Dieselbe Frage

Kunde: „Ich wollte wissen, ob ein Antibiotikum für mich auf der Seite ist?“

Pharmama: „Nein, wir haben noch kein Rezept dafür bekommen.“

Kunde: „Der Arzt hat kein Rezept gefaxt?“

Pharmama: „Nein, bisher noch nicht.“

Kunde: „Dann ist nichts bereit für mich?“

Pharmama: „Nein, es steht nichts auf der Seite für Sie.“

Kunde: „Dann hat der Arzt sich nicht gemeldet?“

Pharmama: „Nein.“

Kunde: „Und wann wird mein Antibiotikum zum abholen bereit sein?“

Pharmama: „Frühstens sobald wir vom Arzt etwas hören.“

Kunde: „Dann frage ich später noch mal nach.“

Machen Sie das.

Moment!

Minnie, der Lehrling kommt zu mir: „Darf ich der Frau gleich 3 Packungen Voltaren dolo forte Tabletten geben?“

Ich: „So kann ich das nicht sagen. Weshalb gleich 3?“

Minnie: „Das weiss ich nicht.“

Pharmama: „Das musst Du fragen … Warte, ich komme mit.“

Vor der Kundin:

Pharmama: „Guten Tag, … warum grad 3 Packungen?“

Die mittel-alte Frau am Stock vor mir holt tief Luft …

(‚Auweh‘, denke ich. Enzweder gibt das jetzt eine lautstarke Tirade … oder eine längere Erklärung).

Dann legt sie los:

„Ich brauche die Voltaren, weil ich Rheuma habe und ziemlich Schmerzen. Und meine Hüfte sollte schon lange ersetzt werden, die ist kaputt, deshalb bin ich auch beim Arzt unter Kontrolle, da war ich erst letzte Woche, aber der hat mir etwas mit Ibuprofen aufgeschrieben, und das wirkt bei mir nicht genug, darum dachte ich, bis das mit der Hüfte gemacht werden kann – das wird dann irgendwann im Herbst sein, denn vorher muss ich noch arbeiten und das geht dann nicht – also bis dahin brauche ich ein Schmerzmittel das wirkt, Dafalgan habe ich auch schon probiert, aber das reicht einfach nicht und von den Olfen habe ich Hautausschlag bekommen, die Ibuprofen vom Arzt die sind okay, aber auch nicht so stark und da hat meine Freundin gesagt, ich soll doch die Voltaren Dolo Tabletten nehmen, die helfen ihr immer genug. Ich nehme auch …“

Pharmama: „Moment!“

… (bis jetzt habe ich kein Wort reingebracht, nicht mal seitwärts, aber jetzt)

„… Sie haben gesagt, sie bekommen Hautausschlag von den Olfen?“

Die Frau ist etwas irritiert: bei dem Thema war sie doch schon durch?: „Ja, darum nehme ich die nicht mehr.“

Pharmama: „Olfen ist Diclofenac, Voltaren ist auch Diclofenac.“

Frau: „Oh.“

Pharmama: „Es besteht also die gute Möglichkeit, dass Sie auch von denen Hautausschlag bekommen.“

Frau: „Oh! Also … dann bleibe ich vielleicht doch besser bei den Ibuprofen.“

Pharmama: „Ja. Im Prinzip können Sie die Kombinieren mit den Dafalgan. Aber das würde ich auch dem Arzt sagen, wenn Sie das machen.“

Frau: „Gut. Dann .. lassen wir das mit den Voltaren. Ich versuche es mit den Dafalgan zusätzlich.“

 

Mein Job: die Leute beraten und davon abbringen etwa 30 Franken auszugeben und sich zu schaden, um dann eine Packung für nicht mal 3 Franken zu verkaufen.

Trotzdem werte ich das als Erfolg. Speziell, wenn sie wiederkommt.

Da sitze ich …

Mit meinem Tuch (und Buch) …

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Und zu „seinem Tag“ noch ein Zitat

If it looks like a duck, and quacks like a duck, we have at least to consider the possibility that we have a small aquatic bird of the family Anatidae on our hands.

Douglas Adams

Kommunikation per proxy

Wir haben da ein … Kundenpaar. Sie sind noch nett, nur ist manchmal die Kommunikation etwas erschwert – ein gutes Beispiel ist der Fall vor ein paar Wochen, als sie mit einem Rezept kamen auf „ihn“ ausgestellt, die gesamte Konversation aber über „sie“ laufen muss (obwohl er durchaus geistig und auch sonst in der Lage ist zu antworten). „Sie“ managt einfach alles für ihn. „Er“ darf nur danebengehen und zuschauen.

 

Sie (reicht mir das Rezept): „Wir kommen gerade aus dem Spital. Auf dem Rezept stehen Urinbeutel“

Pharmama: „Ja, ich sehe….“

Auf dem Rezept steht: Urinbeutel 800ml und Bettbeutel 2l, das ist alles. Ein bisschen wenig Info – da fehlt noch die Länge des Schlauches und ob da ein Ventil dran gehört, aber das kann ich ja die beiden fragen.

Pharmama: „Wissen Sie, ob der Schlauch X cm oder Y cm sein muss?“

Die Frau weiss es (das ist toll, das erspart mir den Anruf im Spital)

Ich gebe sie im Computer ein. Es gibt verschiedene, auf die die Spezifikationen zutreffen. Wir haben sogar welche da. Ich zeige sie ihnen.

Frau: „Das sind aber nicht die, die wir gehabt haben! Wir müssen wieder dieselben haben. Und zwar von der Marke …Moment …“

Sie geht hin und schaut auf ihrem Mann nach. Ja, ‚auf‘ – denn dazu muss sie ihm praktisch an die Hosen. Er lässt auch das stoisch, aber mit verlegenem Lächeln in unsere Richtung über sich ergehen.

Ich finde Marke und richtige Grösse im Computer, aber … es ist einerseits eine Bestellung (für die 800ml) und das andere gar eine Direktbestellung, da unser Lieferant die nicht führt.

Pharmama: „Ich kann die bestellen. Das eine ist allerdings eine Besorgung direkt vom Hersteller, das dauert etwa 2 Tage“

Frau: „Das geht, wir haben noch ein paar.“

Sie bekommen ihre Urinbeutel.

Zwei Wochen später bringen mir die beiden beide Packungen wieder zurück. Aufgemacht aber ungebraucht. Offenbar hat es mit denen gereicht, die sie vom Spital mitbekommen haben.

Frau: „Ich möchte das zurückgeben. Wir haben sie dann doch nicht gebraucht. Das wird uns wieder gutgeschrieben, ja?“

Pharmama: „Äh – nein. Mal abgesehen davon, dass die Packung geöffnet wurde – so wie sie jetzt sind könnte ich sie weder retour geben noch weiterverkaufen. Selbst wenn ich das dürfte. Und ich darf nicht.“

Mann: „Siehst Du, genau das habe ich Dir auch gesagt.“

Und bevor wir den Mund wieder zubekommen (Er hat was gesagt!) zieht er sie sanft aber bestimmt aus der Apotheke.