Servicewüste und Bedienungsnotstand?

Obwohl ich sehr wenig einkaufen gehe (nur das Nötige halt) und nicht einfach nur „shoppen gehe“, kommt es natürlich zu Begegnungen mit allen Sorten von Verkäufern oder meist Verkäuferinnen.

Grundsätzlich sind die ja ganz nett und höflich – mehr Engagement kann man an einer Reihenkasse in Coop oder Migros auch kaum verlangen – aber bei Läden, wo es wichtig ist, dass man nicht nur einkassiert, sondern bedient, da hatte ich schon ganz andere Erfahrungen.

Ich bin mir bewusst, dass es manchmal schwierig ist, den Eindruck, den man als Verkäufer auf den Kunden macht abzuschätzen. Man kauft ja nicht als Kunde im eigenen Laden ein.

Dennoch gibt es da ein paar Dinge die wichtig sind.

1.       Das Aussehen des Verkäufers. In der Apotheke gehört dazu ein sauberer weisser Schurz, in der Drogerie sicher noch dass man geschminkt ist. Allgemein aber soll die Kleidung sauber und die Aufmachung gepflegt sein. Wer das nicht hinbringt, gehört nicht in den Verkauf und Kundenkontakt – ausser vielleicht noch als Telefonverkäufer.

2.       Aufmerksamkeit. Wenn ein Kunde den Laden betritt, sollte man ihm zumindest signalisieren, dass man ihn bemerkt hat. Vielleicht will er sich ja noch selbst etwas umschauen, aber ein „Guten Tag“ oder „Grüetzi“ zeigt doch die Bereitschaft an, da zu sein.  Je nachdem genügt auch Augenkontakt und Lächeln. Gar nicht geht es, den Kunden zu ignorieren, wegzulaufen, einfach mit der Kollegin oder am Telefon weiterzuquatschen – vor allem, wenn es deutlich ist, dass es sich um ein Privatgespräch handelt. Ich habe schon Läden verlassen, weil die Verkäuferin mich keines Blickes gewürdigt hat, sogar noch als ich mit einer Frage zu ihr kam.

3.       Freundlichkeit: Begrüssung natürlich (hatten wir eben) und dann noch „Danke“ und „einen schönen Tag“ oder etwas ähnliches. Irgendwo scheint das Danke, Bitte und derartiges heute immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Klar, man hat nicht immer einen guten Tag. Aber das darf man nicht an den Kunden auslassen. Wenn man schon nicht sehr freundlich sein kann, dann zumindest höflich.

4.       Engagement – das ist ein plus, wenn vorhanden. Das bedeutet, dass man auf Fragen nicht nur antwortet „Ich weiss nicht“, sondern auch noch „aber ich frage jemanden / hole jemanden, der das weiss“. Dass man telefoniert im Partnergeschäft, ob man den Artikel, den es nicht mehr gibt, eventuell dort erhält und so weiter.

Jemand hat mal versucht meine Mutter zu beleidigen, indem sie ihr sagte, sie habe „halt eine Verkäuferinnenmentalität“. Also ich würde das eher als Kompliment nehmen. Kundenkontakt liegt bei weitem nicht allen – das ist harte Arbeit.

Als Kunde sollte man aber auch daran denken: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück!“

In dem Sinne: habt ihr noch etwas anzumerken?

Fingerpieks

Eine mittelalte Kundin kommt in die Apotheke und will, dass man ihr die Lanzette (das ist die Stechnadel) in ihrer Stechhilfe wechselt, weil sie es nicht selbst kann.

Klar. Während ich die alte Lanzette vorsichtig herausnehme frage ich sie, wie oft sie misst.

Sie sagt: 1 x täglich – die Lanzette die drin ist, hat sie die letzten 6 Monate benutzt!

Ich versuche ihr zu sagen, dass sie dann ja auch eine Gabel zum stechen nehmen könnte – ist etwa gleich stumpf – und macht sicher auch weh!

Bildquelle: wikipedia

Die Lanzetten sind nach jedem stechen auszuwechseln, weil sie dann nicht mehr optimal scharf sind (und wegen dem Infektionsrisiko).

Am Schluss finde ich ein Stechgerät für sie, das sie bedienen kann.

Aua!

Vom Richtigen Umgang mit Fehlern

Es scheint heute ein gewisses Defizit vorzuliegen was den Umgang mit Fehlern angeht und zwar auf allen Ebenen. Da wird vertuscht, ausgewichen und sogar gelogen. Dabei ist der richtige Umgang mit Fehlern immens wichtig – wo gearbeitet wird, passieren Fehler, das ist nur menschlich.

Dabei ist es gar nicht so schwer.

Also: ein Fehler ist passiert, was nun?

Zugeben, Entschuldigen und Lösen.

Eine Entschuldigung hat drei Teile:

1. Bestätigung, dass man einen Fehler gemacht hat,

2. Ausdruck des Bedauerns, dass ein Fehler gemacht wurde, und

3. Den Fehler so schnell wie möglich korrigieren

Alle 3 Teile sind nötig. Und zwar darum:

Das ist eine „Entschuldigung“ ohne die Bestätigung:

„Ich weiss zwar nicht, was ich falsch gemacht habe, aber was immer es ist, es tut mir leid.“

Was soll das denn bedeuten?

So würde es aussehen ohne das Bedauern:

„Ja, ich hab Deinen Geburtstag vergessen. Ich kaufe auf dem Heimweg eine Karte.“

Das bringt’s irgendwie auch nicht, oder?

Und dann gibt es noch das:

„Wir haben versehentlich das falsche Medikament abgegeben, tut uns leid.“

Und was jetzt?

Es mag aufwändig vorkommen, eine solche korrekte Entschuldigung anzubringen, aber es lohnt sich. Ein Beispiel:

Kunde:  „Sie haben mir am Samstag Kapseln gegeben statt Tabletten. Ich soll aber 1/2 Tablette täglich nehmen, und mit den Kapseln funktioniert das nicht, ich habe jetzt am Wochenende aber schon 2 Kapseln gebraucht und geöffnet.“

(Nachdem man gesehen hat, dass das richtig ist: so steht die Dosierung auf dem Rezept )

„Oh, das ist tatsächlich falsch gelaufen. Sie brauchen unbedingt die Tabletten. (Bestätigung)

Es tut mir leid, dass das passiert ist. (Bedauern)

Ich werde ihnen die Packung natürlich kostenlos ersetzen.“ (Korrektur)

Der Kunde ist zufrieden und wird wohl wieder zurückkommen.

Es ist natürlich zuerst einmal wichtig, dass Fehler erst gar nicht vorkommen – oder so selten wie nur möglich. Wenn ein Fehler trotzdem vorkommt, kann man ihn häufig lösen, und wenn man richtig vorgeht ist auch das Gegenüber nicht sauer.

Zu lügen um selbst das Gesicht zu wahren, fällt häufig auf einen zurück. Und es ist auch sicher mühsamer den Überblick zu behalten, denn wenn man einmal angefangen hat zu schummeln, zu vertuschen oder gar zu lügen geht das oft immer weiter.

Ärgern sie nicht den Anästhesisten!

In meinem Studium hatten wir ein paar … ehm … herausragende Gestalten (nein, ich gehörte eher nicht dazu). Einer davon, nennen wir ihn Alexander, war allgemein als „Schwätzer“ bekannt. Nicht nur, dass er während den Vorlesungen jedes Mal etwas anzumerken oder nachzufragen hatte, nein, während den Pausen laberte er uns noch die Ohren voll. Anscheinend war er nicht nur an der Uni so, denn nach den Ferien erzählte er uns von einer Operation, der er sich unterziehen musste.

Dazu muss ich erst ein paar Dinge erklären. Bei einer Operation unter Vollnarkose muss (logischerweise) der Patient nicht bei Bewusstsein sein/schlafen und er sollte sich dabei nicht bewegen. Darum gibt man bei der Anästhesie ein rasch wirksames Schlafmittel und dazu ein starkes Muskelrelaxans – also etwas, das die Muskeln nicht nur entspannt, sondern lähmt. Die Reihenfolge, in der man das macht ist: 1. Schlafmittel, 2. Muskelrelaxans – denn sobald die Wirkung des Muskelrelaxans einsetzt, wird auch die Atemmuskulatur gehemmt und dann muss man intubieren: also die Lunge via Schlauch beatmen.

Ich vermute mal, Alexander hat mit seinem Geschwätz und Besserwisserei den Anästhesisten geärgert. Anders kann ich mir nicht erklären, warum der ihm zuerst das Muskelrelaxans gegeben hat und ihm gesagt hat „Wenn sie anfangen zu merken, wie es wirkt, geben sie uns ein Zeichen oder sagen sie etwas, dann bekommen sie das Schlafmittel“.
Das war wohl seine persönliche Retourkutsche, denn, sobald das Muskelrelaxans anfängt zu wirken kann man keine Zeichen mehr machen oder etwas sagen …. aber man bekommt noch alles mit, einschliesslich der Tatsache, dass die Atmung aussetzt …
Eine ziemlich beängstigende Erfahrung – ich bin sicher, Alexander wird in Zukunft etwas zurückhaltender umgehen mit den Ärzten.

Zur Ehrenrettung des Anästhesisten ist zu sagen: das Schlafmittel wirkt (weil intravenös gegeben) sehr schnell und es bleibt noch viel Zeit den Patienten zu intubieren. Es waren also nur ein paar Schrecksekunden…

Ein Kollege der Anästhesist ist, hat mir übrigens bestätigt, dass er das auch schon gemacht hat, allerdings ist das alles andere als üblich.
Trotzdem: ich werde sicher immer nett sein mit dem Anästhesisten!

CoMarketing Produkte: Was und Wieso

«Co-Marketing-Arzneimittel»: Ein Unternehmen registriert dasselbe Produkt unter zwei oder mehr verschiedenen Namen, die dann auch unter diesen unterschiedlichen Namen vermarktet werden.

Wieso macht man das?

In der Schweiz ist es so: für Arzneimittel, die von der Krankenkasse übernommen werden (auf der Spezialitätenliste stehen), darf man keine Werbung machen.

Da aber nicht alle von denen rezeptpflichtig sind, und die Pharmafirmen ja ihre Produkte auch dem breiten Publikum (Dir und mir) zugänglich machen wollen, haben sie einen Trick entwickelt, um das zu umgehen.

Man stellt also ein Medikament her, das auf der SL Liste steht und von den Ärzten verschrieben wird und dann nimmt man dasselbe Medikament, gibt ihm einen leicht anderen Namen, eine andere Verpackung und macht Werbung dafür.

Inzwischen haben wir einige von der Sorte, zum Beispiel:

Padma 28 – Padmed Circosan

Hyperiforce – Hyperimed

Echinaforce – Echinamed

Aesculaforce – Aesculamed

Lamisil Pedisan – Lamisil

Voltaren Dolo – Voltaren

Bioflorina – Bioflorin

Hyperval – Remotiv

Premens – Prefemin

Rebalance – Redormin

Zeller Entspannungsdragees – Relaxane

Valverde Schlafdragees – Zeller Schlafdragees

=genau dasselbe!=

Man kann nicht sagen, dass es sich dabei um Generika handelt, denn die Produkte sind ja identisch, werden von derselben Firma hergestellt und auch vom Preis her unterscheiden sie sich meist kaum bis gar nicht.

Und dann gibt es noch einige, die zwar von einer Firma hergestellt werden, aber von verschiedenen anderen Firmen vermarktet werden. In dem Fall können auch beide Präparate auf der SL Liste sein und es wird für beide nicht Werbung gemacht. Hier besteht oft ein Preisunterschied und eines der beiden gilt als Generikum – bei denen soll mir keiner mehr kommen und sagen, es wirke nicht gleich wie das Original!

Beispiele:

Augmentin – Aziclav Spirig

Durogesic Matrix – Fentanyl Sandoz

Tramal – Tramadol Mepha


Inzwischen gibt es Listen, wo man das nachschauen kann – und die intelligenteren Computersysteme in der Apotheke zeigen das auch an: https://www.swissmedic.ch/arzneimittel/00156/00221/00222/00239/index.html?lang=de