Apotheken aus aller Welt, 223: Haiti

Eva von devayani-yoga.de  schickt uns dies:

ich möchte auch gerne ein Apotheken-Foto aus Haiti beitragen. Ich war letzten August dort und habe mit Camp- und Waisenhauskindern gearbeitet.

Und sie hat noch ein Anliegen, dem ich hier (ausnahmsweise und weil es passt) einen Rahmen bieten möchte:

Ich bin die Initiatorin eines von der Presse empfohlenen Kinder-Charity-Kalenders, der als Kalender 2013 erstmals auch als Kundengeschenk für Apotheken erhältlich ist. Für den Kalender spenden Profifotografen aus aller Welt Kinderyogafotos und widmen sie jeweils einem Kinder-Charity-Projekt ihrer Wahl.

Neu: Für Apotheken wird der Kalender 2013 als Giveaway mit Platz für Apothekenlogo und Werbung im Format 14 x 50 cm angeboten. Concentrix spendet zusätzlich für jede Apotheken-Bestellung (Auflage 500 +) ein Paket mit Schulmaterial für Waisenkinder in Haiti über eine mit dem Charity-Preis ausgezeichnete Organisation, die ich selbst vor Ort besucht habe und daher weiß, dass das Geld hier zu 100% bei den Kindern ankommt.

Unleserliche Rezepte – und die Folgen

Dass die „Aerzteschrift“ oder „Doktorklaue“ nicht nur etwas ist, was den Apothekern die Arbeit schwer macht, ist inzwischen bekannt. Nach Berechnungen des Institute of Medicine der National Academies of Science sterben jährlich in den USA 7000 Patienten wegen unleserlich ausgestellter Rezepte.  Dort wie hier (in der Schweiz) werden Rezepte meist noch handschriftlich ausgestellt. Rezepte wie das im Post gestern sind (immer noch) in der Minderheit.

Wenn die Aerzte sorgfältiger schreiben oder eines der Computerprogramme benutzen würden, mit denen sich Rezepte ausstellen lassen, könnten eine Menge Folge-Fehler vermieden werden.

Das Problem beginnt eigentlich schon bei der Ausbildung der Aerzte, wo dem korrekten Ausstellen eines Rezeptes gerade mal 1 Unterrichtsstunde gewidmet wird – ich weiss das, weil ich, wie die anderen Pharmaziestudenten in dersselben Stunde gesessen und zugehört habe. Dass sie bitte sauber und deutlich schreiben mögen ist in genau 1 Satz abgehandelt worden.

Man kann sich Vorstellen, was dabei alles schief gehen kann, wenn man sich ein paar Beispiele von Rezepten anschaut. Es mangelt es nicht an „schlechten Beispielen“, die ich jeden Tag sehe. Wer wissen will, was da steht, der markiere einfach die weisse Fläche unter dem Bild zwischen den Pfeilen.

Lösung: -> 1x Seretide Discus 250 (60) 2-0-2

1x Muco Mepha 600 (10) 1×1/d

1x Resyl plus Tropfen – <- Na? Erkannt? :-)

-> 1 OP Pantoprazol 40mg DS: 1-0-0 <-

-> Uhrglasverband zur Nacht

Avamys 1×2 bds für 6 Wo <-

-> Rheflumin mite 1×1 100 Stck <-

Dass derartige Rezepte trotzdem oft von Apothekern gelesen werden können liegt an verschiedenem:

1. (Jahrelange) Erfahrung und Rezepte von den gleichen Ärzten, so dass man ihre Schrift schliesslich kennt.

2. Die meisten Ärzte haben ein beschränktes „Repertoire“ an Medikamenten, die sie aufschreiben. Es sind oft die gleichen 20 – 30 Medikamente, die man mit der Zeit erkennt, selbst wenn es dann noch so dahingesudelt ist.

3. Wenn der Patient weiss, für was das Medikament ist, das er bekommt, kann man anhand der Kenntnis der normalerweise gebrauchten Medikamente ein Rezept ausführen, das man eventuell nur Ansatz- oder Auszugsweise lesen kann.

Aber auch in den Fällen kann das gefährlich sein. Immerhin handelt es sich bei den Sachen, die ich in der Apotheke abgebe um Medikamente …. mit Wirkungen und Wechselwirkungen und der Gefahr der Fehldosierung. Grundsätzlich führe ich ein Rezept nur aus, wenn ich ganz sicher bin, dass das richtige Medikament abgegeben wird. Ist trotz all oben erwähntem eine Unsicherheit vorhanden, was da aufgeschrieben ist, wird dem Arzt angerufen zur Abklärung.

Wenn der Arzt nicht gerade erreichbar ist, weil er keinen Dienst hat, muss der Patient leider bis zur Abklärung warten, bevor er das Medikament bekommt. Das kann unangenehm bis schädlich sein, darum liebe Aerzte: schreibt deutlich!!!

Und wenn Ihr ein Telefon bekommt von der Apotheke, denkt daran: wir machen das nicht zu unserem Vergnügen, also seid freundlich. Dem Arzt, der letzthin das Telefon mit einem super unfreundlichen „WAS IST?!?“ abgenommen hat, dem hätte ich gerne noch ein paar Dinge mehr gesagt, was ich wegen dem vor mir stehenden Patienten leider nicht konnte…

Unfreiwillig komisch (5)

Der Arzt hat es noch gemerkt … aber das Rezept hat mich doch zum Schmunzeln gebracht:

Für die medizinischen Laien: Es handelt sich um Antibiotika OHREN-Tropfen. Die nimmt man nicht ein, die gehören in die Ohren – und damit ist es absolut egal, ob das vor, mit oder nach dem Essen stattfindet.

Ich frage mich, ob das ein Fehler in der Rezeptsoftware ist? Ansonsten sind so gedruckte Rezepte viel angenehmer (und meist sicherer).

… mehr unfreiwillig komisches hier.

Stealth modus?

Ich gehe zur Kundin, die im Laden steht und etwas anschaut:

Pharmama: „Grüezi , kann ich Ihnen helfen?“

Die Kundin ignoriert mich komplett. Ich stelle mich auf ihre andere Seite und versuche es nochmal – mit dem gleichen Ergebnis.

Hmpf. Dann halt nicht. Ich bleibe in der Nähe nur für den Fall, aber die Kundin schaut nur auf die Ware, nicht auf mich, oder ob jemand anders da ist.

Etwas später.

Jemand anderes kommt herein und ich gehe zu ihr, sie zu bedienen. Die Kundin nennt mir ihren Wunsch und ich laufe quer durch den Laden, das Mittel aus der Schublade zu holen.

Dabei komme ich an der ersten Kundin vorbei.

Erste Kundin: „He Sie! Können Sie mir helfen?“

Pharmama: „Ja, sobald ich hier fertig bin.“

Vielleicht liegt es daran, dass ich einen „Stealth modus“ habe? Wenn ich jetzt noch herausfinden könnte, wie man den an- und abstellt ….

Pflaster

Kundin: „Angenommen ….ich habe ein Nikotin-Pflaster und ein Verhütungs-Pflaster. Heben die sich gegenseitig auf?“

Pharmama: „Nein.“

Kundin: „Was, wenn ich sie verwechsle?“

Pharmama: „Machen Sie das nicht.“