So nahe dran …

Der Patient kommt mit 2 Rezepten, Eins für Viagra, eins für Cialis. (beides Potenzmittel).

Ich kontrolliere die Rezepte vor der Abgabe – dabei beklagt er sich mir gegenüber, dass der Arzt ihm nur je eine Packung zu 4 Stück aufgeschrieben hat – „dabei weiss der Arzt, dass ich demnächst eine grosse Kreuzfahrt vorhabe!“

Zwinker

Ich lächle und verschwinde wieder, bevor er das ausschmücken geht.

Dann erzählt er meiner hübschen Pharmaassistentin was für ein toller Hecht er ist … und dass er gleich 3 Freundinnen hat … aufs Mal!

Zwinker, Zwinker.

Auf einmal wird er gaaanz ruhig – die eine seiner Freundinnen, die wohl nichts von den anderen weiss, ist gerade hinter ihm aufgetaucht.

Er zahlt und die beiden gehen Arm in Arm nach draussen.

 

Er war sooo nahe dran aufzufliegen…. so nahe …

Warum Tabletten abfüllen NICHT besser ist

Immer wieder gelesen in Kommentaren zu Sachen, die auch nur annähernd mit den Apotheken hier zu tun haben: Leute, die verlangen, dass nicht mehr ganze Packungen abgegeben werden, sondern Tabletten entsprechend der Behandlungsdauer abgefüllt werden.

Ich meine: das hört sich doch echt gut und praktisch an: Der Arzt verschreibt einfach genau die Anzahl Tabletten, die für eine Behandlung gebraucht werden – und der Apotheker füllt die ab und gibt sie ab. Statt bei einer 1 Wöchigen Behandlung mit einem Antibiotikum, das 2 x täglich zu nehmen ist und bei dem es nur 20er Packungen gibt, dann 6 Tabletten zu entsorgen, die man nicht gebraucht hat …

Vorteil: Preisersparnis, weniger Abfall.

abzaehlentabletten

Ich sag mal, das ist die Theorie. Die Praxis hält einige Nachteile parat … und Dank den USA, wo das üblich ist, kennen wir auch die Nachteile:

  • Es dauert wesentlich länger, bis zur Abgabe. Die Medikamente werden aus der Originalverpackung abgezählt und dann in Dosen abgefüllt. Bei 20 Tabletten geht das noch – bei 100 und mehr wird die Zeit signifikant länger. In Amerika gibt es deshalb Wartezeiten nach der Abgabe des Rezeptes mit einem Medikament … von 5 Minuten bis … (je nach Andrang) 2 Stunden (und mehr). Wenn nicht genug Tabletten an Lager sind, gibt es partielle Abfüllungen und die Kunden müssen danach trotzdem zusätzlich zurückkommen.
  • die Fehlerquote erhöht sich: Nach dem Ab- und Umfüllen müssen sie vor der Abgabe zusätzlich kontrolliert werden. Also nicht nur, was aussen auf der Packung steht, sondern ob der Inhalt mit damit übereinstimmt. Dafür braucht es den Vergleich mit einer Datenbank, die die Tabletten/Kapseln auch optisch zeigt. Die Patienten selber sehen so noch weniger, ob das, was sie bekommen, auch das richtige ist. Die Packungen sehen aussen immer gleich aus … und innen können die Kapseln im Aussehen wechseln, selbst wenn derselbe Wirkstoff verschrieben wurde. (Siehe Generika).
  • Der Abfall wird nicht geringer: Zusätzlich zu den kleinen Dosen, in die das dann abgefüllt wird, muss jedes Mal eine Packungsbeilage ausgedruckt und mitgegeben werden. Die wird zwar ziemlich sicher (da ausserhalb der Packung mit einem Gummiband oder so befestigt) bald entsorgt. Das verringert das Abfallproblem (bis auf die Tabletten selber) nicht wesentlich.
  • Es ist einiges Unhygienischer: Pillendosen in die man reinfasst, sind einiges unhygienischer als die Blisterpackungen. Die Tabletten sind so auch mehr der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt und gehen schneller kaputt. Dass es zum Beispiel in Amerika durchaus üblich ist, beim abfüllen heruntergefallene Tabletten trotzdem abzupacken und das ganze (ausser bei gefährlicheren Wirkstoffen) üblicherweise nicht mit Handschuhen passiert, will ich hier nicht allzu breit treten. Immerhin gibt es für feste Arzneiformen wie Tabletten und Kapseln keine Vorschriften, dass die annähernd steril sein müssen …
  • Verfall wird kürzer: Die Tabletten in den abgepackten Blistern haben nicht annähernd das selbe Verfalldatum, wie die geöffneten Originalpackungen – sie dürfen nicht. Verfall von wenigen Monaten ist dann üblich. Klar, wenn man die Tabletten akut braucht und abgibt/nimmt, dann braucht es das auch nicht. Bei Dauermedikation (die dann aber auch so abgefüllt wird) schon eher.
  • Lagerhaltung wird mühsamer: Statt der lange haltbaren einzelnen Packungen, kann man nur noch Grosspackungen bestellen. Die nach dem Öffnen dann nur begrenzt haltbar sind. Das wird bei wenig gebrauchten Sachen sehr rasch unrentabel, weshalb man das noch weniger (gerne) an Lager hält. Das muss extra bestellt werden … und läuft danach im Regal halb oder nur teilweise angebraucht) dann ab. Und darf entsorgt werden. = Lagerverlust.
  • Von der Kontrolle bei den Betäubungsmitteln will ich hier nicht mal anfangen (einzeln täglich Tabletten nachzählen??)
  • Die Auswahl nimmt ab. Bei den Generika konzentriert man sich dann wirklich nur noch auf sehr wenige (ein einziges?), möglichst günstig eingekaufte Generika … das demnach auch häufiger mal wechseln kann. Je nachdem, welches aktuell das günstigste ist.
  • Ist das wirklich eine Preisersparnis? Zumindest in Amerika ist es trotz dem abfüllen nicht so, dass die Medikamente wesentlich weniger kosten … teils sind sie sogar einiges teurer als hier. Das hängt natürlich noch von mehr als dem ab, die haben ja ein ganz anderes Gesundheitssystem als wir. Allerdings sollte man bedenken, dass das hier dann auch angepasst werden müsste, denn bis jetzt ist das Abfüllen von Packungen so nicht erlaubt / gewünscht vom Gesetzgeber.
  • Die Arbeit des Apothekers verändert sich dadurch sehr – meiner Meinung nach nicht zum besseren. Statt vorne für die Patienten und ihre Fragen da zu sein, wird es zur Hauptaufgabe des Apothekers hinten zu kontrollieren, ob die Tabletten / Kapseln richtig abgefüllt wurden. Die Kontrolle machen wir heute auch schon, aber in einer Form, die uns genug Zeit lässt für die Patienten selber.

An der Kasse und auch beim Abfüllen stehen in Amerika hauptsächlich „Techs“ … faktisch Pharmaassistenten, aber mit wesentlich geringerer Ausbildung als hierzulande. Das liegt daran, dass man eine Menge Leute braucht, um alle Medikamente abzufüllen. Da nimmt man dann eher die „günstigeren“.

Also: Nein, ich hoffe, das kommt so nicht zu uns. Da steht Aufwand in keinem Nutzen zum Vorteil.

So – und nach diesem kurzen Ausflug in andere Systeme, mache ich wieder etwas Pause. Ich hoffe, ihr seid alle gesund und gut durch die Feiertage gekommen!

Frohe Weihnachten!

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Schickt mir ein Bild Eurer schönsten / liebsten / besinnlichsten Weihnachtsdekoration … für etwas mehr Weihnachtsstimmung im Internet.

Danke an mama mach mal für das weisse Wunder, an Irene für den Baum mit Schwein, an den multiplepapa mit dem Klassiker, Beatrix mit den Wichteln, Sandra für das Bäumchen, Nicole für die Kerzen, Christina für ihren Baum und die Tannenzapfendeko  …

Basteln mit Junior: Fimo / Polymer Clay Weihnachtsdekoration

Auf der Suche nach etwas zum Basteln mit Junior bin ich auf Fimo / Polymer Clay gestossen – das ist dieser Kneteartige Kunststoff, der im Backofen getrocknet / gehärtet werden kann.

Das Zeug ist fantastisch! macht so gut wie keine Sauerei beim basteln, lässt sich auch vom Junior (7) gut bearbeiten und man kann fast unendlich viel damit machen.

In einem ersten Versuch haben wir uns an Weihnachtsdeko / Geschenkeanhänger gemacht.

Dazu braucht man Fimo soft … oder eben von einer anderen Marke, ich habe ausser dem weissen Fimo soft für den Grund noch ein Multipack mit verschiedenen Farben Polymer Clay, ofenhärtend und den Werkzeugen dazu gekauft.

xmasfimo1

Die Grundform waren Guetzliausstecher und Fimo weiss mit dem Wallholz ausgewallt. Die Teile darauf sind mit dem Polymer Clay von Hand geformt.

xmasfimo2

Tatsächlich sind das 2 ziemlich unterschiedliche Arten Masse: Fimo soft –  ist wirklich wie Knete, ziemlich fest, wird aber weicher beim bearbeiten.  Die Polymer Clay von der anderen Firma ist von der Konsistenz weicher und leichter- ein bisschen schaumstoffartig. Das bleibt auch so nach dem backen. Mischen geht aber offenbar auch.

Und weil das so gut geklappt hat, sind wir grad noch ein bisschen kreativ gewesen:

xmasfimo3

 

 

Im Ofen werden die Sachen bei 110 °Grad (nicht mehr!) während 30 Minuten gehärtet. Die Polymer Clay bleiben dabei wirklich schaumstoffig, sind aber auch fest und fallen nicht auseinander.

Das ist etwas, was wir sicher wieder mal machen. Damit lässt sich eine Menge anstellen: Magnete, Stifte überziehen, Schmuck, Tischdekoration …