Kaffeelöffel

Apothekerin: „Sie nehmen also 2 Kaffelöffel davon vor dem Essen.“
Kunde: „Aber ich trinke keinen Kaffee.“
Apothekerin: „Ich meinte ja auch nicht 2 Löffel voll Kaffee, sondern 2 Kaffee-löffel voll.“
Kunde: „Ja, aber wenn ich keinen Kaffee trinke, was mache ich dann?“
Apothekerin: „Dann nehmen sie einfach 2 kleine Löffel?“
Kunde: „Ok, das kann ich.“

und das ist einer der Gründe, warum es besser ist Mengenangaben von flüssigen Medikamenten in Mililiter (ml) anzugeben – und einen richtigen Messlöffel dazu abzugeben.

Angaben:
Tee- oder Kaffeelöffel: ca. 5ml
Ess- oder Suppenlöffel: ca. 15 ml (an manchen Orten auch nur 10ml)

Genug ist genug

Der Lehrling in der Drogerie ruft mich, nachdem sie für einen Kunden das Teppichreinigungsgerät aus dem Keller geholt, den Mietvertrag ausgefüllt und ihm gezeigt hat, wie es geht, weil der Mann über den Preis diskutieren will.
Der Kunde fragt, warum die Miete für das Teppichreinigungsgerät bei uns 20 Franken am Tag kostet – in der anderen Drogerie sei es nur 10 Franken.

Pharmama: „Das ist unser Preis.“ Viel anderes kann ich dazu nicht sagen.
Mann: „Aber ich bin Stammkunde!“
Pharmama: „Ja, auch Stammkunden zahlen die 20 Franken.“
Kunde grummelt: „In dieser Apotheke hat einfach keine gute Service!“

Moment! Soll ich das jetzt einfach so stehen lassen? Immerhin kenne ich den Herrn, und zwar nicht als Stammkunde: derselbe war vor nicht allzu langer Zeit schon einmal hier …damals habe ich ihm mühsam und mehrmals das Blutzuckermessgerät – das er im übrigen nicht von uns hatte – instruieren dürfen. Und ich habe ihm noch gratis ein neues als Austausch besorgt.
Das sage ich ihm dann auch so.

Was sagt er: „Aber das war gratis.“
Pharmama: „Das Gerät von der Firma ja, aber meine Arbeitszeit – die ist nicht gratis.“

Nein, ehrlich, das macht mich etwas stinkig. Jetzt haben wir ihm einige mal etwas gegeben, ohne etwas zurückzubekommen … und dann so was. Kein Service?

Als er dann noch mal erwähnt, dass er es anderswo günstiger bekommen kann, sage ich es: „Dann gehen sie doch da hin.“ Und räume die Mietunterlagen und alles wieder weg.
Genug ist genug.

P.S: es war nicht alles vergeblich: nur wenig später am Tag kommt jemand anders und mietet das Gerät.

Blutverdünner und Ernährung

So, die grossen Themen in der Reihe Wechselwirkungen von Nahrungs- und Genussmitteln mit Medikamenten haben wir abgehakt. Jetzt kommen wir zu den kleineren und manchmal kontrovers diskutierten Dingen.
Teil 6: Antikoagulation (Blutverdünner) und Nahrung:

Früher hat man gesagt, man muss aufpassen, was man isst, wenn man den Blutverdünner Phenprocoumon (Marcoumar) nimmt. Dem ist heute nur noch bedingt so:

Die Ernährung sollte unter einer Therapie mit Antikoagulantien vom Typ: Vitamin-K-Antagonisten (Marcoumar) in den Grundzügen gleich bleiben, ohne extreme Bevorzugung oder Ausschaltung bestimmter Nahrungsmittel. Es ist wichtig, die Ernährungsweise, unter welcher die Antikoagulantieneinstellung erfolgte, beizubehalten, insbesondere hinsichtlich des Verzehrs Vitamin-K-reicher Nahrungsmittel.

Vitamin K Gehalt in der Nahrung:

  • hohe Gehalte (> 100µg): Gemüse, insbesondere grüne, blattförmige Pflanzen (beispielsweise Blattspinat, Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl, Kopfsalat, Lauchgemüse, Rosenkohl, Sauerkraut, Soja, Zwiebeln)
  • mittlere Gehalte (10-100µg): Getreide, Eier, Kartoffeln und Fleisch
  • niedrige Gehalte (< 10 µg):  Fisch, Früchte und Milchprodukte.

Der Einfluss von Vitamin K-haltigen Nahrungsmitteln wird jedoch oftmals überschätzt.

Cumarinreiche Vegetabilien wie Waldmeister, Steinklee und Tonkabohnen sind hingegen zu meiden, weil die Blutverdünnung dann stärker ist.

Grössere Mengen Alkohol beeinflussen die Blutgerinnung ebenfalls.

Und nicht zu vergessen eine Menge Medikamente! Achtung bei Schmerzmitteln (nur Paracetamol macht keine Probleme) und einer Vielzahl anderer, v.a. rezeptpflichtiger Medikamente – hier ist eine Einstellung der Blutgerinnung und Überwachung wichtig.

Blutverdünner die man spritzen muss (Heparine wie Fragmin, Fraxiparin, Clexane) werden durch die Nahrung kaum beeinflusst. Sie können aber auch mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen haben, v.a. solchen, die auch blutverdünnend wirkenden.

Natürlich Beratung

Beratung gestern in der Apotheke:

Kunde: „Ich brauche etwas gegen meine Sonnenallergie. Sehen sie, ich bekomme da immer so trockene Haut und Bläschen an den Fingern und das  juckt immer so. Ich hatte letztes Jahr etwas vom Arzt, das hätte ich gerne wieder.“
Pharmama: „War es denn rezeptpflichtig?“
Kunde: „Nein. Es war etwas natürliches, die Packung mit gelb und grün und so Blümchen drauf.“
Pharmama überlegt sich, was das sein könnte und bringt ihn erst mal zum Similasan Regal, wo es die Sonnenallergie-Salbe hat. Die hat ein wenig gelb drauf und ein Blümchen.
Kunde: „Oh, ist das eine Salbe? Ich hatte Tabletten.“
Pharmama: „Ah Tabletten?! Natürliche? Hmmmm.“
Ich glaube ich weiss, was das war. Ich bringe ihn zum Apothekenregal zurück und zeige ihm die CetEco von den Sandoz.

Kunde: „Ja, genau die waren es!“
Pharmama: „Ja, die sind gegen Allergien, aber ’natürlich‘ ist das nicht. Das ist ein Antihistamin.“
Kunde: „Ah ja? Ich nehme sie. …und die Salbe, die sie mir vorher gezeigt haben auch – meine Haut ist nämlich sehr trocken, mein Arzt hat mir auch einmal eine Mischung aufgeschrieben von etwas mit Nivea, was sie in der Apotheke machen mussten.“
Pharmama: „Ja, meist sind das Cortisonmischungen.“
Kunde: „Oh, das war Cortison? Uh, ich nehme gerne die von Similasan.“

Immer wieder erstaunlich, wie die Leute (nicht) informiert sind, über die Sachen, die sie nehmen.

Milchprodukte, polyvalente Kationen und Medikamente

Nun also – wie gewünscht – Teil 5 der Reihe Wechselwirkungen zwischen Nahrungs- und Genussmitteln und Medikamenten

Zuerst ein bisschen Chemie: Polyvalente Kationen nennt man die mehrfach positiv geladenen Teilchen zu denen Calcium, Eisen, Aluminium, Magnesium oder auch Zink in Lösung werden: Ca++, Mg++, Fe++ oder Fe+++ etc.
Diese Kationen sind Bestandteil von Antacida sowie Mineralstoffpräparaten und werden häufig im Rahmen der Selbstmedikation erworben oder ärztlich verordnet.

Calciumsalze finden sich in etlichen Multivitamin- und Monopräparate, auf Rezept zur Osteoporoseprophylaxe. (Calcimagon, Calcium Sandoz, Calperos ..)
Eisenpräparate sind bei Eisenmangelzuständen indiziert, beispielsweise während oder gegen Ende der Schwangerschaft. (Maltofer, Tardyferon, Ferrosanol…)
Magnesiumpräparate dienen bei Magnesiummangelzuständen als Ersatz. In der Selbstmedikation werden sie häufig gegen nächtliche Wadenkrämpfe eingenommen. (Magnesium Biomed, Magnesium Diasporal, Mag2 …)
Präparate mit Zink sind indiziert bei Zinkmangelzuständen; (Redoxon mit Zink, Zinkvital…) Zink findet sich zudem in vielen Multivitaminpräparaten.
In Antacida sind neben Magnesiumionen auch Aluminium und Calcium enthalten. (Rennie, Alucol, Riopan,…)

Ausserdem muss man daran denken, dass auch Nahrungsmittel diese polyvalenten Kationen in grösseren Mengen enthalten können, z.B. das in Milch und Milchprodukten (Käse, Yoghurt, Quark) enthaltene Calcium. Oder calcium- und magnesiumreichen Mineralwässer.

Was alle diese polyvalenten Kationen machen ist, dass sie im Magen zusammen mit den Wirkstoffen in manchen Medikamenten Verbindungen eingehen, die schwer löslich sind. Und diese können danach nicht oder nur wenig in den Körper aufgenommen werden. Daraus folgt eine Wirkverminderung bis Wirkungsverlust.

Deshalb:
Abstand von 2 Stunden einhalten zwischen der Einnahme dieser Kationen- sei es in Medikamenten oder Nahrungsmitteln und:

  • Schilddrüsenhormone: Levothyroxin (Euthyrox, Eltroxin, Novothyral, Tirosynt)
  • Gyrasehemmer- Antibiotika (Ciprofloxacin, Norfloxacin)
  • Tetracyclin-Antibiotika (Doxycyclin, Minocyclin)
  • Bisphosphonate (Osteoporosemittel) wie Alendronat (Alendron, Fosamax) oder Etidronat (Bonviva)

Bei den Antacida (den Mitteln gegen Magenübersäuerung) wie Rennie, Riopan, Alucol etc sollte man sicherheitshalber diesen 2 Stunden Einnahme-Abstand auch mit anderen Medikamenten einhalten, da man hier nicht nur das Problem der Komplexbildung mit den Kationen hat, sondern wegen der Magensäureneutralisation auch eine Veränderung des pHs und damit verbunden eine eventuelle Veränderung der Wirkstoffaufnahme – meist auch eine Verschlechterung.

Übrigens: Bei den Tetracyclinen gibt es grosse Unterschiede wie sie durch die gleichzeitige Einnahme von Milch beeinflusst werden. Bei Doxyzyklin, Minozyklin haben wir eine bis ca. 30% verminderte Serumkonzentration – Aber: andere Tetracycline, die in der CH nicht im Handel sind, werden mehr beeinflusst: bis 70% Verminderung.

Der Grund liegt darin, dass Doxycyclin ist verhältnismässig gut lipidlöslich, darum scheint die Substanz auch als Calciumkomplex durch die Membranen zu diffundieren und aufgenommen zu werden.

Bei einigen Doxycyclin-haltigen Spezialitäten wird die Einnahme mit Milch zur Reduktion möglicher Magenbeschwerden empfohlen. Da frage ich mich, ob es nicht besser wäre, das Antibiotikum statt mit Milch einfach während dem Essen zu nehmen? Das sollte gegen eventuelle Magenbeschwerden genauso gut helfen und nicht so problematisch sein wegen den polyvalenten Kationen wie in der Milch.

Die Namen in den Klammern sind die in der CH zugelassenen Medikamente – es handelt sich um eine Auswahl, es gibt noch mehr mit den Wirkstoffen. Die Liste erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.