Bewerbungen: wie und wie nicht

Mit etwas Glück haben wir unsere neue Mitarbeiterin gefunden. Es war wieder ziemlich ein Weg dorthin, v.a. sich durch die Bewerbungen zu lesen.

Dabei sind mir ein paar Sachen aufgefallen:

Wenn Du eine Bewerbung schreibst, wäre es von Vorteil, das Schreiben an die Person zu richten, die für die Bewerbung zuständig ist. Den Namen des Chefs oder des Geschäftes falsch zu schreiben (hatten wir 3x) ist nicht optimal. Ganz schlecht ist es, einen vollkommen anderen Namen dort bei der Anrede stehen zu haben (z.B. weil das von der letzten Bewerbung mit Copy/Paste übernommen wurde).

Arbeitszeugnisse sind wichtig. Wenn ein Arbeitszeugnis fehlt, kann das auch schon etwas aussagen (meistens nichts gutes). Übrigens kann man Arbeits- und Zwischenzeugnisse auch noch Jahre später vom (Ex-) Arbeitsgeber verlangen.

Zeugnisnoten sind relativ. Es muss nicht immer überall eine 5 oder eine 6 sein. Genügend ist ok, ungenügend nicht. Es ist oft auch so, dass Schulnoten und die Anwendung in der Praxis recht auseinanderklaffen. Das wissen wir. Das ist einer der Gründe weshalb wir Probetage machen, wo wir den Bewerber bei der Interaktion mit Kunden und Team anschauen.

Schulzeugnisse sind auch noch interessant wegen dem Punkt „Absenzen“.  Gibt es welche? Viele? Wieso? Schlecht sind viele unentschuldigte Absenzen. Da fragen wir zumindest nach, was sie bedeuten. Krank? Unlust? Böser Lehrer?

Referenzen: Wenn man eine Referenz angibt, sollte man sich sicher sein, dass diese Leute auch zufrieden mit einem waren. Ernsthaft, wenn einem gekündigt wurde, ist es eventuell keine gute Idee den ehemaligen Chef als Referenz anzugeben (selbst wenn er nicht sagen darf, warum einem gekündet wurde).

Ausländische Bewerber: Ich bin gerne bereit, auch jemanden aus Deutschland oder Frankreich oder einem anderen Land einzustellen, solange er eine anerkannte Ausbildung, Zulassung und Arbeitserlaubnis hat – und am Besten schon Erfahrung in einer schweizerischen Apotheke. In meiner kleinen Apotheke habe ich einfach nicht die Zeit jemanden von der Pike auf anzulernen. Ich brauche jetzt vollwertigen Ersatz für meine Mitarbeiterin. Das ist auch der Grund, warum ich bei Bewerbungen Leute mit Erfahrung in der Schweiz bevorzuge. Sorry.

Aktuelles Foto: Ich finde das gehört einfach bei einer Bewerbung dazu, damit man sich ein bisschen ein besseres Bild von der Bewerberin/dem Bewerber machen kann. Nur aufgrund eines Bildes habe ich noch niemanden abgelehnt. Ehrlich

Kinga Freesprit

Ich möchte Dir die Geschichte einer erstaunlichen Person erzählen. Ihr Name war Kinga Choszcz, aber besser bekannt war sie als Kinga Freespirit. Und ein Freigeist war sie! Sie wäre heute so alt wie ich, doch sie hat einen ganz anderen Weg gewählt. Nicht den von sicherer Ausbildung und Job. Kinga reiste gerne, wie ich auch. Sie war am liebsten auf eigene Faust unterwegs (auch mit ihrem Freund Chopin). Und weil sie nur wenig Geld hatte, reiste sie als Backpacker, als Rucksacktourist. Sie verliess sich auf sich selbst und auf die Güte und Grosszügigkeit der Menschen, die sie traf. Sie machte Autostop, reiste, indem sie Gelegenheitsjobs annahm, auf Schiffen arbeitete und übernachtete oft im Freien oder bei Menschen, die sie am Tag vorher noch nicht einmal kannte. Sie hatte ein unglaubliches Vertrauen in die Menschen und einen ungebrochenen Optimismus. Und sie wurde darin nicht enttäuscht.

Diese winzige Frau reiste zusammen mit ihrem Freund Chopin in 5 Jahren um die Erde. Sie starteten mit nur ein paar Hundert Dollar und dem Flugticket nach New York. Von dort aus reisten sie durch Kanada, die USA, Mexico, ganz Zentral-Amerika bis Panama, Kolumbien, Venezuela, Brasilien, Bolivien, Peru, Chile, Argentinien, dann mit dem Flugzeug nach Neuseeland, als Jacht-Crew nach Australien, gelegentlich arbeitend, dann weiter nach Asien: Taiwan, wo sie Kindern als Lehrer Englisch beibrachten, dann Japan, mit dem Frachtschiff auf Russland, China, Vietnam, Kambodgia, Thailand, Singapur, Malaysia, Laos, wieder China, Tibet, Nepal, Indien. Usw. usw.  Info und ein paar ihrer grossartigen Fotos über diese unglaubliche Reise findet man hier: http://www.hitchhiketheworld.com/

Über diese Reise hat sie ein Buch geschrieben; „Led by destiny“, das sie nach Ihrer Rückkehr vertrieb. Natürlich um Geld zu verdienen für die nächste Reise: Ihr grosser Traum Afrika!

Auf diese Reise konnte Ihr Freund Chopin nicht mitkommen (er hatte inzwischen einen Job). Das hielt sie  nicht auf.

Mit der Fähre setzte sie nach Morocco über. Von dort aus trampte sie durch Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, Gambia, Senegal, Guinea Bissao, Guinea, Sierra Leone, Elfenbeinküste nach Ghana.

Sie erlebte vieles auf dieser Reise, auch gefährliche Zwischenfälle blieben nicht aus, aber immer fand sie mit ihrem Optimismus und Anpassungsfähigkeit und dank der Hilfe anderer Wege um weiterzukommen. Sie erfüllte sich ihren Traum, auf einem weissen Kamel zu reisen… und mehr.

Sie half aber unterwegs auch den Menschen, die noch viel ärmer waren als sie. In Ghana kaufte sie ein Kind frei, versorgte ein halbes Dorf mit Schulmaterial. Sie war ebenso gütig wie freundlich.

Aber dann wurde sie krank. Malaria.

Ihre spontane Art und ihre Grundeinstellung, dieses „was auch immer kommt, ich nehme es an und mache das Beste daraus“ erwies sich dafür als schlechte Einstellung. Denn sie hat es versäumt Malaria-Prophylaxe einzunehmen, oder Medikamente mitzunehmen, fü

r den Fall, dass sie es bekam. Sie bekam Hirn-Malaria, das heisst, die Malaria Erreger gingen durch die Blut-Hirn Schranke. Das ist ausgesprochen schlecht. Und das in einem Land, in dem die Gesundheitsversorgung alles andere als optimal war. Sie fiel ins Koma. 5 Tage später, am 9. Juni 2006 starb sie in einem Militärkrankenhaus in Ghana. Unter Beisein ihres Freundes und betrauert von den Leuten, die ihre Reise durch ihre emails verfolgten (mich einbegriffen).

Ich bin heute noch traurig – und etwas wütend. Denn diese wunderbare Person lebt nicht mehr – und das wäre relativ einfach zu verhindern gewesen. Es war ihre eigene Entscheidung keine Malariamedikamente mitzunehmen.

Bitte, bitte: wenn Du in ein Malariagebiet gehst: dann nimm die richtigen Medikamente mit und ein!

Ich hoffe, es geht Dir gut dort, wo immer Du jetzt reist, Kinga!

P.S: Ihr Engagement für Ghana und Afrika geht weiter. Ihre Eltern und Chopin haben eine Stiftung ins Leben gerufen.

Das Krokodil in der Apotheke

Im letzten Kurs, in dem ich war (über Migräne) hatte ich ein Aha-Erlebnis. In sehr alten Apotheken respektive in Apotheken-Museen – wie z.B. im Pharmazie Historischen Museum sieht man immer wieder mal ein Krokodil, das von der Decke hängt.

Wieso?

Zu den Zeiten der Alchemisten hat man anscheinend auch aus Krokodilen Heilmittel hergestellt (Fett zu Salben und ähnlichem).

Aber so wie’s für mich aussieht, geht die Geschichte noch weiter zurück, nämlich bis zu den Ägyptern und ihrer Migränebehandlung. (s. Bild).

Dem Kopfweh-Patienten ein (Ton-)Krokodil auf den Kopf zu schnallen, war anscheinend üblich. Ob es viel gebracht hat, bezweifle ich, aber wer weiss.

Und das Krokodil über der Theke? Das verhinderte vielleicht bei manchem Apotheker die Kopfschmerzen, die durch uneinsichtige Kunden entstehen …

Lacher des Tages

…für mich wenigstens.

Ich habe auf den Websiten, die ich betreibe einen Zähler installiert. Der liefert mir eine einfache Statistik und schaut auch, woher die Besucher kommen und was sie gesucht haben, dass sie auf der Seite landeten.

Auf der Apotheken-eigenen Homepage hatte ich einen Besucher (oder Besucherin?), der/die auf Google folgendes gesucht hat:

Schwangerschaft Ursache

Echt?

Ich meine: ECHT?

Gut, ich weiss ja nicht, wie alt die Person gewesen ist … aber: Hmmmm.

Falls ich hier jetzt auch jemand mit so eine Anfrage landet, sollte ich vielleicht doch ein paar grundlegende Infos reinstellen, denn Google lässt sich darüber nicht gerade aus  …

Da kann ich gleich mal üben im Sinne von: wie bring ich’s meinem Sohne bei?

„Also, wenn ein Mann und eine Frau …“ Äh. …. das muss ich mir noch mal überdenken.

Aber ich hab ja auch noch ein paar Jahre Zeit bis Junior mit derartigen Fragen kommt.

Am Rande: heute waren’s auf der Hinfahrt 67 und auf der Heimfahrt 112 (!) Schweizer Fahnen. Aber ich fürchte, die Anzahl wird von jetzt an wieder abnehmen.

Ist Patriotismus eigentlich ansteckend?

So wie’s aussieht schon. Die einzige andere Erklärung, wäre noch, dass die Schweizerfahnen einen Weg gefunden haben, sich ungeschlechtlich zu vermehren – nächtliche Zellteilung vielleicht?

Jedenfalls werden es immer mehr.

Heute habe ich auf meinem 20 Minütigen Arbeitsweg 28 gezählt (Girlanden ausgenommen)!  Normalerweise sind es maximal 2.

Morgen fängt also die EM an.

Ich kann nicht sagen, dass ich vollends begeistert bin, speziell weil das ausgetüftelte „Verkehrskonzept“ mir einen Riesenumweg auferlegt. Grrrr. Und dabei musste ich schon heute abend einer Horde betrunkener Fans ausweichen. Das kann ja lustig werden. (Haben wir in der Apotheke genug Alka Seltzer an Lager?).

Steinzeit Diät oder: der Neanderthaler in uns

Gelegentlich hört man von Diäten oder Behandlungen, die darauf beruhen, dass man es macht, „wie unsere alten Vorfahren“, wie die Steinzeitmenschen oder ähnliches. Und das soll dann speziell gesund sein.

Ich wage zu widersprechen. Von dem wenigen, was uns aus dieser Zeit überliefert ist, gehört, dass diese Frühmenschen nicht gerade sehr alt wurden. Mit 35 war man schon ein Methusalem. Die meisten starben vorher.

Das Essen war oft auch nicht abwechslungsreich (v.a. im Winter), so dass Mangelerscheinungen an der Tagesordnung lagen. Frauen wurden sehr früh schwanger und starben oft daran, direkt oder weil es den Körper doch recht auslaugt.

Diese Frühzeitmenschen entwickelten kaum Krebs oder Alzheimer oder Parkinson – dazu wurden sie einfach nicht alt genug! Daraus abzuleiten, dass ihre Lebensart gesünder war ist … äh, kurzsichtig.

Ich möchte noch anmerken, dass natürlich eine Vielzahl der heutigen Krankheiten ihre Ursachen in falscher Ernährung haben: zu viel Zucker, Fett, leere Kalorien, fördern das Übergewicht und damit verbunden Kreislauferkrankungen und Diabetes. Trotzdem haben wir heute mehr als früher Gelegenheit und Möglichkeit gesund zu leben und -auch deswegen- sehr alt zu werden.

Das Foto ist übrigens nicht von einem Neanderthaler Schädel – und ja, ich bin mir bewusst, dass die Neanderthaler wohl nicht zu unseren Vorfahren gehörten, sondern eine der (vielen?) Sackgassen der Evolution darstellt, aber es tönt einfach gut :-) – sondern von einem Homo Heidelbergensis. Aufgenommen wurde das Bild in Karlsruhe, wo Kuschelbär und ich letztes Wochenende an einem „Reisende-Treffen“ teilgenommen haben.

Eine sehr schöne Stadt ist das übrigens.