(Zusammenarbeit ist immer besser).
Schlechte Wortwahl
Ein Mann ruft in der Apotheke an, um seine Medikamente vom Dauerrezept zu bestellen. Darunter ist auch ein Medikament das wir noch nicht an Lager haben – weshalb man ihm sagt, er kann es am nächsten Morgen nach Bestelleingang abholen.
Dummerweise stellt sich dann beim Bestellen heraus, dass das Produkt momentan nicht lieferbar ist. Man schafft es von woanders welche kommen zu lassen – nur dauert das einen Tag länger.
Deshalb ruft die Pharmaassistentin (PA) ihm an – auf die im Dossier festgehaltene Telefonnummer.
Eine Frau nimmt ab.
Wegen des Patientengeheimnisses ist meine PA vorsichtig und fragt erst mal nach, ob der Mann selber hier ist.
Antwortet die Frau: „Wir sind im Moment nicht zusammen.“
Deshalb verabschiedet sich die Kollegin und schreibt auf den Bestellzettel: Medikament kommt später von xxx da nicht lieferbar. Versucht anzurufen, nicht erreicht. Nummer im Dossier von Exfrau??
Aus Gründen des Patientengeheimnisses soll ja auch solche einfache Info wie die Nicht-Lieferbarkeit eines Medikamentes nicht an andere als die betroffene Person weitergegeben werden.
Der Mann kommt dann tatsächlich am anderen Morgen und ist sehr verwundert, als man ihn nach der aktuellen Nummer fragt – da er ja nicht mehr dort wohne?
Es war dann offenbar doch nicht die Exfrau sondern die immer noch aktuelle Frau … und sie hat mit ihrem „nicht zusammen“ wirklich nur gemeint, dass er momentan nicht anwesend ist.
Hoppala.
Zumindest hat er es mit Humor genommen … und amüsiert sich seitdem damit, dass er uns Grüsse von seiner Ex-Frau ausrichtet …
Nur nicht in grün!
Herzige, ältere Frau mit Rezept in der Apotheke:
1 OP Perindopril Mepha 5 mg 30 Stück
Dauerrezept 6 Monate
Frau: „Aber geben Sie mir die weissen Tabletten, die grünen vertrage ich nicht!“
Pharmama: „Umm? Was passiert, wenn Sie die grünen nehmen?“
Frau: „Dann bekomme ich Husten.“
Pharmama: „Ah ja? Wann husten Sie denn?“
(Ich habe nämlich einen Verdacht)
Frau: „Meist abends. So ein trockenes Husten.“
Pharmama: „Das ist interessant. Und bei den weissen passiert das nicht?“
Frau: „Ich glaube nicht.“
Pharmama: „Weil – das Perindopril ist ein ACE Hemmer. Diese Wirkstoffklasse ist bekannt dafür, dass die Husten machen können als Nebenwirkung. Dann ist es egal, ob die Tabletten weiss oder grün sind.“
Frau: „Ah – aber ich hatte ursprünglich Coversum. Die haben keinen Husten gemacht. Dann hatte ich ein Generikum mit weissen Tabletten, das ging auch. Dann eines mit grünen – und seitdem ich die nehme, habe ich Husten.“
Ich sollte hier noch einschieben, dass sie bisher woanders wohnte und noch kein Rezept bei uns hatte – ich kann also nicht nachschauen, welche sie bisher gehabt hat und ständig zu wechseln finde ich auch nicht gerade förderlich. Aber … ich glaube ihr. Sie weiss was sie nimmt, Coversum ist das Original und es ist bei ihr nicht so, dass sie Generika grundsätzlich abgeneigt ist – tatsächlich will sie welche. Halt nur keine grünen.
Pharmama: „Nun – dann versuchen wir es mit den weissen Tabletten – aber wenn sie davon immer noch Husten, müssen Sie das dem Arzt melden, damit er ein anderes Blutdruckmedikament aufschreibt.“
Nach längerem Suchen habe ich dann weisse Perindopril Tabletten gefunden: Sandoz und Actavis. Interessanterweise sind die Orignal-Coversum auch grün – so wie die vom Arzt aufgeschriebenen von Mepha.
Mein Dank hier an die documed und compendium.ch mit der neuen Funktion, wo man auch die Tabletten gleich anschauen kann! Echt praktisch für so etwas.
Tabletten bestellt, erst mal eine kleine Packung zum schauen, und ihr gegeben … Und: anscheinend geht das mit den neuen (weissen) Tabletten.
Interessant.
Zur Klarstellung
Nach diesem etwas verwirrlichen email-Austausch sehe ich mich genötigt, hier ein paar Sachen klar zu stellen.
Zwischen dem 7.12.2012 und 04.12.2012 kann ich keine Email lesen oder beantworten
Bitte nennen Sie mir den Preis für folgendes Produkt in € – Rezept liegt vor
Neues Pflaster Capsaicin 179mg — in Deutschland: Qutenza —
Mein e-mail (entfernt)
Freundliche Grüße und eventuell Geschäft
H.
guten Tag Herr H,
da ich keine Medikamente verkaufe, gebe ich auch keine Preisauskünfte. Für die rezeptpflichtigen Medikamente können sie aber auf der Seite http://med.mymedi.ch/index selber nachschauen.
mit freundlichen Grüssen
Pharmama
Bitte seien Sie freundlich und sagen Sie mir ob ich auf einer schweizer Seite bin oder Slowakei. Die Preise sind in CHF. Danke H.
Also noch einmal ganz langsam und zum mitschreiben:
Das hier (hier!) ist keine Versandapotheke, nicht einmal eine Online-Apotheke. Das hier ist ein persönliches Blog.
Deshalb verkaufe ich hier auch keine Medikamente. Nix Geschäft.
Verschicken könnte ich Medikamente auch nicht, selbst wenn ich ein Rezept bekäme – das darf ich als Apotheke in der Schweiz nicht.
Schweiz! Das .ch in der Blogadresse und dem von mir genannten Link und die Preise dort in CHF (Franken) dürften darauf hindeuten.
Ich spreche und schreibe auch in Deutsch (oder zumindest Düüütsch :-) )
Und vielleicht sollten sie doch mal ihrem e-mail header entfernen … der ist seit 3 Jahren veraltet.
Gibt’s da keine neue?
Da war doch noch die Reklamation zweier Tuben Akne-Creme (rezeptpflichtig). Die Kundin (eine Frau in den 40ern) kommt mit einer Tube zu mir, knallt sie fast vor mich auf den Tisch und sagt: „Die habe ich gestern aufgemacht – und dann ist mir der Inhalt entgegen gekommen! Fast die Hälfte der Tube hat es so ausgedrückt. Das Zeug war auch getrennt, ein Teil war flüssig! Dabei ist der Verfall noch gut. Ich möchte gerne eine neue Tube! – für diese und die andere, die ich zu Hause habe, die war auch nicht gut, die habe ich auch geöffnet.“
Hmmm, das hört sich nicht gut an, aber … erst mal ansehen.
Die Tube ist äusserlich in Ordnung. Nicht zerdrückt, keine Löcher, halbvoll. Verfallsdatum laut Eindruck auf dem Falz in 4 Monaten. Ich öffne sie und drücke etwas von der weissen Salbe heraus. Die sieht auch gut aus – keine Spur von Phasentrennung. Schöne Emulsion.
Pharmama: „Ich kann nicht erkennen, dass die nicht mehr gut wäre …“
Frau: „Das liegt daran, dass ich die Tube geknetet habe! Die ist nicht in Ordnung. Ich will eine neue!“
Eine Metalltube? Wenn sie die geknetet hätte – das würde man sehen. Aber ausser dass sie hinten etwas eingedrückt ist …
Pharmama: „Hmm – einfach so kann ich ihnen dafür keine neue geben.“
Frau: „Dann fragen sie die Herstellerfirma – die schicken sicher Ersatz.“
Möglich, die Firma ist relativ kulant, aber irgendwie …
Pharmama: „Ich kann es einschicken zum testen, aber … Das mit dem Druck – das kommt gelegentlich vor. Vor allem, wenn es wärmer ist … was mich daran erinnert: wann haben Sie die Salbe bekommen?“
Frau: „Vor ein paar Monaten, aber ich habe sie nicht vorher geöffnet und abgelaufen ist sie auch nicht!“
Ich schaue im Computer – als rezeptpflichtiges Medikament ist die Abgabe natürlich drin und nachvollziehbar.
Und staune mal wieder.
Pharmama: „Oh, das ist schon länger … das war im Oktober und Dezember 2013,“ (jetzt fast 1 und ½ Jahr her) „Wie haben Sie die aufbewahrt?“
Frau, sehr abschätzig: „Natürlich im kühlen, was denken Sie denn? An dem liegt’s sicher nicht!“
Pharmama: „Nun, wenn das für Sie okay ist, schicke ich sie ein – die Firma entscheidet dann, ob es Ersatz gibt.“
Damit ist sie nicht wirklich zufrieden, aber … sie willigt dann ein.
Und Freitag habe ich von der Firma den Brief zurück bekommen.
Wir beziehen uns auf die Beanstandung zu … Wir haben die Packung mit der Lot Nr … an die Produktion weitergeleitet. Die andere Lot Nummer … war leider nicht mehr vorhanden. Wir haben nun folgende Stellungsnahme erhalten:
Bezugnehmend auf Lot Nr …
Die zurückgebrachte Probe wurde vom pharmazeutischen Entwicklungs-Labor getestet, es wurden keine Anomalien gefunden.
Das Aussehen der beanstandeten Probe bestätigt die Homogenität der Emulsion, das bedeutet die Struktur der Emulsion war nicht beeinträchtigt.
Die Reklamation wird deshalb als nicht gerechtfertigt eingeschätzt, da wir auch keinen Hinweis auf den vermuteten Defekt gefunden haben.
Bezugnehmend auf Lot Nr …
Es wurde keine Probe erhalten. Es gibt keinen Hinweis darauf dass sie Defekt ist.
Wir sind an allen Meldungen die unsere Medikamentensicherheit betreffen interessiert und danken Ihnen für die Zusammenarbeit und dass Sie uns auf den oben erwähnten Fall aufmerksam gemacht haben.
Ja – tut mir irgendwie in dem Fall leid … für die Firma … all der Aufwand – und ich habe die Vermutung, dass die Kundin das nur gemacht hat, um an ein (paar) neue Tube(n) zu kommen. Sie wäre der Typ dafür.
Was mich dran erinnert – wenn die wiederkommt und ich ihr die Nachricht überbringe, dann will sie bestimmt die „Probentube“ zurück. Mal schauen, wie ich das am besten formuliere, dass das nicht möglich ist, da die zum testen verbraucht wurde.
Ich lerne …
…jeden Tag etwas neues. Da ich momentan am Vorbereiten eines Impfkurses bin heute das:
Habt ihr gewusst, dass bis Ende 2015 die Masernimpfung von der Grundversicherung ohne Franchise übernommen wird? Man zahlt nur den Selbstbehalt von 10% (das sind ein paar wenige Franken). Im Normalfall ist das erst nach Erreichen der Franchise so: Also nachdem man den Teil, den man gewählt hat selber zu bezahlen, von 300 bis 2500 Franken erreicht und berappt hat.

Das hat die BAG zusammen mit den Krankenkassen beschlossen, um die Durchimpfungsrate zu erhöhen, die in letzter Zeit bedenklich und gefährlich gesunken ist. Eine gute Sache! Zu doof hört man davon nichts. Also – selbst ich als Apothekerin wusste das nicht. Ihr vielleicht?
(Das gilt seit Januar 2013 bis eben Ende 2015 – für alle).
