Vom richtigen Schlucken von Tabletten, Dragees und Kapseln

Die meisten Leute trinken viel zu wenig, wenn sie eine Tablette oder eine Kapsel einnehmen. Das sehe ich schon, wenn mal jemand in der Apotheke ein Glas Wasser verlangt, damit er die Kopfwehtablette gleich nehmen kann. Ein, Zwei Schluck und das war’s.

Dabei ist das so wichtig!

Fangen wir mal hinten an:

+ Nicht nur, dass die Tablette oder Kapsel mit genug Wasser schneller wirken kann – der Wirkstoff muss nämlich erst gelöst werden, bevor er in den Körper aufgenommen werden kann. Wenig Flüssigkeit bedeutet rasch höhere Konzentration des Wirkstoffs in der Flüssigkeit und das bremst den weiteren Zerfall.

+ Dann muss die Tablette ja aus dem Magen in den Darm kommen. Das geht auch schneller, wenn der Magen etwas gefüllt ist – durch mehr als ein paar Schluck Wasser (aber feste Nahrung bremst).

+ Und: die Tablette oder Kapsel muss erst mal in den Magen gelangen. Wenn man zuwenig trinkt, ist die Chance gross, dass die Tablette / Kapsel in der Speisröhre kleben bleibt. Das merkt man manchmal – ist so ein komisches Gefühl im Hals. Meistens merkt man es aber nicht.

Jetzt sind eine Menge Wirkstoffe Säuren. Z.B. Aspirin: Acetylsalicylsäure, oder Ponstan: Mefenaminsäure, oder Vitamin C: Ascorbinsäure, Fettsäuren usw. (anderen Wirkstoffen sieht man es nicht gleich am Namen an, dass sie Säuren sind).

Stell Dir vor, was diese Säuren mit der empfindlichen Schleimhaut der Speiseröhre anstellen, wenn die Tablette kleben bleibt und der konzentrierte Wirkstoff anfängt freizuwerden. Noch schlimmer ist es, wenn die Form retardiert ist, z.B. durch eine dichte Kapselhülle wo der Wirkstoff nur aus einem kleinen Löchlein austreten kann. Das wirkt dann wie ein Schneidbrenner – es kann tatsächlich Löcher geben in der Speiseröhre.

Darum genug trinken!

Auch wenn man Kinder hat und ihnen Tabletten oder Kapseln geben muss, ist es wichtig, dass sie danach viel trinken. Viele Kinder verstauen Tabletten und Kapseln nämlich in der Backentasche, weil sie nicht gerne grössere feste Sachen schlucken. Sobald der Wirkstoff frei wird wird es meist sehr bitter – und dann wollen sie später gar keine Tabletten mehr nehmen „weil sie so schlecht schmecken“. Plus es ist auch im Mund nicht ideal, wenn der Wirkstoff schon dort frei wird. Also viel trinken lassen: dann können sie die Tablette nicht so gut verstauen.

Übrigens:

Tabletten lassen sich am besten schlucken, wenn man den Kopf etwas nach hinten neigt,

Bei Kapseln den Kopf nach vorne neigen (die schwimmen nämlich obenauf),

Weichgelatine-Kapseln kann man ein paar Sekunden mit etwas Flüssigkeit im Mund behalten, dann rutschen sie besser.

Danke Kuschelbär!

Heute ist ein spezieller Tag, denn heute haben Kuschelbär und ich unseren

3. Hochzeitstag!

Das heisst, heute und morgen, denn am 19. August war die Standesamtliche Trauung und am 20. August die kirchliche.

Die letzten 3 Jahre waren  auch wunderschön und ich würde sie nicht missen wollen.

Es war einfach nur toll! Wir hatten die Feuerwehr, die Spalier stand, wir hatten einen langen Reiterumzug das Dorf hoch und runter (dank dem Reitverein, wo Kuschelbär Mitglied war), wir hatten Rikschafahren, Ballone stiegen in die Luft, wir hatten eine 4 stöckige Hochzeitstorte, wir hatten Rosen und feines zu Essen, es war …. traumhaft.

Fast schade, dass man das nur einmal im Leben macht …

Kinderwagen und ÖV

Letzthin war ich mal wieder mit Junior im Zoo. Dazu habe ich nicht das Auto genommen, sondern bin mit Bus und Tram gefahren.

Dazu hätte ich jetzt ein paar Bemerkungen.

Bus: es gibt Busfahrer, die umsichtig sind und auf Frauen mit Kinderwagen achten. Diese fahren nahe ans Rändli heran und senken im Idealfall auch den Bus auf der Einstiegsseite ab (ja, das kann man!), so dass der Spalt beim Einsteigen möglichst klein ist. Die Kinderwagen sind nämlich nicht gebaut für grosse Löcher im Boden (es sind ja meist keine Offroader) und oft bleibt man mit den Rädern fast im Zwischenraum stecken (gell Mama?).

Und dann gibt es Busfahrer, denen ist es wurst, ob man Probleme hat beim Ein- oder Aussteigen. Dass sie die Türe nicht gleich noch zumachen, während man dabei ist, ist grad ein Wunder. Dass es mit etwas Umsicht ihrerseits auch schneller gehen würde sehen sie nicht ein. Dann fahren sie noch wie die Henker, dass man den Kinderwagen trotz angezogener Bremsen stabilisieren muss, damit er nicht umkippt. Wahrscheinlich muss er die bei unserem Einsteigen verlorene Zeit wieder gutmachen.

Und im Tram? Nach dem ersten Mal weiss man meist, wo man hinstehen muss mit dem Wagen, damit man den Eingang zur Sänfte erwischt. Gelegentlich gibt es aber Tramkombinationen, die gar keine Sänfte haben (weil sie älteren Datums sind) und man ausserdem 3 Stufen (!) hochmuss (weil sie älteren Datums sind). Mach das mal mit einem Kinderwagen. Das kommt einem vor wie der Mount Everest. Alleine ist das nicht zu schaffen.

Dann sind da die Mitfahrenden. Danke an den Herrn, der mir geholfen hat, den Wagen auf der Hinfahrt hochzuwuchten. Und an die Dame, die bei der Rückfahrt in die Sänfte eingestiegen ist und uns ständig böse Blicke zugeworfen hat … ihr möchte ich gerne folgendes sagen: Die Sänfte wurde entworfen für Leute mit Kinderwagen oder Personen in Rollstühlen. Ausserdem für solche, die sonst Mühe haben mit dem ein- und aussteigen. Soweit ich sehen konnte gehören Sie in keine dieser Kategorien. Also sollten sie es das nächste Mal in Betracht ziehen, in einen anderen Teil des Wagens zu steigen (ja, es hatte dort noch viel Platz) und nicht böse schauen, bloss weil ihre Beinfreiheit durch einen der drei anwesenden Kinderwagen eingeschränkt wurde.

Ja, das ist meiner. Nein, der bleibt genau dort, wo er ist. Ich bin froh, dass ich noch einen Platz dafür gefunden habe. Sie können froh sein, dass Junior gerade schläft (2 Stunden durch den Zoo wandern haben auch ihn erschöpft), ansonsten hätten sie ausser dem Platz- auch noch ein akustisches Problem.

In dem Sinne: Danke ÖV und bis zum nächsten Mal! (Zum Glück kann ich für den Arbeitsweg das Velo nehmen)

Missverständnis (2)

Kunde kommt mit Packung Voltaren, die er vor etwa einer Stunde auf Rezept bekommen hat wieder zurück:

„Ich hätte lieber Tabletten, nicht Zäpfchen, wenn das geht“.

Ein Blick auf die Packung: „Das sind Tabletten“.

„Oh.“ Sagt der Kunde, „aber da steht drauf ANAL-getikum“.

…

(Das heisst einfach nur: Schmerzmittel)

Schlafwandeln: woran liegt’s?

Am Mond wohl eher nicht – obwohl er im Moment voll ist (und gestern hatten wir eine 80% Mondfinsternis).

Aus der Apotheke:

Eine Mutter kommt und erzählt von den Schwierigkeiten ihrer Tochter. Die ist 9 Jahre alt und hatte in letzter Zeit nachts immer derart Alpträume, dass sie gar nicht mehr ins Bett gehen und schlafen wollte.

Meine Kollegin hat mit ihr geredet und ihr Rescue Tropfen von den Bachblüten empfohlen. Die sind gut, damit man Schockerlebnisse besser verkraften kann oder auch vor Prüfungen. Jedenfalls schläft die Tochter mit den Tropfen wieder durch.

Da die Mutter aber der Meinung ist, dass das auch ohne gehen soll, fragt sie nach, was sie sonst noch tun kann. Meine Kollegin empfiehlt ihr ein Abendritual durchzuführen, bei dem sie ihre schlechten Träume mit einem Becken Wasser wegschüttet.

Die Tochter geht wieder problemlos ins Bett und schlafen, aber nach etwa einer Stunde steht sie auf und Schlafwandelt. Das heisst, sie kommt z.B. ins Zimmer der Mutter, um ihr die neue Jacke zu zeigen … nur dass die Jacke nur in ihrem Wandeltraum existiert. Oder sie geht in die Küche um sich etwas zu essen zu machen und einmal ist sie gar im Pijama aus der Wohnung herausgelaufen. Wenn man mit ihr redet gibt sie Antwort, aber später weiss sie von gar nichts mehr.

Jetzt hat die Mutter Angst, dass der Tochter etwas passiert beim Schlafwandeln. Darum schliesst sie die Tür und nimmt den Schlüssel weg – und bei den Fenstern lässt sie die Rollläden herunter.

Was soll sie jetzt noch tun? Ich empfehle ihr, da sie ja anscheinend gut auf Bachblüten anspricht, vorläufig weiter Rescue Tropfen zu geben, aber später mit der Tochter vorbeizukommen, damit wir eine auf sie zugeschnittene Bachblüten Mischung machen können.

Denn ich habe den Verdacht, dass da mehr dahinter steckt. Alpträume und Schlafwandeln sind für mich beides Ausdrücke dafür, dass die Tochter irgendetwas innerlich bewegt, das sie am Tage nicht ausdrücken kann, aber im Unterbewussten halt Nachts.

Am liebsten würde ich das Gespräch ja auch ohne die Mutter halten, denn die hat wohl auch etwas damit zu tun, vor allem weil sie fest behauptet, sie habe keine Ahnung an was das alles liegen könnte. (Reine Intuition, bisher habe ich keine Ahnung, ob es stimmt).

Wandelst Du auch Nachts? Ich habe gelegentlich so Episoden, wo es vorkommt, dass ich in der Phase zwischen Schlafen und Wachen Träume habe, auf die ich dann auch körperlich reagiere. Kuschelbär kann ein Lied davon singen. Als Junior nur ein paar Wochen alt war, habe ich ihn öfter mal bei uns im Bett gesucht – obwohl er ein eigenes Bettlein hatte. Ich bin auch schon mal auf der Toilette aufgewacht. Und als ich noch alleine wohnte war am Morgen das Licht im Wohnzimmer an und die Balkontüre weit offen – das ist aus verschiedenen Gründen beunruhigend. Zum einen wohnte ich im 3. Stock. Zum anderen -ich habe nachts nicht gerade viel an.

Besser nicht dran denken. Jetzt hab’ ich ja meinen Kuschelbär, der auf mich aufpasst!

Ein fauler Arzt

Vor einiger Zeit (noch nicht sooo lange her) habe ich mich unglaublich über einen Arzt aufgeregt.
Folgende Situation: ein älterer Mann kommt in die Apotheke. Er ist auf Besuch hier in der Schweiz und sein Problem: seine Medikamente gehen zur Neige. Er zeigt mir ein Döschen auf dem der Name des Medikaments steht und wie man es einnimmt. Eine kurze Computerrecherche zeigt, dass es kein Medikament mit diesem Inhaltsstoff in der Schweiz gibt. Weil ich ihm nicht einfach irgendetwas anderes gegen seinen hohen Blutdruck geben kann (das ist ein Therapiewechsel) muss ich ihn zu einem Arzt schicken. Da er ja keinen Hausarzt hat – und es schwierig ist, gleich einen Termin zu bekommen, ist das halt die Notfallstation. Ich erkläre ihm wieso er zu einem Arzt muss und wie er zum Spital kommt.

1 Stunde später ist er wieder da. Mit einem Rezept.
Auf dem Rezept steht … der Inhaltstoff seines Medikaments und darunter „aut idem“.
WAAAS?!? Die faule Zwetschge von Ärztin hat also bloss das was auf seiner Schachtel stand abgeschrieben und daruntergesetzt „oder gleichwertiges“. Auf deutsch: gib ihm das oder ein Generikum.
Wenn es das gäbe hätte ich das gemacht ohne ihn zum Arzt zu schicken!
Echt. Sie hat sich nicht mal die Mühe gemacht nachzuschauen, was das ist. Wahrscheinlich weiss sie nicht einmal für was das ist. Und ihn angeschaut hat sie auch kaum – sonst wäre er nicht schon nach einer Stunde wieder zurück.

Ok. Hilft nix. Telefon an die Notfallstation (und ihr wisst schon, wie gern ich mit dem Spital telefoniere): „Ich brauche die Ärztin, die das Rezept ausgestellt hat!“
Krankenschwester: „Sie ist im Moment etwas beschäftigt.“ (Und ich etwa nicht?)
Es ist wichtig, ich erkläre der Krankenschwester warum: „der Mann braucht ein anderes Medikament, einen Therapiewechsel“.
Krankenschwester: „Ok, Sie ruft in 15 Minuten zurück.“

Weil ich mir schon denken kann, was als nächstes kommt, gehe ich nochmal selbst über die Bücher. Dass sein Medikament gegen Bluthochdruck ist, wusste ich schon. Es ist ein Diuretikum, genauer gesagt ein Thiazid-Diuretikum. Thiazid-Diuretika werden in der Schweiz hauptsächlich in Kombinationspräparaten eingesetzt, nur ganz wenige als Mono-Medikation. Ich suche mir eines davon heraus.

Die Ärztin ruft nach ca. 1/2 Stunde tatsächlich zurück. Das heisst, sie lässt zurückrufen, es ist nämlich wieder die Stationsschwester. Sie lässt ausrichten, „dass die Apothekerin einfach irgendetwas ähnliches nehmen soll. Falls die Apothekerin ein Problem hat, kann sie noch mal anrufen.“
Ich (genau das habe ich erwartet): „Ok, nicht nötig. Ich habe schon eines herausgesucht, aber Ich möchte dass der Ärztin ganz klar ist, dass es ein anderer Wirkstoff ist. Fragen sie sie, ob xyz für den Patienten geht.“
Die Ärztin steht offenbar neben dem Telefon und lässt ausrichten das ist ok.

So kommt der Patient also endlich doch noch zu seinem Medikament.
Auf dem Rezept (und im Computer) steht jetzt ganz deutlich: „nach telefonischer Absprache mit der verschreibenden Ärztin“. Dass ich die ganze Arbeit gemacht habe und nicht die Ärztin lassen wir mal.

P.S: falls Sie die beschriebene Ärztin sind … oder sich sonstwie angesprochen fühlen durch dieses Blog-Beitrag: die Chance, dass es sich wirklich um Sie handelt sind klein, weil ich die Beiträge anonymisiere. Und falls Sie es doch sind: das war keine Glanzleistung und ich würde darüber ziemlich still sein – machen sie’s das nächstemal besser. Ein bisschen Einfühlungsvermögen und Einsatz für den Patienten ist auch bei einer so vergleichsweise einfachen und unspektakulären Sache im Notfalldienst nötig.

Fertig aufgeregt.