die falsche Anwendung (10)

Sagt der Kunde (den ich noch nie vorher gesehen habe) nach dem Kauf einer Packung Detensor* zu mir:

„Weisst Du, wofür Detensor auch gut ist? Wenn Du auf Drogen bist und davon loskommen willst, hilft es beim kalten Entzug. Ich werfe einfach abends ein paar ein und verschlafe dann die Entzugserscheinungen …“

Uh, ähh … dafür sind sie aber nicht wirklich gedacht. Sie so überzudosieren kann gefährlich sein.

Und ausserdem: diese Schneewittchen-Methode ist neben der Gefahr der Überdosierung und Nebenwirkungen nicht dauerhaft, immerhin hat er es angeblich schon ein paarmal gemacht … und ist danach wieder rückfällig geworden.

*ein Schlafmittel auf Antihistamin-Basis, freiverkäuflich.

Normalerweise

Eine Kundin, die ich noch nie vorher gesehen habe kommt mit einer Packung Vitamintabletten und fragt:
„Sind das die Vitamintabletten, die ich normalerweise nehme?“

Das Franchise-F… äh Phänomen

Im Moment befinden wir uns in der Zeit, wo wir in der Apotheke am geschäftigsten sind.

Nicht nur in der Drogerie – wo das Weihnachtsgeschäft jetzt so richtig anläuft, nein, in der Apotheke mit den Rezepten.

Scheint so als müssten jetzt auf Ende Jahr wieder alle noch rasch zum Arzt und/oder die Medikamente auf ihren Dauerrezepten einlösen.

Ich nenne es das Franchise-Phänomen.

Für Nicht-Schweizer: die Franchise ist der Teil der Kosten an Medikamenten und Behandlungen, die man erst mal selbst übernehmen muss. Die Krankenkasse zahlt erst, wenn man über dem Betrag der Franchise ist.

Die Franchise kann man selbst wählen bei der Krankenkasse. Im Moment ist das Minimum 300 Franken, das Maximum 2500 Franken. Je höher die Franchise, desto niedriger die Prämie, die man pro Monat zahlen muss.

Jetzt gegen Ende des Jahres haben viele Leute die Franchise erreicht … und „nutzen“ das nun, um Medikamente praktisch auf Vorrat zu holen – damit sie nächstes Jahr nicht so viel brauchen. Dass das aber eine ziemlich kurzfristige Rechnung ist – weil sie ja nächstes Jahr doch wieder Medikamente brauchen (zumindest die mit den chronischen Krankheiten) und wir nur maximal die Menge für 3 Monate abgeben dürfen … naja, es verschiebt sich einfach etwas, aber sparen tut man dadurch nicht wirklich.

Gibt’s das eigentlich anderswo auch?

Telefondienst

Telefon in die Apotheke

Frau am Telefon: „Hallo ich bin Frau Fordernd, könnten Sie für mich den Arzt anrufen? Ich habe seine Telefonnummer nicht mehr und ich brauche einen Termin!“

Pharmama: „Ah, Nein. Ich kann ihnen gern die Telefonnummer ihres Arztes gern geben, aber sie sollten selber anrufen und den Termin abmachen. Er will sicher mit ihnen reden, worum es geht und ich weiss ja auch nicht, wann sie Zeit haben.“

… und ausserdem bin ich nicht ihre Sekretärin.

Bitte belästigen Sie Ihren Arzt

Bei Dauermedikation sind wir dazu angehalten nachzufragen, wie es den Patienten damit geht. Also: keine Probleme mit der Einnahme, irgendwelche Nebenwirkungen?

Letzte Frage der Apothekerin an den Kunden, der eben Simvastatin – das er schon länger hat -auf neuem Rezept bezogen hat: „Kommen sie mit Ihren Medikamenten gut zurecht?“

Kunde: „Ja, aber wenn ich mein Simvastatin nehme, bekomme ich immer diese Muskelschmerzen.“

Uh, oh! Rote Lampe: „Haben sie das auch dem Arzt gesagt, bei dem sie eben waren?“

Kunde: „Nein, nein, ich wollte ihn nicht damit belästigen.“

Bitte liebe Kunden, das sind so Dinge, die der Arzt auch wissen muss. Auch bei längerem Gebrauch eines Medikamentes können noch Nebenwirkungen auftreten und auch der Arzt sollte das erfahren. Das ist nicht Belästigung, dabei geht es um ihre Therapie!

Simvastin ist ein Cholesterinsenker, der als Nebenwirkung gelegentlich Rhabdomyolyse und Myopathien macht. Für Nicht-Mediziner: der Muskel fängt sich an aufzulösen, was dann noch eventuell zur Verstopfung der Nieren führt. Äussern tut sich das eben durch so Muskelschmerzen – und wenn das auftritt, sollte man das sofort melden und das Medikament in Absprache mit dem Arzt absetzen.

Ähnliches hatten wir auch schon mit ACE-Hemmer und der klassischen Nebenwirkung von denen: Husten. Die Patientin beklagte sich, dass sie seit Jahren (!) schlecht schläft, weil sie immer Husten muss. Der Grund war rasch gefunden, schwieriger war in dem Fall den Arzt dazu zu bringen das Medikament zu wechseln. „Warum wechseln? Es geht doch, sie nimmt das ja schon lange. Das bisschen Husten…“

Insistieren und etwas probieren, bis wir einen geeigneten Ersatz gefunden hatten – dann war die Kundin glücklich – und seither Stammkundin bei uns (vorher war sie woanders).

Rettung in der Not

Die Kundin, die bei der Assura versichert ist und bei uns regelmässig Medikamente bezieht, hat einen Grossteil ihrer Quittungen für ihre bezogenen Medikamente verloren.
Das ist ganz schlecht, denn ohne Quittungen zahlt die Krankenkasse das Geld nicht zurück. Sie sind der Beleg für den Bezug.

Nur gut, dass sie wirklich immer zu uns kommt, so kann ich einfach in ihr Dossier gehen, alle Medikamente, die innert einem bestimmten Zeitraum abgegeben wurden aufrufen und das als Beleg ausdrucken (für andere Apotheken, die das machen: unbedingt Stempel und Unterschrift auf den Ausdruck!).
So bekommt sie doch noch ihr Geld zurück.
Die Weihnachtsgeschenke können doch noch gekauft werden ..

Übrigens: als Tipp: man kann in manchen Kantonen einen Teil des Geldes, das man für Medikamente ausgegeben hat von den Steuern abziehen. Wenn man nun eine Stammapotheke hat und auch selbstbezahlte Medikamente in sein Patientendossier aufnehmen lässt, kann man die am Jahresende auch einfach ausdrucken lassem. Plus es hat den Vorteil, dass man auch bei den OTC Medis gleich sieht, ob sie sich mit denen auf Rezept vertragen.