Apotheken in aller Welt, 207: Amrum, Deutschland

Besten Dank an Gudrun:

Um Ostern herum war ich auf Amrum (Insel in der deutschen Nordsee), wo ich häufig an dieser Apotheke in Wittdün vorbei ging. Die Straße war so klein, dass ich Probleme hatte, das Gebäude im Ganzen auf ein Bild zu bekommen – ich konnte nicht weiter weg gehen. In den Fenstern standen ein paar Hautcremedosen, aber für mehr Dekoration wäre auch kaum Platz gewesen.

Rückruf … ruf …. ruf

In Amerika hatten sie gerade eben einen ziemlich unangenehmen Medikamenten-Rückruf. Er betrifft eine Pille (orale Kontrazeptiva) – in den Packungen wurde die Reihenfolge der Tabletten (21 mit Wirkstoff, 7 mit Placebo) nicht korrekt eingehalten. Das sich daraus ergebende Problem kann man sich denken: mögliche Schwangerschaften.

Ziemlich übel, auch wenn  ich gehört habe, dass die Tabletten 2 verschiedene Farben (rosa und weiss) haben. Natürlich wurden die Pillen zurückgerufen (über eine Million Packungen) und die Patienten, die möglicherweise betroffen sind informiert. Hier sieht man zum Beispiel die Medieninfo auf youtube. Wie unglaublich beruhigend ….

Die folgende Begegnung habe ich von einem amerikanischen Kollegen (Danke J!):

Kundin: „ Also, warum haben sie mich nicht gewarnt, als ich diese Tabletten bekommen habe?“

Apotheker: „Weil wir zu dem Zeitpunkt nicht wissen konnten, dass sie nicht in Ordnung waren.“

Kundin: „Aber sie sollten das wissen!“

Apotheker: „Der Rückruf kam erst vor ein paar Tagen. Wir konnten nicht wissen, dass …“

Kundin: „Dann hätten sie sie erst testen sollen!“

Apotheker: „Wir können sie nicht testen. Wir haben die Ausrüstung nicht dafür. Das ist ein Medikament das wir so abgepackt bekommen. Die Herstellungsfirma testet die.“

Kundin: „Haben sie eine Ahnung, um was es hier geht? Ich könnte schwanger sein!“

Apotheker: „Ich verstehe das und sie haben mein Mitgefühl. Ich würde ihnen auch dazu raten, sich einen Schwangerschaftstest zu besorgen. Ich kann ihnen nur wiederholen, dass das nicht in meiner Verantwortung liegt, sondern in der des Herstellers.“

Kundin: „Ich kann es nicht glauben, dass sie mir defekte Tabletten gegeben haben. Warum haben sie sie mir gegeben?“

Apotheker: „Wie ich schon vorher gesagt habe, wir konnten nict wissen, dass etwas mit ihnen nicht in Ordnung war. Wir testen keine Fertig-Artzneimittel, das liegt im Verantwortungsbereich des Herstellers.“

Kundin: „Und was mache ich jetzt?“

Apotheker: „Ich rate ihnen, mit der Packung die sie haben, nicht weiterzufahren, den Ersatz, den ich ihnen gegeben habe zu verwenden und …“

Kundin: „Woher wissen sie, das DIE nicht auch fehlerhaft sind?“

Apotheker: „… Um ehrlich zu sein, das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich kann ihnen aber sagen, dass diese Tabletten nicht von dem Rückruf betroffen sind und …“

Kundin: „Also was soll ich tun? Einfach hoffen, dass ich nicht schwanger bin und die Ersatztabletten nicht auch fehlerhaft sind?“

Apotheker: „Ich habe ihnen alles gesagt, was ich konnte. Der Fehler in den zurückgerufenen Tabletten sind höchstwahrscheinlich ein isoliertes Problem, das eine Produktionsreihe während einer bestimmten Zeit betraf in einer einzigen Fabrik. Diese Pillen hier wurden zu einer anderen Zeit und in einer anderen Fabrik hergestellt – es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie auch defekt sind.“

Kundin: „Ich begreife immer noch nicht, wie sie so nachlässig sein konnten und mir diese zurückgerufenen Pillen gegeben haben!“

Apotheker: „Noch einmal: wir konnten nicht wissen, dass diese Tabletten fehlerhaft sind. Zu dem Zeitpunkt, als sie sie holten, waren sie noch nicht zurückgerufen und sobald wir davon erfahren haben, haben wir sie benachrichtigt.“

Kundin: „Aber sie hätten sie mir schon von Anfang an nicht geben sollen!“

… und nochmal, und nochmal.

Nicht-Apotheken in England

Von zwerg:

Meine Bilder zeigen keine Apotheken, sondern (anscheinend) gängige Alternativen dazu. Zumindest in London und Oxford gibt es solche Läden wie Sand am Meer. Ich weiß selbst nicht, was ich davon halten soll. Besonders bemerkenswert: Herbal Viagra, diese Werbung hing in der ein oder anderen Form (WE CAN HELP mit passendem Bild) in jedem dieser Läden.

Trotzdem musste ich eine Apotheke in Oxford aufsuchen.  Der guten Frau an der Theke habe ich den Namen eines Medikamentes genannt, in der Hoffnung, dass sie mir das englische Äquivalten mit ihrem schlauen Computer heraussucht (Ich wollte Sinupret.). Stattdessen habe ich etwas mit Paracetamol bekommen. Da kann sie mich noch so oft nach meinen Symptomen fragen, mein Englisch reicht dazu nicht aus; vor allen Dingen nicht mit einer kopfverstopfenden Erkältung. Und Sinupret finde ich harmloser als Paracetamol, das hätte ich wesentlich lieber gehabt.

(H)Auslieferungen

Hauslieferungen sind öfter Mal für eine Überraschung gut.

Lustig ist es zum Beispiel, wenn man eine Bestellung ausliefern will, vor dem Haus des Kunden steht und läutet … und es macht niemand auf. Obwohl man hören kann, dass jemand drin ist und obwohl man eigentlich erwartet wird. Gut, wenn man da sein Handy dabei hat und in die Apotheke anrufen kann … damit die dann dem Kunden anrufen können um zu sagen: „Die Kollegin mit Ihrer Medikamentenlieferung steht vor dem Haus und läutet. Könnten Sie ihr bitte aufmachen?“

Schön war auch das hier:

Erst kam ein schüchternes Telefon: „Ist der Herr Vogelfrei vielleicht bei Ihnen Kunde?“ – das haben wir bejaht.

Dann gleich dieses Fax:

… Und nach einem weiteren, ausführlicherem Telefon durften wir anschliessend die Medikamente vom Dauerrezept direkt ins Untersuchungsgefängnis liefern ….

(der Lehrling meinte, das war ziemlich spannend).

Neue Blogs im Medizinischen Zirkel

Blogs kommen und gehen. Hier sind ein paar „Newcomer“:

Alltag im Rettungsdienst – genau das. :-)

Der Rettungslehrling – frisch, in Ausbildung .. und mit einer leicht bösen Ader :-) „Stirbt der Bauer schon im Mai, wird ein Fremdenzimmer frei!“ ?

Psychiatrie to go – Ein bloggender Psychiater. Im Prinzip hat er aus einem der gleichen Gründe angefangen zu bloggen wie ich: weil es keine deutschsprachigen Psychiatrie (oder in meinem Fall Apotheker-) Blogs gibt. Jetzt gibt es also einen … und er ist echt gut!

Gesundheit Schweiz – Neu, gute Info

Der Pflegeblogger – den gibt es zwar schon eine Zeitlang, aber ich habe ihn noch nicht gekannt.

Chirurgenwelpe – die Lehrjahre einer Schneiderin habe ich zwar auch schon eine zeitlang in der Blogroll, aber falls sie jemand noch nicht kennt … reinschauen!

und nicht zu vergessen: die Heldin im Chaos ist wieder da! Ich freue mich!

(Habe ich noch jemanden vergessen? – bitte melden!)