Abgelaufen

Kundin kommt zur Pharmaassistentin: „Tag, ich bräuchte jemanden aus der Apotheke, aber Sie sind… (Blick von seeehr nahe auf das Namensschildchen am Busen) ... ja nur die Assistentin.“

Pharmaassistentin „Um was geht es denn?“

Kundin: “Kann man herausfinden, ob diese Medikamente noch gut sind?“ – Sie hat eine Packung Aspirin oder sowas dabei.

Pharmaassistentin (denkt sich wahrscheinlich: und dafür braucht die die Apothekerin?): „Ja kann man, anhand des Verfalldatums, und nein, diese sind es nicht mehr“.

Gleiche Kundin, einige Tage später:

Sie kommt mit seit 6 Jahren abgelaufener Packung Noroxin: „Kann man die denn wirklich nicht mehr nehmen? Auch nicht, wenn sie noch einwandfrei aussehen?“

Pharmaassistentin:  „Nein!“

Irgendeine andere Kundin: „Ich habe Ihnen Medikamente zum entsorgen.“

Pharmaassistetin: “Ja?“

Kundin: drückt ihr 1 (Eine!) offene Tablette Panadol in die Hand

….

Empörter Kunde: „Die Tabletten, die sie mir gestern verkauft haben sind abgelaufen! Schauen Sie, hier steht: 3.5.2008!“

Pharmaassistentin: „Könnte ich sie mir ansehen?“

Wirft einen Blick darauf und sagt: „Nein, die sind noch gut. Das Ablaufdatum ist das mit dem EXP davor, das Datum das Sie meinen ist das Herstellungsdatum, das hat ein MFD davor.“ (steht übrigens für Manufacturing Date)

Kunde: „Oh. Danke.“ – und Abgang

Verfalldaten von Medikamenten

Verfalldaten sind wichtig, dass wissen alle. Aber wir wissen auch, dass man auch Lebensmittel, die ein paar Tage über das Verfalldatum drüber sind, meist noch problemlos essen kann. Denn die Leute, die diese Verfalldaten bestimmen, gehen sehr konservativ vor und irren sich lieber um ein paar Tage auf der negativ-, als auf der plus -Seite.

Dasselbe gilt übrigens auch für Medikamente. Allerdings mit ein paar Vorbehalten.

Gründe für das Ablaufdatum für Medikamente sind zweierlei:
Einerseits wird der Wirkstoff auch in Tablettenform mit der Zeit abgebaut. Dadurch nimmt der Wirkstoffgehalt stetig ab und nach einer bestimmten Zeit liegt er unterhalb der Wirksamkeitsgrenze.
Andererseits sind die dabei entstehenden Abbauprodukte z.T. nicht so gesund (lies: giftig). Wenn diese dann ein bestimmtes Mass überschreiten, sollte man sie auch nicht mehr einnehmen.

Wer das mit dem Abbauen nicht glaubt, soll mal Aspirin Tabletten wirklich lange aufbewahren und dann an ihnen riechen, wenn man sie aufmacht. Eines der Abbauprodukte der Acetylsalicylsäure ist nämlich Essigsäure. Die Tabletten stinken dann nach Essig.

Auf der anderen Seite ist zu sagen, dass die Verfalldaten heute auf maximal 5 Jahre nach Herstellungsdatum beschränkt sind. Selbst bei Produkten, die wesentlich länger haltbar wären, wie gewöhnliche Salze: Kochsalz können Sie ewig verwenden, das geht nicht kaputt.


Was empfehle ich also im Fall von abgelaufenen Medikamenten?

Etwas über das Ablaufdatum heraus ist ok. Ich würde die meisten Medikamente noch bis etwa 6 Monate über das Ablaufdatum heraus nehmen, ohne eine negative Wirkung zu erwarten. Das gilt für die Hartformen: Tabletten, Dragees, Kapseln, Pulver.

Bei den Flüssigen Formen: Sirupe, Lösungen wäre ich einiges vorsichtiger. Ungeöffnet eventuell 3 Monate, wenn sie geöffnet wurden, sind sie sowieso nur eine gewisse Zeit haltbar (von Tagen bis Wochen). Ausnahme sind stark alkoholhaltige Lösungen (so ab 40%) oder Desinfektionsmittel. Die halten beide viel länger.

Homöopatische Produkte, Schüssler Salze etc: da können Sie das Verfalldatum praktisch vergessen. Die halten fast ewig – wenn sie nicht feucht werden.

Sonnencremes und kosmetische Körperlotionen: unbedingt an die Nase halten. Wenn sie ränzeln (ranzig riechen), weg damit. Eine offene Sonnencreme verliert mit der Zeit ihren Schutzfaktor: ca. 2 SF weniger pro Jahr sagt man.

Die Apotheken nehmen übrigens abgelaufene Medikamente gratis zurück – das ist auch besser, als sie in den Hauskehrricht (oder gar in die Toilette) zu werfen, weil sie für eine richtige Entsorgung – in dem Fall Verbrennen bei sehr hohen Temperaturen schauen.

Jeder Fehler zählt

„Jeder Fehler zählt“ ist eine Datenbank, die (anonym) Fehler sammelt, die in Arztpraxen oder Spitälern passiert sind. Die Website ist von Deutschland, aber ich bin sicher, es kommt überall vor. Die Idee dahinter ist, dass andere Ärzte und Medizinpersonal aus bisher gemachten Fehlern und Erfahrungen anderer lernen.

Ich lese noch gerne darin, weil einiges – auch überraschendes – darin steht, was auch in der Apotheke eine Rolle spielen kann.
Z.B. der folgende Bericht (Nr. 198)

Pflaster sind nicht gleich Pflaster

Was ist passiert?
Der Ehemann war nach langer Krankheit an Krebs im Krankenhaus verstorben. Seine Medikamente, darunter Fentanyl-Pflaster (Durogesic 100 mg), hatte die Patientin noch zu Hause aufgehoben. Die Patientin erhält im Krankenhaus (nach Krampfadern OP) ein Tegaderm-Pflaster (wasserdicht) für den Verbandswechsel zu Hause. Als diese Tegaderm-Pflaster ausgegangen sind, verwendet sie ein Durogesic-Pflaster als Hautschutzpflaster (!) und sucht dann am nächsten Morgen meine Praxis wegen Müdigkeit, Schwindel und Atemnot auf.
Ich entdecke das Pflaster am Oberschenkel.

Was war das Ergebnis?
Verwechslung von Tegaderm („Duschpflaster“) mit Durogesic Schmerzpflaster. unkorrekter sorgloser Gebrauch durch Patientin

Kleine Erläuterung von mir: die Durogesic sind Schmerzpflaster und enthalten recht hochdosiert ein Opioid. Morphium und Heroin sind Beispiele für andere Opioide. Wenn man das unvorbereitet anwendet (in dem Fall aufklebt) hat man eben die zu erwartenden Wirkungen samt Nebenwirkungen: starke Schmerzstillung, Bewusstseinstrübung, Verlangsamung der Atmung …

Wie hätte man das Ereignis verhindern können?
Nach Tod des Ehemannes Depotpflaster und Suchtgifte von Angehörigen anfordern und entsorgen.

… das wäre etwas, an was auch eine Apotheke denken sollte, wenn der Partner die nicht verwendeten Medikamente nicht von selbst zurückbringt.

(Interessant ist auch Nr. 395)

Anfallweise Kopfschmerzen

Letzte Nacht hatte ich nach langer Zeit einmal wieder einen richtigen Migräneanfall. Eigentlich bin ich bis zu einem gewissen Grad ja selber schuld daran, denn ich habe – gegen besseres Wissen- nicht gleich eine Tablette genommen. Ich dachte, es würde vielleicht von selber besser werden – immerhin war es Abend, und ich gehe jetzt Schlafen und wenn ich dann aufwache ist es hoffentlich weg.
Falsch gedacht.
Ich wachte um 1 Uhr Nachts auf – mit schrecklichen Kopfschmerzen.
Das Problem ist, dass es dann, wenn man es so hat, nicht mehr viel bringt, eine Tablette zu nehmen. Denn zusammen mit den starken, einseitigen, pochenden Kopfschmerzen schlägt einem die Migräne so auf den Magen, dass eine eingenommene Tablette einfach dort liegenbleibt. Der Magen steht wie still – aber schlecht ist einem!

Was man dann noch tun kann, wäre zusammen mit der Kopfschmerztablette ein Motilium zu nehmen – das ist ein Mittel gegen Übelkeit und es regt den Magen so an, dass die Tablette weiterrutschen kann – und dann wirken.
Aber weil ich so lange keine Migräne mehr hatte, habe ich auch keine Motilium mehr im Haus. Es macht auch absolut keinen Spass, welche zu suchen, wenn einem schon so schlecht ist.
Das Ergebnis war dann, dass ich über der Toilettenschüssel auch die eingenommene Tablette wieder hochgewürgt habe.
Aber es gibt ja noch andere Einnahmewege. Bloss, dass ich auch keine Schmerzzäpfchen im Haus habe … ausser … Juniors. Also habe ich in meiner Qual dann eines seiner Schmerz/Fieberzäpfchen genommen. Das ist zwar etwas unterdosiert, aber besser als nichts, dachte ich. Nach einer Weile ging es dann auch wirklich besser und der Magen beruhigte sich soweit, dass ich nochmal eine halbe Tablette nehmen konnte.

Es ist zwar noch nicht vorbei, ich habe immer noch etwas Kopfschmerzen und bin Licht- und Lärmempfindlich (bitte heute nicht herumschreien, Junior- am besten, er kriegt gleich den Nuggi), aber immerhin kann ich wieder etwas anderes tun als im Bett liegen und mich krümmen.

Aber als Merknotiz für mich: am Samstag unbedingt in der Apotheke Motilium lingual holen. Und das nächste Mal nicht das Gefühl haben so ein Held sein müssen, sondern die Tablette auch zu nehmen, wenn es Abends ist!

Was hat den Migräneanfall ausgelöst? Hmm, schwer zu sagen, aber eventuell die Tatsache, dass ich wieder eine stärkere Pille nehme plus Coffeinentzug (Cola in meinem Fall), plus einige Tage frei.

Viel und gute Info zum Thema Migräne findet sich auf der Homepage der Migraine Action, Schweiz
optisch finde ich zwar müssen sie noch etwas an ihrem Auftritt arbeiten, aber die Info ist 1A.

Den Schrecken verloren: AIDS

Da ist eine Entwicklung, die ich ziemlich bedenklich finde. HIV ist wieder auf dem Vormarsch – und wie. Man kündet eine Untersuchung an, warum das so ist. Nun, zumindestest einen Grund glaube ich zu kennen: Safer Sex ist (wieder) kein Thema mehr und das liegt vor allem daran, dass die Allgemeinheit HIV heute als eine behandelbare Krankheit ansieht und nicht mehr als die tödliche Seuche.

Und genau das ist nicht richtig!

Mein eigener Bruder hat einmal gesagt: „Inzwischen gibt es ja Medikamente, die wirken“.

Aaarrrgghh!  Ich glaube ich bin ihm an den Kopf gesprungen, so wütend war ich über die Einstellung.

HIV kann man nicht heilen!

Wenn Du es hast, hast Du es Dein Leben lang!

Fast wöchentlich hören wir von Erfolgsmeldungen im Bereich der Entwicklung von HIV Medikamenten. Aber: Was die Medikamente machen, ist im wesentlichen die Vermehrung des Virus im Körper zu unterbinden. Inzwischen kann man die sogenannte Viruslast (die im Blut nachweisbare Menge Virus) unter die Nachweisgrenze drücken. Das heisst nicht, dass das Virus nicht mehr da ist! Es kann offenbar in Körperzellen schlummern und noch Jahre, eventuell Jahrzehnte später wieder ausbrechen.

Die Medikamente können mit der Zeit auch ihre Wirksamkeit verlieren. Und wenn sie jemanden fragen, der einen solchen Medikamentenmix gegen das HIV Virus (denn nur 1 Medi reicht nicht), nehmen muss, dann hören sie eine Menge über die Nebenwirkungen. Die sind alles andere als lustig. Dazu gehören Nervenentzündungen, Umlagerung des Fettes im Körper, Organschädigungen.

Du musst die Medikamente trotzdem nehmen. Ein Leben lang. Hörst Du damit auf, kommt das Virus wieder und Dein Immunsystem verabschiedet sich – was dann zum Tod führt.

Die Medikamente sind auch teuer. Sehr teuer (wie alle Mittel gegen Viren).

Das und die Tatsache, dass auch andere Geschlechtskrankheiten wieder im Vormarsch sind, sollte den Leuten ein Anstoss sein, wieder vorsichtig zu sein. Safer Sex zu praktizieren.

Vor dem ungeschützten Sex mit dem neuen Lebensabschnittspartner (was für ein doofer Ausdruck) einen HIV Test zu verlangen.

Treu zu bleiben.

Ein aktueller Artikel zum Thema hier.