die aufgeflogene Nicht-Kundin

„Das ist sie wieder!“ raunt mir Donna zu – sie ist gerade gekommen und noch in den Strassenkleidern … sie fängt erst in ein paar Minuten an zu arbeiten.

„Wer?“ Frage ich

„Na, diese Frau neben Sabine – die kommt hier immer rein, fragt etwas zu einem Kosmetikprodukt von der …Linie und dann nimmt sie an Mustern was sie kann und geht wieder. Die hat noch nie NIE hier etwas gekauft! Und die hat das schon mit allen gemacht hier.“

Ich linse zu Sabine und ihrer Kundin. Ja, die hatte ich tatsächlich auch schon. Sie ist eher der unauffällige Mäuschen-typ, fragt freundlich und geht, nachdem sie ihre Muster hat. Momentan fragt sie gerade Sabine, die (wie immer) mit Enthusiasmus dabei ist, sie zu beraten, obwohl ich sicher bin, dass Sabine die auch schon hatte. Mit dem gleichen.

„Jetzt aber!“ macht Donna und steuert direkt auf die beiden zu.

„Oh, hallo!“ macht Donna zur Frau freundlich lächelnd… „da sind sie ja wieder … wie hat das denn funktioniert mit dem Muster von der CC Creme?“

Das ist ganz offensichtlich auch die Creme, die Sabine gerade in der Hand hält und über die sie die Frau berät …

Die Frau ist … arg überrascht ob der Direktheit und stottert etwas von: „Oh, ja … doch, das ging gut damit ..“

Worauf Sabine, die jetzt genau erkannt hat, worum es geht einhakt: „Oh, dann konnten sie das schon probieren? Dann wäre es nicht schlecht, wenn sie jetzt eine grössere Packung nehmen würden, dann könnten sie sie nämlich länger anwenden, dann wirkt es auch richtig!“

„Ähm, ja die Creme ist gut … aber ich … habe gerade kein Geld dabei und … ich muss gleich weiter. Wiedersehen!“

Und sie geht. Diesmal ohne Muster.

Die beiden kommen fast prustend vor Lachen aus der Kosmetikabteilung.

Ob die wohl wieder kommt?

Ich habe danach ein bisschen herumgefragt. Das Spiel treibt die Frau seit Monaten. Sie sucht sich verschiedene Mitarbeiter aus, fragt nach einer bestimmten Creme, fragt, ob sie die ausprobieren kann und lässt sich Muster geben oder etwas abfüllen. Das reicht dann etwa 2 Wochen, dann kommt sie und macht es wieder. Damit hat sie inzwischen wohl eine Menge Creme abgestaubt, die gut einer Grosspackung entsprechen. Plus noch ein paar Muster von anderen. Da sie immer freundlich ist und nett fragt, hat sie das bisher auch bekommen … wobei es anfing aufzufallen. Jetzt … war es halt einmal zu viel.

(un-)regelmässige Abgabe

Methadon-Patienten sind häufig … speziell, das kann jede Apotheke bestätigen, die sie hat. Wie überall gibt es auch hier die unterschiedlichsten Typen: vom geschäftigen Businessman im Anzug, der seine Methadon-Flaschen direkt in den Aktenkoffer versorgt und dem man es nie anmerken würde, was er nimmt und der seine Dosen regelmässig und zuverlässig abholt, bis zum abgerissenen Handwerker, der häufiger einmal mit irgendwelchen Erklärungen und Entschuldigungen kommt, weshalb er eine Extradosis braucht und bei dem es irgendwie nie richtig zu klappen scheint. Es ist ja auch etwas komplizerter, da man dafür ein Betäubungsmittel-Rezept braucht, das maximal 3 Monate gültig ist und Ausnahmen (wie seine Extradosen) machen wir in dem Fall wirklich aussschliesslich via Arzt.

Man sollte denken, dass er das nach demnächst 2 Jahren die er bei uns einmal wöchentlich vorbeikommt auch weiss und entsprechend handelt, respektive vorsorgt, aber …. Nein.

Vor 2 Wochen haben wir ihm mitgeteilt, dass sein Rezept nur noch bis am (Datum vom letzten Freitag) gültig ist und wir nur bis dann sein Methadon abgeben dürfen – er soll sich doch bitte wieder mit dem Arzt in Verbindung setzen wegen einem neuen Rezept dafür.

Man wiederhole dasselbe 1 Woche vorher mit mehr Druck: das ist die letzte Abgabe, ausser …

Diesen Freitag mittag steht er da und will sein Methadon. Kein Rezept dabei. Kein Rezept wurde eingeschickt. Der Arzt ist erst am Montag wieder in der Praxis.

Es folgt das klassische Gespräch (Sie wussten das seit 2 Wochen und hatten Zeit, es ist Ihre Aufgabe etc etc … Aber ich brauch’ das. Jetzt! Sonst Jammer, Heul …) – und die Abgabe von 3 Notfalldosen (Sa/So/Mo) auf das Versprechen, dass er vom Arzt das Rezept gleich am Montag bestellt und die uns informieren.

Montag abend 6 Uhr steht er erwartungsgemäss wieder hier und … immer noch haben wir keinen Bescheid vom Arzt bekommen. Worauf er mir in der Apotheke fast ausflippt, weil „Ich habe das Rezept heute morgen beim Arzt bestellt und sie hat mir gesagt, sie schicken es gleich!“

Also nimmt er das Telefon in die Hand und ruft beim Arzt an – es ist nur noch die Praxisassistentin da, die von ihm zur Schnecke gemacht wird.

Ich nehme ihm dann das Telefon ab und frage, was das Problem ist.

„Ja, der Arzt hat ein Rezept ausgestellt – ich habe das heute mittag auf die Post gebracht, da man Betäubungsmittel-Rezepte ja nicht faxen darf.“

(Nein: man darf sie schon faxen, aber ich brauche das Original).

Pharmama: „Okay – ein Fax wäre hier trotzdem gut gewesen, denn dann hätte ich jetzt schon den Bescheid, dass es okay und das Rezept unterwegs ist. Für wie lange hat er das Rezept denn ausgestellt?“

Praxisassistentin „Das weiss ich nicht. Der Patient muss auch wieder in die Praxis kommen – er hat am Mittwoch einen Termin.“

Pharmama: „Könnten sie mir sagen, ob das schon ein neues Dauerrezept ist, oder nur für die Abgabe bis am Mittwoch?“

Praxisassistentin: „Das tut mir leid, das kann ich nicht. Und der Arzt ist schon wieder nicht mehr hier.“

Also … bekommt der Patient seine Methadon für heute und morgen und muss danach halt noch einmal kommen wenn ich das neue Rezept hier habe und schauen kann.

Aufwändig. Und unnötig aufwändig. Und wenn es nicht fast jedes Mal so ein Theater wäre auch kaum erwähnenswert.

(Und ich „freue“ mich schon auf das nächste Mal, spätestens in 3 Monaten, wenn das gleiche Spiel wieder von vorne losgeht …)

Man denkt, damit haben wir es – zumindest für dieses Mal. Aber: nein.

Telefon an dem Mittwoch abend. Von der Arztpraxis: Der Patient hat seinen Termin nicht wahrgenommen. Damit gilt das Rezept (das inzwischen hier ist und tatsächlich für weitere 3 Monate ausgestellt war) nur für 2 Wochen. Bis dann MUSS der Patient beim Arzt aufschlagen und der uns das „Okay“ für die weitere Abgabe geben. Wir dürfen das gerne auch dem Patienten ausrichten – der für sie nicht erreichbar war.

Ja – dafür habe ich ihn natürlich am selben Abend in der Apotheke und darf ihm das erklären.

Man kann sich vorstellen, dass er nicht sehr erfreut war – aber mal ehrlich: das hat er sich von Vorne bis hinten selber zuzuschreiben.

Mehr lesen:

Ich hab‘ sie auch nicht!

„Könnten Sie mir davon noch einen Ausdruck machen?“ fragt mich der Patient mittleren Alters und hält mir eine Quittung von einem Rezeptbezug unter die Nase von vor 2 Monaten.

„Ich kann Ihnen nach der Zeit keinen Kassabon mehr ausdrucken, aber ich kann ihnen einen Ausdruck machen, dass Sie das bezogen haben mit Preis, Datum etc, auf einem A4 Blatt – das können Sie auch verwenden. Sie brauchen das für die Krankenkasse, oder?“

„Ja.“

Er schaut skeptisch, aber ich mache ihm das.

Er: „Und dann bräuchte ich auch noch die Kopien von den Rezepten.“

Oh weh.

„Sie sind bei der Assura versichert – ich habe keine Kopien von Ihren Rezepten da, die bekommen Sie immer gleich mit der Quittung mit, damit Sie das ihrer Krankenkasse einschicken können.“

Er: „Aber ich habe sie verloren.“

„Ich kann Ihnen wie oben einen Ausdruck machen mit allem, was sie in diesem Jahr bezogen haben bei uns, dann können Sie versuchen das einzuschicken.“

Er: „Aber ich brauche die Rezepte dazu!“

„Ja, ich weiss, die Krankenkasse verlangt meist die (Original-)Rezepte dazu. Wenn wir direkt mit der Krankenkasse abrechnen, dann behalten wir die nach Abgabe hier und schicken diese an die Kassen. Die kann ich später auch wieder aus dem System holen, da sie dabei eingescannt werden. Aber wenn sie eine Kasse haben wo sie in der Apotheke bezahlen müssen, dann bekommen Sie die Rezepte auch direkt wieder mit. Ich mache davon keine Kopien, ich habe dann nur noch die Information, die drauf war im Computer.“

Er: „Aber weshalb? Wenn die Kasse doch die Rezepte will?“

„Ja – und ihre Kasse will, dass Sie die Rezepte mit den Quittungen selber einschicken. Ihre Kasse hat keinen Vertrag mit den Apotheken gemacht, die es mir ermöglicht direkt mit ihnen abzurechnen. Sie übernehmen einen Teil der Arbeit für die Kasse, indem Sie die Rezepte zahlen, sammeln müssen und dann einschicken. Das ist auch der Grund weshalb diese Kasse so günstig ist.“

Er: „Aber ich habe die Rezepte nicht mehr!“

„Das ist ungeschickt. Ich habe sie auch nicht.“

Er: „Was mache ich denn jetzt?“

„Ich kann ihnen einen Ausdruck ihrer Bezüge machen. Ich stemple sie ab und Sie schicken sie ein und hoffen, dass das reicht.“

Wie ich diese Billig-Krankenkassen hasse. Nicht nur, dass ich jedes Jahr wieder ein paar Patienten habe, die nach dem Wechsel TOTAL überrascht sind, dass sie auf einmal in der Apotheke alles bezahlen müssen, Nein, am Ende des Jahres habe ich dann die, die nicht auf ihre Unterlagen achten können und denen ich dann auch noch helfen muss (unentgeltlich natürlich), damit sie eventuell Geld zurück bekommen.

Apotheke, nicht Sex-hotline

Sabine sitzt mit rotem Kopf reglos neben dem Telefon. Was ungewöhnlich ist. Einerseits haben wir so viel zu tun, andererseits … wieso?telefon.jpg

Ich: „Was ist los?“

Sabine: „Ich hatte gerade einen Anruf mit einer Frage. Jetzt … fühle ich mich irgendwie belästigt.“

„Was? Was war das genau?“

Sabine: „Ein Mann. Jünger, glaube ich. Aber … wie der geredet hat … brrrr!“

(es schüttelt sie richtig).

„Er hat nach der Pille danach gefragt …“

„Okay? …“

„Für seine Freundin …“

„Uhumm…“

„Und da habe ich ihm gesagt, die Pille danach gibt es nach einem Beratungsgespräch mit der Apothekerin – aber die Freundin muss selber herkommen.“

„Ja und …?“

„Und dann hat er mir erzählt … Der hat sooo seltsam geredet, echt jetzt. Als … wäre er daneben beschäftigt mit …. sich … So stockend und geschnauft dazwischen …“

(Ich ziehe die Augenbrauen hoch)

„… Jedenfalls hat er dann gemeint, er wisse gar nicht, ob das nötig sei. Sie hätten Analsex gehabt und dabei sei das Kondom abgerutscht und ..“

„… okay, das reicht, ich versteh schon.“

„Ja, ich fand dann auch, dass es reicht. Ich hab dann nur noch gemeint, bei nur Analsex sei die Chance klein, aber sie soll doch selber vorbei kommen und hab aufgehängt. Und jetzt weiss ich nicht, ob ich da ganz korrekt gehandelt habe.“

Also … ich find schon.

Früher bekamen wir so Telefonanrufe wegen Viagra. Kommt das jetzt auch mit der Pille danach? Es gibt (genug) Angebote für die, die so was anmacht. Wir finden’s hier einfach nur „Bäh.“

Fax ist ja sowas von überholt!

Zugegeben – ich kenne kaum mehr Geschäfte, die noch per Fax kommunizieren … ausser in der Pharmaindustrie. Okay – ich kenne auch fast nur die Pharmaindustrie, aber früher hatte man vielleicht noch einen Fax zu Hause. Heute: nur noch den Computer.

Der Kunde wünscht ein spezielles Nahrungsergänzungsmittel, das nur direkt bestellbar ist – nicht mal bei der Herstellerfirma, sondern bei der einen Person, die das in der Schweiz vertreibt. (Über den Sinn ein Nahrungsergänzungsmittel / Vitamingemisch mehr zu vertreiben, das so viel besser sein soll als all die anderen, die es schon gibt lasse ich mich hier nicht aus. Es gibt viele beinahe- Pyramiden-Schemen mit diesen Produkten und im Normalfall können und sollen das die Leute doch direkt dort bestellen, wenn sie es wollen) aber … Kundenwunsch. Versuchen wir doch nach Möglichkeit zu erfüllen. Schliesslich sind wir (gute) Dienstleister.

Bisher – ja, wir haben das für diesen Kunden schon dort bestellt – ging das via Fax und es wurde uns mit Lieferschein und Rechnung per Post geschickt.

Diesmal geht der Fax nicht durch. Stattdessen hört man, wie jemand das Telefon abnimmt, sich meldet, etwas flucht und wieder aufhängt.

Gut, stellen wir den Fax ab (der probiert das sonst selbständig noch 4x weiter bevor er aufgibt) und suchen wir die richtige Nummer.

Eingegeben wurde die richtige Nummer, also die, die wir in den Unterlagen haben. Im Internet findet sich keine Faxnummer mehr, nur noch die Telefonnummer, also ruft die Pharmaassistentin dort an. Sie kommt danach etwas verwirrt zu mir.

„Ich habe ihn nach der neuen Faxnummer zum Bestellen gefragt, da hat er mich praktisch angepfiffen, wie überholt das doch sei noch via Fax bestellen zu wollen und dass wir das wie alle anderen auch via seine Website machen sollen.“

Jaaa – Fax ist wirklich nicht so modern, allerdings wenn wir etwas nicht beim Grossisten bestellen sondern direkt beim Hersteller, dann läuft das auch heute noch via Fax. Ärzte schicken uns so noch die Rezepte, wir faxen Vorbezüge zu ihnen … also ganz so „überholt“ ist das noch nicht.

Meine Pharmaassistentin versucht das via Internet zu bestellen – dazu muss sie ein neues Konto auf der Seite dort anlegen … und dabei hat sie keine Variante uns als Apotheke oder Drogerie zu identifizieren, also weiss ich auch nicht, ob wir dafür irgendwelchen Rabatt bekommen oder dasselbe zahlen wie der Kunde auch … in dem Fall würde ich das ganz sicher nicht bestellen, das kann er dann selber machen. Auch steht da: Lieferung nach Eingang der Bezahlung (via Banküberweisung) … und das ist mir dann echt zuviel an Aufwand.

Deshalb rufe ich noch einmal an. (Ja, meine Pharmaassistentin will nicht mehr nach der letzten Ansprache).

Stellt sich heraus, dass wir Rabatt bekommen (Danke), dass wir es wie bisher via beigelegtem Einzahlungsschein bei Lieferung bezahlen dürfen (Danke) … und nach etwas reden kommt dann auch heraus, weshalb das via Fax nicht mehr geht: „Die (Telefongesellschaft) hat alles auf All-IP umgestellt. Da läuft das Fax nicht mehr.“

  • das heisst, weil die Daten jetzt via Internet übertragen werden (auch das Telefon, nennt sich dann VoIP: voice over IP) funktioniert sein Faxgerät nicht mehr. Und weil das bei ihm nicht mehr geht sind wir also „überholt“.

Klaro.

In dem Zusammenhang auch noch: Das kommt ja immer mehr, dass das via Internet läuft und die Analoganschlüsse aussterben – das Problem sind hier dann nicht nur die Faxgeräte sondern auch Anschlüsse in Liften (Notrufe) … das wird lustig.