Ein Foto der Apotheke in Sàmara – Costa Rica.
Kompliment an deinen Blog und sonnige Grüsse!
Spiegel, Spiegel – Simon’s Cat
Asiatische Woche
Erst die Sache mit den Medikamentenretoure aus China (siehe Post gestern), dann gestern Mittag jemand mit einem Produkt, das sie bestellen wollte über uns. Sie hat einen Teil der Packung mitgebracht.
Mit dem Namen fand ich nichts im Artikelstamm (was mich nicht groß verwundert, da die Packung bis auf den Hauptnamen vollständig auf Chinesisch angeschrieben war, samt den Inhaltsstoffen). Im Internet fand ich es dann : ein Tee zum abnehmen.
Genaue Zusammensetzung nicht angegeben … Dafür fand ich eine Seite, wo die FDA (die amerikanische Gesundheitsbehörde) vor dem Produkt warnt, da es Sibutramin enthält. Dito das Lebensmittelministerium in Bayern – nur dass die auch noch Phenolphtalein drin gefunden haben. Ui! Das Sibutramin ist ein Appetitzügler, den sie wegen übler Nebenwirkungen (lies: Herzprobleme!) vor einigen Jahren außer Handel genommen haben und Phenolphtalein brauchte man zum Abführen – aber auch nicht mehr, da es krebserregend ist. Von daher habe ich der Kundin auch stark abgeraten, das via Internet zu besorgen … Wo sie wohl die letzte Packung herhatte.
Ich hoffe, sie hört auf mich.
…
Oh und direkt die nächste Kundin war eine Koreanerin (?) die sich wirklich herzig bemüht hat Deutsch zu sprechen.
–
Da die Dreier-regel damit erfüllt ist, denke ich, das war es jetzt. (So Sachen tendieren dazu immer in Dreier-Gruppen aufzutreten).
Man hört oft nur, was man will
Die Frau hat 2 Starterpackungen der elektronischen Zigaretten bestellt.
Die Dinger sind knapp 100 Franken pro Packung. Bezahlt hat sie noch nicht beim bestellen – obwohl wir das im Normalfall verlangen – die Zahlungsmoral ist nicht gut und ewig zurückgeben können wir die Sachen auch nicht (5 Tage haben wir Zeit, danach kostet das so viel, dass es sich meist nicht mehr lohnt).
Darauf hingewiesen, dass sie es noch nicht bezahlt hat, reagiert sie erst erstaunt.
„Ich denke, ich habe das bezahlt?“
„Laut dem Bestellzettel nicht. Haben sie denn einen Kassabon?“
„Uh, nein. Na dann.“
Zückt dann doch den Geldbeutel.
„Wieviel kostet es?“
„196 Franken.“
„Waaas? Die Frau gestern hat mir gesagt, das kostet um die 17 Franken pro Pack!“
„Das wäre nur die Nachfüllpackung. Die Starterpacks kosten je 98.“
„Dann will ich das nicht.“
Und dann kann ich das wieder zurücksenden.
Ich bin sicher (!) man hat ihr gestern gesagt, was die Dinger kosten – und auch was die Nachfüllpackungen kosten. Und welche sie denn genau bestellen will. Aber manchmal hören die Leute nur das, was sie hören wollen.
…
Dasselbe, wenn man sagt: „Ich habe es nicht hier, aber ich kann es bestellen.“
… und die Person dann nur sagt: "Okay." und einfach geht – nur um am nächsten Tag wiederzukommen. Idealerweise bei einer anderen Kollegin, die ihn dann bedient.
„Haben Sie mir das?“
„Nein, das haben wir nicht an Lager – haben Sie es bestellt?“
„Ja.“
„Abholzettel?“
„Ich habe keinen bekommen.“
Nein. Weil Sie nicht gesagt haben, dass sie das bestellt haben wollen.
Und ich nicht gesagt habe, dass ich es bestelle – nur, dass ich es ‚kann’.
Kommunikation ist schwierig.
Das oben passiert einem einmal, danach ist man dreifach deutlich mit: „Ich kann es für sie bestellen – auf welchen Namen soll ich das reservieren?“ den Abholzettel in die Hand drückt … und dann nach Möglichkeit gleich zahlen lässt.
Kleben ist das neue „Schmieren und Salben“
Kinesiotape – das bunte Tape ist immer wieder einmal in der Presse –hauptsächlich, weil man manche Sportler sieht, die damit verziert sind.
Ich weiss noch nicht so recht, was ich davon halten will. Die Studienlage ist dürftig. Auf der anderen Seite macht die Anwendung von Tape Sinn, wenn man damit Muskeln befestigt, Gelenke stabilisiert und die Belastung so anders verteilt, was Schmerzen reduzieren kann. Aber die Anwendung von Kinesio-Tape beruht auf einer anderen Theorie – darum ist es auch elastisch – und hautähnlicher. Es soll auf das Nerven – und Stoffwechselsystem Einfluss nehmen.
Und man soll wissen, wie das aufgeklebt wird. Es ist nämlich nicht damit getan, das einfach aufzukleben. Das braucht die richtige Technik.
Und das zu demonstrieren, zu sagen wie genau … oder es gar selber zu machen bei jemandem- dafür bin ich nicht die richtige Person. Interessierte verweise ich gerne an den Physiotherapeuten ihrer Wahl.
Ja ehrlich – auch wenn wir wegen der Nachfrage zumindest eine Form des Tapes führen. Aber nur in einer Farbe. Wer das nach der Kinesiologie anwenden will, kann die anderen Farben bestellen. Wobei ich gehört habe, dass die unterschiedlichen Farben nicht unterschiedliche Qualitäten sind – die wurden nur gemacht, weil hautfarbig den Leuten zu öde war (Und blau / Pink oder schwarz ist doch viel besser!)
Ganz nett fand ich auch die Frau, die das unbedingt von ihrem Arzt aufgeschrieben haben musste. Als Schmerzpflaster.
Als sie mir erklärte was sie genau damit meinte (Schmerzpflaster sind für mich etwas anderes) – und ich ihr sagte, dass das aber kein Schmerzpflaster sei, da sei auch gar kein Wirkstoff drin hat sie das Tape genommen, die Packung geöffnet und eine kleine Ecke abgerollt, die sie mir mit diesen Worten unter die Nase hält: „Riechen Sie mal – natürlich ist da etwas drauf! Ich muss das nur aufkleben und schon geht es mir besser!“
Jaaa – da ist was drauf. Klebstoff und das Lösungsmittel vom Klebstoff.
Aber das ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie stark der Placebo-Effekt sein kann.
…
Oh – und letzte Woche war der Vertreter bei mir und hat dieses neue Produkt vorgestellt:
Ja – das ist Kinesiotape speziell für Frauen mit Periodenbeschwerden. Laut dem Vertreter der „ideale Zusatzverkauf“. Mich wundert nur, dass sie *das* nicht rosa gemacht haben.
Bei der nächsten Mens probiere ich das mal aus. Nicht, dass ich viel davon erwarte.
Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936 (3)
(Jetzt wird's spannend :-)
Aus dem Buch Rezeptierkunde – Leitfaden zum Verschreiben und Anfertigen von Rezepten von Prof. Dr. Med T. Gordonoff
Das Rezept (wahrscheinlich aus praeceptum = Vorschrift, und nicht aus recipe entstanden) bedeutet eine Vorschrift, eine Anweisung an den Apotheker. Es wird in lateinischer Sprache abgefasst und zum Zeichen der guten Beziehungen zwischen Arzt und Apotheker wendet sich der Arzt an den Apotheker per Du:
Rp. – Recipe = Nimm.
Das habe ich leicht anders gelernt :-) obwohl ich diese Erklärung noch süss finde. Das Recipe ist nämlich ein Imperativ, also die Befehlsform (das Ausrufezeichen kam erst später – so um 1700 in die Schrift), es heisst also nicht nur Nimm. Sondern: Nimm! … und das ist dann nicht mehr ganz so nett.
Das Rezept ist ein Dokument nicht nur im landläufigen Sinne. Denn wenn der Apotheker oder der Arzt oder meistens beide zusammen wegen einer Vergiftungsvermutung zur Verantwortung gezogen werden, wird das Rezet zu einem richtigen Dokument im juristischen Sinne und zu einem Verhandlungsgegenstand. Kobert sagt auch auf Grund eines Vergiftungsfalles in Strassburg vom Rezept: „Ein so unscheinbares Papier es auch ist, so kann es doch 3 Menschen unglücklich machen, nämlich – den Patienten, den Apotheker und den Arzt.“
Der erste, der zur Verantwortung gezogen wird, ist der Apotheker; denn er hat Zeit, sich in aller Ruhe das Rezept anzusehen und er kann auch die Rezeptvorschriften nach der Pharmakopoöe nachkontrollieren. Im Falle einer undeutlichen Dosierung oder Überdosierung hat er die Pflicht, den Arzt zuerst anzufragen. Nur wenn der Arzt das Rezept deutlich ausschreibt und dem Apotheker genau zu verstehen gibt, dass er eine grössere Menge verabreicht haben möchte, ist der Apotheker von seiner Verantwortung befreit und die Schuld wird dann auf den Arzt übertragen.
Interessant, dass er praktisch mit den rechtlichen Sachen anfängt. Im übrigen ist das heute auch noch so … auch wenn der Apotheker nicht „zwingend“ zuerst haftet … aber auch!
Aktuelles Beispiel im Apotheke-adhoc.de – wobei ich da finde, dass die Apotheke wirklich nachlässig gehandelt hat – hatte sie doch tatsächlich alle relevanten Informationen. Tabletten für ein Einmonatiges Kind? Das muss auffallen! Weil es Tabletten sind für so einen Winzling. Weil die Dosierung nicht stimmt Von daher finde ich in dem Fall das Urteil gerecht. Es gibt Grenzfälle – wie wenn die Diagnose dem Apotheker nicht bekannt ist. Wenn die Interaktion mit einem Medikament von einem anderen Arzt ist -und die Apotheke nicht informiert wurde, dass das Medikament auch genommen wird und ähnliches.
Wie jedes offizielle Dokument muss das Rezept mit Tinte oder Tintenstift geschrieben werden. Das gewöhnlich verwendete Papierformat ist 1/8 Bogen.
Tinte? Okay – sehe ich heute noch, ist aber inzwischen eher die Ausnahme. Aber es ist schon klar warum: Kugelschreiber? Eigener Drucker? Was ist das? (Immerhin ist die Zeit 1936). 1/8 Bogen dürfte – wie heute noch oft gebräuchlich A6 sein
Wie auf jedes Dokument gehört auch auf das Rezept unbedingt das Datum. Dieses wird gegenwärtig kaum mehr vergessen, weil die Ärzte vorgedruckte Rezeptformulare verwenden, auf welchen der Name des Arztes und die Eintragungsstelle für das Datum angegeben sind. Gewöhnlich werden die Rezepte in die Mitte des Blattes geschrieben, um dem Apotheker noch Platz zu lassen für Notizen, Taxpreise und andere Bemerkungen.
Rezeptvordrucke werden bei uns neben Computerausdrucken auch heute noch verwendet, nur dass es kein eigenes Feld mehr für das Datum gibt – was wahrscheinlich erklärt, dass das gelegentlich (wieder) fehlt. Was schlecht ist.
Und noch heute haben viele Rezepte auf der linken Seite ein Band als „Platzhalter“ dafür, auch wenn wir das immer weniger brauchen. Wichtiger heute wäre genug Platz für die Etiketten zu lassen, die drauf kommen – und wo so ziemlich alles draufsteht: abgegebene Artikel, Preise, Patientenname, Apothekenname, Krankenkasse, Strichcode.
Das Rezept muss in gut leserlicher Schrift abgefasst werden.
Könnten das Bitte alle Ärzte noch einmal lesen, damit das auch im Gedächtnis bleibt!
Die Mengen besonders für Narkotika, Venena usf. muss man genau und deutlich angeben, damit der Patient nicht die Möglichkeit hat, die Zahlen abzuändern. Jede Abänderung wird übrigens wie eine Urkundenfälschung geahndet.
Offenbar kannten sie auch dort schon das Problem von Rezeptfälschungen?
Genug für Heute.
Nächste Woche: Wie schreibe ich die Produkte / Inhaltsstoffe … auf das Rezept?




