Leistung und Prämien und die Kassen …

Jetzt schon ein paar Mal aufgefallen: Wenn trotz Kontrolle der Abfrage der Versicherungsdeckung feststeht, dass der Patient nur Grundversichert ist bei der Krankenkasse und dieser dann steif und fest behauptet, dass er doch eine Zusatzversicherung hat … handelt es sich in den meisten Fällen um eine Spital-Zusatzversicherung, nicht um eine Medikamenten-Zusatzversicherung.

Ja, da gibt es Unterschiede. Bitte lesen Sie doch nochmals die Unterlagen Ihrer Krankenkasse.

Und in den restlichen wenigen Prozent stellt sich heraus, dass eine Zusatzversicherung für Medikamente tatsächlich mal enthalten war … bis der Patient die Prämien nicht (mehr) bezahlt hat.

Was gar nie stimmt: „Meine Kasse zahlt alles. Rechnen Sie es einfach der Kasse ab, das klappt schon.“

Das war vielleich irgendwann früher mal so – aber selbst wenn Sie „Luxus-Leistungs-Prämien“ zahlen … die Krankenkasse rechnen alle in der Schweiz nach Vorgaben ab. In der Apotheke gilt: Wenn etwas nicht auf der SL-Liste steht, dann übernimmt es die Grundversicherung nicht. Punkt. Was in der Zusatzversicherung übernommen wird und was nicht kann etwas differenzieren  – allerdings kann ich (dank Computer) auch hier schon ziemlich gute Voraussagen geben, wenn etwas nicht übernommen wird. Und wenn ich ziemlich sicher bin, das das nicht übernommen wird: In so einem Fall steht Ihnen frei, darauf zu verzichten oder versuchen die Rechnung selber einzuschicken (nachdem es in der Apotheke von Ihnen bezahlt wurde). (Siehe auch: Was bezahlt die Krankenkasse?)

Mit mir über die Höhe der Prämien zu diskutieren bringt nichts – dafür bin ich (als Apotheke) der falsche Ansprechspartner, auch wenn ich vielleicht sogar ihrer Meinung bin.

Apotheken aus aller Welt, 755: Zafra, Spanien

Wirklich ein Prachtstück, dass mir Juliette aus Zafra, Spanien geschickt hat:

Ich bin meist schweigende Leserin Deines Blogs und bin neulich in Zafra (Spanien) auf die schönste Apotheke gestoßen, die ich je gesehen habe. Die ganze Fassade besteht aus handbemalten Kacheln mit Ornamenten und Szenen von Zafra dazwischen. Der Apotheker war auch sehr freundlich und hat uns sehr viel erklärt, zum Beispiel, wie man bei Kronleuchtern erkennt, ob sie alt oder Kopien sind (Das Kabel läuft bei alten Leuchtern außen am Glas entlang).

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Wurde bisher einfach noch nicht überprüft …

Man lernt ja nie aus … Letztens habe ich (im Zuge meiner Rezept-Ausstellen-Erklärvideos: hier) beim Recherchieren etwas bemerkt. Zolpidem untersteht dem Betäubungsmittelgesetz … aber was ist mit der anderen Z-Substanz, die wir in der Schweiz haben: Zopiclone? Ich finde nix.

Also habe ich beim BAG nachgefragt:

Mir ist aufgefallen, dass in der Betäubungsmittelverzeichnisverordnung https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20101220/index.html#app2 Zopiclone (der Wirkstoff zum Beispiel des Medikamentes Imovane) nicht mehr aufgeführt ist. Als Z-Substanz mit starkem Abhängigkeitspotential analog Zolpidem müsste das eigentlich auch auf der Liste der kontrollierten Substanzen b zu finden sein. Ich vermute einen Fehler? Sollte das nämlich wirklich so sein, dann fällt das starke Schlafmittel (als so ziemlich einziges) nicht mehr unter die Betäubungsmittelkontrollverordnung – und dürfte fast unbegrenzt vom Arzt verschrieben werden.

und folgendes von der swissmedic zur Antwort bekommen:

Wie Sie richtig schreiben ist die Substanz Zopiclone nicht als psychotrope Substanz in der Betäubungsmittelverzeichnisverordnung BetmVV-EDI SR 812.121.11   https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20101220/index.html  aufgeführt. Es handelt sich dabei nicht um einen Fehler, Zopiclone war in der Schweiz noch nie als kontrollierte Substanz gelistet. Auch das International Narcotics Control Board INCB, Organ der UNO betreffend Kontrolle und Listung von narcotic drugs und psychotropic substances hat die Z-Substanz Zopiclone nicht in der „Green List“ der psychotropen Substanzen aufgeführt. Die UN-Vorgaben sind für alle Mitglieder-Länder zwingend. Die World Health Organisation, WHO führt regelmässig Überprüfungen von Substanzen mit Abhängigskeits- und Missbrauchspotential durch und empfiehlt diese, wenn nötig, dem INCB zur Aufnahme in die Liste. Bei Zopiclone hat bis heute unseres Wissens keine solche Überprüfung stattgefunden.

Emmm– WAS? Ist ja der Hammer. Und irgendwie auch nur bürokratischer Unsinn. Aus fachlicher Sicht ist es ziemlich offensichtlich, dass es sich um ein Betäubungsmittel handelt. Und wir haben genügend Abhängige, die das belegen können …

(hier entsetztes Emoticon einfügen)

Apotheken aus aller Welt, 754: Pala, Indien

Nach langer (langer!) Pause kommt hier wieder ein Bild einer Apotheke – aus Indien. Danke Katrin! Sie schreibt dazu:

Als fleißige Leserin musste ich natürlich meine Stamm-Apotheke im indischen Pala in der Region Kerala fotografieren. Hier deckten wir uns vor allem mit Tiger-Balm ein. Die Region hat wenig ausländischen Tourismus, daher freute es uns um so mehr, im Apotheken-Besitzer einen Europa-Fan zu finden. Vor zehn Jahren machte er eine Art Roadtrip von Schweiz bis nach Berlin. Für uns gewöhnungsbedürftig: Tabletten werden hier nicht pro Packung rausgegeben, sondern nach Bedarf. Das heißt, dass der Blister auch schon mal zerschnitten wird, wenn jemand nur zwei Tabletten braucht.

PalaIndien

Ich musste nach meinem Computerausfall vor ein paar Monaten wechseln: jetzt habe ich nicht mehr Photoshop (da zu teuer und das alte Programm läuft unter dem OS nicht mehr) Affinity Photo. Das braucht etwas Einarbeit, aber jetzt habe ich es soweit im Griff, dass in Zukunft wieder mehr Apothekenfotos kommen können. In nicht allzu grosser Grösse (wie gewünscht). Danke, dass ihr mir trotzdem weiter Bilder geschickt habt … sie kommen, (in was für einer Reihenfolge weiss ich noch nicht) – demnächst.

Mystery – Ausschlag und Augenprobleme im Juni?

Ah verflixt. Könnte die Mutter nicht noch einmal zurückkommen? Vorgestern in der Apotheke hatte ich einen Fall, der mich etwas rätselnd zurückliess. Eine Mutter brachte ihren Sohn, der am Wochenende mit einer Spielgruppe im Wald war. Am Abend schon hat sie beim Kleider wechseln und waschen dann einige juckende Flecke an ihm entdeckt, am anderen Morgen waren die (ziemlich gleichmässig) über den ganzen Körper verteilt. Sie hatte ihn dabei, also konnte ich einen Blick auf den Ausschlag werfen und sie und ihn ein paar Sachen fragen. Leider hat mich das nicht weitergebracht.

Die Flecke sahen aus wie Mückenstiche, ziemlich viele und verteilte. Aber sie waren auch unter den bedeckenden Kleidern – deshalb ist das wohl auszuschliessen. Ditto eine Reaktion auf irgendwas phototoxisches (also zum Beispiel Kontakt mit einer Pflanze, deren Saft dann mit der Sonne reagiert)… Etwas Allergisches? Aber die Mutter meinte, er sei nicht der einzige Betroffene, andere Kinder der Gruppe haben das auch. Hmmm … wie ist der Impfstatus? (Vielleicht eine der Kinderkrankheiten – wobei das nicht wirklich so aussah). Er ist geimpft gegen das übliche (Masern, Mumps, Röteln), Windpocken hatte er ziemlich stark schon mal und wie Röteln oder Scharlach sah das auch nicht aus – zudem hatte er keine Bläschen oder ähnliches im Mund. Schwimmen war er nicht und ins Gras gelegen ist er auch nicht … da gibt es noch einiges, was

Puh – ich musste passen. Aber da es ausser ziemlich starkem Juckreiz keine Beschwerden machte, habe ich innerlich ein Antiallergikum (in dem Fall Feniallerg) empfohlen und ihr gesagt, sie soll es beobachten und falls es schlimmer wird dem Arzt zeigen.

Und jetzt bekomme ich auf facebook (wieder) ein Bild von Eichenprozessionsspinnern in der timeline gezeigt. Die Raupen scheinen eine echte Plage zu sein momentan. Sie sind auch nicht ganz ungefährlich: Kontakt führt zu (allergischen) Reaktionen der Haut, Augen und sogar Atemwege und sollte unbedingt vermieden werden. Offenbar reicht es aber schon, wenn man unter den Bäumen spazieren geht um einen Ausschlag zu entwickeln … Oh!

Das könnte es gewesen sein! Obwohl der Junge (zum Glück) ein eher leichter Fall war: bei näherem Kontakt entwickelt man auch Bläschen im Mund und Augenentzündungen sowie Asthmaartige Symptome. Zur Behandlung entfernt man die üblen Häärchen durch duschen oder abspülen und verwendet Antiallergika und Cortisonhaltige Salben zur Juckreizlinderung.

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Bildquelle: Kleuske on commons.Wikimedia.org

Das nächste Mal weiss ich das. Offenbar kommt das auch immer mehr vor, da die Tierchen bei uns einwandern. Augenprobleme, die auf das zurückzuführen sein können habe ich dieses Jahr übrigens auch schon ein paar Mal gesehen. O-Ton betroffene (mit einem roten Auge): „das kam so plötzlich, als sei mir etwas ins Auge geflogen!“

 

Dieses böse Korson …

Beim Verkauf eines Medikamentes kommen wir (der Patient und ich) auf ein anderes Thema.

Patient: „Ich lese immer die Packungsbeilage – so habe ich letztens gemerkt, dass die Salbe vom Hautarzt für mein Bein dieses gefährliche Mittel enthält, das dick macht und einen dann umbringt. Dieses Korson …

(Ich habe einen Moment gebraucht um zu merken, dass er Cortison meint).

Es folgt eine längere Erklärung von mir darüber, was Cortison ist und was es macht und dass es praktisch nur dann gefährlich ist, wenn man es sehr hochdosiert über längere Zeit anwendet. Vor allem wenn man es einnimmt – von der Anwendung einer Salbe an einer kleinen Stelle am einen Bein über ein paar Tage, wird er kaum etwas merken, ausser dass die Entzündung weggeht.

Patient: „Ja – es ist auch schon viel besser geworden. Nachdem ich das gelesen habe, habe ich es aber nur noch einmal angewendet, die Stelle ist trotzdem fast weg.“

Klar.

Aber mal echt: woher kommt diese (hauptsächlich irrationale) Angst vor topischem Cortisonpräparaten?