Was will der Kunde?

Von der Leserin Christine:

Heute kam ein junger Mann in die Apotheke und wollte ein „Anti-Mykolytikum“, nur was ist das?

Übersetzt bedeutet das was er gesagt hat ein „Anti-pilz-lösendes Mittel“

… er meinte aber ein Mucolytikum (ein schleimlösendes Mittel, meist gegen Husten)

… wobei ich wegen dem „Anti“ aber dachte, er will vielleicht ein Antitussivum (also ein husten-dämpfendes Mittel)

Sehr verwirrend ;)

durch viel Nachfragen, sind wir dann gemeinsam drauf gekommen, was er braucht:

doch nur ein schleimlösendes Mittel.

Noch ein typischer Fall von: Fachwörter sind besser zu vermeiden. Vor allem, wenn man nicht wirklich sicher ist.

Ein bisschen Unsterblichkeit

Unsterblichkeit – das wäre was, denken manche.
Auf der anderen Seite – es gibt da tatsächlich jemanden, der zumindest teilweise unsterblich ist, nur hätte sie sich das sicher nicht so vorgestellt.

Aber von vorne. Wir sind sterblich, weil wir aus Zellen bestehen – und Zellen sind zwar in der Lage zu wachsen, sich zu teilen und so fortzubestehen, aber nur eine begrenzte Zeit lang. Man vermutet, dass jede Zelle sich nur eine gewisse Anzahl Mal teilen kann … und dann ist fertig. Darum werden wir älter, darum bauen wir ab, entwickeln mehr Krankheiten mit dem Alter .. und sterben schliesslich.

Das stellte auch die Forscher früher vor gewisse Probleme, denn ihre Zellkulturen, mit denen sie zum Beispiel Vorgänge in den Zellen oder mögliche Medikamente testeten, lebten nicht lange … und wenn man verschiedene nimmt, wird das Resultat oft nicht mehr reproduzierbar.
Doch dann kamen sie – wohl per Zufall – an Zellen, die sich unendlich oft teilten (und das schnell), sich vermehren liessen, jahrelang einfrieren und wieder auftauen – und sie waren menschlich.
Die Zellen, die sich inzwischen in fast allen Laboren der Welt finden, die mit Zellkulturen arbeiten, haben den Code HeLa Zellen bekommen.

Sie stammen von einer afroamerkanischen Frau, die das Pech hatte 1950 an Gebärmutterkrebs zu erkranken. Ihr Name war Henrietta Lacks – wer jetzt denkt, der Name ähnelt sehr dem Code hat recht – damals war es mit der Anonymität von Proben noch nicht so weit her. Henrietta Lacks starb 31 jährig an ihrem Krebs, aber die Zellen, die man von ihrem Krebs entnommen hat lebten weiter. Man fand, dass sie perfekt waren für die Forschung, und so wurden sie weitergegeben. Manchmal auch unabsichtlich, so wurden andere Zellkulturen infiltriert mit HeLa Zellen, die dann überlebten, während die anderen Zellen starben – und so sind heute geschätzt 10-20% auch anders angeschriebener Zellkulturen von ihr – die Masse der Zellen in den Labors der Welt dürfte ihr ursprüngliches Körpergewicht bei weitem übersteigen.

Ihre Zellen wurden benutzt in der Krebsforschung, den Effekten von Strahlung und Giften auf Zellen, in der AIDS Forschung, bei der Entwicklung des Kinderlähmung- Impfstoffes, aber auch für so einfache Sachen wie die Frage, wie Zellen auf Leim, Klebband und Kosmetika reagieren.
HeLa Zellen waren sogar schon im Weltraum – um zu sehen, wie sich menschliches Gewebewachstum bei Zero-Gravity verhält.

Auf der anderen Seite wusste die Familie von Henrietta lange nichts vom Gebrauch der Zellen – und Geld haben sie dafür auch nicht gesehen.
Die Zellen wurden damals ohne Wissen von Henrietta Lacks und Familie übernommen – und, auch wenn heute damit gearbeitet wird und sie gekauft und verkauft werden, wurden sie nie patentiert. Ein Gericht hat schliesslich beschieden, dass die Zellen und Gewebe, das von einer Person abgelegt / weggeworfen werden, nicht mehr Eigentum der Person seien.

So „lebt“ Henrietta Lacks bis heute fort – und solange ihre Zellen in der Forschung verwendet werden.

Nur hat sie nichts mehr davon.

Quellen: http://en.wikipedia.org/wiki/Henrietta_Lacks und http://en.wikipedia.org/wiki/HeLa
Mehr lesen: http://www.smithsonianmag.com/science-nature/Henrietta-Lacks-Immortal-Cells.html

Im Kreis herum

Bei der Dossiereröffnung:

Pharmama: „Haben sie chronische Krankheiten wie zum Beispiel hohen Blutdruck?“

Kundin: „Nein.“

Pharmama: „Nehmen sie irgendwelche Medikamente regelmässig ein?“

Kundin: „Ja, Beloc Zok.“

Pharmama: „Und wegen was nehmen sie das Beloc Zok?“

Kundin: „Gegen meinen hohen Blutdruck.“

…
Pharmama: „Ich dachte sie haben gesagt, sie haben keinen hohen Blutdruck?“

Kundin: „Habe ich auch nicht, wenn ich das Beloc Zok nehme.“

Unsere Arbeit wird nicht einfacher …

Seit ich angefangen habe als Apothekerin zu arbeiten hat sich einiges verändert.

Gut sehen kann man das zum Beispiel am Kompendium – das ist das Werk, das alle in der Schweiz erhältlichen Arzneimittel enthält und die Fachinfo dazu:

Hier der Vergleich 1997 und 2009:

Inzwischen reicht nicht einmal mehr 1 Band. 2 sind es – plus etwa 3-4 Supplemente pro Jahr.

Warum der Grössenzuwachs? Es sind nicht einmal so viele neue Medikamente, aber es sind die Generika.

Beispiel Wirkstoff Omeprazol

1997:

Antra

2009:

Antramups

Omeprax

Omeprazol 1 A Pharma

Omeprazol Actavis

Omeprazol Adico

Omeprazol Helvepharm

Omeprazol Sandoz Eco

Omeprazol Streuli

Omeprazol Teva

Omeprazol Mepha

Omeprazol Spirig

Aus 1 mach 11. Zu meiner Anfangszeit war von Generika noch keine Rede und jetzt gibt es von einer Menge Medikamente unzählige Varianten. Das plus Gesetzesänderungen plus Änderungen bei den Krankenkassen plus Computersystemänderungen etc. etc.

Ja, wir haben es nicht einfach in der Apotheke. Aber dafür bleibt die Arbeit immer interessant.

Nicht verhandelbar

Eine Frau kommt wieder in die Apotheke mit den 2 Medikamenten, die der Arzt gegen ihren zu hohen Blutdruck aufgeschrieben hat: Diovan und Amlodipin.

Frau: „Warum sehen diese unterschiedlich aus?“

Pharmama: „Das sind 2 verschiedene Tabletten, der Arzt hat ihnen 2 aufgeschrieben, weil eine allein nicht genügend nützt.“

Frau: „Die hier (zeigt das Amlodipin) gefällt mir nicht. Geben sie mir stattdessen noch eine Packung Diovan, dann nehme ich sie.“

…

Umm, ich bin eigentlich nicht hier um irgendwelche „Deals“ zu machen – aber wenn sie mit dem Medikament ein Problem haben, könnte ich das vielleicht ihrem Arzt mitteilen, und dann suchen wir einen Ersatz.