Pessare und Diaphragmas

ein reichlich nervöser älterer Mann in der Apotheke:

„Meine Frau braucht ein Diaphragma, aber … äh, nicht aus den Gründen, die sie denken. Wie sage ich das? Äh, ihre, äh, Vagina(?) fällt raus.“

Das brauchte ein bisschen Nachfragen, aber es war, was ich gedacht habe: sie hat wohl eine Gebärmuttersenkung. Dafür gibt es Pessare…. das ist eigentlich der Überbegriff für Medizinprodukte, die in die Vagina (oder Gebärmutter) eingelegt werden. Demnach ist ein Diaphragma auch ein Pessar – aber Diaphragmas werden zum Verhüten benutzt.

Pessaries

 

Für die Anpassung des Pessars (in dem Fall wohl ein Würfel-Pessar) musste ich die Frau aber an einen Gynäkologen verweisen … die haben auch Probesets dafür. Damit und mit hoffentlich ein bisschen Beckenbodengymnastik dürfte auch die oft mit der Gebärmuttersenkung zusammengehende Harninkontinenz besser werden.

Apotheken aus aller Welt, 439: Kuba

Leider kannte ich sache mit den Apotheken Fotos nur von Erwähnungen vom Kinder doc, als wir zu Hochzeitsreise auf Kuba waren.
Mir fiel wieder ein, dass wir in Havanna auch eine Apotheke fotografiert haben um die Bilder meiner Pharma-Schwägerin zu zeigen. Leider gibt es keine komplette Außenaufnahme

Ach, die nehme ich trotzdem :-) Danke an Mareike

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In der Zwischenzeit

Die jüngere Frau wirft der Pharmaassistentin ihr Rezept auf die Theke und meint, sie komme später wieder – sie ginge jetzt rasch einkaufen.

Ich bereite ihre Sachen vor – danach gehe ich nach hinten, ein Dosett abfüllen.

Als ich wieder nach vorne komme, das Dosett auch im Computer einzugeben, bekomme ich mit, wie die Frau von vorher auf meine Pharmaassistentin … noch nicht ganz schreit, aber … ziemlich laut einredet:

Wie kann das sein, dass Sie nichts finden? Ich habe mein Rezept erst vor 20 Minuten abgegeben – wie konnten Sie das in der Zwischenzeit verlieren? Ich heisse Lampert, das habe ich ihnen vorher schon gesagt!“

Die Pharmaasistentin kommt nochmals nach Hinten, suchen. Ich fange sie ab, ich habe ihre Medikamente in der vorbereiteten Box schon parat. Es gibt allerdings ein Problem damit, darum gehe ich nach vorne.

„Ihr Name ist Frau Lampert?“ frage ich sie.

Frau: „Ja.“

Pharmama: „Auf dem Rezept, das Sie vorher abgegeben haben steht aber Moppel.“

Frau: „Oh, das ist mein Mädchenname. Ich bin jetzt verheiratet.“

Pharmama: „Weiss der Arzt das?“

Frau: „Oh…Mmmmm….Nein …“

Apothekerin: „Nein. Und wir auch nicht, weil Sie nichts gesagt haben, als Sie uns das Rezept gebracht haben.“

Jetzt wird sie tatsächlich rot.

Pharmama: „Dann verstehen Sie sicher, warum meine Kollegin ihr Rezept unter Ihrem neuen Namen nicht finden konnte?“

Über Sorgfaltspflicht und Fahrlässigkeit in der Apotheke

In Deutschland hat ein Arzt einem Baby mit Down Syndrom, das am Herz operiert werden sollte ein herzstärkendes Medikament verordnet.

Versehentlich hat er aber die Dosierung 8fach zu hoch aufgeschrieben.

Der Apotheker erkannte den Fehler nicht und gab die Arznei mit dieser Dosierung ab. (Ich nehme an, es handelt sich dabei um eine Rezeptur, die er extra anfertigen musste – auch wir stellen gelegentlich Kapseln für Babies mit Herzfehlern her).

Das Baby erlitt in Folge einen Herzstillstand und musste reanimiert werden. Es erlitt eine Hirnschädigung, einen Darmschaden und eine Entwicklungsverzögerung. Die Eltern forderten darauf vom Arzt und dem Apotheker Schadenersatz und Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 200’000 Euro.

Das Gericht in Deutschland gab der Klage statt und Arzt und Apotheker wurden verurteilt – die Höhe des Schmerzensgeldes wurde aber nicht festgelegt.

In den Medien – wie zum Beispiel im Gesundheitsportal paradisi nachzulesen – stand dann, dass „auch der Apotheker für nicht erkannte Fehler, die ein Arzt beim Ausfüllen eines Rezeptes gemacht hat haftet“.

Also sind die Apotheker verpflichtet, ein Rezept genaustens zu prüfen und haftbar für aus fehlbarer Abgaben resultierender Folgen.

Das ist so.

Ich habe zwar in der Schweiz keinen Gerichtsfall dazu gefunden, aber bei uns dürfte es analog laufen. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind gegeben.

So steht im Heilmittelgesetz schon im 3. Artikel: Sorgfaltspflicht

Art 3. Sorgfaltspflicht: Wer mit Heilmitteln umgeht, muss dabei alle Massnahmen treffen, die nach dem Stand von Wissenschaft und Technik erforderlich sind, damit die Gesundheit von Mensch und Tier nicht gefährdet wird.

Art. 26: Grundsatz für Verschreibung und Abgabe

1 Bei der Verschreibung und der Abgabe von Arzneimitteln müssen die anerkannten Regeln der medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaften beachtet werden.

Die Dosierung eines Medikamentes – speziell wenn man es nicht kennt nicht nachzuschauen und zu überprüfen wäre garantiert eine Verletzung der Sorgfaltspflicht.

Und wenn das Folgen hat / man deswegen angeklagt wird, dann wird das auch bestraft.

Wie steht im HMG Art. 86 Vergehen

1 Sofern keine schwerere strafbare Handlung nach dem Strafgesetzbuch oder dem Betäubungsmittelgesetz vorliegt, wird mit Gefängnis oder mit Busse bis zu 200’000 Franken bestraft, wer die Gesundheit von Menschen gefährdet, indem er oder sie vorsätzlich:
Sorgfaltspflichten im Umgang mit Heilmitteln verletzt;
….
3 Wer fahrlässig handelt, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Busse
bis zu 100 000 Franken bestraft.

So- das ist das.

Was mich noch interessierte ist der Ausdruck Fahrlässig – ich meine, es ist klar was vorsätzlich ist (mit Absicht), aber was genau bedeutet Fahrlässig?

Fahrlässigkeit ist definiert als Verletzung der gebotenen Sorgfalt (objektive Seite) und verlangt Urteilsfähigkeit des Schädigers (subjektive Seite).

Der Apotheker der in Deutschland zusammen mit dem Arzt verurteilt wurde hat also fahrlässig seine Sorgfaltspflicht verletzt.

Er kann die Verantwortung dafür nicht an den Arzt abschieben. Selbst wenn ihm die Diagnose nicht bekannt war hätte er bemerken müssen (Kontrolle!), dass die Dosierung stark ausserhalb des Normbereiches für das Alter ist.

Und das Alter hätte er bemerken müssen, da vor Abgabe eines Medikamentes auf Rezept der Patient identifiziert werden muss.

Sorgfalt ist wichtig. In der Apotheke wie beim Arzt – wir halten die Gesundheit von vielen Menschen in unseren Händen, nur indem wir etwas abgeben. Wir sind eben mehr als nur „Schubladenzieher“ – und das spiegelt auch die Gesetzgebung.