Hartnäckig

…. Nein, nicht die Erkältung, ich meine den Kunden.

Im folgenden meine Seite des Gesprächs mit einem Kunden in der Apotheke vor ein paar Tagen (seinen Teil kann ich weglassen – man kann sich seine Antworten problemlos denken):

Pharmama: „Nein, ich werde ihnen kein Antibiotikum geben. Was Sie haben – soweit ich das beurteilen kann- ist eine hundskommune Erkältung, meist durch Viren verursacht. Antibiotika helfen da gar nichts.“

Pharmama: „Es hilft auch nicht, wenn Sie sagen, Ihr Arzt schreibt ihnen jedes Mal eines auf für dasselbe Problem, wenn Sie ihm das sagen. Das ist ziemlich fahrlässig von ihm – von mir bekommen Sie das nicht.“

Pharmama: „Nein, ich bin kein Arzt, ich bin Apothekerin. Anderes Studium, ähnliches Wissen.“

Pharmama: „Wenn Sie das Antibiotika möchten, müssen sie zum Arzt. Ja, ich weiss, dass das kostet – und nein, ICH denke nicht, dass sie zum Arzt gehen müssen mit ihren Beschwerden – genauso wenig, wie Sie ein Antibiotikum brauchen.“

Pharmama: „Ja, Ehrlich, sie bekommen keines von mir.“

… Aaargh! Abregen Pharmama.

Packungswechsel

Ein kleiner Beitrag von Ann-Kathrin,

ich hab vorhin 2 Packungen in der Hand gehalten und musste gleich an die liebe Pharmama denken
Eventuell sind sie für Dich gar nicht von Bedeutung, weil die Packungen nicht sehr weit auseinander sind (die obere, ältere läuft 2013 ab, die untere, neuere 2015).

Die Packungen sind noch zu „jung“, um in die „Alt und Neu“- Reihe zu passen, aber dazu fällt mir etwas anderes ein:

Auch bei uns hat das Imodium die Packung gewechselt, jetzt ist es hellblau statt grün.

Ein Kunde kommt damit zurück und fragt: „Ist das dasselbe ?“ (zeigt alte Packung).

Pharmama: „Ja, das ist es.“

Kunde (nicht überzeugt): „Aber: diese hier  (die neue) ist günstiger!“

Pharmama: „Ja, das stimmt, sie hatten auch einen Preisabschlag letzthin.“

Kunde: „Das kann nicht sein.“

Pharmama: „Doch doch, auch Medikamente werden teilweise günstiger.“

Der Preis ist heute gar kein gutes Kriterium mehr, um etwas zu finden

– früher konnten wir noch so danach suchen: „Das war eine Packung mit A, die 5.95 kostet.“

Heute wechselt das so rasch, im Prinzip kommen wir selbst mit dem Anschreiben nicht nach. Juli gingen die Preise von vielen runter, Anfang November ist der nächste grosse Abschlag angekündet – und das sind „nur“ die SL-Medikamente, die freiverkäuflichen können 2 x im Monat wechseln …

Alt und Neu: Leukoplast

Eine Blogleserin schickt uns dies:

anbei ein Bild alt: Leukoplast
Noch in einem Metalldöschen und darin Reste des ursprünglichen Inhalt – klebt allerdings nicht mehr ;-) Ich habe leider keine Ahnung von wann. Preis und Haltbarkeitsdatum steht leider auch nicht drauf.

und so sieht die Packung neu aus:

Plastik -fantastic :-/

 

Woher kommen unsere Medikamente? Am Beispiel Regaine

Vor 20 Jahren wurde der Wirkstoff Minoxidil in den USA nach den üblichen Tests und Studien als Bluthochdruck-Mittel mit Gefässerweiternder Wirkung zugelassen. Es handelt sich um Tabletten, die geschluckt werden. Das Medikament heisst Loniten und wird heute nur noch als Reservemedikation gebraucht, wenn auch die Kombination anderer Blutdruckmittel nicht den gewünschten Effekt bringt.

Aber der Wirkstoff gehört zu den gefragtesten – zumindest in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe :-)

Warum? Unter der Behandlung hat man festgestellt, dass manche der Patienten eine Hypertrichiose entwickelten – eine vermehrte Körperbehaarung und eine Verdunklung und Verstärkung bestehender Haare.

Darauf wurde vom Unternehmen untersucht, ob auch eine äusserliche (topische) Anwendung von Minoxidil Haarwuchs anregen könnte.

Dem war so! – zumindest in einem genügend grossen Teil der Fälle. Hier haben wir noch einen Fall, wo aus einer Nebenwirkung eine Hauptwirkung wird – wie bei Viagra.

Also vermarktete man die Minoxidil-Lösung als Regaine (oder Rogaine in manchen Ländern) als Mittel gegen Haarausfall – auch genetisch bedingten. Und damit man etwas davon hat, gibt es sie mit verschiedenen Applikatoren – immerhin muss man das auch 2x täglich und regelmässig langfristig anwenden, weil sonst die Haare wieder ausfallen.

Der Wirkmechanismus ist nicht ausreichend bekannt, man geht von einer Förderung der versorgenden Gefäße und dadurch vermehrte Durchblutung der Haarpapille aus.

Auf der anderen Seite sind die Nebenwirkungen: Hautreizungen, Augenreizungen, ungewollter Haarwuchs an anderen Körperstellen aber auch Haarausfall …

Für Ratten und Katzen ist Minoxidil übrigens hochgiftig.

Regaine/Rogaine wird heute von Johnson & Johnson vertrieben, früher von Pfizer, noch früher war es Pharmacia/Upjohn – die haben es auch entwickelt. Seit 1996 ist das Patent abgelaufen und es gibt Generika.

Es gibt mancherorts noch Pregaine Shampoo – in der Schweiz nicht mehr. Das enthält allerdings trotz Namensähnlichkeit kein Minoxidil, es ist einfach ein mildes, parfümfreies Shampoo. Das war auch etwas, was gerne als Muster abgegeben wurde  um den Regaine-Vertrieb anzukurbeln …

Apotheken in aller Welt: 161, Burg/Dithmarschen, Deutschland

Herzlichen Dank an Wiebke!

anbei Bilder von einer hübschen alten Apotheke: Die königlich privilegierte Apotheke am Markt in Burg/Dithmarschen (Schleswig-Holstein). Es gibt in dem Ort auch ein kleines Heimatmuseum, in dem man die frühere Einrichtung dieser Apotheke besichtigen kann. Auf den Seiten dieses Museums findet man auch einiges zur Geschichte der Apotheke am Markt: http://www.burger-museum.de/die_museums-apotheke.htm

Schnuckelig!