Freundin oder Katze?

Aus Amerika

Junge und Mädchen kommen zum Apotheker-

Junge: „Was kann ich nehmen, wenn ich allergisch bin auf Katzen?“

Apotheker: „Was für eine Art allergischer Reaktion haben sie denn?“

Junge: „Mein Hals schwillt zu und ich bekomme Mühe zu atmen.“

Apotheker: „Sie sollten die Katze loswerden.“

Mädchen: Schaut den Apotheker böse an.

Junge: Schaut das Mädchen nervös an und sagt zum Apotheker: „Was, wenn ich das nicht kann?“

Apotheker: „Es wäre wirklich das Beste, wenn sie sich von der Katze fernhielten.“

Junge: „Dann … gibt es gar nichts, was ich nehmen kann?“

Apotheker: „Speichern sie die Notfallstation ganz oben im Telefonspeicher und nehmen sie überall eine Packung Zyrtec mit … wobei das nicht reichen wird. Ein Epi-Pen ist besser, aber auf Dauer ? … Werden sie die Katze los!“

Tragik folgt.

Woher kommen unsere Medikamente? Beispiel Marcoumar

Der Blutverdünner Marcoumar hat auch eine hochinteressante Entwicklungsgeschichte.

A cow
Image via Wikipedia

Es fing alles um 1920 mit einem Haufen toter Kühe an.

Die Kühe waren plötzlich verendet, ohne dass man eine äussere Ursache finden konnte. Man obduzierte darum ein paar – immerhin könnte es sich ja auch um eine neue Krankheit handeln.

Bei der Obduktion stellte man fest, dass ihr Blut nicht gerann. Sie starben an inneren Blutungen. Im Magen der Kühe fand man Heu, das viel Klee enthielt. Das Klee alleine war aber nicht die Ursache, ansonsten wären schon früher Tiere gestorben und viel mehr.

Man fand dann, dass das Heu, das die jetzt toten Tiere gefressen hatten von einer Stelle stammte, wo das Dach des Vorratsstalles leck war. Das Heu wurde feucht und hat geschimmelt. Das Heu von dieser Stelle wurde untersucht und schliesslich fand man, dass der Schimmel einen Inhaltstoff vom Klee – das Coumarin – so verändert hatte, dass ein Wirkstoff entstand, der eben die Blutgerinnung verhinderte: das Dicoumarol.

Ab 1949 wurde das Dicoumarol dann therapeutisch eingesetzt zur gezielten Hemmung der Blutgerinnung. Der Wirkstoff wurde dann weiterentwickelt zum Phenprocoumon – das ist das Marcoumar heute und Warfarin – das hauptsächlich in Amerika eingesetzt wird.

Die Coumarin-Derivate werden eingesetzt zur Thrombose-Prophylaxe, also um Blutgerinsel vorzubeugen z.B. nach Herzoperationen, bei Herzrhythmusstörungen etc.
Die Dosierung muss dabei anhand der Wirkung auf die Gerinnung individuell und vorsichtig angepasst werden –sonst wirkt es entweder nicht genügend oder aber zuviel – und dann passiert im schlimmsten Fall dasselbe wie bei den Kühen.

Das „Gegengift“ von Marcoumar ist übrigens Vitamin K.

Die Überdosierung wird auch ausgenutzt, allerdings nicht in der Medizin: man benutzt Cumarinderivate auch als Rattengift. Die Ratten fressen das und nach einiger Zeit verbluten sie innerlich. Eigentlich ziemlich grausam, aber schneller wirkendes Gift kann man nicht nehmen, sonst verenden die Tiere neben dem Fressköder und dann fassen die anderen Ratten das nicht mehr an – das sind ziemlich schlaue Tiere.

Nachtrag: es hat aus irgendeinem Grund eine frühere Version des Artikels veröffentlicht – das hier ist jetzt die Version, die ich wollte.

Shizophrenie erklärt

In der Apotheke kommt man noch häufiger in Kontakt mit Kunden mit Persönlichkeitsstörungen und psychischen Störungen. Shizophrene stellen davon einen nicht unerheblichen Teil dar. Ich fand Shizophrenie lange Zeit als „schwierig“, da für mich schlecht greifbar.

Es geht bei der Krankheit nicht um das in Medien oft dargestellte „Mensch mit multiplen Persönlichkeiten“. Shizophrenie ist oft subtiler. Jetzt habe ich eine gute und gutgemachte Darstellung im Internet gefunden, die ich gerne mit Euch teilen möchte:

Darryl Cunningham hat das, was er über die Krankheit – und auch etwas über die Medikamente zur Behandlung- gelernt hat als Comic verarbeitet. 11 Seiten, aber unbedingt lesenswert – auch für nicht Gesundheitsberufe.

Zum Comic geht’s hier.

Apotheken in aller Welt: CVS in Amerika

Und noch Mal Stefan:

Außerdem habe ich im Vorbeifahren noch ein CVS aufgenommen, dem wohl größten Anbieter für Pharmazieprodukte in den USA.

Oh ja, noch eine grosse Kette. Die Firmengeschichte besteht hauptsächlich aus Fusionen und Übernahmen:

Wikipedia dazu:

Das Unternehmen wurde in Lowell, Massachusetts 1963 unter dem Namen Melville Corporation gegründet. 1990 erfolgt eine Fusion mit dem Unternehmen Peoples Drug aus Washington D. C. Die Geschäfte von Peoples Drug wurden in CVS Läden umfirmiert. Der Unternehmensname (Firma) wurde 1996 in CVS Corporation geändert. 1997 hatte CVS rund 1.400 Geschäfte und übernahm mit Revco einen weiteren Konkurrenten. Revco bestand aus rund 2.500 Verkaufsgeschäften. Durch die Übernahme gelang die Ausweitung des Geschäfts von der Ostküste in den Raum des Südosten der Vereinigten Staaten und in das Gebiet von Ohio. Mit Arbor Drugs aus Michigan erfolgte eine weitere Übernahme und 2004 kaufte CVS das Unternehmen Eckerd von JCPenney, wodurch das Unternehmen in die Regionen Florida und Texas expandierte. Anfang November 2006 gab CVS die Fusion mit dem KonkurrentenCaremark RX Inc. aus Nashville bekannt. Die neue Firma lautet seitdem CVS Caremark Corporation.

Und – wie es sich für so einen Grossmogul gehört, liest man auch hier in Apothekenblogs wahre Schauergeschichten über die Anstellungsbedingungen und die realitätsfremden Bestimmungen der Chefs zur Steigerung der Produktivität (respektive natürlich des Einkommens). Neuster Gau ist die Vorgabe, dass Rezepte innert 15 Minuten erledigt sein müssen, sonst erhält der Kunde einen 5 Dollar Gutschein. – Jetzt, bei uns in den Apotheken ist das durchaus machbar, aber die Amerikaner haben ein paar Sachen, die wir nicht machen müssen:

  • Die meisten Tabletten werden nicht in Fertigschachteln verkauft, sondern der Arzt schreibt drauf, wieviele Tabletten er will – und man muss sie dann aus Grosspackungen abzählen und abfüllen.
  • Damit das richtig kommt, muss das am Schluss vom Apotheker speziell kontrolliert werden: Mit Programmen, die zeigen, wie die Tablette richtig auszusehen hat . Nicht vergessen: Generika gibt es auch dort – und gelegentlich (häufig) wechseln die Apotheken das was sie an Lager haben – weil günstiger oder etwas nicht lieferbar …
  • Der Selbstbehalt wird direkt in der Apotheke eingezogen – der kann je nach Versicherung und je nach Medikament unterschiedlich sein – und muss vor der Abgabe direkt bei der Versicherung angefragt werden – das passiert auch elektronisch, aber häufig gibt es da Probleme. Auch gibt es einiges, was die Versicherung nicht zahlt – und die Versicherung weigert sich auch, etwas zu übernehmen, wenn es z.B. zu früh wiederholt wird auf Dauerrezept.
  • Und wie bei uns gibt es Probleme mit Wechselwirkungen, unleserliche Rezepte, Kunden mit Allergien und Nebenwirkungen etc. Lustig auch: in den Arztpraxen darf jede (ungelernte) Angestellte ein Rezept in die Apotheke telefonieren – aber entgegennehmen darf das nur der Apotheker persönlich.

So eine grosse Apotheke kann pro Tag durchaus 300 Rezepte und mehr haben. 15 Minuten? Seeehr knapp. Das geht auf Kosten der Patientensicherheit.

Unterschiedliche Erziehungsmethoden

Ein Thema passend zum Muttertag :-)

Vorausschickend: Ich bin der Meinung, dass es nicht „die“ perfekte Erziehung geben kann – jedes Kind ist anders und darauf sollte eingegangen werden. Was richtig ist für meinen Junior muss nicht richtig sein für jemanden anders – und umgekehrt.

Und jetzt, nachdem das geklärt ist, werde ich in den nächsten Sätzen genau das Gegenteil behaupten …

Junior und ich sind im Mukiturnen. (Mutter-Kind-Turnen). Einmal pro Woche etwas über 1 Stunde mit etwa 12 anderen Kindern und deren Mütter – gelegentlich auch Väter.

Interessant finde ich es zuzusehen, wie andere das so machen, z.B.das Umziehen vorher – wir müssen Turnschuhe anziehen, die nicht draussen gebraucht werden. Und da gibt es alles. Während das bei mir und Junior meist so läuft:

Pharmama: „Junior: zieh die Schuhe aus, wir müssen die Turnschuhe anziehen!“
… Junior müht sich, schlüpft aus den Schuhen, wirft sie (irgendwo) unter die Bank.
Pharmama: „Und jetzt die Turnschuhe.“ (reiche sie ihm)
Junior schlüpft hinein – müht sich mit dem Verschluss: „Kannst Du mir da helfen?“
Ja, kann ich, mache ich auch, wenn es gar nicht will.

Anderes Kind: herziges, kleines Mädchen, etwas jünger wie Junior: Sie zieht die rosa Schühchen sehr sorgfältig ab. Stellt sie zusammen neben sich auf den Boden. Mama reicht ihr das Paar (ebenfalls rosa) Gymnastikschlappen – das Mädchen zieht sie an. Das dauert etwas, weil das wirklich nicht ganz einfach ist. Mama sitzt inzwischen daneben und wartet geduldig – und zuversichtlich, bis die Aufgabe geschafft ist. Bewundernswert.

Noch ein Kind: Junge, gleiches Alter wie Junior. Junge kommt mit Mama rein, setzt sich. Junior – wie immer Kontaktfreudig versucht mit ihm zu reden, worauf seine Mama eingreift: „So früh musst du nicht mit ihm reden, das verträgt er noch nicht so, weißt du?“ (Es ist fast 10 Uhr!).
Junge streckt Mama die Füsse hin, die nimmt ihm die Schuhe ab und zieht ihm die neuen an. Sie zieht im die Jacke ab etc. Er … lässt das alles geschehen. Klar, die Methode ist die schnellste, aber … Hmmmnnnja.

Aber die meisten sind ganz wunderbare Mütter und ich rede gerne ein bisschen mit ihnen, bevor es losgeht. Derweil rennen ein Teil der Kinder schon in der Turnhalle herum. Mit dabei Junior, 2 andere Jungs und der oben erwähnte. Sie spielen fangen, dabei fällt einem ein, wie lustig es ist, wenn man auf den, der grad umgefallen ist, draufliegt. Wir Mütter schauen zu, aber eingreifen muss man da nicht – sie finden’s lustig. Bis … ja, bis der Junge vom obigen Beispiel hinliegt und Junior und noch einer obendrauf. Nach 3 Sekunden fängt auch schon das Geheul an, worauf Junior und der andere schleunigst runterrollen … und Mama angelaufen kommt. Die nächsten 10 Minuten war sie dann damit beschäftigt, ihn zu trösten und mir böse Blicke zuzuwerfen. Jaja, böser Junior, noch bösere Pharmama.  Mal ganz abgesehen, dass ich der Vollzeitmama, die sie ist (mit tollem Haus und Garten) als Teilzeitmama (sozusagen) schon von Anfang an suspekt war.

Nein, ich bin nicht neidisch. Tasächlich bin ich froh, dass Junior mein Sohn ist.

Der ist viel robuster.