Lückenbüsser für den Postversand?

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„Meine Medikamente, die ich sonst per Post bekomme, sind nicht angekommen, wie sie sollten. Mein Arzt hat gesagt, ich kann einfach in der Apotheke eine Packung holen gehen.“

… Ja. Und ganz so einfach ist es dann auch nicht. Dann darf man das Rezept dafür besorgen und die Krankenkasse in Erfahrung bringen und das alles natürlich möglichst in kurzer Zeit, weil er die Medikamente jetzt gleich braucht  … sonst wäre er ja nicht bei uns!

Mitgehört: das Analgetikum

Mitgehört. 2 junge Männer im Zug:

Junger Mann 1: „Ich mag die Dafalgan nicht. Sie funktionieren nicht und sie machen, dass mein Hintern juckt!“

Junger Mann 2: „Was meinst Du damit, Dein Hintern juckt?“

Junger Mann 1: „Er beisst halt. Der Apotheker hat gesagt das ist ein Analgetikum.“

Junger Mann 2: „Weißt Du was das bedeutet?“

Junger Mann: „Ich weiss zumindest, was Anal heisst!“

:-)

Bei Medikamentennamen höre ich automatisch hin. Das ist auch eine Berufskrankheit. Und nach dem Austausch musste ich mich so zusammenreissen, damit ich nicht laut lache, dass ich den Rest nicht mehr mitbekommen habe.

Das ist ja cool: Apothekerblog hilft Arzt

Ich lese dein Blog seit Jahren mit Begeisterung, auch dein Buch habe ich geradezu verschlungen. Ich selber habe Medizin studiert … und das Wissen, das ich von deinem Blog habe, hat sich schon mehrfach bezahlt gemacht oder mir, äxgüsi, den Arsch gerettet. Das letzte Mal erst vor Kurzem, und ich möchte dir gerne davon berichten.

Diese Woche habe ich meinen ersten Nachtdienst. … Ich bin eigentlich auf der Chirurgie, aber in dem kleinen Spital, in dem ich arbeite, muss ich nachts alle Patienten betreuen, die aufschlagen, medizinische, gynäkologische, augenärztliche, was auch immer. Und eine davon war eine 15jährige, welche die Pille danach wollte.
Selber habe ich keine Ahnung von der Norlevo. Ich weiss, was es ist, wie es wirkt… Aber nun musste ich plötzlich auch noch ein Beratungsgespräch führen, die richtigen Fragen stellen, die richtigen Hinweise geben. Und sowas lernt man im Studium natürlich nicht. Aber ich lese ja dein Blog, und du hast schon mehrfach darüber geschrieben – und deshalb haben wir es dann auch einigermassen gut über die Bühne gebracht. Das hat mir etwas Sicherheit gegeben an einem Abend, an dem ich sowieso schon nervös war. Deshalb wollte ich mich dafür bedanken.

Wow. Bitte, sehr gern geschehen!

Wer nachlesen will, wie das gegangen ist (und das ist lesenswert und für eine Pille danach -Beratung wirklich herzig) kann das hier: https://gramseleblog.wordpress.com/2016/01/05/die-pille-danach/

-der Blog  kommt auch in meine Patientenliste. Cool.

Ein Artikel zieht (weite) Kreise …

Man hat das vielleicht hier auf dem Blog nicht ganz so mitbekommen, aber der Post Liebes Kind, wie zufrieden bist Du mit Deiner Figur? hat ziemlich Aufmerksamkeit bekommen!

Alles fing damit an, dass Apothekerin Kossendey am 30. Dezember auf facebook einen Post veröffentlicht hat, worin sie angibt, die Januar-Auflage des Kinder-Magazins medizini nicht aufzulegen. Darin ist nämlich so ein … ich weiss noch immer nicht genau, wie ich das nennen soll … Körper-Selbstanschauungs-Test der auf Kinder abzielt mit (auch in meinen Augen) sehr suggestiven Fragen.

Ich habe das dann aufgegriffen und am 2. Januar hier im Blog gebracht und vorher hat der Apotheker Thomas Luft von der Postapotheke hat auf der Homepage seiner Apotheke veröffentlicht, weshalb es bei ihnen im Januar das medizini nicht gibt.

Und dann ging’s ab. Da hat sich nämlich auch die öffentliche Presse des Themas angenommen.

Am 3. Januar fand sich ein Artikel darüber im Kölner Stadtanzeiger
in der Mitteldeutschen Zeitung, und in der Berliner Zeitung, – alle von der gleichen Autorin (Claudia Bleier).

Am selben Tag noch kam es im Stern

und auch die Apotheken-spezifischen Zeitungen fingen an sich dafür zu interessieren: wie die Deutsche Apotheker-Zeitung, die am 4. Januar dazu etwas brachte  und die Apotheke Ad-hoc.

Ebenfalls am 4. Januar folgte ein Artikel in der der Huffington Post:
sowie rpr1
und Welt.de

Der Wort und Bild Verlag, der das medizini herausbringt, hat dann eine offizielle Stellungsnahme veröffentlicht. Auzugsweise:

Unter dem Oberbegriff „Wunderwerk Mensch“ fragt medizini seine zehn- bis zwölfjährigen Leserinnen und Leser „Wie zufrieden bist du mit deiner Figur?“ In der anschließenden Auswertung sollen diese älteren Schulkinder, für die Themen wie Aussehen, Körper, Unter- oder Übergewicht und Ernährung bereits eine Rolle spielen, sich kritisch mit ihrer Selbstwahrnehmung auseinandersetzen.

Der Beitrag will damit das Bewusstsein dafür schaffen, dass zu viel Beschäftigung mit dem eigenen Körper schädlich sein und zum Beispiel Krankheiten wie Magersucht begünstigen kann.

… Die Medizini-Redaktion ist der Meinung, dass sich Kindergartenkinder oder Schulanfänger am besten noch gar nicht mit der eigenen Figur beschäftigen sollten.

Sie rudern also ziemlich zurück, und relativieren ihre eigene Werbung für das medizini, das sie als Magazin für Kinder von 5 bis 12 anpreisen. Allzu fest beklagen können sie sich nicht – wie Oskar Wilde sagte: „The only thing worse than being talked about is not being talked about.“

Damit war aber noch nicht Schluss … wenn etwas mal am laufen ist, ist das sehr schwer aufzuhalten.

So kam die Geschichte sogar in die Bild (zum Glück will ich fast sagen ohne Link auf den Blog hier)

Es folgten (am 5. Januar?) das Naumburger Tageblatt,
Brigitte Mom
und n-tv.de

und am 6.Januar  die NWZ.

Am 8. Januar kommt das ganze dann auch noch ins Fernsehen: im SAT1 Frühstücksfernsehen wird ein ganz ordentlicher Beitrag gebracht.

Das war wirklich erstaunlich mitanzusehen – einen Teil habe ich direkt mitbekommen, weil die Medien teils zum Blog hier zurückverlinkt haben. Auf andere Links wurde ich aufmerksam gemacht … wahrscheinlich gibt es inzwischen noch einige mehr. Man könnte fast sagen, der Artikel ist viral gegangen.

Das ist schön – und gibt den Apothekern in Deutschland ein bisschen (nötige) Popularität. Und es zeigt, dass das möglich ist!

Noch schöner wäre es, wenn das auch mal bei einem wichtigen Thema wie den unsäglichen Null-Retaxationen wegen den „Rabattverträgen“, Hilfsmittelverträgen und derartigem passieren würde. Aber … wer weiss? Vielleicht mit dem richtigen Ansatzpunkt …? Ich stehe hier dafür jedenfalls zur Verfügung :-)