Rezept nach Belieben?

rphusten

Was denkt eine Apothekerin, wenn sie dieses Rezept sieht?

Erster Überblick: Ah, ja. Da ist jemand erkältet. Schmerz-/Fiebermittel, Nasenspray, Hustensirup.

Algifor 100mg/5ml Sirup  6.5ml maximal alle 8 Stunden

Okay – es gibt nur einen Algifor Sirup, da den Inhalt so anzugeben ist unnötig redundant. Dafür weiss ich nicht wie viel das Kind wiegt und muss fragen, um zu schauen ob die Dosierung so in Ordnung ist (wäre nett, wenn die Ärzte das auf Rezepten für Kinder grundsätzlich draufschreiben würden) … oh: und ich sollte besser noch eine Dosierspritze dazu abgeben: wie will man sonst mit dem Doppellöffel (5ml und 10ml) 6.5ml abmessen?

Nasivin Nasentropfen 2-3 x täglich für maximal 7 Tage

Und hier dafür nicht angegeben welche Stärke (0.01, 0.025, 0.05?). Gut, das kann ich aus dem Geburtsdatum ableiten (Wo steht da eigentlich der Patient auf dem Rezept? Ah – hinten). Und bezahlt wird hier von der Krankenkasse nicht alles.

Hustensirup – nur bei nächtlicher Unruhe

Ookayy? Was darf’s denn sein? Es gibt ja mehr als einen Hustensirup – von jeder Art, der schleim-lösenden und dem husten-stillenden und immer noch ein paar Kombinationen. Ich schätze mal, es soll was hustendämpfendes sein (da nur für die Nacht), aber da ich nicht schätzen darf gibt das halt einen Anruf beim Arzt.

Ein einfaches Rezept, wirklich. Eigentlich nicht mal Sachen, für die man wirklich zum Arzt müsste.

Good welcoming practice*

Die etwas ältere Frau (um die 60?) kommt in die Apotheke. Ich stehe hinter der Theke (gerade am Rezepte kontrollieren vom Vortag) und warte dort, (freundlich lächelnd) da sie zielstrebig auf mich zukommt. Als sie etwa 5 Meter von mir entfernt ist empfange ich sie mit einem „Grüetzi“ und fast im gleichen Moment kommt mein Lehrling von hinten nach vorne und sagt, als sie sie sieht auch „Grüetzi“.

Die Frau legt die restlichen Meter zu mir wortlos zurück, stellt ihre Handtasche ab, schaut mich erwartungsvoll an und sagt nach einer (bedeutungsschwangeren) Pause sehr betont: „Grüetzi!!“

… so als hätte sie noch gar niemand hier gegrüsst.

Ich blinzle etwas erstaunt zwei Mal kurz. In den paar Momenten geht einem eine Menge durch den Kopf. Angefangen von: „Sie denkt, sie wurde noch nicht begrüsst. Ganz offensichtlich ist sie damit unzufrieden. Wie reagiere ich jetzt am besten? Wenn ich mache als sei nichts und nur „Grüetzi“ sage, dann bleibt sie bei der Meinung, genauso, wenn ich mich Entschuldige. Wenn ich ihr aber … Ach was solls…“

Also sage ich, immer noch freundlich lächelnd: „Grüetzi. Zum zweiten.“

Jetzt schaut sie mich echt etwas gehäuselt an.

„Oh – Sie haben vorher etwas gesagt? Ich habe nichts gehört.“

„Nun, vielleicht war ich etwas leise, aber … ja.“

„Hmpf.“ Sie zieht aus der Tache einen Abholschein. „Also, nach der Reklamation … ich habe hier etwas bestellt zum abholen.“

Ich nehme den Abholschein.

„Ich gehe es rasch holen. Einen Moment bitte.“

Nach dem wackligen Start ging es dann einigermassen normal weiter.

Als sie nach draussen geht, meint mein Lehrling nur: „Ich hab’ sie auch gegrüsst!“

„Ja, ich weiss – aber wenn ich das auch noch gesagt hätte … ich glaube das wäre nicht gut rausgekommen.“

… *Übrigens ist der Titel (obwohl vielleicht passend) irreführend. Unter „good welcoming practice“ Gute Empfangspraxis oder kurz GWP versteht man in der Apotheke das:

Die Good Welcoming Practice bezieht sich auf die Situation, bei der ein Kunde ein Medikament in der Apotheke wünscht und nicht ausdrücklich nach einer Beratung verlangt („Ich hätte gerne ein Aspirin®“). Gemäss der GWP soll das Medikament nicht kommentarlos verkauft werden, sondern eine Reihe von angepassten Fragen gestellt werden, welche sicherstellen sollen, dass das Medikament sicher und zweckmässig eingesetzt wird.

Quelle: Pharmawiki.ch

Kopf(geld)jäger

Liebe Headhunter-Firma,

Ich weiss ja, dass Sie spezialisiert sind auf Personalrekrutierung im Pharmabereich …. allerdings bin ich nicht sehr erfreut, wenn man mir bei der Arbeit in der Apotheke anruft, sich nach einer Mitarbeiterin erkundet und (weil die nicht da ist: ich arbeite jetzt ja) dann halt mich fragt, ob ich eventuell Interesse hätte an einem anderen Job.

Danke, nein Danke.

Die rufen also tatsächlich in die Apotheken an, um Mitarbeiter abzuwerben.

Grmpf

Und wie haben Sie sich das gedacht?

Junge Frau (JuF): „Ich hätte gerne die Pille danach.“

Meine Pharmaassistentin Donna: „Natürlich. Die gibt es nach der Abklärung durch die Apothekerin. Braucht ca. 15 Minuten und kostet alles inklusive 40 Franken.“

JuF: „Ich habe kein Geld da.“

Donna: „Sie können auch mit Karte zahlen.“

JuF: „Nein, ich habe gar nichts da.“

Das erstaunt Donna so sehr, dass sie das erste sagt, was ihr in den Kopf kommt:

„Und wie haben Sie sich das dann gedacht?“

Ja, wie? Wieder ein Fall, der denkt, es müsste alles gratis sein im Gesundheitswesen?

Ich kann bei Leuten mit verzweifelt finanziellen Problemen noch ein bisschen was am Preis schrauben– ich verzichte auf die Gebühr, die mir der Mehraufwand hier macht, in extremen Härtefällen vielleicht sogar auf die Marge – aber gratis gibt’s das garantiert nicht. Das sind dann immer noch etwas über 20 Franken. Kondome sind günstiger. Wenn sie finanziell derart schlecht dasteht und so ein Problem hat, besteht auch noch die Möglichkeit zu einer Familienberatungsstelle zu gehen.

Jedenfalls – nach einiger Diskussion einigt man sich darauf, da sie die Pille danach jetzt gleich nehmen will, dass sie halt etwas als Pfand hier lässt … Ihren Pass (den hat sie im Gegensatz zu Geld dabei) und diesen in den nächsten Tagen dann auslösen geht.

Na dann.

Die Abklärung danach hat dann ergeben, dass es sinnvoll ist, die Pille danach zu nehmen und sie hat dann am nächsten Tag auch bezahlt.