Rezeptprogramme beim Arzt – braucht noch etwas Arbeit?

Weil auch die ausgedruckten Rezepte nicht der „Weisheit letzter Schluss“ sind. Sie sind zwar einiges einfacher für uns in der Apotheke zu lesen (da man nichts entziffern muss) und man kann in der Praxis wunderbar eintragen, wie der Patient das jetzt anwenden soll (plus das ist dort sicher grad im eigenen Patientendossier so gespeichert). Wahrscheinlich zeigt einem bei den Programmen grad noch an, was es denn so gibt an Medikamenten und wie sie von der Krankenkasse übernommen werden. (Oder?)

Aber irgendwie … tja. Das Rezept hat mich vorgestern zum lachen gebracht:

Das wäre sicher nicht passiert, wenn das nicht mit einem Programm erstellt wird. Wer sieht es?

rpdisplay

… Ich soll dem Patienten also vom Nasic Nasenspray grad ein ganzes, gefülltes Display abgeben? :-) – Ich dachte immer, man sollte Nasenspray gezielt und nicht andauernd anwenden, also … 9 Stück aufs Mal?

Schon klar. In der Zeile verrutscht und nur das erste gelesen. Aber das Rezept hat noch ein paar andere Unregelmässigkeiten. Vielleicht kennt sich der Verschreiber noch nicht gut mit dem Programm aus – jedenfalls wurde die Anwendung handschriftlich nachgetragen und dann auch noch ein „Meerwasserspray“ angehängt … war davon kein Medikamentenname bekannt? Naaprep, Rhinomer, Fluimare, Mare Mepha, vielleicht auch noch Otrivin Meer und Triofan naturel – auch wenn die nicht physiologisch, sondern hyperton sind. Leider werden die von den Krankenkassen kaum bezahlt. Ebenfalls nicht (mehr) übernommen werden die Nasobol zum inhalieren. Und zu guter letzt habe ich aus dem Sinupret mit 3×2 Dragees pro Tag die Sinupret forte gemacht – mit 3×1 Dragee.

Braucht doch noch etwas Arbeit das ganze. Was wohl eine Versandapotheke aus dem Rezept gemacht hätte?

Die Deutschen Apotheken brauchen Deine Hilfe!

Die Deutschen Apotheken brauchen Deine Hilfe!

gesundheitssystemingefahr

Ja, Deine. Auch wenn Du vielleicht im Moment ausser bei der gelegentlichen Erkältung sonst nicht viel mit der Apotheke zu tun hast. Irgendwann kommt der Moment, wo Du, oder Dein Kind oder deine Eltern notfallmässig Medikamente brauchen. Der Moment, wo es wichtig ist, dass die Apotheke den Patienten persönlich kennt, weil nur so die Beratung auch ankommt, nur so kontrolliert werden kann, ob das Medikament wirklich passt und Veränderungen bei chronischen Krankheiten erkannt werden können. Oder der Moment, wo die Apotheke ein Medikament, das so nicht im Handel ist, selber herstellt und abgibt (Kinderdosierungen zum Beispiel). Und dann kann die Apotheke für Dich da sein.

Damit das auch weiterhin so bleibt: Geh‘ in die Apotheke und unterschreib die Petition.

„Wir wollen ein starkes Signal an die Politik senden und zeigen, dass der Wunsch nach dem Erhalt unserer guten Versorgungsstruktur in der Bevölkerung groß ist. Ich bitte alle Apothekenkunden und Patienten, für die Zukunft der Arzneimittelversorgung in Deutschland zu unterschreiben“, sagt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Das ist wichtig für die Apotheken, dass sie dafür mit ihren Patienten ins Gespräch kommen und die Konsequenzen des EuGH-Urteils vom 19. Oktober erklären. Und es ist wichtig zu erläutern, warum wir ein Gesetz brauchen, das den Versandhandel wie in den meisten anderen europäischen Ländern auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente begrenzt.“ (Quelle: ABDA)

Mehr lesen über Arzneimittelpreise und das EuGh Urteil auf der Seite der deutschen Apothekervereinigung.

eughvergleich

Zur Zeit sammeln wir und viele andere deutsche Apotheken Unterschriften gegen ein Urteil, dass der Europäische Gerichtshof im Oktober gefällt hat. Durch dieses Urteil wird ausländischen Versandapotheken erlaubt sich beim Versand von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln über deutschen Recht hinwegzusetzen, an das wir als Ihre Apotheke vor Ort weiter gebunden ist. Das ist so, als ob der Europäische Gerichtshof entscheiden würde, dass ausländische Paketdienste sich in Deutschland nicht an die deutsche Geschwindigkeitsbegrenzung halten müssen. Dadurch entsteht ein Wettbewerbsnachteil, den wir nicht hinnehmen wollen. Die Lösung kann nicht sein, nun für alle die „Geschwindigkeitsbegrenzung“ aufzuheben. Die bestehenden Gesetze und die Arzneimittelpreisverordnung dienen dem Schutz der wohnortnahen Versorgung und das rund um die Uhr auch im Nachtdienst – Genauso wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf bestimmten Strassen dem Schutz der Verkehrsteilnehmer dient.
Unterstützen Sie die Aktion durch Ihre Unterschrift bei Ihrem nächsten Besuch in der Apotheke!
(Quelle: Bären Apotheke Erkrath)

Bitte.

Ironisches in der Apotheke

Von Sonja: Aus der Rubrik Ironie des Schicksals  (im Notdienst):

Anruf 22.00 Uhr, Mann : „Haben Sie fertige Cool-Packs?“

Apothekerin: „Nein. Nur Kalt-/Warm-Kompressen, die sie in den Kühlschrank legen müssen.“

Mann: „Oh. Ich bräuchte die Fertigen. Einen Kühlschrank haben wir gerade nicht zur Verfügung…. Aber ich bin am Bein verletzt und es schwillt schon an.“

Apothekerin: „Was ist denn passiert? Sind sie umgeknickt?“

Mann: „Nein… * druckst rum * ...mir ist der Kühlschrank auf den Fuß gefallen…“

(Autsch!)

Idiopathisch

Heute habe ich eines meiner medizinischen „Lieblingswörter“ auf einem Rezept gesehen: idiopathisch.

Genau genommen stand auf dem Rezept für einen Mann unter dem Imodium Dauerrezept:

Idiopathische Diarrhoe

Ich musste schmunzeln. Die Person hat also Durchfall … und der Arzt gibt mit dem Wort praktisch zu, dass er keine Ahnung hat, was die Ursache sein könnte.

von griechisch: idios – selbst und  pathos – Leiden

Idiopathisch bedeutet „ohne bekannte Ursache“ oder „als selbstständiger Krankheitszustand“.

Momentan geht ja wieder das Norovirus um – viele Leute haben deswegen Erbrechen und Durchfall, einige (vor allem Kinder) landen deswegen gar im Spital. Aber bei dem Mann muss da ein anderes Problem sein.

Auf nach 2017!

rutsch

Zeit ist ja auch nur eine Dimension …

In dem Sinne: wie seid Ihr gerutscht und vor allem: Was wünscht Ihr für 2017?

Ich wünsche mir für uns selber dass es weiter so (gut) geht, wie bisher. Ich bin Dankbar dafür. Für den Mann von S. volle Remission und für die junge Familie alles Beste. Und für alle wünsche mir mehr Verständnis und Empathie. Go world!

Vorwirkende Nebenwirkung?

Freitag nachmittag. Telefon. Eine Frau ruft an. Die Pharmaassistentin nimmt ab.

Nach ein paar Minuten reicht sie sie mir mit den Worten: „Sie glaubt mir nicht, dass man für Novalgin ein Rezept braucht.“

„Pharmama am Telefon?“

Frau: „Ja – ich weiss nicht, ob ihre Kollegin ihnen erzählt hat, um was es geht … ich habe mir vor 2 Monaten den Arm gebrochen, dann war ich dafür im Spital, wo sie operieren mussten. Das ist jetzt gut, jedenfalls haben sie mich nach Hause geschickt, ich habe aber immer noch Schmerzen. Zuhause habe ich noch Novalgin gefunden, das habe ich vor ein paar Jahren einmal bekommen … das ist aber noch gut, also habe ich das genommen. Jetzt kommt das Wochenende und ich habe Angst, dass sie nicht reichen. Ihre Kollegin will mir aber keine geben.“

Das hat sie nicht gesagt, erst mal nur dass es rezeptpflichtig ist. Aber … Detail … wegen dem muss ich ja jetzt mit ihr reden.

Pharmama: „Okay. Sie haben das also vor ein paar Jahren schon gehabt und vertragen?“

Frau: „Ja.“

Pharmama: „Was haben sie Ihnen im Spital für Schmerzmittel gegeben?“

Frau: „Gegen Ende auch Novalgin, glaube ich.“

Pharmama: „Und Sie haben bei der Entlassung kein Ausgangsrezept dafür bekommen?“

Frau: „Nein, ich habe ihnen gesagt, ich habe noch etwas zu Hause und die Idee war, dass ich bald danach zum Arzt gehen würde, aber das habe ich noch nicht geschafft. Und jetzt ist er sowieso nicht da.“

Pharmama: „Okay, ich denke am besten mache ich ihnen einen Vorbezug für die Novalgin und sie nehmen nach dem Wochenende mit dem Arzt Kontakt auf, damit er ein Rezept dafür ausstellt.“

Frau: „Die Packung kostet nur etwas über 5 Franken! Weshalb braucht das ein Rezept?!“

Pharmama: „Ah, aber der Preis eines Medikamentes hat keinen Zusammenhang mit seiner Wirkung. Das Novalgin ist rezeptpflichtig, weil es eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung hat, auf die man achten muss. Agranulocytose. Das kann Blutbildveränderungen machen.“

Frau: „Oh, und wie äussert sich das?“

Pharmama: „In Hautproblemen und Übelkeit erst mal.“

Frau: „Oh. Ist mir vielleicht deshalb nicht so gut?“

Pharmama: „Seit wann ist ihnen nicht gut?“

Frau: „Seit heute morgen ist mir schwindelig und so.“

Pharmama: „Und seit wann nehmen Sie die Novalgin?“

Pharmama: „Seit heute mittag.“

(!) … ich brauche einen Moment, damit ich ruhig genug weiterreden kann. Nicht dass sie merkt, dass ich jetzt innerlich lache.

Pharmama: „Dann kommt das aber nicht vom Novalgin.“

Frau: „Nicht?“

Pharmama: „Nein, Nebenwirkungen treten erst auf, nachdem man das Medikament genommen hat.“

Frau: „Aha. Dann kann ich das also nehmen?“

Pharmama: „Ich denke ja. Ich mache ihnen also einen Vorbezug für eine kleine Packung und sie telefonieren am Montag mit dem Arzt und besorgen ein Rezept?“