Generika-Substitution und Ärzte-Information. Eine Frage.

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Eine Frage an meine schweizer Apotheken-Kollegen: Apotheker*innen und auch Pharmaassistent(inn)en. Es geht um den Austausch von Medikamenten durch ihre Generika (oder einen Austausch von Generika untereinander).

Im Krankenversicherungsgesetz (KVG) Artikel 52a steht, dass die Apotheke beim Ersatz eines verschriebenen Medikamentes durch ein Generikum den Arzt informieren muss:

Apotheker oder Apothekerinnen können Originalpräparate der Spezialitätenliste durch die billigeren Generika dieser Liste ersetzen, wenn nicht der Arzt oder die Ärztin beziehungsweise der Chiropraktor oder die Chiropraktorin ausdrücklich die Abgabe des Originalpräparates verlangt. Im Falle einer Substitution informieren sie die verschreibende Person über das abgegebene Präparat.

Wie handhabt Ihr das in der Apotheke? Ich bin davon ausgegangen, dass das bei uns immer noch die Abrechnungsstelle automatisch und gesammelt macht, musste mich aber belehren lassen, dass das seit Anfang 2014 nicht mehr der Fall ist, da sie von den Ärzten eine Menge Reklamationen bekommen haben, respektive Mitteilungen, dass sie nicht mehr benachrichtigt werden wollen (und aus Kostengründen).

Auszug aus der Benachrichtigung der Abrechnungsstelle:

Im Jahr 2013 haben wir zahlreiche Anfragen von Ärzten erhalten, die künftig nicht mehr per Post über die von den Apotheken vorgenommenen Generika-Substitutionen benachrichtigt werden möchten. Auch aus Kostendämpfungs-gründen wird Ofac deshalb ab Januar 2014 die entsprechenden Briefe nicht mehr automatisch an die verschreibenden Ärzte senden.

Über eine Anfrage an (emailadresse der Abrechnungsstelle) welche die genauen Kontaktangaben des/r betreffenden Arztes/Ärzte enthält, kann dieser Service jedoch von Fall zu Fall jederzeit erneut aktiviert werden.

Meldet ihr das noch? Ist das jetzt einfach „üblich“, dass man das allgemein nicht mehr macht? Gab es Reaktionen?

Dass sich die Ärzte über die Informationen nicht gerade freuen, habe ich schon selber erlebt – und darüber geschrieben. Das stammt noch aus der Zeit, als ein Austausch gemeldet wurde. Im neuen Licht sehe ich den Fax, den ich vom Arzt bekommen habe als Reklamation nicht über den Austausch, sondern vielleicht die Information selber.

Inzwischen scheint es so, als haben sich mehr oder weniger alle an den Zustand gewöhnt: also dass nicht mehr informiert wird. Natürlich: den Patienten informieren wir bei einem Austausch … und in Zukunft werde ich die Patienten selber wohl vermehrt bitten, bei Dauerrezepten den Arzt zu informieren, welches Medikament/Generikum er jetzt nimmt. Aber bisher war es so, dass die meisten Ärzte (trotzdem) und Spitäler (sowieso) fröhlich weiter das Original auf das Rezept schreiben.

Nun frage ich mich natürlich auch, ob das dem Arzt einfach egal ist – die meisten sind zwar froh und zufrieden damit, dass wir Generika abgeben, aber ist es ihnen wirklich so egal, welches?

Gesucht wird: Apotheker*in

stellensucheapotheke

Ich bin ja bei mir in der Apotheke in der glücklichen Lage kompetente und langjährige Mit-Apothekerinnen zu haben, so dass ich nun schon länger nicht jemanden neues suchen musste. Aber ich weiss, wie das ist. Der Prozess dafür ist … langwierig und nicht ganz Problemlos. Zuerst erstellt man einen Anforderungskatalog und macht anhand von dem eine Stellenanzeige – man muss ja meistens eine abgehende Stelle ersetzen, oder braucht zur Ergänzung des Teams jemanden. Vielleicht braucht das zusätzliches Wissen oder Ausbildungen? So jemanden gerade passenden zu finden wäre ideal … allerdings ist man meist heute schon damit zufrieden, eine motivierte Apothekerin* zu finden. *Oder Apotheker … der Einfachheit halber verwende ich hier die weibliche Form.

Die Stellenanzeige für die Apothekerin veröffentlicht man online und in Print an den einschlägigen Stellen: das heisst in Fachzeitschriften. Anzeigen in allgemeinen Zeitungen bringen gar nichts … musste ich auch schon auf dem harten Weg feststellen. Man bekommt dann wohl Bewerbungen – nur sind die nicht brauchbar.

Wenn ich eine Apothekerin suche, dann suche ich eine Apothekerin. (Zu) Vielen Leuten scheint immer noch nicht klar zu sein, was das ist. (Wer einen Refresher braucht, schaue hier: Wer arbeitet denn hier alles?) oder vielleicht auch in dem Beschrieb der Berufsberatung. Ich kann nicht verstehen, wie man sich um eine Stelle bewerben kann, wenn man nicht mal weiss, was genau die Voraussetzungen dafür sind.

Die „beste“ Bewerbung (und ja, ich meine das ironisch) bekam ich einmal von einer Raumpflegerin, die in der handgeschriebenen Bewerbung angab einige Jahre in einer Arztpraxis geputzt zu haben … und offensichtlich der Meinung war, dass sie damit genug Kontakt mit einem Gesundheitsberuf hatte, dass ich sie als Apothekerin einstellen könnte?

Aber andere Apotheken haben ähnliche Erfahrungen gemacht:

Auszug aus einer Bewerbung:

ich bewerbe mich auf ihre Anzeige für eine Apothekerin. Ich studiere im ersten Semester Gesundheitsökonomie und würde mir gern als Apothekerin was dazuverdienen.

Oder der hier:

Bewerbung einer Bäckereifachverkäuferin, die meinte, sie hätte nachmittags noch Zeit und würde gern was dazuverdienen als Apothekerin.

Oder der:

Ich hatte mal eine vom Schlecker, die hatte eine Weiterbildung in den „Arzneimitteln“, die die da verkauft haben und wollte auch als Apothekerin bei mir arbeiten!

(Schlecker= grosser Drogeriemarkt in Deutschland).

Die Allgemeinheit weiss immer noch nicht, was einen Apotheker ausmacht. Ansonsten würde man derartiges nicht so oft hören:

„… wie lang geht denn so eine Ausbildung zum Apotheker?“
Apotheker: Das STUDIUM (ja, ich betone das extra) geht 5 Jahre.

Und:

„Studiert? Ich hätte nicht gedacht, dass man ne Ausbildung braucht, wenn man die Päckchen da aus den Schubladen holt!“

Ja. Nur dass die „Päckchen“ Medikamente sind – und als solche keine normalen Konsumgüter. Sie wurden designt (oder besser gefunden, erforscht, studiert und dann hergestellt) um spezifische und direkte Wirkungen auf Funktionen im Körper zu haben und haben deshalb direkte Auswirkungen auf die Gesundheit. Unsachgemässe Anwendung (zum Beispiel nach Anwendung ohne dafür bestehende Indikation oder Überdosierung oder auch Wechselwirkung) kann deshalb auch durchaus negative Auswirkung auf die Gesundheit haben. Deshalb „geben“ wir auch nicht einfach Medikamente ab … wir fragen nach. Wir beraten. Wir müssen viel wissen dahinter. Deshalb die lange Ausbildung bis zur Berufsbezeichnung Apotheker. Und deshalb können wir nicht einfach irgendjemanden hinein stellen, der „Päckchen verkauft“. Das ist ein Beruf, kein Job.

Frage an Euch: Was arbeitet ihr und was für Bewerbungen, die es absolut „nicht getroffen“ haben habt ihr denn schon bekommen oder gesehen?

Apotheken aus aller Welt, 735: Honningsvag, Norwegen

Von der Wärme in die Kälte: gerade festgestellt, dass ich die letzte Apotheke von Stephanies Norwegenreise noch nicht gebracht habe:

Hier nun meine letzte norwegische Apotheke in Honningsvåg. Honningsvåg ist
34 km vom Nordkap entfernt. Leider haben wir es bis zum Nordkap nicht
geschafft, weil die Straßen aufgrund eines Schneesturms gesperrt waren. Aber
eine Apotheke haben wir immerhin auf unserem Spaziergang durch den Ort
entdeckt.

Honningsvag

Am Rande(nsaft)

Am Ende eines laaangen Arbeitstages hatte ich noch diese Kundin:

Kundin (eine Frau jüngeren Alters): „Ich hätte da noch eine Frage. – Was ist in Rote Beete Saft drin?“

Pharmama: „Äh … Rote Beete?“

Kundin: „Ja – was ist das und wofür?“

Pharmama: „Das ist ein Gemüse … ich nehme an, das pressen sie für Saft einfach aus?“

Kundin: „Ah. Und was ist da drin?“

Pharmama: „In Rote Beete?“

Kundin: „Ja – ist da viel Vitamin D drin oder Eisen?“

Pharmama: „Ah, das muss ich nachschauen gehen.“

Ehrlich – keine Ahnung. Für sowas gibt es google und Co.

Also komme ich mit dem Ausdruck aus dem Internet zurück, worauf steht, was da so durchschnittlich enthalten ist.

Pharmama: „Also: Rote Beete – und dementsprechend der Saft daraus enthält relativ viel Kalium und Eisen, dazu B-Vitamine und Folsäure und Flavonoide (das ist das, was die Beete rot macht) – aber Null Vitamin D.“

Kundin: „Kein Vitamin D?“

Pharmama: „Nein. Weshalb fragen Sie denn?“

Kundin: „Nun, meine Freundin hat mir das empfohlen. Wissen Sie, ich bin immer so müde. Gibt es da nichts, das ich nehmen könnte?“

Pharmama: „Nun, es kommt darauf an, weshalb sie müde sind. Möglich ist das schon wegen Vitamin D- oder Eisenmangel. Ernähren Sie sich denn ausgewogen?“

Sie wedelt mit der Hand ab.

Pharmama: „Nun, Vitamin D können Sie versuchen zu nehmen. Das ist allgemein gut – ob das Eisen niedrig ist, dafür würde sich vielleicht ein Bluttest beim Arzt lohnen, wenn das damit nicht besser wird.“

Kundin: „Aber Randensaft hat kein Vitamin D drin?“

Pharmama: „Nein, aber ich habe Tropfen mit Vitamin D, die Sie nehmen könnten …“

Kundin: „Weshalb empfiehlt mir meine Freundin dann Rote Beete-saft?“

Pharmama: „Keine Ahnung.“

Kundin: „Aber Sie haben das?“

Pharmama: „Ja – hier.“ (Zeige ihr die Flasche von Biotta)

Kundin: „Da steht drauf Randensaft.“

Pharmama: „Das ist Rote Beete.“

Kundin: „Ah. Haben sie denn noch irgend einen anderen Saft, den ich nehmen könnte?“

Wohlgemerkt, wir stehen vor dem Regal mit allen Biotta Säften

Pharmama: „Ja – all das hier. Bei Müdigkeit wäre vielleicht der Vita 7 etwas für Sie oder auch Powerberry? Das hat diverse Vitamine und Mineralstoffe, aber auch kein Vitamin D – das ist ein fettlösliches Vitamin, das ist eher nicht in Frucht- und Gemüsesäften.“

Kundin: „Hmm … ich nehme den Rote Beete Saft. Sie sind sicher, dass das Randensaft ist?“

Pharmama: „Ziemlich.“

Sie kauft ihn dann.

Die Empfehlung der Freundlin steht offensichtlich höher als die der Apothekerin, aber das kennen wir ja schon.

Genug für heute!