Nehmen und gut?

Frau kommt in die Apotheke und will etwas gegen das Fieber bei ihrem Kind: „Aber nicht Dafalgan, das hat nicht geholfen.“

Ich empfehle demnach Algifor Sirup und sie sagt: „Das habe ich auch schon probiert. Das wirkt … aber nur für 6 Stunden.“

Echt?

Ich bin mir nicht ganz sicher, was sie erwartet. Dass einmal nehmen reicht? Wenn das ursprüngliche Problem noch da ist – zum Beispiel die Infektion, dann kommt auch das Fieber wieder, sobald die Wirkung des Mittels nachlässt. Das ist bei allen so.

Apotheken in aller Welt, 199: Schwäbisch Hall, Deutschland

Besten Dank an Katrin für 3 neue Apotheken aus Schwäbisch Hall. Heute: die erste

Ich sende dir Fotos von drei interessanten Apotheken aus Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg, Deutschland). Zwischen den Jahren habe ich dorthin mit meiner Familie einen netten Ausflug gemacht.  Bekannt ist die Stadt unter anderem durch die gleichnamige Bausparkasse, die jährlich stattfindenden Freilichtspiele (auf einer 500 Jahre alten Treppe!) und die schöne, historische Altstadt.

Die Löwen-Apotheke befindet sich in einem spätmitteralterlichen Gebäude direkt am Marktplatz. Reingeschaut habe ich nicht, aber auf der Homepage kann man auch ein Foto von der sehr schönen Materialkammer aus dem späten Barock anschauen, die wohl noch in Benutzung ist: http://www.apothekenloewen.de/html/unsere_apotheke.html

Altehrwürdig. Die Materialkammer, würde ich gerne mal live sehen.

Schritt für Schritt

Das ist ein Schrittzähler. Letztes Jahr im Sommer gab es von Mepha so eine Aktion, an der man als Apotheke teilnehmen konnte. Man bekam 6 Schrittzähler und die Apotheke, die am Ende von einer Woche am meisten Schritte nachweisen konnte, gewann – ich glaub einen Fussabtreterteppich, den man selbst entwerfen konnte. Eigentlich nett. Mich interessierte vor allem, wie viel wir so laufen in einem Tag.

Ziemlich viel, wie sich herausstellt: Oben der Zähler der Pharmaassistentin am Ende des ersten Tages.

Leider waren die Schrittzähler derart miese Qualität, dass ein kleiner Druck auf das Gehäuse die gespeicherte Zahl verschwinden lässt und es wieder bei 0 beginnt. So war das Teil von der Pharmaassistentin am Ende des Tages leider das einzige, das vielleicht korrekt gezählt hat. Ich habe das Ganze dann abgebrochen.

Trotzdem, das wären noch beeindruckende Zahlen geworden …

10’000 Schritte entsprechen übrigens je nach Schrittlänge zwischen 5 und 7 Kilometern. Die Leute, die in einer Apotheke arbeiten haben wirklich keinen Bürojob :-)

Will-kommen

Komm in unsere freundliche Apotheke, nachdem Du jahrelang bei der Konkurrez gewesen bist, die Dich letzthin verärgert haben und beginne Dein Kundendasein bei uns, indem Du dem Personal „Deiner“ neuen Apotheke genau erklärst, was Du von ihnen verlangst:

– dass sie alle Deine Medikamente an Lager nehmen (inklusive den teuren, selten gebrauchten Betäubungsmitteln),

– dass wenn etwas neu ist und nicht da, es innert 12 Stunden gebracht werden muss,

– dass Du jeweils einen Ausdruck der Medikamente möchtest, die abgegeben wurden – nicht, dass wir mehr abrechnen, als wir geleistet haben.

Bring uns nur ein Blatt mit einer Liste Deiner Medikamente – ohne Stärkeangabe oder Dosierung und beschimpfe die Pharmaassistentin, wenn sie nachfragt – in welcher Apotheke das Rezept ist, respektive welcher Arzt es ausgestellt hat.

Bringe die alte Krankenkassenkarte, wo die Nummer gewechselt hat und erkläre, es sei unsere Aufgabe, Deiner Krankenkasse anzurufen und der richtigen Nummer und Deckung nachzurennen, schliesslich profitieren wir ja davon und nicht Du.

Benimm Dich, als ob Dir die Apotheke gehört und Du allein den Lohn der Angestellten bezahlst . Und dann beklage Dich noch bei der Apothekerin über das ungebührliche Verhalten der Pharmaassistentin.

Das ist genau das Verhalten, das man braucht, damit man bekommt was man will.

– ich glaube die andere Apotheke hat absichtlich irgendeinen „Fehler“ gemacht, damit er endlich wechselt.

Magische Bilder

Kennt hier noch jemand „das magische Auge“? Vor einigen Jahren (inzwischen Jahrzehnten?) war das ein wahrer Boom und es gab einige Bücher mit diesen Bildern. Ich habe auch noch ein paar hier.

Im Prinzip ist das wie 3D-sehen ohne Brille.

Aber es braucht etwas Übung. Früher konnte ich es ohne Brille wesentlich besser, heute habe ich bemerkt, geht es – sobald ich den Trick wieder draussen habe- auch mit. Der Trick … ist ein bisschen schwierig zu erklären. Man muss durch das Bild durchschauen – nicht auf die Punkte fixieren, sondern eigentlich auf etwas dahinter. … das lange genug gemacht und auf einmal nimmt das Bild Form und Tiefe an.

Spoiler: das ist das Bild, das im oberen versteckt ist:

Wer sieht es?

 

Die Unbekannte aus der Seine – oder: warum wir eine Tote aus dem letzten Jahrhundert versuchen wiederzubeleben

Sie wurde um 1900 tot aus der Seine bei Paris gezogen. Wahrscheinlich eine Selbstmörderin. Es war Brauch rasch eine Totenmaske aus Wachs anzufertigen, bevor der Verfall die Gesichtszüge zu sehr zerstören konnte. Anhand der Totenmaske konnte man sie auch später noch identifizieren.
Wenn das Opfer unidentifiziert blieb und niemand Anspruch auf die Leiche erhob, wurde das Wachs nach einiger Zeit wieder eingeschmolzen und für andere weiterverwendet. Die Leiche landete in einem Armengrab.

Traurigerweise war das wohl auch das Schicksal dieses toten Mädchens. Selbst wenn ihre Identität entdeckt würde, es war unwahrscheinlich, dass sich die Familie eine richtige Beerdigung leisten könnte.
Zumindest sah das Mädchen friedlich aus – so wenige, die man aus dem Wasser der Seine zog taten das. Und die rasch angefertigte Totenmaske aus Wachs war ebenso schön im Ausdruck. Das Gesicht des Mädchens hatte eine stille Ernsthaftigkeit, ein wissendes Lächeln. Sie war eine Wachs-Mona Lisa.

Der Maskenmacher war so angetan von ihrer Schönheit, dass er es einem Freund erzählte der Journalist war und ihre Geschichte und ihr Bild weiterverbreitete.

Niemand kam, um ihre Leiche abzuholen. Sie kam unidentifiziert ins Grab. Aber ihre Maske wurde nicht eingeschmolzen. Es wurden Abdrücke gemacht, die bei vielen Künstlern an den Wänden landeten. Von den Abdrücken wurden weitere Abdrücke gemacht und von Frankreich aus auf dem ganzen Kontinent verbreitet. Sie wurde zum Schönheitsideal einer ganzen Generation von jungen Deutschen Frauen. Es wurden Romane und Gedichte über sie geschrieben.

Dann kam der Krieg und mit ihm ging ihre Geschichte vergessen, die Masken aber fanden sich noch in dunklen Ecken alter Häuser, in Kisten und bei dem Kleinkram, der auf Flohmärkten verkauft wird.

Aber ihre Geschichte ist noch nicht vorbei.

1958 war Doktor Peter Safar unterwegs, ein Pionier auf dem Feld der Herzlungen-Wiederbelebung, des CPR (cardiopulmonary resuscitation) und dabei seine Erkenntnisse weiterzugeben. Während er in Stavanger, Norwegen einen Vortrag hielt, war ihm einmal mehr bewusst, dass es keine einfache Methode gab, den Leuten seine lebensrettendende Technik beizubringen. Er selbst hatte zum üben stark betäubte Freiwillige verwendet, aber das war zu unpraktikabel um das anderen so beizubringen. Obwohl seine neue Technik effektiv war, schien es, als würde sie im dunkeln verschwinden.

Unter seinen Zuhörern war ein anderer Arzt, Bjorn Lind, der eine plötzliche Eingebung hatte: warum nicht ein Mannequin benutzen, eine lebensgrosse Puppe? Sein Freund, Asmund Laerdal, dessen Sohn letztes Jahr beinahe ertrunken war, war Spielzeughersteller und gerade dabei von Holz zu weicherem Plastik zu wechseln. Lind dachte, dass Laerdals Wissen um das neue Material und um die Herstellungsmethoden vielleicht eine Lösung anbieten könnte und dass ihn das Projekt vielleicht auch persönlich interessierte.

In Zusammenarbeit entwickelten die drei Männer ein lebensgrosses Mannequin. Safar und Lind steuerten ihr Wissen um die Anatomie bei, Laerdal sein Wissen um Material und Puppenproduktion. Sie schafften es und hatten schliesslich einen Prototyp, der anatomisch korrekt im Ansprechen und Widerstand war, wenn man auf den Brustkorb drückte.

Obwohl der Prototyp funktionell war, hatten sie dennoch das Gefühl er war nicht ganz fertig. Der Kopf des Mannequins hatte keinerlei Gesichtszüge ausser einem Mund. Weil sie glaubten, dass eine realistischere Erscheinung die Studenten besser motivieren würde, entschieden sie, dass ihre Puppe ein Gesicht bräuchte.

Laerdal traf, als er eine ältere Verwandte besuchte auf eine Keramik- Replika der Unbekannten aus der Seine und fand es perfekt für sein Vorhaben.

1960 ging das CPR Mannekin in Produktion – Resusci-Anne … und Laerdals Fabrik stellte kein anderes Spielzeug mehr her.

Seit dieser Zeit haben sich unzählige Leute bemüht, das Leben eines Mädchens zu retten, für das – schon als es gefunden wurde – es keine Hoffnung mehr gab. Aber … indem sie es versuchen haben sie die Fähigkeiten gelernt, das Leben von anderen zu retten, für die es noch Hoffnung gibt.

Im Bild oben eine der ursprünglichen Resusci-Anne Puppen. Heute sind die Gesichtszüge zwar immer noch an die Unbekannte aus der Seine angelehnt, aber doch schon sehr vereinfacht – siehe unterstes Bild.

Ich werde nie mehr einen CPR Kurs besuchen können, ohne an die Unbekannte an der Seine zu denken. Auf eine seltsame Art hat sie doch überlebt.

Quelle:  http://www.laerdal.com/docid/1117082/The-Girl-from-the-River-Seine , Wikipedia und mehr.