Ein was?

Danke noch an Alexander von pharmawiki, der mir (schon länger her) dies geschickt hat:

Kunde: „Ich hätte gerne es Hans-Rüedi.“
Ich: „Wie bitte?!“
Kunde: „Naja, die Nasensalbe, heisst die nicht so?“

Fast :-)  Sie heisst Nasensalbe Rüedi Spirig – und ich wüsste nur zu gerne, woher sie diesen Namen hat. Wahrscheinlich hiess der Erfinder so, denn es gab früher ausser von der Spirig auch eine von Streuli und noch früher von Stotz.

Überdosis auf Rezept?

Ich telefoniere dem Arzt, um wegen einer ungewöhnlich hohen Dosis nachzufragen.

Praxisgehilfin, die zufällig auch die Frau des Arztes ist antwortet: „Das ist das, was sie (die Patientin) gesagt hat, dass sie nimmt. Also ist es das, was sie braucht!“

Sehr professionell.

Pharmama: „Wollen Sie nochmals nachfragen beim Arzt oder kann ich im Dossier festhalten ‚Wegen ungewöhnlicher Dosierung beim Arzt nachgefragt – Will es so.‘ ?“

Der Arzt hat dann die offizielle Dosierung doch noch etwas verringert. Was die Frau dann effektiv nimmt, kann ich nicht bestimmen, aber wegen mir bekommt sie keine Überdosis verordnet.

Und ja: natürlich waren das Beruhigungsmittel. Was sonst.

Sowas passiert vermehrt in den Ferienzeiten – ja, auch viele Ärzte sind in den Ferien und haben dementsprechend Vertretungen. Weil die oft nicht unbedingt Zugang zu den Patientendossiers haben, wissen sie auch nicht unbedingt was die Patienten nehmen (und wieviel) … allerdings würde ich mich da bei manchen Sachen nicht unbedingt nur auf die Aussage der Patienten verlassen.

Über das 190 Millionen Euro-„Geschenk“

Ich bin Apothekerin in der Schweiz, aber natürlich interessiert mich, was ‚äne a dr Grenze‘ – in dem Fall Deutschland so läuft. Da bekomme ich natürlich aus den Medien mit, wie sich die Öffentlichkeit über das „190-Millionen-Geschenk“ an die Apotheken aufregt. Es geht um die 25 Cent mehr, die Wirtschaftsminister Rösler den Apotheken „gönnt“.*

Mehr zufällig bin ich über dieses youtube Video gestolpert, in dem Ann-Katrin Kossendey (eine deutsche Apothekerin) gut beschreibt, um was es da eigentlich geht. Unbedingt Anschauen!

Ich denke das ist eine realistische und sehr gut herübergebrachte Beschreibung der Situation.

Toll gemacht!

* Entschuldigt bitte die übertriebene Verwendung von Anführungszeichen, aber die kennzeichnen in dem Fall nicht nur Zitate, sondern ich will den Inhalt wirklich ironisch verstanden wissen.

Gute Nebenwirkungen?

someecards.com - Why are there never any good side effects? Just once I'd like to read a medication bottle that says,

Übersetzung: Warum gibt es nie gute Nebenwirkungen? Nur einmal würde ich gerne auf der Medikamentenpackung lesen ‚Könnte Dich extrem aufreizend auf andere wirken lassen‘.

Na die Frage könnte ich beantworten: Wenn so etwas auftreten würde, würde die Firma die Nebenwirkung als Hauptwirkung vermarkten … ist so ähnlich schon vorgekommen.

Apropos Nebenwirkung, kennt ihr schon den Blogpost:  Un-/angenehme Nebenwirkungen: the good, the bad, the ugly ?

 

 

Apotheken als erste Anlaufstellen

… ein wirklich erfreulich einsichtiger Artikel vom 27.7.2012 aus der NZZ, der Neuen Zürcher Zeitung.

Wichtig bleibt auch nach dem Nein vom Juni (gemeint ist die Managed Care Vorlage), einen Weg zu finden, um unnötige Arztbesuche und Doppelspurigkeiten bei der medizinischen Behandlung zu vermeiden. In den Notfallstationen der Spitäler beklagt man sich bereits seit langem über den Zulauf von Patienten, die keine Notfallmedizin benötigten und die nicht selten wegen Bagatellen vorbeikämen. Es erklingt denn auch der Ruf nach Einsparungen bei Bagatellerkrankungen.

Potenzial der Apotheken

Dabei besteht in unserem Land bereits ein dichtes Netz an medizinischer Fachkompetenz, die man noch weit besser nutzen könnte. Beinahe an jeder Tram- oder Busstation befindet sich in grösseren Städten eine Apotheke. Jederzeit kann man sich dort, während 11 Stunden im Tag und länger, medizinischen Rat holen, ohne jede Anmeldung. Dieser ist zudem meist gratis. Warum also nicht den Gang zur Apotheke fördern?

Das sagen wir hier ja schon lange :-)

Ein Hautausschlag, ein Husten, eine fiebrige Erkrankung – ein Gang zu einer Apotheke kann schon vieles klären. Diese sind dafür auch eingerichtet und ihr Personal entsprechend ausgebildet.

Jederzeit kann auch nach einer Apothekerin oder einem Apotheker gefragt werden. In jeder Apotheke muss laut gesetzlichen Vorschriften stets mindestens ein akademisch ausgebildeter Pharmazeut anwesend sein.

Das oben nennt man Triage  – das bedeutet, es wird abgeklärt, welche Beschwerden noch selber behandelt werden können und was zum Arzt gehört. Die Apotheken helfen teilweise auch beim Gang zum Arzt – immerhin kennen sie die Ärzte in der Umgebung und auch welche noch Patienten annehmen. Apotheken arbeiten auch mit Ärzten direkt in Qualitätszirkeln zusammen: so im Freiburg, Tessin, Waadt und Bern – etwas wovon die Patienten gesundheitlich profitieren – und die Kassen finanziell. Auch erwähnt wird das NetCare Projekt – die Möglichkeit in manchen Apotheken direkt mit dem Arzt in Kontakt zu treten via Videokonferenz. Darüber habe ich hier schon berichtet.

Der Zugang zur Apotheke ist niederschwellig. Die Beratungen sind gratis; eine Beratungspauschale ist nur auf vom Arzt verschriebenen rezeptpflichtigen Medikamenten zu bezahlen. Sie wird von der Krankenkasse zurückerstattet. Warum also nicht die Apotheke vermehrt als «Gatekeeper» nutzen? Das könnte durch eine gute Triage gerade bei Bagatellfällen Einsparungen bringen.

Danke an die NZZ und Autorin Claudia Schoch für diesen Artikel!