Apotheken in aller Welt, 193: Saint Gengoux le National, Frankreich

besten Dank nochmal an muetze vom strickmuetze.blogspot.com aus Frankreich für dies:

Die zweite ist die Apotheke aus Saint Gengoux le National. Innen ist sie sehr modern gehalten, ich hatte mich aber nicht getraut zu fragen ob ich innen fotografieren darf.

Die ist ja schnuggelig. So ich gelesen habe, ist Saint Gengoux le National ein Kanton – also ein Verwaltungsgebiet – wie heisst denn das Dorf, wo die Apotheke ist genau?

Woher kommen unsere Medikamente – Wirkstoff-findung

Ich habe in ein paar Posts über die Entwicklung der Medikamente heute geschrieben. Was dabei auffällt ist, wie oft der Zufall dabei eine Rolle gespielt hat:

Verschiedene Umstände machen den Zufall so prominent bei der Entdeckung von Medikamenten. Unser Körper, Wirkstoffe und ihre Wechselwirkung sind so komplex, dass wir sie selbst heute noch trotz enormem wissenschaftlichem Fortschritt nicht komplett verstehen.

Während einer langen Zeit unserer Entwicklung standen wir diesbezüglich fast vollkommen im Dunkeln. Unser Unwissen dämpfte aber nicht das Verlangen nach etwas um Krankheit und Leid mindern zu können. Wir suchten nach Medikamenten und Behandlungsmethoden.
In der Verzweiflung nahm man das wenige, das man an Wissen hatte und ging Risiken ein und versuchte neues.
Die Erinnerung an die Fehler die gemacht wurden und der Preis der dafür gezahlt wurde findet sich heute noch im Wort Pharma … das griechische Pharmakon bedeutet beides: Heilmittel und Gift.

Glücklicherweise waren nicht alle Ergebnisse tödlich, manches führte zu wertvollen Erkenntnissen. Durch Versuch und Empirik gelangten unsere Vorfahren zu Wissen über das Erkennen von Krankheiten, deren Verlauf und manch Behandlungsmethoden und auch erste Medikamente.

Ein Medikament ist eine chemische Struktur die wirksam und sicher ist für die Behandlung einer Krankheit oder ihrer Symptome.
Die ersten Medikamente waren Chemikalien, die man aus Pflanzen extrahierte, von denen bekannt war, dass sie wirkten. Z.B. das Schmerzmittel Morphin aus Opium und auch der Weidenrindenextrakt, den wir im Aspirin wiederfinden.

Neben der Natur haben Medikamente heute eine zweite Quelle in chemischen Labors, welche Atome und Moleküle kombinieren um neue Verbindungen zu schaffen. Die Hersteller von Chemikalien, (speziell von Farbstoffen) bekamen ein weiterer Eckstein der pharmazeutischen Industrie.

Die Natur bietet Millionen von Substanzen aus Pflanzen und Organismen und Chemiker können nochmals so viele produzieren. Wie findet man jetzt in diesem Heustock an Substanzen die wenigen mit therapeutischem Potential, diejenigen, die sich gegen eine Krankheit einsetzen lassen?

4 G’s: Geduld, Geschick, Glück und Geld – das war die Antwort von Paul Ehrlich, dem Vater der Medikamententherapie.

Basierend auf der Beobachtung, dass verschiedene Färbemittel unterschiedlich auf verschiedene Zelltypen färbten entwickelte er um 1900 die „Rezeptor-Theorie“ – nämlich dass Chemikalien an unterschiedliche Rezeptoren der Zellen binden und so eine Wirkung auslösen.
Ein Molekül, speziell ein Toxin (Gift) könnte sich gezielt an ein Bakterium binden und es töten. Zur Zeit der Formulierung reine Spekulation entwickelte sich diese Rezeptor-Theorie 50 Jahre später zur Grundlage der Pharmakologie.
Paul Ehrlich selbst untersuchte hunderte Arsen-haltige Verbindungen um sie gegen das Bakterium, das Syphilis verursacht einzusetzen und 1909 entwickelte er so das Medikament Salvarsan. Die vielen möglichen Verbindungen zu testen ist langwierig und oft langweilig und es ist immer noch das Element des Glücks vorhanden, das einen einen wirksamen Stoff finden lässt.

Die Natur ist ein riesiges Grundlager. Der Mikrobiologe Selman Waksman und sein Team begannen 1939 Mikroben, die im Boden lebten nach Aktivitäten gegen pathogene (krankheitserregende) Bakterien zu testen. Über die Jahre testeten er und seine Gruppe einige zehntausend Mikroben … aus denen (oder deren Produkten) schliesslich 10 Medikamente entstanden. Das wichtigste davon: das Antibiotikum Streptomycin gegen Tuberkulose.

Gesponsert von pharmazeutischen Firmen, Staatsbetrieben und Universitäten durchforsteten Bioprospektoren darauf jeden Winkel der Erde um Proben der Erde, der Luft und Wasser zu nehmen und Pflanzen zu sammeln- manchmal geführt durch Erkenntnisse der Volksmedizin.
Aus dieser Sammlung kamen die Hinweise auf die meisten Antibiotika, Immunsuppressiva, Krebsmittel und über 100 der bedeutendsten Medikamente heute.

Dann in den 1970ern nahm die Zahl der neuen Substanzen ab. Nachdem man Millionen von Mikroorganismen und Pflanzen getestet hat brachten neue Tests nur dieselben alten Substanzen.
Das Pendel schwang zurück zur anderen Quelle für Wirkstoffe: synthetische Chemikalien. Medizinische Chemiker haben über die Jahrzehnte viele Wirkstoff-ähnliche Substanzen produziert. Ab den späten 1980er Jahren  wurde deren Produktivität noch erhöht durch die kombinatorische Chemie, die neue Verbindungen tausendmal schneller und zu niedrigeren Kosten produzieren kann. Bibliotheken mit Millionen von chemischen Verbindungen sind in industrie- und akademischen Labors angesammelt. Computer, Roboter, Miniturisierung und andere Technologien ermöglichen es Forschern sie effektiv zu handhaben. Man kann heute bis 100’000 Verbindungen täglich screenen.

Dieses Massen-screening ist nicht notwendigerweise blindes Suchen. Heute sucht man gezielt in „chemischen Bibliotheken“ mit entsprechenden Themen nach aussichtsreichen Verbindungen.

Je mehr wir über die Funktion des Körpers wissen, je mehr wir erkennen, welche Strukturen dabei eine Rolle spielen und wie sie aussehen desto gezielter können wir nach Substanzen suchen, die mit diesen Strukturen interagieren. Die Theorie mit den Rezeptoren verhält immer noch. Dank Elektronenmikroskopen wissen wir, wie die Rezeptor-Proteine aussehen und wo sie Andockstellen für Substanzen haben – die dann Reaktionen in der Zelle auslösen. Und dann wird gezielt nach Substanzen gesucht, die in diese Stellen passen.

Etwa 5000 oder mehr mögliche Ziele für Medikamente sind dadurch bekannt. Die praktische therapeutische Anwendung aber braucht viel mehr an Forschung was die physiologische Rolle dieser Ziele betrifft und die Wechselwirkung mit Medikamenten-ähnlichen Substanzen.

Vorher haben Menschen alles versucht ohne Ahnung, ob es auch funktionieren würde. Versuch und Irrtum spielen heute immer noch eine grosse Rolle, aber nun wird das gelenkt durch das (teilweise) Wissen um die Ziele des Medikaments. Das Wissen um die Struktur des Zielmoleküls gibt den Pharmakologen eine Idee, wie das neue Medikament aussehen sollte. Aber Zufall … und Glück, das braucht es auch heute noch.

Demnächst: vom Wirkstoff zum Medikament

Zwei Anmerkungen von der Drogistin

Liebe Kunden in der Parfümerie. Es ist keine gute Idee, die Nase direkt an den Sprayer des Parfums zu halten um den Duft zu testen. Warum? Weil man da erstens nicht viel vom Parfum riecht – nur das, was vorher mal gespritzt wurde und weil, wenn das alle machen, die Möglichkeit gross ist, sich mit irgendwas anzustecken.
Ja, es ist Schnupfenzeit. Und nein, der Alkohol, der ist innen in der Flasche, draussen klebt dann das, was vorher eventuell in irgendeiner Nase war.

…

Für die Frau, die zum wiederholten Male nur in die Drogerie kommt, um gezielt nach einem speziellen Muster zu fragen: Nein, für Sie haben wir keine Widmer Augensalbe Muster mehr, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie einmal etwas bei uns gekauft haben. Muster sind für Kunden. Wenn sie nie etwas bei uns kaufen, sind sie auch kein Kunde.

…

Ende der Durchsage, danke für’s lesen.

Der Apotheken „Anti-Knigge“

(Rerun vom 20. Juni 2011) – Nur weil es immer noch so viele Leute gibt, die sich in der Apotheke richtig zu benehmen wissen :-)

  1. Wenn Du 10 Minuten bevor die Apotheke aufmacht ankommst, ist es absolut ok, vor der geschlossenen Glastüre zu stehen und die Mitarbeiter anzustarren. Vergiss nicht mit den Füssen zu scharren, laut zu seufzen und alle paar Sekunden auf die Uhr zu schauen, bis sie die Türe aufmachen. Falls eine der Mitarbeiterinnen Dir ein Zeichen gibt, dass sie sie bemerkt hat und dass sie in ein paar Minuten aufmachen, roll mit den Augen und schau genervt.
  2. Wenn es Dein erstes Mal in dieser Apotheke ist: mach Dir keine Sorgen, weil du die Krankenkassenkarte nicht mitgenommen hast. Sag ihnen einfach es sei die Groupe Mutuel und sie werden auf magische Art und Weise zu der notwendigen Information über die Versicherungsdeckung kommen.
    Frag sie genau aus, was die Versicherung an den Medikamenten, die über die Zusatzversicherung gehen zahlt. Glaub ihnen nicht, wenn sie sagen, dass sie das nicht könnten.

  3. Wenn Du eine Krankenkasse hast, die keinen Vertrag mit den Apotheken hat und Du deshalb selbst zahlen musst, oder etwas auf dem Rezept ist, dass die Versicherung nicht zahlt, so ist das die Schuld der Apotheke. Dann musst Du für Dich einstehen, laut werden und eine Szene machen. Die Mitarbeiterin der Apotheke wird Dir vermutlich sagen, dass nicht sie bestimmen, was übernommen wird. Alles Lügen. Und Deine Krankenkassenprämie ist natürlich so hoch, weil die Apotheke die Leute abzockt.

  4. Du kannst von der Apotheke erwarten, dass sie immer alle die Medikamente, die der Arzt für dich aufgeschrieben hat an Lager haben, selbst die seltenen und obskuren. Darum sollte es auch überhaupt kein Problem sein kurzfristig zu kommen, weil Deine Tabletten ausgegangen sind – auch nicht für die wirklich lebenswichtigen Sachen. Und wenn Du auf dem Weg zum Flughafen für die Ferienreise bist – genau dann ist der richtige Moment rasch für das Malariamittel in der Apotheke vorbeizuschauen.
    Wenn sie Dir dann sagen, dass sie keine (mehr) an Lager haben und dass sie es erst morgen wieder bekommen – erinnere Dich: es ist absolut ihr Fehler. Dann darfst Du schreien und sie beleidigen. Sie haben kein Recht von Dir zu erwarten vorauszuplanen. Verlang ein Wiedergutmachungsgeschenk für all die Probleme, die sie Dir verursacht haben.

  5. Es ist auch überhaupt nicht Dein Job zu wissen, welche Medikamente Du nimmst, wofür sie sind und wann sie ausgehen. Wenn Du ein Dauerrezept hast, geh‘ einfach in die Apotheke und verlange, dass sie Dir alles abgeben, was „nach ist“. Und falls sie fragen welche Du brauchst, sag Du weißt es nicht, weil das ja nicht in Deine Verantwortung fällt.

  6. Die Aufgabe der Apotheke ist, Dir zu dienen. Du bist die wichtigste Person in ihrem Leben, denn Du zahlst ja auch ihren Lohn. Darum musst Du dir auch keine Gedanken machen um 5 Minuten vor Ladenschluss mit 7 Rezepten zu kommen. Und falls sie fragen, ob es ok ist, es auf morgen bereit zu machen, verlange, dass sie es gleich jetzt ausführen – auch wenn Du nicht zwingend alles heute noch bräuchtest. Falls die Angestellten dabei die Miene verziehen, dass sie jetzt 20 Minuten über Ladenschlusszeit noch arbeiten müssen, versichere sie, dass Du Dich über ihre miese Arbeits-Einstellung beim Inhaber der Apotheke beklagen wirst.

  7. Falls Du nach Ladenschluss kommst und Du noch eine Angestellte herauskommen siehst, während sie die Jacke anzieht, halte sie an und verlange, dass sie zurückgeht und deine Rezepte ausführt. Akzeptiere keine Ausreden wie „die Computer sind heruntergefahren“ und „die Kassen sind alle abgeschlossen“, „die Apothekerin ist nicht mehr da“ oder „ich muss nach Hause, Kindern und Mann zu Essen machen“. Das sind keine validen Entschuldigungen, Dich bis morgen warten zu lassen. Sag ihnen, dass Du in Zukunft Dein Geld in einer anderen Apotheke ausgeben wirst, da es sie ja offenbar nicht interessiert, dass Du ihren Lohn zahlst.

Habe ich noch etwas vergessen?

Die Pille danach für davor

Leser Jörg hat mich auf diesen Artikel im Spiegel aufmerksam gemacht: „Pille danach für davor„.

Es wird ja in unterschiedlichen Ländern auch unterschiedlich gehandhabt, wie man an die „Pille danach“, die Notfallkontrazeption kommen kann.

Während man dafür in Deutschland und in Italien noch zum Arzt muss, um sich ein Rezept dafür ausstellen zu lassen, bekommt man sie in Österreich und der Schweiz ohne Rezept in der Apotheke. In der Schweiz braucht es dafür ein Beratungsgespräch mit der Apothekerin.

In anderen Ländern kommt man sogar noch einfacher an die Pille danach. In Amerika kann man sie ab 17 Jahren über den Ladentisch in der Apotheke kaufen. In Grossbritannien bekommt man die Pille danach sogar in den Drogerien und in Frankreich wird sie nach Bedarf auch an der Schule an Schülerinnen abgegeben.

Eines hatten alle aber gemeinsam: Es war die Abgabe „danach“ … das ist auch bei uns so. Auf Vorrat bekommt man sie nicht – höchstens noch via Frauenarzt. Und jetzt kommt Grossbritanniens British Pregnancy Advisory Service (BPAS) und schickt die Pille nach einem paarminütigem Telefongespräch per Post – mit dem klaren Hintersinn sie zu besorgen, bevor man sie braucht …. damit sie dann nicht so viele ungewollte Schwangerschaften haben nach den Festtagen. Denn … „ungeplanter Sex kommt vor.“

Klar tut es das. Aber … an die Pille danach kommt man in Grossbritannien schon einfach genug (oder?). Ein Schutz gegen Geschlechtskrankheiten (die wieder enorm im Kommen sind) ist es auch nicht. Kondome zu verteilen wäre da in meinen Augen wesentlich sinnvoller. Und Aufklärung. Viel mehr Aufklärung, nicht nur Betreff Verhütung, sondern auch Betreff Geschlechtskrankheiten und was es bedeutet, Kinder zu haben. Grossbritannien hat ein Problem in die Richtung: „In keinem anderen westeuropäischen Land werden so viele Teenager schwanger wie in Großbritannien, in wohl keinem anderen Land der Welt treiben mehr Minderjährige ab. „

Schwieriges Thema. Eure Gedanken dazu?