Die Grippeimpfung dieses Jahr

Dem Schweinegrippe-Hype letztes Jahr haben wir es zu verdanken, dass sich offenbar einige weniger gegen die Grippe impfen lassen als sonst – und im Gesundheitswesen befürchtet man deshalb dieses Jahr wieder einige mehr Kranke und Tote deswegen.

Was ich in der Apotheke  mitbekomme, ist eine ziemliche Verunsicherung um die Grippeimpfung allgemein.

Da ist zum Beispiel die Krankenschwester, die sich gegen die Grippe impfen lassen soll vom Spital aus – sie will aber nicht die Schweine-grippe-Impfung.
– Sie hat Pech, denn das H1N1 California-Virus (oder eben die Säuli-Grippe) ist im diesjährigen „normalen“ Grippeimpfstoffmix enthalten. Jedes Jahr sucht die WHO – mit mehr oder minder Erfolg -die 3 Stämme aus, die am wahrscheinlichsten Probleme machen werden, und dieses Jahr ist das Schweinegrippevirus mit dabei. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass ein H1N1 Stamm dabei ist. Für mich ist das ein Zeichen, dass sie auch das Schweinegrippevirus jetzt zu den normal verbreiteten Viren zählen, nicht unbedingt dafür, dass es extrem gefährlicher ist, als die bisherigen.

Die nächste Grippeimpfungsfrage war, wo sie den Virus denn züchten.
– „In Eiern“, war meine Antwort. „Also nicht mit Kühen?“ – Nö. Die Person schien erleichtert.
Ich bin nicht ganz sicher, warum jetzt die Frage kam, vielleicht aus religiösen Gründen, oder die Person hatte Angst vom Rinderwahn.

Was ich auch noch gut finde ist, dass in den aktuellen Grippeimpfungen keiner dieser umstrittenen Zusatzstoffe drin ist, die sie in die Schweinegrippeimpfung letztes Jahr gemacht haben, um die Immunantwort zu verstärken (ich sag jetzt mal: um die Viren zu strecken, weil sie auch nicht so viel Material hatten für die Menge Impfstoffe, die sie produzieren mussten).

Eine andere Person erzählt mir, dass sie es sich überlegt, wegen der Impfung, aber sie habe letztes Mal eine allergische Reaktion darauf gehabt. Wenn ich aber nachfrage, erzählt sie mir, dass die Reaktion in einer Rötung und leichtem Schmerz an der Einstichstelle für 2-3 Tage nach der Impfung bestanden hat… Also: das ist keine allergische Reaktion! Das ist eine normale Nebenwirkung, die in etwa 10% der Fälle auftritt. Sie kann demnach Problemlos wieder eine Impfung haben.

Ausserdem sind in allen in der Schweiz enthaltenen Impfstoffen die Viren inaktiviert. Es bekommt niemand die Grippe von der Grippeimpfung! Was durchaus sein kann ist, dass man eine Erkältung bekommt – oder die Grippe von einem anderen Virus, der umgeht. Der Schutz ist auch nicht vollständig und die Immunantwort hängt von verschiedensten Faktoren ab – unter anderem sicher auch, wie die Person sonst „zwäg“ ist. (Der Gesundheitszustand und der Seelenzustand).

Ich muss zugeben, gegen die Schweinegrippe letztes Jahr habe ich mich dann doch nicht impfen lassen, aber die normale Grippeimpfung schon – auch dieses Jahr wieder. Grundsätzlich kann ich die Grippeimpfung nur empfehlen. Ich selbst mache sie seit Jahren, ohne Probleme – weder von der Impfung noch von späteren Grippe- oder Erkältungskrankheiten.

Alt und Neu – Beispiel Deutschland

Daniela schickt mir ein paar Fotos zu dem Thema.

Nicht wirklich „Vintage“, aber gute Beispiele von relativ aktuellen Packungsänderungen – und der damit verbundenen Problematik.

hier ein paar Fotos vom jeweils alten und neuen Packungsdesign einiger Medikamente. Foto 1 und 3 sind zwei Generika-Hersteller 1A Pharma und AbZ, ich weiß nicht ob es die in der Schweiz auch gibt? Gerade die Packungsveränderung von 1a Pharma ist noch in vollem Gange, ich hoffe immer, es verwirrt die Patienten nicht allzu sehr.

1A – die Firma gibt es in der Schweiz auch, Actavis auch, aber AbZ nicht.

Übrigens: bei der AbZ sieht man auch, wie die Packungen immer grösser werden (nicht Mengen- sondern Volumen-mässig). Über so „Monsterpackungen“ hatte ich es schon mal irgendwo im Blog.

Ich will ein Antibiotikum!

„Ich will ein Antibiotikum!“ – Das ist ein Satz, den wir gelegentlich in der Apotheke zu hören kriegen. Die Antwort darauf ist normalerweise: „Dafür brauchen Sie ein Rezept, da müssen Sie zuerst zum Arzt gehen.“
Damit stossen wir vor allem bei Ausländern teilweise auf krasses Unverständnis. Vor allem bei denen, die in ihren Ländern Antibiotika ohne Rezept bekommen.

Dass das bei uns halt nicht  so ist, hat verschiedene Gründe:
– damit das Antibiotikum wirkt, muss es das richtige AB sein. Je nach Erreger muss man andere nehmen. Deshalb ist optimalerweise ein Erregernachweis nötig, das geht nur beim Arzt / im Spital.
– Selbst wenn man schon einmal ein AB gehabt hat und jetzt wieder das gleiche will: Sind Sie sicher, dass es auch wieder das gleiche Bakterium ist? Und wenn es wirklich das gleiche ist: bedeutet das nicht, dass ein anderes AB genommen werden muss, weil das erste offensichtlich nicht alle Bakterien gekillt hat, so dass die Infektion zurückgekommen ist? Auch das gehört zum Arzt.
– Mit AB die nicht lange genug, unregelmässig oder nicht in genug hoher Dosierung genommen werden züchten wir bei der Anwendung AB-resistente Bakterien. Das heisst, dass es wichtig ist, die AB richtig zu nehmen, damit sie auch in Zukunft wirken. Und bei freiverkäuflichen Medikamenten nehmen es die Patienten noch eher falsch ein.

Viele Kunden wünschen auch AB gegen Dinge wie Nasennebenhöhlenentzündung oder Schnupfen. Diese werden aber im Normalfall von Viren verursacht, da nützen AB rein gar nichts! Die Ärzte geben auf Wunsch oft trotzdem eines ab – gegen besseres Wissen sozusagen, denn wie gesagt, gegen Vireninfektionen könnte man genausogut einen Fruchtsirup geben. Im Prinzip ist das dann eine Placebo-Gabe – nur halt mit Nebenwirkungen.

 

Ich hatte letzthin eine ältere Kundin (ursprünglich aus Italien), die wollte unbedingt Penicillin gegen ihre Augenentzündung. Dass Sie eine Augenentzündung hatte, war deutlich, das Auge war reichlich verklebt. Da reichen unsere rezeptfreien Augentropfen nicht aus. Aber Penicillin zum Einnehmen sah ich nicht als angezeigt an. Ausserdem ist die Indikation bei Penicillin wie folgt:

Leichtere Infektionen durch grampositive penicillinempfindliche Bakterien, insbesondere Angina, Bronchopneumonie, Bronchitis, Tonsillitis, Sinusitis, Otitis media, Erysipel, Impetigo, Pyodermie.

Also nichts von Augeninfektionen. Es war Samstagnachmittag (natürlich) und die Kundin ist ganz schlecht zu Fuss. Ich bot Ihr deshalb an, ihr Augentropfen mit Antibiotikum abzugeben, sie müsste dann nur am Montag zum Augenarzt gehen, damit der das Auge ansieht und ein Rezept ausschreibt. Ausserdem kann damit wesentlich weniger schief gehen, weil das AB lokal wirkt.

Sie wollte nicht. Sie wollte etwas zum Einnehmen.

(Seufz)

Apotheken in aller Welt, 55: Tanzania

Hanna schickt uns dies:

Endlich komme ich auch dazu, dir meine Urlaubs Fotos zu schicken…! Das war eine unglaublich tolle Idee von dir, ich freue mich über über neue Fotos auf deinem Blog! Bin PTA und drücke mir deshalb regelmäßig die Nase an Schaufenstern platt :D
Also, ich war in Tanzania und habe versucht, typische, lokale und kleine Apotheken zu fotografieren. Leider kann man als Mzungu (Fremde/Weiße) nicht einfach Gebäude, Geschäft oder Menschen fotografieren ohne böse Blicke und Beschimpfungen zu ernten… deshalb hab ich leider nur Fotos aus dem fahrenden Auto, nicht ganz das, was ich erhofft hatte, aber okay!
Die Apotheken haben kein einheitliches Logo, fast alle haben „Duka La Dawa“ (Swahili-Bezeichnung für Apotheke) aufgemalt, im Centrum größerer Städte steht häuft dann auch mal Pharmacy auf dem Schaufenster!
Auch was die Namen der Apotheken angeht, gibt’s große Unterschiede. Die meisten kleinen haben keinen wirklichen Firmennamen, dann gibt’s aber auch noch „Sabrina Pharmacy“, „Imperial Pharmacy“ und (mein Liebling) „Hollywood Pharmacy“ :D

Das dritte Foto zeigt eine bekannte Sehenswürdigkeit, die jeder Tourist als erstes sieht, wenn er mit dem Schiff
in Zanzibar Town ankommt. Es ist die „Old Ithnaasheri Dispensary“ die meist nur „Old Dispensary“ oder
„Alte Apotheke“ genannt wird. Sie wurde von einem indischen Berater des Sultans Gebaut, viele Jahre
als Krankenhaus genutzt und ist nun ein Kultur Zentrum.

Da sieht man wieder, wie gut es ist, wenn man ein bisschen die Sprache von dem Land lernt, in dem man ist. Ansonsten würde ich die beiden nicht als Apotheke identifizieren können. Ihr?

Ich habe noch irgendwo gelesen, dass Duka la Dawa Brahidi und Duka La Brawa Muhimu Shops sind, die eher unseren Drogerien ähneln, als Apotheken – da sie nicht alle Arten von Medikamenten verkaufen dürfen.

Getestet und für „sehr gut“ befunden

In der Schweiz gibt es das Magazin K-Tipp, in dem auch immer Tests (und die Ergebnisse) zu verschiedensten Produkten drin sind.

Obwohl ich die Tests eigentlich noch gerne lese und sinnvoll finde, möchte ich an der Stelle jetzt doch einmal etwas Kritik anbringen.

Was bringt es dem Schweizer Leser, wenn sie Produkte zitieren, die nicht in der Schweiz erhältlich sind? Denn die Tests sind oft 1:1 aus dem deutschen Magazin „Öko-Test“ übernommen – was wohl im Text steht, aber von vielen Kunden nicht wahrgenommen wird. Und gelegentlich finden sich wirklich Sachen, die nur in Deutschland zu bekommen sind.

Oder aber: was bringt es, wenn sie Produkte hervorheben, die praktisch nicht zu bekommen sind?

Beispiel gefällig?

Im K-Tipp vom Oktober zum Beispiel über Körperlotionen.
Prominent dargestellt im Bild: Logona Bio Daily Care Sensitive Bodylotion
Steht im Text: … Sechs der „sehr guten“ Körperlotionen sind auch in der Schweiz erhältlich.
Naja. theoretisch ….

Kommt letztens die Kundin und will genau dieses Produkt.
An Lager haben wir es nicht, ich kenne es nicht, aber ich schaue mal.
Oh, gut! Es ist im GalDat Stamm unseres Computers.
Nur: Keiner der Grossisten (also der Zulieferer der Apotheken und Drogerien) hat das.

Ich verspreche der Kundin abzuklären, ob ich das bekomme – bei der Firma oder anderswo, mit dem „Cave“, dass es eventuell zusätzlich Porto und eventuell Einzelhandelszuschlag kostet. Sie will es trotzdem, also mache ich mich an die Arbeit.

Telefon an den Lieferanten von Logona: „Tut mir leid, Bestellungen sind erst ab einem Warenwert von 250 Franken möglich.“
Sie gibt mir aber eine Internetadresse und 2 Läden in der relativen Nähe, die Logona Produkte führen.

Laden Nr. 1 hat nur die Haarpflege und Babysachen von Logona,
Laden Nr. 2 hat es nicht an Lager „Könnte es aber bestellen“, die nächste Lieferung ist in einer Woche…

Im Internet finde ich es schliesslich. Es ist auch bestellbar, aber natürlich mit 7 Franken Porto (für ein ca. 11 Franken teures Produkt) und nur mit Vorauszahlung oder gegen Kreditkarte bei einem Kauf unter 50 Franken.

…

Der Kundin war das dann auch zuviel Aufwand (Internet hatte sie übrigens selbst nicht).

Das Produkt mag ja gut sein, aber … vielleicht wäre es besser, die Produkte zu nennen in den Tests, die man auch (einfacher) bekommen kann?

Alt und Neu (4) : Euceta

Ist sie nicht schön, die alte Euceta (oben)? Ablaufdatum 1987. O-Ton der Pharmaassistentin: „Die ist ja älter als ich!“ :-)

Ganz stimmt die Vergleichstube nicht, weil das die neue Variante mit Kamille und Arnika drin ist – die alte mit nur Essigsaurer Tonerde ohne all das gibt es ja nicht mehr.