(Gute und schlechte) Gründe, warum man die „Pille danach“ braucht

Allerbesten Dank an Nicoretta für diesen Gastbeitrag (oh und wie ich das kenne!)

Ich hätte da vielleicht noch etwas für einen Beitrag zur „Pille danach“. Ich habe letztes Jahr mal was für dich aufgeschrieben aber irgendwie nie losgeschickt:

Dies ist eine – bestimmt nicht vollständige – Liste von Gründen, wieso Kundinnen (und Kunden) in unserer Apotheke bisher die „Pille danach“ verlangt haben:

  • Die junge Frau möchte noch in den Ausgang und holt sie vorsichtshalber jetzt schon einmal, damit sie am nächsten Morgen ausschlafen kann… O-Ton: „Das ist am nächsten Tag immer so umständlich! Und da ich heute schon mal hier bin…“
  • Man holt die „Pille danach“ für eine Freundin… (Ja, klar…!)
  • Man(n) holt die „Pille danach“ für seine Freundin… (Nö, die muss schon selber kommen…)
  • Das Paar hatte ein Kondom benutzt, das aber LEIDER geplatzt ist. Dann bevor es geht, sagt der Freund: „Schau mal, die haben auch Kondome! Komm wir kaufen gleich eine Packung, dann haben wir das nächste Mal wenigstens welche.“ (Nie ärgern, nur wundern!)
  • Das Kondom ist beim Sex abgerutscht; dann kommt aber heraus, dass die Dame zusätzlich auch noch die Pille nimmt und das SEHR, SEHR regelmässig und genau. (Nein, die will wohl echt keine Kinder!)
  • Die Frau mittleren Alters hat schon 3 (fast erwachsene) Kinder und nach Jahrzehnten das erste Mal vergessen die Pille zu nehmen. (Ja, das IST ein guter Grund!)
  • Ein Kondom wurde 24h nach dem Sex in der Scheide gefunden (Wieso merkt man das erst so viel später? – Nein, ich will es gar nicht wissen…) Übrigens war die Dame dann aber erst 3 Tage nach dem spektakulären Fund bei uns; sie dachte allerdings es sei Freitag, obwohl es schon Samstag war… (Egal was Sie nehmen: Nehmen Sie weniger davon!)
  • Die junge Frau ist am Morgen nach dem Ausgang ohne Unterwäsche mit einem Unbekannten im Bett aufgewacht und kann sich an den feuchtfröhlichen Abend nicht mehr erinnern… (Einen HIV-Test würde ich Ihnen da vielleicht auch noch empfehlen…)
  • Man ist erst 16 Jahre alt und hatte in den letzten paar Stunden Sex mit 4 verschiedenen Typen; und die bringt man gleich alle in die Apotheke mit – da die vier Herren den Kaufpreis unter sich aufteilen wollen… (Manchmal bin ich froh, dass ich noch keine Kinder habe!)
  • Die junge Dame hatte vor mehr als 2 Wochen ungeschützten Sex und kommt erst jetzt!
  • Man hat eine Tochter, die sich mit ihrem Freund darauf geeinigt hat, dass er beim ersten Mal ein Kondom benutzt. Nach vollzogenem Akt ist aber kein gebrauchtes Kondom zu sehen… Die Tochter fragt beim Freund nach: „Nein, ich habe dann doch keines benutzt…“ (Netter Kerl! Das Mädchen war 15 und 7/8 und mit seiner Mutter da; die waren beide vielleicht gut gelaunt…)
  • Es kommt billiger 3x im Jahr bei einem One-Night-Stand die Pille danach zu kaufen als das ganze Jahr die Pille zu nehmen. (3 Kondome wären noch günstiger und schützen auch noch vor einer Ansteckung mit HIV etc.)
  • Eine Frau hat den Ehemann betrogen und darf auf keinen Fall schwanger werden! (Ähh ja… Kein Kommentar!)
  • Ein Mann hatte (als ca. 35-jähriger) Sex mit einer Minderjährigen (17), die einen „sehr strengen“ Vater hat und damit er es nicht doch bemerkt, darf sie auf keinen Fall schwanger werden. Er war übrigens ohne die junge Frau da…
  • Die junge Dame hatte in der letzten Nacht ungeschützten Sex. O-Ton: „…und dabei hat es sich noch nicht einmal gelohnt!“ (Ja, der Typ war da und hat es gehört!)
  • Eine sehr junge Frau war mit dem Freund „intim“. Bei genauerem Nachfragen ergibt sich, dass der Freund beim Petting auf den Oberschenkel ejakuliert hatte. (Nachhilfe: Wie ging das mit den Blumen und den Bienen noch…?)
  • Man hatte vor knapp 15 Minuten ungeschützten Sex. (Mann, die waren aber schnell da!)
  • Die Frau hat die Pille immer genommen, in der 7-tägigen Pause ist das Kondom aber geplatzt… (Etwas Aufklärungs-Nachhilfe und eine Beratung ist da wohl eher nötig!?!)
  • Die junge Dame hat ein Rezept für ihren Freund, der an Krücken geht. Sie weiss den Nachnamen des Freundes aber nicht und braucht dann noch die Pille danach…

Wir haben damals in der Apotheke darüber diskutiert, nachdem ich eine Kundin hatte, die eine ganz lustige Begründung hatte, warum sie die Pille danach brauchte… (Das erklärende Bild ist unten.) Und ich habe es dir aufgeschrieben, weil ich dachte, dass das etwas für deinen Blog wäre…

Definitiv!

Und wer noch nicht genug davon hat, findet hier noch mehr Begegnungen um die „Pille danach„.

Die zahlen das einfach nicht!

Ehrlich, das ist mir ein Rätsel, warum die Krankenkasse Groupe Mutuel da so einen Aufstand macht.

Der Fall:

Die Frau bekommt in der Schwangerschaft Magnesiocard Pulver 5 verschrieben. Das kommt noch häufig vor: das Magnesium dient dazu frühen Wehen vorzubeugen, wirkt es doch Muskelentspannend und Krampflösend.

Die Krankenkasse weigert sich, das zu übernehmen.

Ihre Begründung: Magnesiocard Pulver 5 Beutel ist ein Medikament, das in der Schwangerschaft zu Schwangerschaftskomplikationen gehört und in dem Fall muss sie selber zahlen (da sie die Franchise noch nicht erreicht hat).

Ihre Begründung findet sich hier bei Comparis erklärt

Mutterschaft – umfasst Schwangerschaft und Geburt sowie die Zeit nach der Geburt (Wochenbett und Stillzeit). Auf Leistungen bei Mutterschaft muss in der obligatorischen Grundversicherung weder Franchise noch Selbstbehalt bezahlt werden.
Dies gilt aber nur für die Leistungen, die im Krankenversicherungsgesetz konkret aufgezählt sind, also Kontrolluntersuchungen, Ultraschallkontrollen, Geburtsvorbereitungskurs, Entbindung, Betreuung durch eine Hebamme und Stillberatungen.
Hingegen fallen Therapien und Medikamente im Zusammenhang mit Komplikationen unter Franchise und Selbstbehalt. Dies ist im September 2001 vom Bundesgericht so festgehalten worden. Das betrifft z.B. die Hospitalisation zur Vermeidung einer Frühgeburt, die Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes und Infektionen oder eine psychotherapeutische Behandlung von Depressionen nach der Geburt ….

Magnesiocard ein Mittel gegen Schwangerschaftskomplikationen?

Fangen wir doch von vorne an. Mal abgesehen von der Schwangerschaft: Welche Arzneimittel werden aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung bezahlt? (Quelle: BAG)

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung bezahlt sämtliche Arzneimittel, die ärztlich verordnet sind, im Rahmen der zugelassenen Indikationen/Anwendungen gemäss Packungsbeilage verwendet werden und in der Liste der vergütungspflichtigen Spezialitäten (Spezialitätenliste SL) aufgeführt sind. Die Kostenübernahme von Arzneimitteln der SL kann auf bestimmte medizinische Indikationen oder mengenmässig eingeschränkt werden (sogenannte Limitationen, in der SL als Limitatio L gekennzeichnet).

  • Verordnung vom Arzt: Rezept  ✔*Check!*
  • Magnesiocard 5, 10 und 7.5 findet sich auf der Spezialitätenliste  ✔*Check!*
  • Limitationen hat es keine  -✔*Check!*
  • Indikation laut Kompendium:
Therapie des Magnesium-Mangels, verursacht durch z.B. Fehlernährung, Diuretikatherapie, Diarrhoe, Alkoholabusus; Tachykarde Herzrhythmusstörungen, vor allem bei Resistenz gegenüber anderen Antiarrhythmika;
Adjuvans zu Beta-2-Tokolytika bei Prodromi frühzeitiger Geburt resp. drohendem Spätabort;
zur Deckung eines erhöhten Bedarfs im Hochleistungssport und während der Schwangerschaft; ✔
Therapie der Eklampsie, Präeklampsie und des tetanischen Syndroms.
Wadenkrämpfe, Muskelzuckungen, restless legs
*Check!*
Ein erhöhter Bedarf ist doch keine Komplikation! 
Ich kann auch aus Erfahrung sagen, dass die meisten Krankenkassen das anstandslos übernehmen – und ich sehe hier in dem Fall nicht, wieso die „groupe mutuel“ das nicht macht. Mal abgesehen davon, dass ich die Erklärung fadenscheinig finde, halte ich das für sehr unkulant gegenüber der werdenden Mutter. Ich merke mir das jedenfalls als „schlechte“ Krankenkasse – wenn jemand schwanger werden möchte.
Haben andere damit schon Erfahrungen gemacht?