uns ist. Im Normalfall holt immer seine Frau seine Medikamente – und sie tut das in der Nachbarapotheke.
Er hat sich nicht entschuldigt.
Es ist Freitag abend, 4 Minuten vor Ladenschluss – 4 Minuten vor meinen Ferien, denn am nächsten Tag fliegen wir – da kommt in die Apotheke eine jüngere Frau.
„Ich hätte da eine etwas …perverse Frage“ meint sie
„Na dann mal los!“ sage ich und lächle aufmunternd, während ich sie etwas auf die Seite nehme. Eigentlich unnötig, es ist niemand mehr in der Apotheke.
Frau: „Ich brauche ein Verhütungsmittel, aber keine Kondome. Was gibt es da?“
Also fange ich mal an aufzuzählen und zu erklären: … Pille, Pflaster, Ring, Implantat, Spirale … ferner Diaphragma, Femidom … Für die meisten – die hormonhaltigen – muss sie aber erst mal zum Frauenarzt.
Frau: „Ugh, dafür habe ich keine Zeit …“
Pharmama: „Na, dann gäbe es da noch die Sprechstunde der Frauenklinik vom Spital …“
Frau: „Und die Pille danach?“
Pharmama: „Ja, die bekommen Sie in der Schweiz in der Apotheke …. danach. Ausserdem ist das nicht zur normalenVerhütung gedacht.“
Frau: „Ich brauche jetzt gleich etwas, wir fliegen Morgen in die Ferien.
…
„Wie schnell wirken denn die Sachen?“
Pharmama: „Nun, die Hormonhaltigen brauchen nach Beginn etwa 7 Tage …“
Frau: „Das dauert alles zu lange!“
Pharmama: „Was spricht denn gegen die Kondome?“
Druckst sie etwas herum: „… mein Freund. Er mag sie nicht.“
… ich schaue sie nur an.
Frau: „Und morgen gehen wir in die Ferien! Hätten Sie mir nicht irgendwas?“
Pharmama: „Ich kann ihnen nicht einfach so irgendeine Pille geben. Das braucht beim ersten Mal eine Abklärung mit dem Frauenarzt … und selbst wenn, bis sie wirkt ….“
Frau: „Nun, ich hatte schon einmal vor Jahren die Pille, aber dann habe ich deswegen so zugenommen, dass ich sie wieder abgesetzt habe. Die will ich nicht mehr.“
….
Ich hatte nichts für sie. Ich versuchte ihr nochmals die Kondome schmackhaft zu machen – das ist wirklich so ziemlich das einzige „Instant“-Verhütungsmittel, inzwischen gibt es auch Latexfreie, falls das ein Problem wäre oder verschiedene Grössen … Sie wollte nicht. Meine „guten Ratschläge“ sonst habe ich für mich behalten. Ich bin sicher, das hätte sie nicht hören wollen:
Sie könnte natürlich ihrem Freund auch sagen, sie können gerne auf Kondome verzichten in den Ferien … wenn er dann später für das Baby aufkommt …
Und ich habe auch nicht gesagt, dass es geschickter gewesen wäre, wenn sie etwas früher einen Gedanken an die Verhütung verschwendet hätte. Jetzt ist es *etwas* spät.
Apropos spät … Zeit zum schliessen.
Ich hoffe, die sehe ich morgen nicht am Flugplatz :-)
Ich habe langsam wirklich Übung darin, Leute zu verarzten, die mit einer Wunde zu mir kommen. Mir macht auch Blut und derartiges nichts aus. In den letzten Wochen hatten wir wieder vermehrt solche, die gestürzt sind und sich etwas geschürft/aufgeschlagen/aufgeplatzt haben.
Dann gibt es solche, die mit eher ungewöhnlichem kommen – ja, man kann sich beim Inhalieren mit heissem Wasser tatsächlich das Gesicht verbrennen. Dampf enthält viel Energie und wenn man zu nahe ran geht … die Person hatte im ganzen Gesicht eine Verbrennung ersten Grades – analog einem Sonnenbrand. Autsch.
Aber es gab noch mehr (wann nicht?):
Zur Frage: „Sieht das normal aus?“
– Nein, ihr Arm ist bedeckt von einer Pilzinfektion. Schmieren sie da Canesten, Pevaryl, Lamisal oder was sie an Antipilzcreme finden können darauf. Wenn es damit nicht besser wird innert 1 Woche – zum Arzt.
– Nein, das ist Eiter, was da aus ihrem Auge kommt. Ihr nächster Stop sollte der Augenarzt sein.
– Nein, das sieht aus wie eine üble Verbrennung auf ihrem Bein. Ich kann schon fast Brathühnchen riechen.
– Nein, der Schnitt geht durch bis auf den Knochen – das braucht wahrscheinlich einen Stich oder zwei – gehen Sie in den Notfall.
… Triage ist die Abklärung, was zum Arzt gehört und wo man noch selbst behandeln kann. *Das* sind die Extremfälle – aber eigentlich machen wir das tagtäglich.
