Demonstrierter Placeboeffekt

Die Frau kommt mit einem Rezept für Ventolin. Während sie wartet atmet sie schwer und hustet quer durch die ganze Apotheke und zieht damit viel Aufmerksamkeit auf sich, von Angestellten und Kunden.

Ich beeile mich.

Sie sagt: „Ich brauche das jetzt ganz dringend! Zeigen Sie mir rasch, wie man das anwendet!“ 

Also stelle ich ihr Ventolin vor sie, hole das Demo Gerät und zeige ihr wie das geht: Schütteln, Deckel ab, ausatmen, ansetzen, gleichzeitig drücken und einatmen …

Die Frau greift sich das DemoGerät, inhaliert und … ihr scheint es sofort besser zu gehen! Kein Husten mehr, kein Keuchen, sie atmet auf ….

Alle schauen sie an.

Pharmama: „Äh, das war nur das Demogerät, ich habe ihr Ventolin noch gar nicht aufgemacht.“

Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war unbeschreiblich.

Im Demogerät hat es keinen Wirkstoff drin, es sprüht aber wie das Original.

Preisgestaltung

Mal ein Thema nicht um die Apotheke, sondern eher privat. Ich bin am überlegen, wohin wir in den Herbstferien wollen, respektive, was wir da machen wollen. Eine Möglichkeit ist eine Mittelmeerkreuzfahrt. Das habe ich noch nie gemacht und ich denke, das ist etwas, das auch mit Junior gut möglich ist.

Bei meinen Nachforschungen im Internet (gibt es da viele Varianten) und im Reisebüro bin ich auf etwas interessantes gestossen. Es gibt von manchen Kreuzfahrtveranstaltern Seiten speziell für die Schweiz und solche für Deutschland (ich bin sicher auch für andere Länder). Lustigerweise kommt die Seite für Deutschland bei einer Googel-Suche des Veranstalters bei mir erst viel weiter unten. Aber wahrscheinlich ist das Absicht. Die Seiten .de und .ch bieten dieselben Reisen an -manchmal mit unterschiedlichen Namen. Im Moment (!) ist der Preis bei beiden Seiten für die gleiche Reise auch gleich (eigentlich sogar etwas günstiger, weil es in Franken ist).

Aber … schaut Euch mal an, was die Reise sonst kostet –  von Deutschland aus gebucht:

und dasselbe von der Schweiz aus gebucht:

Was sie im Normalfall in der Schweiz verlangen ist praktisch das doppelte des deutschen Preises! Und ja, das ist tatsächlich so  -ich habe dann in einem Reisebüro in Deutschland nachgefragt: sie haben auch Prospekte die sie nur an Deutsche abgeben dürfen und andere, die für die Schweizer bestimmt sind. Mit sehr unterschiedlichen Preisen drin.

Nett. Soviel (mal wieder) zur Hochpreisinsel Schweiz. Manchmal glaube ich die denken „Mit denen können wir’s ja machen!“

Grrrrr!

Apotheken in aller Welt, 210: Paris, Frankreich

Danke vielmals an spirit, die uns aus Paris folgende Apotheken schickt:

Von meinem kürzlichen Paris-Trip ein paar Bilder – sie sind nicht grade berauschend, aber vielleicht kannst du ja das eine oder andere doch für den Blog gebrauchen :)

Pharmacy-Elysees – in einer Querstrasse zur Champs-Elysées


Pharmacy-Opera – vis-à-vis der Opéra Garnier:


Pharmacy-Palaisroyal – beim Palais Royal/Louvre:

Windpocken im Anflug

So wie es hier aussieht, sind im Moment die Windpocken (Wilde Blatern) wieder gross am kommen. Das sehe ich einerseits an den vielen Rezepten mit Tannosynt oder Suspensio alba cutanea aquosa sowie für Fenistil oder Feniallerg Tropfen. Aber auch bei den Kunden selbst.

Die Kundin zeigt mir den Arm ihres etwa 3 jährigen Sohnes: „Sind das Windpocken?“

Ich schaue. „Das sieht mir stark danach aus. Hatte er denn Kontakt mit jemandem, der das hat?“

Frau: „Ja, zwei seiner Freunde haben das.“ 

Pharmama: „Nun, sieht so aus, als sei jetzt er dran.“

Frau: „Oh. Kann ich irgendetwas machen, dass der Rest der Familie nicht angesteckt wird?“ Dabei deutet sie auf das 5 Monate alte Baby, das sie auch dabei hat.

Pharmama: „Ich glaube nicht. Windpocken sind sehr ansteckend – auch über grössere Entfernungen. Die Chance, dass es schon angesteckt ist, ist ziemlich gross.“

Nur ein paar Fakten: Von 100 Personen, die Windpocken noch nicht hatten und nicht dagegen geimpft sind erkranken 90 daran, wenn man sie dem Virus aussetzt. Und „aussetzen“ bedeutet in dem Fall, es reicht, wenn man wenige Minuten in der Nähe (auch in einigen Metern Entfernung) verbringt.

Ansteckend sind Windpocken übrigens schon 2 Tage bevor der Ausschlag auftritt, bis etwa 10 Tage nachher.

In der Zeit sollten Erkrankte nicht in Kontakt mit Risiko-Personen kommen, also solchen, die Schwanger sind, ältere Menschen oder solche die Probleme mit dem Immunsystem haben (weil sie z.B. Cortison nehmen müssen, AIDS oder Krebs haben) .

Und darum musste ich der Frau auch raten, beide Kinder möglichst schnell wieder aus der Apotheke und nach Hause zu nehmen – und sie da zu lassen. Dann soll sie mit dem Kinderarzt Kontakt aufnehmen – am besten erst Mal per Telefon und fragen, wie es steht mit der Postexpositionsprophylaxe – also dem Impfen nachdem man schon Kontakt mit dem Virus hatte. Ich bin nämlich nicht sicher, ob man das 5 Monate alte Kind schon impfen kann – ich dachte das sei ab dem 9. Monat möglich.

Mit etwas Glück ist das Kind noch durch den Nestschutz (vom übernommenen Immunsystem der Mutter) geschützt – das nimmt aber nach 3 Monaten ab und geht nur bis maximal 6 Monate Alter.

Auf jeden Fall „viel Glück“ – Windpocken sind nicht lustig. Ich selbst habe das als Kind durchgemacht und bin deshalb dafür nicht mehr gefährdet, aber ich habe auch unter meinen Kolleginnen welche, die die Krankheit nicht durchgemacht haben und auch nicht geimpft sind. Das kann sehr unangenehm werden, weil es Erwachsene oft schlimmer trifft als die Kinder. Davon Kinder absichtlich mit Windpocken anzustecken halte ich nichts. Sie sind unangenehm und sie machen (zum Glück nur selten) Komplikationen wie Blutvergiftung, Lungenentzündung, Gehirnhautentzündung, Gehirnentzündung, Leberentzündung …

Ausserdem: Wenn man Windpocken einmal gehabt hat, kann man später im Leben Gürtelrose bekommen. Das ist bei dagegen geimpften Personen nicht der Fall.

Me: Drogenhändler?

So komme ich mir fast vor, nach dem letzten SMS  von unserem Kollegen:

Die Wirklichkeit ist etwas profaner. Er hat ein Dauerrezept für sehr gewöhnliche Medikamente bei mir in der Apotheke hinterlegt …