Ich wollte nur sicher sein …

Eine Frau bekommt vom Arzt Inderal verschrieben und holt es in der Apotheke ab.

Einen Tag später ruft sie in die Apotheke an.

Frau: Hallo, ich rufe an, weil ich heute morgen mit einem kleinen blauen Fleck, ungefähr so gross wie ein Einfränkler auf der linken Seite von meiner Stirn aufgewacht bin. Vielleicht habe ich mir nachts den Kopf angeschlagen am Nachttischchen. Kann Inderal einen solchen blauen Fleck verursachen?“

Apotheker: „Nein, das sollte es nicht.“

Frau: „Oh, das ist gut. Weil: ich habe noch nicht angefangen es zu nehmen. Ich wollte vorher nur sicher sein.“

Das Billigste

Der Kassensturz war wieder mal unterwegs und testet Apotheken. Diesmal geht es nicht darum, ob ein Generikum abgegeben wird, sondern welches.

Dabei legen sie ihr Hauptaugenmerk darauf, ob das billigste Generikum abgegeben wird. – Was in den meisten Fällen nicht der Fall ist, das kann ich jetzt schon sagen.

Im Gegensatz zu den Behauptungen des Kassensturzes hat das aber andere Gründe als nur möglichst viel Geld herauszuwirtschaften.

Ich weiss nicht, ob es schon bis zu ihnen durchgedrungen ist, aber dank der LOA werden wir ja ziemlich unabhängig von der Marge des Medikaments entlöhnt und so macht selbst ein 20 Franken Unterschied im Medikamentenpreis nur gerade etwas über 2 Franken Differenz in der effektiven Einnahme.

Aber es gibt für die Apotheken andere Gründe nicht das billigste Generikum abzugeben.

Ich bin auch sicher, dass in der Apotheke nicht „das Billigste“ verlangt wurde, denn bestellen können wir ja immer und machen das auf Wunsch auch.

Was man an Lager hat an Generika wird durch verschiedene Überlegungen bestimmt: dazu ein paar Gedanken:

  • ich wähle eher das Generika einer Firma, von der ich Unterstützung bekomme, also wo ich regelmässig den Vertreter sehe, wo man mir die mir Info über die neusten Generika schickt und abgelaufene oder defekte Medikamente ersetzt als von einer Firma wo nie jemand vorbeikommt und ich nichts retour bekomme. – Ja, hier sind die wirtschaftlichen Gründe – von der Mini-Marge mal abgesehen.
  • Ich wähle eher nicht eine Firma, von der ich weiss, dass sie von denselben betrieben wird, die eine grosse eigene Versandapotheke haben, wo sie ihre eigenen Medikamente puschen.
  • Ich wähle eher Medikamente/Generika, die vom Arzt aufgeschrieben werden … es gibt immer noch genug Leute die sagen „Nein, es muss genau das sein, was der Arzt aufgeschrieben hat.“
  • Ich wähle eher nicht Medikamente, wo die Erfahrung zeigt, dass sie schwer zu schlucken / hässlich schmecken / in Bulk statt in Blister verpackt / Zusatzstoffe haben die eher schlecht vertragen werden … v.a. wenn es Alternativen gibt.
  • Ich wähle eher die Generika, die zuerst auf dem Markt sind – zumindest anfangs, Wechsel sind wegen obigen Gründen immer noch möglich.
  • Ich wähle eher die Generika, wo möglichst alle bestehenden galenischen Formen und Dosierungen vorhanden sind – weil wenn der Kunde später die Dosierung wechseln muss, bekommt er nicht wieder ein ganz neues Medikament.
  • Ausserdem: WAS das billigste ist, das wechselt eigentlich ständig. Muss ich dann auch immer wechseln, was ich grad an Lager habe?

Ich denke die Grundidee hinter dem Ganzen ist es, wie in Deutschland schon gang und gäbe Verträge vorzubereiten, wo die Apotheke gezwungen werden soll, entweder das billigste Generikum zu nehmen … oder das, wo die Krankenkasse gerade einen Vertrag mit der Firma hat.

Dass das nicht so toll ist – weder für die Apotheke, noch die Kunden, will ich hier noch einmal betonen: man hat ständige Wechsel in der Grundmedikation: die Tablette / Kapsel etc sieht immer wieder mal neu aus (wenn das nicht verwirrend ist) oder das Produkt das man immer hatte wird einfach nicht mehr bezahlt von der Krankenkasse …

P.S. ich habe mit Absicht im ganzen Blogpost „billigstes“ und nicht „günstigstes“ geschrieben.

Berliner Mauer, verdünnt

Homöopathie hat sicher seinen Platz im heutigen Drogerie- und Apotheken-Sortiment, aber es gibt Firmen, die geben der Behandlungsmethode ein schlechtes Ansehen.

So musste ich letzthin lesen, dass eine englische Apotheke offensichtlich „Murus berlinensis C6“ vertreibt.

Was das ist? Berliner Mauer, zerstossen, verpulvert und homöopathisch verdünnt und dann in braune Fläschchen mit dem Aufdruck „Berlin Wall. Keep away from children“ abgefüllt.

Es soll helfen gegen Soziophobie und/oder Abgrenzungsprobleme.

Zu lesen hier.

Wie das dem Ähnlichkeitsprinzip: „Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur, Hahnemann) entsprechen soll, muss mir erst jemand erklären. Das entscheidende Auswahlkriterium für ein homöopathisches Arzneimittel ist ja, dass es an Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen könne wie die, an denen der Kranke leidet.

Und eine Mauer … ist ein bisschen mehr als ein Symptom, oder?

Auf der Seite des Vertreibers steht übrigens folgender Satz:

Please note that any reference to a disease name does not indicate a treatment for this disease. Helios remedies are without therapeutic indications.

Also: wir machen Heilmittel, aber sie sind ohne gesicherte Anwendung.

Auf der anderen Seite … wenn das ein Verkaufshit ist: ich habe zuhause auch noch ein kleines Stückchen. Und mit einer C6 Verdünnung kommt man seeeeehr weit. …. irgendwelche Interessenten?

Nicht so geeignete Mitarbeiter 2: die faule Apothekerin

Nach der Pharmaassistentin nun eine Apothekerin – nur damit nicht das Gefühl aufkommt,  ich sei parteiisch. Gute und schlechte Mitarbeiter gibt es nämlich in jeder Berufsgruppe.

Da war die eine Apothekerin, die ich einstellte, weil ich dringend eine Stellvertreterin brauchte. Ich war nach dem Absprung des Verwalters vor mir eine Zeitlang die einzige Apothekerin im Geschäft –und nach ein paar Wochen 150% Pensum war ich fast bereit alles zu nehmen, was kam. Diese Apothekerin war zwar fachlich noch gut, aber wie sich herausstellte so was von faul und ihr Umgang mit Kunden … unhöflich, genervt, als ob diese sie grad bei etwas stören würden – und sei es nur, dass sie am Computer die Bestellung anschaute – was sie auch noch sitzend tat. Ist eigentlich jemandem schon aufgefallen, dass man uns nie sitzen sieht? Jedenfalls nicht im Laden vorne.

Einmal hat sie einen Fehler bei der Abgabe gemacht (nicht lebensbedrohlich, aber …) und als der Kunde mit dem Medikament zurückkam, tauschte sie es zwar aus, aber meinte dazu nur zu ihm „Das kann halt vorkommen.“ Ummm, Hallo?: erstens: das sollte es nicht und zweitens: das ist keine Entschuldigung!

Nachdem ich sie ein paar Mal auf ihr Verhalten hingewiesen habe, habe ich halt weiter nach einer geeigneten Stellvertretung gesucht und schliesslich auch gefunden. Dann durfte/musste ich sie wieder entlassen. Das ist nie lustig, gehört halt aber auch dazu.

Heute bin ich mit meinen Mitarbeitern rundum zufrieden – und das dürfen sie auch wissen!

Nicht so geeignete Mitarbeiter 1: die Psycho-Pharmaassistentin

In meinen über 10 Jahren, die ich in der Apotheke und Drogerie arbeite, gab es natürlich auch einige Fluktuationen. Die Lehrlinge, die nach 4 Jahren Ausbildung weiterziehen, einige Mitarbeiter die kündigten, um sich anderen Ausbildungen und Jobs zu widmen: wir hatten eine Pharmaassistentin, die Arztgehilfin wurde, 2 Drogistinnen, die jetzt für eine Krankenkasse arbeiten und eine Drogistin, die eine Visagistenausbildung absolviert hat und jetzt in einer grossen Kosmetikfirma arbeitet. 1 Drogist ist heute Ärztebesucher für eine Pharmafirma … Anderen Mitarbeitern mussten wir kündigen, weil ihre Arbeit nicht unseren Anforderungen entsprach.

Da war die Pharmaassistentin, die auf einmal ein paar Wochen ohne Erklärung anzugeben oder ein Arztzeugnis zu bringen nicht mehr zur Arbeit kam. (Das ist eine 100% Stelle, die einfach fehlt) Und als sie dann kam, hatte sie einen derart unmöglichen Umgang mit den Kunden, dass ihr schliesslich gekündet wurde.

Sie schien mir schon vorher ein paar psychische Probeme zu haben und brachte häufig ihre persönlichen Probleme mit ins Geschäft. Ihr zuzuhören, wenn sie erzählte, das war wie eine Seifenoper – jeden Tag was neues. Einmal ging sie mit ihrer Freundin in die Ferien, nur um sie, kaum dass sie dort einen Mann kennengelernt hatte, einfach stehenzulassen. Nett. Ein anderes Mal wetteiferte sie mit ebender Freundin um einen Mann … der sich dann als echter Stalker herausstellte. Ihr Leben war eine Aneinanderreihung von Dramen und kleinen Katastrophen.

Ihr zu kündigen erwies sich als schwierig. Mein Vorgänger entschied sich für die direkte Variante und teilte es ihr in der Apotheke mit. Sie weigerte sich, den Schein zu unterschreiben, dass sie die Kündigung zur Kenntnis nehme. Also schickte er sie ihr in einem eingeschriebenen Brief. Der kam zurück (sie habe keinen Abholzettel im Briefkasten gehabt…), er schickte noch einen. Wieder kam er zurück. Ich vermute mal, sie dachte, wenn sie die Kündigung einfach nicht annimmt, dann wäre sie auch nicht gekündet.

Am Schluss musste mein Vorgänger es so machen, dass er 2 Zeugen unterschreiben liess, die das Ganze mitbekommen haben.

Eher Unangenehm sowas.