missverständliche Anweisung

Meine Apothekerkollegin hat mich letzthin darauf hingewiesen, dass die im Computer vorgegebenen Dosierungshinweise zum Teil missverständlich sein können.

Zum Beispiel: „1 Beutel täglich in Wasser lösen und trinken“

Das Problem: der Beutel (als Ganzes) löst sich ja nicht – auch nicht, wenn man den ganzen Tag wartet. Darum besteht sie darauf das zu ändern in:

„Den Inhalt eines Beutels täglich in Wasser auflösen und trinken.“

Pedantisch, ich weiss. Wobei – ganz unrecht hat sie ja nicht.

Gegen Verständigungsprobleme: Icoon

Das hat wohl jeder schon mal erlebt: irgendwann kommt man mit der Sprache nicht weiter, wenn das Gegenüber nicht diesselbe spricht wie man selbst. Ich kann zwar Deutsch, Französisch, Englisch und die Pharmaassistentin noch Italienisch und Spanisch, aber manchmal hilft einfach nichts anderes als den Stift hervorzuholen und rasch etwas zu skizzieren.

– so habe ich mal jemandem zeigen müssen, wo die Vaginalovula hinkommen: ich habe eine Geburt gemalt …

Aber jetzt muss man das nicht mehr selbst: icoon nimmt einem das ab. Ursprünglich entwickelt für Reisende in fremden Ländern, kann diese iPhone Applikation auch umgekehrt für fremdsprachige Kunden in Apotheke und Drogerie benutzt werden.

Für alle erdenklichen Gelegenheiten gibt es einfache schwarz/weiss Symbole. Aufgeteilt sind sie in 12 Rubriken, rund 500 Icons von Essen über Mittel gegen Heuschnupfen bis zur Tankstelle. Jedes Symbol lässt sich formatfüllend anklicken. Und wer kein iPhone hat: das gibt es auch als Buch.

Hier aus der Kategorie „Health“:

Das Bild für Durchfall sieht … etwas explosiv aus :-)

Apotheken – Computersystem

Über die Problematik von Wechselwirkungen von Medikamenten habe ich hier schon geschrieben. Die Computerprogramme, die wir in der Apotheke zur Kontrolle benutzen werden immer besser. Es zeigt Wechselwirkungen an … und sagt einem nicht mehr nur, ob es eine leichte, mittlere, schwere Interaktion ist, sondern auch ob und grob wie darauf reagiert werden soll:

Kontraindiziert- Die beiden Arzneimittel dürfen nicht gleichzeitig angewandt werden, weil schwerwiegende Folgen dokumentiert sind.

Vorsichtshalber kontraindiziert – Die beiden Arzneimittel dürfen nicht gleichzeitig angewandt werden, weil schwerwiegende Folgen auf theoretischer Grundlage angenommen werden müssen.

Überwachung/Anpassung – Hier sind in jedem Fall Massnahmen erforderlich: Alternativ-Arzneimittel, zeitliche Trennung der Einnahme, Dosis-Anpassung, Dosis-Begrenzung, Überwachung auf unerwünschte Wirkungen.

Bei Risikofaktor überwachen – Hier sind Massnahmen erforderlich, wenn bestimmte Umstände vorliegen: z.B. Risikofaktoren, hohe Dosierung, bestimmte Reihenfolge der Anwendung, länger dauernde Therapie.

Vorsichtshalber überwachen – Die Interaktion ist theoretisch möglich aber bislang nicht dokumentiert, oder tritt nur in Einzelfällen auf, ohne dass Risikofaktoren bekannt sind, oder führt nur zu etwas verstärkten Nebenwirkungen.

Keine Massnahmen – In der Regel keine Massnahmen erforderlich.

… die letzten beiden lass ich mir nicht mal anzeigen.

Aber das System ist bei weitem nicht perfekt. Es wird z.B. nicht angezeigt, wenn ein Patient ein Medikament mit einem Wirkstoff verschrieben bekommt, das er in einem anderen Medikament schon hat – sei das ein anderes Generikum oder neu in Kombination statt als Einzelstoff – das geht unter, wenn man nicht wirklich aufmerksam bleibt.

Interessant ist, dass inzwischen automatisch angezeigt wird, wenn ein Medikament mit ähnlichem Namen bisher bezogen wurde – nur geht das eben nach NAME – nach Inhaltsstoff wäre intelligenter.

Wir können inzwischen auch Allergien gegen Medikamente und Wirkstoffe eingeben – leider ist das keine absolute Garantie dafür, dass das System bei einem Medikament mit dem Stoff dann auch reagiert. Man muss immer noch den Infotext beim Patienten lesen.

Speziell problematisch bei Allergien gegen Zusatz- und Füllstoffe statt Wirkstoffe, denn die sind (noch) kaum eingetragen. Beispiel: Lactose-Allergien, Gluten-Allergien … schön wäre, wenn bei den Medikamenten diese Stoffe in der Zusammensetzung auch aufgeführt wären –was aber meist nicht der Fall ist. Im Moment müssen wir immer separat nachschauen.

Wir können eingeben, wenn jemand schwanger ist – aber das System zeigt uns nicht automatisch an, ob das Medikament in der Schwangerschaft auch geht – rsp. was die Kategorie ist. Dazu muss ich mich durch die Fachinfo lesen.

Fazit: Das System ist nicht schlecht, aber ohne die Aufmerksamkeit des Apothekers (oder der Pharmaassistentin) geht es nicht. Vielleicht liest einer der Entwickler für Apothekensysteme das hier und entwickelt etwas?? Und an die Pharmaindustrie: gebt doch die wichtigen Hilfsstoffe auch an!

Unleserlich – eine Lösung

Ein Patient hat vom Arzt ein besonders unleserliches Rezept bekommen. Er
geht damit zum Apotheker, stark zweifelnd, ob der damit etwas anfangen
kann.
Doch der wirft nur einen kurzen Blick darauf, greift ins oberste Regal,
holt eine geheimnisvolle, große Flasche herunter und füllt dem Patient
davon was in ein Fläschchen.

Mißtrauisch nimmt der es mit nach Haus; das Zeug ist dunkelbraun und riecht
widerlich. Zuerst nippt er nur ein bißchen daran. Aber am nächsten Tag
geht’s ihm schon besser. Nach einer Woche ist er völlig gesund.

Neugierig geht er zum Apotheker und fragt: „Wie heisst denn diese Tinktur,
die sie mir da letzte Woche gegeben haben?“- „Was….Ach so, sie meinen das aus der großen Flasche ganz oben?“ Der Patient nickte.
Der Apotheker zuckt mit den Schultern: „Das geben wir immer, wenn wir ein
Rezept überhaupt nicht lesen können!“

– sowas bräuchte ich bei uns in der Apotheke auch :-)

Wirkung verschlafen

Pharmaassistentin: „Da ist ein Kunde, der jeden Morgen ein Fluctine nimmt und das macht ihn müde.“

Apothekerin: „Sag ihm, er soll das Medikament in dem Fall am Abend versuchen zu nehmen.“

Pharmaassistentin: „Oh, nein, dann würde er ja schlafen, wenn das Medikament wirkt“

…  Offenbar hat da jemand nicht aufgepasst, als das Prinzip vom steady state erklärt wurde.

Kleine Erklärung für den medizinischen Laien: Steady state nennt man in Medizin und Pharmazie das Erreichen eines konstanten Plasmaspiegels eines Wirkstoffs nach mehreren Gaben.  Dabei ist die Elimination des Wirkstoffes aus dem Körper etwa gleich wie das, was man neu zuführt. Das Medikament wirkt dementsprechend idealerweise auch durchgehend. Weil es aber trotzdem kleine Konzentrationsspitzen gibt, hilft es eventuell das Mittel statt am Morgen immer am Abend einzunehmen (oder umgekehrt).