Unrealistische Werbung

Mir ist schon klar, dass es Werbung braucht, weil das Produkt sonst kaum in der Öffentlichkeit bekannt wird – und dementsprechend auch nicht gekauft. Aber die Werbung dazu betrachte ich sehr kritisch.

Da ist zum Beispiel diese neue Werbung für ein Haarfärbeprodukt mit der Schauspielerin Andie Mc Dowell, bekannt z.B. aus dem Film „Vier Hochzeiten und ein Todesfall). Glaubt irgendjemand ernsthaft, diese Frau färbt sich ihre Haare selbst?? Wohl kaum. Als Schauspielerin geht sie wohl auch mindestens 1x wöchentlich zum Coiffeur oder Hairstylist, auch wenn sie nicht gerade einen Film dreht.

Aber es müssen nicht immer prominente Schauspieler sein. Die meisten Gesichtspflegecremes gegen Falten bedienen sich Models die garantiert noch keine haben. Mal ganz davon abgesehen, dass ich seeehr bezweifle, dass eine von diesen die gezeigte Creme auch nur lange genug benutzt hat, dass sie aus eigener Erfahrung darüber reden könnte (immerhin ist das Produkt ja NEU, oder?). Und die Printwerbung, die wird IMMER geschönt mit dem Computer.

Models für Mittel, die beim Abnehmen helfen, sehen auch nie so aus, als hätten Sie die nötig.

Die Männer in der Werbung für Rasierer und Rasierschaum sind unter dem Schaum immer schon rasiert – sonst könnten die nie die Klinge so rasch über die Haut ziehen, – sagt sogar mein Mann.

Bei Werbung für Putzmittel reicht einmaliges sanftes darüberstreicheln mit dem Waschlappen und schon ist die angebrannteste Kruste und der übelste angesessene Dreck einfach verschwunden und alles glänzt. Ja, klar. Darf ich mir die welche die Werbung gemacht haben, mal einladen, damit sie mir das an meinem Herd oder Grill demonstrieren? Irgendwie klappt das bei mir nämlich nie so leicht.

Ich will damit nicht sagen, dass die beworbenen Produkte nicht wirken. Nur dass die Werbung dafür extrem unrealistisch ist. Und dann ist sie nicht mal lustig, oder ironisch, die meinen das ernst!

Sch…tuhlgang

Dass der Stuhlgang ein wichtiges Thema ist (und je älter der Mensch, desto mehr) stellt man in der Apotheke bald einmal fest. Ich selber achte kaum darauf, ausser wenn ich in den Ferien Durchfall habe und mich frage: woher wohl? Oder während der Schwangerschaft, als ich einmal wirklich furchtbar verstopft war (Eisentabletten sei dank)  – dort konnte ich dann gewisse Probleme besser nachvollziehen.

Es ist gut, wenn man regelmässig und ohne zu drücken und pressen auf die Toilette kann.

Aber: es ist kein Muss, dass man jeden Tag Stuhlgang hat. Ok, ich verstehe ja, dass wenn sie jeden Tag um die gleiche Zeit können, sie das beunruhigt, wenn es mal nicht geht. Aber das ist noch lange keine Verstopfung! Und sicher kein Grund gleich ein Abführmittel zu nehmen.

Eine Verstopfung ist definiert durch 2 Dinge: die Häufigkeit, nämlich weniger als 3 mal pro Woche (oder im Abstand von mehr als 3 Tagen) und die Konsistenz des Stuhls, nämlich hart, knotig.

Die Ursachen sind ziemlich vielfältig, dazu gehören zuwenig trinken, zuwenig Ballaststoffe, zuwenig Bewegung, Bewegungsstörungen des Darms wegen Krankheiten, Medikamenten (z.B. Eisenpräparate, aber auch Antidepressiva und starke Schmerzmittel) sowie psychische Probleme (mit dazugehörendem Stuhl-verhalten) und so weiter.

Es gibt einiges, was man dagegen tun kann. Wo bekannt, kann man gegen die Ursache angehen. Ansonsten gibt es Darmregulierende Mittel mit Ballaststoffen, solche die im Darm Wasser an sich ziehen (entweder auf Zucker – oder Salzbasis), und dann die Abführmittel, die den Darm reizen und so Wasser in den Darm bekommen. Letztere sind die aggressivsten und auch die, die am häufigsten genommen werden, bis zu dem Moment, wo man nicht mehr ohne kann.

Der Kreislauf stellt sich recht schnell ein. Man ist eine dieser Personen, die täglich auf die Toilette gehen. Jetzt geht es einmal nicht. Man nimmt ein Abführmittel – und es klappt. Aber: das Mittel leert den ganzen Darm. Und am nächsten Tag kann man wieder nicht (eigentlich logisch: wo nichts ist, kann auch nichts kommen). Also nimmt man wieder das Abführmittel…. etc. Mit der Zeit will der Darm gar nicht mehr ohne. Er hat sich an die Stimulation gewöhnt. Und schon hat man eine Person, die abhängig ist von Abführmitteln. Du hast keine Ahnung, wie viele das sind. Es hat etwas abgenommen, seit es die 200 er Packung Dulcolax nur noch auf Rezept gibt. Aber ich kann eine Person, die schon lange Abführmittel missbraucht schon an der Hautfarbe erkennen: sie hat einen typischen gelblichen Stich. Mit diesen Leuten zu diskutieren ist auch ziemlich sinnlos.

Das andere Extrem sah ich vor ein paar Wochen. Die Kundin sagte, sie konnte seit 2 Wochen nicht mehr (!). Gar nicht? Gar nicht. Wow. Ob sie Schmerzen habe? (Etwas gebläht sah sie schon aus). Geht so. Ob sie normal isst? Ja. (Nochmal: Leute, die nicht essen, müssen auch nicht auf die Toilette). Ich habe Ihr empfohlen ein Klistier zu machen (das ist ein Flüssigkeitseinlauf in den After) weil sie wohl inzwischen einen steinharten Pfropf hat im Rektum. Und dann soll sie ein Abführmittel nehmen. Wenn das beides nicht hilft, muss Sie ins Spital.

Ich habe ihr nicht gesagt, was sie da machen, aber vermutlich einen grösseren Einlauf und gegebenenfalls „manuell ausräumen“. Das ist genau das, wonach es sich anhört (ugh).

Mein Tag in der Apotheke

… War eigentlich ausgesprochen ruhig. Wir hatten die durchschnittlichen 40 Rezepte, etwa 10% davon zahlten es selbst, der Rest geht via die Krankenkasse.

Es gab den üblichen Kunden, der nicht glauben wollte, dass er ohne aktuelle Krankenkassenkarte das Rezept selbst zahlen muss – und ja, wie sich herausstellte, zu Recht, denn offensichtlich hat er eine Leistungssperre bei der Krankenkasse wegen nicht bezahlter Prämien. Das haben wir herausgefunden, als wir ihm anboten, bei der Krankenkasse selbst anzufragen, etwas, was ich nur dann grad machen lasse, wenn ich Zeit habe, ansonsten ist es Sache des Kunden für den Nachweis zu sorgen.Tja.

Dann war da noch der Jugendliche, der „für seine Mutter“ eine Packung Hustentabletten möchte. Er weiss nicht mehr den Namen „aber die Packung ist rot-weiss“. Ja, klar. Wenn Du Dextromethorphan Tabletten willst, musst Du es woanders probieren! Ich habe ihm erklärt, dass wir die nicht an Jugendliche abgeben und dass seine Mutter, wenn sie die will selbst kommen muss. Ihm kann ich Sirup anbieten …. wollte er (logischerweise) nicht. Sein Kollege draussen vor der Apotheke sah fast so enttäuscht aus wie er, dass er es nicht bekommen hat. Tja.

Und nicht zu vergessen der unbekannte Kunde, dem der Bankomat das Kärtchen eingezogen hat und dem sein Portmone verloren gegangen ist. Er braucht aber unbedingt ein Geschenk für seine Schwester … ob er anschreiben lassen kann? Äääh … nein. Er kann ihr ja einen Gutschein machen, bis er wieder an Geld kommt.

Und das Rezept, das verdächtig nach Fälschung aussah, Ich bezweifle auch, dass der Arzt Anxiolyt als Angxiolyt schreiben würde. Hat er auch nicht …. das war die Praxisasisstentin …

Dann waren da noch 2 Auslieferungen zu machen, 1 Arzt zu telefonieren wegen einer Wechselwirkung, 3 Vorbezüge und ein Kunde, den ich mit Verdacht auf Borreliose nach Zeckenstich zum Arzt geschickt habe etc etc.

Ein normaler Tag in der Apotheke eben.

Selbstmord – ein ernstes Thema

Ich hatte in meinem noch nicht so langen Leben schon ein paar Mal Kontakt mit Selbstmord.

Eine Freundin meiner Mama, selber Mutter 2er damals schon fast erwachsener Kinder, in einer stabilen, wie es schien glücklichen Beziehung, stand eines Nachts aus dem Ehebett auf, ging in den Keller und erhängte sich dort. Ihr Mann fand sie kurz darauf. Ich habe meine Mama noch nie so schnell so bleich werden sehen, als wo sie den Telefonanruf mit der Nachricht bekommen hat.

Und noch nicht sehr lange her kam eine Kundin weinend in die Apotheke und hat mir erzählt, dass ihr erwachsener Sohn, ihr ein und alles, eine Pistole genommen hat und sich in seinem Zimmer das Hirn herausgeblasen hat. Weil er noch bei ihr wohnte, hat sie ihn kurz darauf gefunden. Noch grausamere Details erspare ich mir hier. Sie ist am Boden zerstört.

Weißt Du, was wahre Angst ist? Jemanden zu haben, den man liebt und der einem sagt, er fühle sich so am Boden .. und dann von einem Selbstmord zu hören.

Schau, die Sache mit Selbstmord ist, dass wenn Du in dem Zustand bist, Du nicht durch den Schmerz in dem Du bist hindurch sehen kannst. Der Schmerz ist so scharf, so schneidend und so dunkel, dass alles was Du willst ist, dass er aufhört. Einfach aufhört. Du denkst nicht an all die Leute, die Dich lieben, Du erzählst Dir selbst die Lüge: dass es ihnen gut gehen wird ohne Dich, dass sie weiterfahren werden mit ihrem Leben. Es ist eine Lüge. Es ist nicht wahr! Du kannst nicht wissen, wie Du ihre Leben beeinflusst. Du weißt nicht, was für Wellen das wirft. Es wird das Leben der anderen für immer verändern, so wie es Deines beendet. Es wird! Sie haben nicht darum gebeten, dass es sich ändert, aber die eine Person, die eine kurze Tat, die endgültig ist, kann das Leben vieler, vieler Leute beeinflussen.

Ich soll Dir eine Antwort geben, warum Du es nicht tun sollst? Ich könnte einen Berg Antworten geben. Es gibt Leute die jeden Tag um ihr Leben kämpfen und jemand anderes denkt daran, es zu beenden. Während noch Leben in Dir ist, kann es sein, dass Du die Liebe Deines Lebens findest! Dieser Freund oder diese Freundin, die Dich verlassen haben könnte Dir den besten Gefallen Deines Lebens getan haben. Da gibt es jemanden Besseren gleich hinter der nächsten Ecke, jemand wie gemacht für „Dich“. Dieser Job, den Du hasst und die Schulden, die sich aufgehäuft haben, damit kann man fertig werden. Du kannst den Beruf wechseln, Du kannst die Arbeit wechseln, was soll’s wenn der andere Job weniger Lohn gibt, was soll’s wenn andere Leute Deine Entscheidung nicht verstehen. Mach etwas, das Du gerne tust. Die Schulden – es gibt da draussen auch Hilfe für das. Alles kann geändert werden. Such Dir einen guten Arzt und erkläre ihm, wie Du Dich fühlst. Streck die Hand nach ihnen aus und folge ihren Anweisungen.

Nimm es eine Minute, dann eine Stunde, dann einen Tag, ein Schritt aufs Mal. Da ist eine Welt voll von wunderbaren Möglichkeiten, aber Du wirst es nicht wissen, es sei denn, Du greifst hinaus und fängst an daran zu arbeiten, was diese Gefühle in dir hochgebracht haben.

Mach weiter!

Bedienungsanleitung für Babies

m Internet gefunden: (es gibt noch mehr, aber die beiden fand ich die Besten):

Zum zweiten fällt mir die Frau ein, die in der Apotheke 12 Flaschen von dem Beruhigungssirup für Kleinkinder verlangte. (Ich brauche den Namen nicht zu erwähnen, es gibt ihn inzwischen nicht mehr). Mal abgesehen davon, dass ich sowieso nur 1 Flasche an Lager hatte, versuchte ich sie zu überzeugen, das Kind nicht damit zu behandeln, oder zumindest nicht über längere Zeit. Der Inhaltsstoff von dem Sirup war ein Antihistaminikum, also eigentlich ein Mittel gegen Allergien und Husten, bei dem man hier die Nebenwirkung ausnutzte, nämlich dass es müde macht. Toll, nicht?

Ich begreife schon, dass man als Mutter manchmal froh ist, wenn das Kind schläft oder ruhig ist, aber deshalb würde ich mein Kind jetzt nicht „unter Drogen setzen“.

Und wenn es zu denen gehört, die wirklich Hyperaktiv sind: dafür gibt es bessere Medikamente vom Arzt.

Der weisse Kittel aka Apothekerschurz

Es ist wieder einmal soweit: weisse-Kittel-Bügel-Zeit. Seufz.

Einerseits ist er ja Statussymbol, der weisse Kittel oder Schurz, den die Apotheker tragen, andererseits ist es doch so, dass auch andere medizinisch verwandte Berufe ihn tragen. Die Ärzte natürlich – was manche Kunden dazu veranlasst zu jedem mit weissem Schurz „Doktor“ zu sagen. Die Drogisten tragen auch weiss, bei ihnen ist es aber öfter ein sogenannter „Hängerli“, das heisst, ein Überwurf, der auf den Seiten offen ist, weniger der richtige Mantel.

Obwohl ich den Wiedererkennungswert des Weiss ja gut finde, hat es doch auch einige Nachteile:

– Es wird extrem schnell dreckig. Einmal die Kisten herumtragen, mit der die Medikamente geliefert werden, schon ist es wieder passiert.

– Dementsprechend häufig muss man die Schürzen waschen. Die meisten lassen sich mit recht hohen Temperaturen waschen, da es das gleiche Material ist, das schon lange für Laborschürzen genommen wird (um es genau zu sagen: der Unterschied zwischen den beiden besteht nur noch im Stil, im Schnitt – im Labor muss man nicht so gut aussehen).

– Und nach dem Waschen also meine Lieblingsbeschäftigung (nicht): das Bügeln. Das ist besonders bei diesen weissen Monstern kein Vergnügen. Aufgesetzte Taschen (3 müssen es für mich sein: eine davon eine Brusttasche links für die Kugelschreiber, 2 unten für Rezepte und andere Notizzettel) und eventuelle Applikationen sowie seltsame Schnittführungen sowie die Knöpfe komplizieren das Ganze noch mehr.

Ich bin ja glücklich, das mein Kuschelbär meist das Bügeln übernimmt – aber diese weissen Kittel hasst auch er.