Was ich nicht weiss …

Junior heute morgen beim Bereitmachen für den Kindergarten:

„Au, warte, ich muss noch diese Cola-Täfi mitnehmen. Einer von der anderen Gruppe hat gesagt ich soll das mal wieder machen!“

Pharmama: „Okay … aber … Nein, warte! Ich dachte, ihr dürft keine Süssigkeiten in den Kindergarten mitnehmen?“

(Das weiss ich, auch weil Junior selber mal protestierend zurückgekommen ist: „Du hättest mir keine Reiswaffeln mit Shoggi einpacken sollen!“ – Upps, habe ich vergessen )

Junior: „Ja … aber weisst Du, das essen wir im Garten, das merken sie nicht!“

… und dann zählt das auch nicht? Ich glaube ich erziehe einen Mini-verbrecher :-)

Pharmama: „Sorry, auch dann geht das nicht.“

protestierend: „Oh, Mann!“

Im übrigen möchte ich hier mal anmerken, wie stolz ich auf unseren Junior bin, inzwischen läuft er alleine zurück vom Kindergarten – und hin bringen wir ihn nur noch über die erste Strasse (die etwas unangenehm ist). Und auch das können wir demnächst einstellen.

Meinungsumschwung

Kundin mit Rezept.

Pharmama: „Sie waren noch nie bei uns – haben Sie mir die Versicherungskarte?“

Frau: „Nein. Fragen sie halt an.“

Pharmama: „Würde ich gerne, aber erstens ist es nach 5 Uhr – und die schliessen meist pünktlich und zweitens ist das eine der Versicherungen, die sich hinter dem Patientengeheimnis versteckt – in dem Sinne, dass sie uns keine Angaben machen und nur mehr sagen: die Patienten müssen die Karte dabei haben – als Beweis.“

Frau: „Aber … was mache ich dann?“

Pharmama: „Nun, Sie können es auch zahlen und der Kasse selber einschicken. So wie früher. Das funktioniert auch heute noch …“

… und einige Kassen besinnen sich grundsätzlich wieder auf dieses System, weil es ihnen weniger Arbeit macht … ich bin ziemlich sicher, sie spekulieren teilweise auch darauf, dass der Kunde die Rechnung gar nicht einschickt. Aber das muss ich der Frau hier ja nicht sagen.

Ich suche ihre Medikamente raus.

Wie es leider häufig ist, hat der Arzt das Original aufgeschrieben. Bei allen 3 Sachen.

Pharmama: „Darf ich Ihnen von den Medikamenten die Generika geben? – die sind gleich wirksam und günstiger vom Preis.“

Die Antwort „Nein, ich will das, was der Arzt aufgeschrieben hat“ habe ich schon fast erwartet.

Also alles eingegeben, angeschrieben.

Ich sage ihr den Preis – da ist sie doch sehr brüskiert.

Frau: „Soo teuer?!“

.. und auf einmal ist das Generikum doch gut genug.

Aber bitte. Gar kein Problem.

Eine Rose, wie sie auch hiesse …

Wir führen Dossiers in der Apotheke über unsere Patienten, worin wir die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente festhalten – das ist auch gesetzlich vorgeschrieben. Ausserdem müssen wir beim ausführen eines Rezeptes kontrollieren, dass das richtige Mittel an den richtigen Patienten kommt.

Dafür halten wir also die Namen fest.

Und ich stelle fest, dass das immer … schwieriger wird. Dank Einwanderung haben wir nicht mehr nur die typischen Müller / Meier / Huber / Schmid sondern halt auch Nguyen, Ahmeti, Ferrari, Chang und auch Madlambayan – äh, wie schreibt sich das?

Ich kann jetzt hier nicht die richtigen Nachnamen bringen um meinen Punkt zu machen, aber ich denke, man sieht mein Problem. Ich bin auch froh um die Krankenkassenkarten, die ich in den Computer einlesen kann.

Aber auch wenn ich die Karten einlese – die Anrede muss ich häufig von Hand nachtragen und … besser ich mache das gleich, denn nachher stellt sich oft die Frage: ist das jetzt ein Mann oder eine Frau? Es ist anhand der Vornamen auch nicht immer eindeutig. Ihr dürft Euch auch gerne mal dran versuchen:

  1. Wanphen
  2. Marisa
  3. Shuai
  4. Heset
  5. Filiz
  6. Merxhivan
  7. Corin
  8. Birsen

Naa?

 

Jeder kann helfen !

Alltag im Rettungsdienst hat auf seinem Blog eine Aktion laufen, auf die ich Euch gerne aufmerksam mache: Erste Hilfe Geschichten

Meine Idee ist, dass ihr liebe Leser hier eure Geschichten postet. Nicht um die Gaffer zu befriedigen, sondern anderen Lesern zu zeigen, jeder kann Erste Hilfe leisten. Und es muss keine Reanimation sein, nein auch das Händchen halten oder das absetzen eines Notrufs darf hier gerne veröffentlich werden.

Es haben auch schon ein paar Geschichten gebracht: Mamamachmal beschreibt zum Beispiel ihren unfreiwilligen Einsatz auf der Autobahn – ziemlich üble Sache, Nobelix seinen Einsatz kurz nach Feierabend in der Firma, Gordon, der das schon ziemlich professionell macht – selbst in einer Bahnhofstoilette, Christina, die als Kind ihre Mutter bei ihrer Hilfeleistung beobachtet hat … und noch mehr. Meine kommt vielleicht auch noch.

Die Aktion hat eine fast traurige Aktualität, wenn man an den Anschlag in Boston denkt. Aber wie auf manchem Blog und Twitter bemerkt wurde: es gab Menschen, die nicht wegliefen nach der Explosion, als Menschen Hilfe benötigten. Ein paar liefen hin um zu helfen. Es werden nie alle sein, die helfen. Manche können es nicht, oder denken, sie können es nicht … aber ich bin der Überzeugung, dass es immer Leute geben wird, die helfen. Vielleicht auch Du?

Aaaaaahhh!

Eine Kundin mit Dauerrezept für Abführmittel.

Vorausschickend: Man kann abhängig werden von Abführmitteln. Bisher habe ich das aber eher von den heftigeren gesehen – diejenigen, die den Darm reizen, nicht so was wie hier auf dem Rezept: Lactulose. Aber … unmöglich ist es nicht. Ich glaube auch nicht, dass das eine wirklich körperliche Abhängigkeit war – mehr eine psychische. Aber der Effekt war ähnlich: sie ging innert 3 Monaten durch eine Menge, die sonst für mindesten 6 gereicht hätte.

Auf Abführmittel gibt es eine Limitation – eine Beschränkung, wieviel die Kasse zahlt. Und in ihrem Fall haben wir tatsächlich Nachricht bekommen, dass sie nichts weiter bezahlen werden.

Auf den Brief der Kasse hin, telefonieren wir der Kundin.

Ich erkläre ihr die Situation und … sie fängt an zu schreien. Ich meine nicht – mich anzuschreien, nur zu schreien.

„Aaaaahhh!“

Pharmama (nach einer Weile): „Bitte hören sie damit auf. Sonst muss ich das Telefon aufhängen!“

Was ich nach weiteren 10 Sekunden auch mache.

Sie ruft sofort zurück. Und ist auf einmal so was von lieb und freundlich.

Frau: „Ich weiss, dass sie mir helfen werden! Ich kann sagen, wenn jemand nett ist und hilfsbereit …“

Ich denke nur: Manipulationsversuch?

Pharmama: „Ja, Danke vielmals. Versuchen wir doch zusammen eine Lösung zu finden, ok?“

Sie hat die übertriebene Freundlichkeit dann gleich wieder abgestellt.

Sie hat es dann noch auf andere Art versucht:

Frau: „Wenn sie mir das Mittel verweigern, dann gehe ich wieder dazu über, mich zum erbrechen zu bringen!“

Was soll das? Erpressung?

Pharmama: „Also erstens: ich verweigere ihnen nichts. Das war nicht meine Entscheidung, sondern die der Kasse – und sie können die Lactulose auch ohne Rezept kaufen – nur, die Kasse bezahlt das so nicht mehr.“

Damit war sie natürlich auch nicht zufrieden.

Eine Chance hätte sie vielleicht noch, wenn sich ihr Arzt mit der Krankenkasse in Verbindung setzen würde. Was ich ihr dann empfohlen habe.

Aber: Leute gibt’s.