Man schicke den Lehrling …

Besten Dank an Elawen für’s Aufmerksam machen:

In meinem Beruf ist es durchaus Usus, die neuen Auszubildenden am ersten Tag zu veräppeln :) Diesmal in Zusammenarbeit mit einer Apotheke.
(ich durfte das Augenmaß holen ;) )

kammerwasser kammerwasser2

Original hier auf Facebook: https://www.facebook.com/DingeDieEinOptikerAugenoptikerNichtSagt

Aber Optiker sind nicht die einzigen, die ihre Lehrlinge auf unmögliche Missionen schicken:

siehe Mission impossible !

Das ist schon normal … oder?

„Könnten Sie mal mein Muttermal anschauen?“ Fragt mich die etwa 50 jährige Frau.

Pharmama: „Natürlich. Hinten im Beratungsraum können Sie es mir zeigen. Was ist damit?“

Frau: „Ich wollte nur, dass sie es mal anschauen. Ich habe eine Menge Muttermale, wissen Sie und das ist normal bei mir.“

Pharmama: „Okay?“

Inzwischen hat sie ihr Oberteil abgezogen und zeigt mir ihren Rücken. Da sind wirklich einige Muttermale, kleinere aber auch grössere – das grösste etwa 1 cm im Durchmesser – aber das ist nicht dasjenige, das ich mir anschauen soll.

Frau: „Dieses hier“ – deutet sie so gut es geht. „Das stört ein bisschen. Ich glaube der BH reibt.“

Pharmama: „Ja – das blutet auch.“

Sie dreht sich fast um die eigene Achse im Versuch da einen Blick drauf zu werfen – was schlecht möglich ist. Und einen Spiegel haben wir hier drin auch nicht – es ist ja keine Ankleidekabine sondern ein Beratungsraum.

Pharmama: „Juckt es denn?“

Frau: „Nein, eigentlich nicht. Können Sie es mir nicht verarzten?“

Pharmama: „Ich kann ihnen ein Pflaster drüber machen, ja. Aber mir gefällt nicht, dass es blutet. Zeigen sie doch ihre Male einmal einem Hautarzt. Das sollte man sowieso regelmässig machen, vor allem, wenn man ein paar hat.“

Frau: „Ja, aber das mit den Muttermalen ist normal bei mir in der Familie, meine Mutter hatte auch einige und nie Probleme. Und ich auch nicht.“

Pharmama: „Das ist schön und ich denke, die meisten sind auch kein Problem. Trotzdem haben sie hier ein paar auf dem Rücken, die würde ich von einem Spezialisten anschauen lassen.“

Frau: „Oh, ich habe die anschauen lassen, die sind okay?“

Pharmama: „Ja? Bei wem waren Sie denn – und wann?“

Frau: „Vor etwa 2 Jahren? Da hat es sich ein Apotheker angeschaut. Er meinte, die sehen okay aus.“

Pharmama: „Okay – ein Hautarzt wäre trotzdem besser – die haben auch Lupen und Lampen und so für eine genauere Analyse.“

Frau: (winkt ab) „Ach, die sind schon normal.“

Pharmama: „Nun, zumindest wegen dem der im Moment blutet würde ich gehen. Der sieht auch sonst nicht so gut aus. Unregelmässige Form und Farbe … ich bin vor einem Jahr auch eins zeigen gegangen. Zum sicher sein.“

Frau: „Ja und? Was kann da schon passieren?“

Pharmama: „Ummm – sich verändernde Muttermale können ein Hautkrebs sein. Und da ist es gut, wenn man das so früh wie möglich erwischt, da sonst die Möglichkeit besteht, dass sich der ausbreitet. Schnell. Ich würde das zeigen gehen! Einem Hautarzt.“

Frau: „Okay.“

Pharmama: „Kann ich ihnen die Adresse von einem in der Nähe mitgeben?“

abcd

Es ist immer gut, seine Muttermale im Auge zu behalten. Bei sehr vielen lohnt es sich auch, sich selber eine Körperkarte anzulegen mit den Orten / wie sie aussehen, damit man Veränderungen erkennen kann.

Auf was man achten sollte sieht man oben: die ABCD Regel: Ist es Asymmetrisch? Wie ist die Begrenzung? Wie ist die Farbe (Color)? Wie ist der Durchmesser? Verändert es sich?

Bei mehreren Muttermalen kann man auch oft vergleichen: Gibt es darunter ein Auffälliges? Ein „hässliches Entlein“ sozusagen?

Das blutende Muttermal der Frau oben war so ein hässliches Entlein. Besser, sie geht das rasch abklären. Wenn es meines wäre, würde ich es auch entfernen lassen – alleine, dass es durch den BH nicht weiter gereizt werden kann.

Den Apothekern eine Stimme geben

Den Apothekern eine Stimme geben … das ist ein Grund für meinen Blog. Und darum will ich heute einer Apothekerin aus dem Aargau die Gelegenheit geben sich (wie sie so schön sagt) auszukotzen.

Also hier: die Stimme einer direkt betroffenen Apothekerin:

Ich arbeite unter anderem im AG und 22. September ist Stichtag. Wie das ganze ausgeht kann ich nicht sagen, aber schon allein die Idee der Selbstdispensation treibt mich eigentlich dezent auf die Königspalme.

Ich spare mir jeglichen Kommentar zum haarsträubenden Argument der angeblichen Kostenersparnis und sage was es für mich ist. Es ist die Anmassung eine Tätigkeit an sich reissen zu wollen, für welche man gar keine ausreichende Ausbildung hat, wobei auch noch die Unkenntnis des Volkes im Durchschnitt ausgenutzt wird. denn was Leute teilweise über Apos wissen weisst Du ja .

Am meisten verärgern mich jedoch Gegenargumente wobei Birnen mit Äpfeln verglichen werden.

1. Das Vieraugenprinzip.
Zu seiner Entkräftung wird oftmalig angeprangert, dass bei der Abgabe von OTC Präparaten, dem Apotheker schliesslich auch kein Arzt auf die Finger schaut. Ja, richtig, ist aber nicht von Nöten. Der Apotheker bewegt sich im Rahmen seiner Kompetenz. Er diagnostiziert nicht sondern strenggenommen tut es der Patient selbst. Daher kann es OTC überhaupt geben. im Falle einer Verschreibung ist es nicht rechtens, dass der Arzt ein Medikament einfach abgibt. Die Gründe sind recht simpel. Das ist nicht seine Kompetenz und schon gar nicht seine Kernkompetenz, wie manche Verfechter der SD zu sagen pflegen. Er ist schlicht und einfach nicht dazu ausgebildet. Was?? Höre ich schon die Menge schreien…aber der muss doch wissen was er mir da verschreibt???? Ja sicher sicher ein Pilot fliegt sein Flugzeug auch..aber in und auswendig kennen tut es der Flugingenieur…..

2. Der Patient soll die Wahlfreiheit haben wo er seine Medikamente bezieht- beim Arzt oder in der Apo

????Dieses Argument legt den falschen Schluss nahe, dass beide Berufsgruppen die gleiche Kompetenz auf diesem Gebiet haben. dass diesem nicht so ist wissen wir. S.o. Warum wird nicht ausgesprochen, dass der Arzt ebensowenig einen Apotheker ersetzen kann?

3. Der Arzneimittel-Bezug direkt beim Arzt ist sicher

Der Arzt und Apotheker haben die Aufgabe die Arzneimittelsicherheit zu gewährleisten soviel ist sicher ;-) Aber Physiko-chemische WW sind nur der Anfang wo es hapert….

Ich will Zusammenarbeit. Dass es Grauzonen gibt ist klar. Aber das geht zu weit.

Ich bin durch :-)

Und ich Danke für das engagierte Mail, liebe "Apothekerin aus Leidenschaft". Ich bin ganz Deiner Meinung – es braucht beide. Es braucht Zusammenarbeit zur Sicherheit. Wenn ich sehe, wie oft ich täglich über Medikationsfehler stolpere (meist zum Glück nur kleine, aber nicht nur), dann weiss ich, dass es uns auch weiterhin braucht.

Wenn ich eine Frau wäre …

Der ältere, männliche Kunde macht Smalltalk, während ich dabei bin das Rezept einzugeben:

"Wissen Sie, ich mag es nicht, Medikamente zu nehmen. Wenn ich eine Frau wäre, wäre ich wahrscheinlich mit 14 schon schwanger gewesen!"

Ich beim eingeben, mach so, als hätte ich das nur mit einem halben Ohr mitbekommen, was nicht stimmt, aber momentan weiss ich nicht, wie ich darauf reagieren soll … 

Der Mann (unbeeindruckt) fährt fort:

"Weil, ich hätte niemals die Pille regelmässig und jeden Tag nehmen können, wissen Sie?"

Pharmama: "Aaah."

 

(Zum Glück gibt es ja noch andere Methoden eine Schwangerschaft zu verhindern. Kondome zum Beispiel – ich bin sicher, ansonsten gäbe es wesentlich mehr Schwangerschaften … viele Frauen sind nämlich auch nicht gut im regelmässig nehmen …)

Lückenbüsserfunktion

Es kann nur schlimmer werden …

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Oh, Ihr selbstdispensierender Arzt, von dem Sie alle ihre Medis beziehen ist in den Ferien … und sie haben nichts mehr? Aber natürlich schaue ich, dass Sie zu ihren Medikamenten kommen … und liefern? …Noch heute? … klar. (Grrrr!)

Ja, geht mir heute teils schon so.

Noch einmal der Aufruf an alle: helft den Aargauer Apothekern bei der Abstimmung am nächsten Wochenende: Ja zur Initiative „Ja zum miteinander!“