Fingerpieks

Eine mittelalte Kundin kommt in die Apotheke und will, dass man ihr die Lanzette (das ist die Stechnadel) in ihrer Stechhilfe wechselt, weil sie es nicht selbst kann.

Klar. Während ich die alte Lanzette vorsichtig herausnehme frage ich sie, wie oft sie misst.

Sie sagt: 1 x täglich – die Lanzette die drin ist, hat sie die letzten 6 Monate benutzt!

Ich versuche ihr zu sagen, dass sie dann ja auch eine Gabel zum stechen nehmen könnte – ist etwa gleich stumpf – und macht sicher auch weh!

Bildquelle: wikipedia

Die Lanzetten sind nach jedem stechen auszuwechseln, weil sie dann nicht mehr optimal scharf sind (und wegen dem Infektionsrisiko).

Am Schluss finde ich ein Stechgerät für sie, das sie bedienen kann.

Aua!

Vom Richtigen Umgang mit Fehlern

Es scheint heute ein gewisses Defizit vorzuliegen was den Umgang mit Fehlern angeht und zwar auf allen Ebenen. Da wird vertuscht, ausgewichen und sogar gelogen. Dabei ist der richtige Umgang mit Fehlern immens wichtig – wo gearbeitet wird, passieren Fehler, das ist nur menschlich.

Dabei ist es gar nicht so schwer.

Also: ein Fehler ist passiert, was nun?

Zugeben, Entschuldigen und Lösen.

Eine Entschuldigung hat drei Teile:

1. Bestätigung, dass man einen Fehler gemacht hat,

2. Ausdruck des Bedauerns, dass ein Fehler gemacht wurde, und

3. Den Fehler so schnell wie möglich korrigieren

Alle 3 Teile sind nötig. Und zwar darum:

Das ist eine „Entschuldigung“ ohne die Bestätigung:

„Ich weiss zwar nicht, was ich falsch gemacht habe, aber was immer es ist, es tut mir leid.“

Was soll das denn bedeuten?

So würde es aussehen ohne das Bedauern:

„Ja, ich hab Deinen Geburtstag vergessen. Ich kaufe auf dem Heimweg eine Karte.“

Das bringt’s irgendwie auch nicht, oder?

Und dann gibt es noch das:

„Wir haben versehentlich das falsche Medikament abgegeben, tut uns leid.“

Und was jetzt?

Es mag aufwändig vorkommen, eine solche korrekte Entschuldigung anzubringen, aber es lohnt sich. Ein Beispiel:

Kunde:  „Sie haben mir am Samstag Kapseln gegeben statt Tabletten. Ich soll aber 1/2 Tablette täglich nehmen, und mit den Kapseln funktioniert das nicht, ich habe jetzt am Wochenende aber schon 2 Kapseln gebraucht und geöffnet.“

(Nachdem man gesehen hat, dass das richtig ist: so steht die Dosierung auf dem Rezept )

„Oh, das ist tatsächlich falsch gelaufen. Sie brauchen unbedingt die Tabletten. (Bestätigung)

Es tut mir leid, dass das passiert ist. (Bedauern)

Ich werde ihnen die Packung natürlich kostenlos ersetzen.“ (Korrektur)

Der Kunde ist zufrieden und wird wohl wieder zurückkommen.

Es ist natürlich zuerst einmal wichtig, dass Fehler erst gar nicht vorkommen – oder so selten wie nur möglich. Wenn ein Fehler trotzdem vorkommt, kann man ihn häufig lösen, und wenn man richtig vorgeht ist auch das Gegenüber nicht sauer.

Zu lügen um selbst das Gesicht zu wahren, fällt häufig auf einen zurück. Und es ist auch sicher mühsamer den Überblick zu behalten, denn wenn man einmal angefangen hat zu schummeln, zu vertuschen oder gar zu lügen geht das oft immer weiter.

Ärgern sie nicht den Anästhesisten!

In meinem Studium hatten wir ein paar … ehm … herausragende Gestalten (nein, ich gehörte eher nicht dazu). Einer davon, nennen wir ihn Alexander, war allgemein als „Schwätzer“ bekannt. Nicht nur, dass er während den Vorlesungen jedes Mal etwas anzumerken oder nachzufragen hatte, nein, während den Pausen laberte er uns noch die Ohren voll. Anscheinend war er nicht nur an der Uni so, denn nach den Ferien erzählte er uns von einer Operation, der er sich unterziehen musste.

Dazu muss ich erst ein paar Dinge erklären. Bei einer Operation unter Vollnarkose muss (logischerweise) der Patient nicht bei Bewusstsein sein/schlafen und er sollte sich dabei nicht bewegen. Darum gibt man bei der Anästhesie ein rasch wirksames Schlafmittel und dazu ein starkes Muskelrelaxans – also etwas, das die Muskeln nicht nur entspannt, sondern lähmt. Die Reihenfolge, in der man das macht ist: 1. Schlafmittel, 2. Muskelrelaxans – denn sobald die Wirkung des Muskelrelaxans einsetzt, wird auch die Atemmuskulatur gehemmt und dann muss man intubieren: also die Lunge via Schlauch beatmen.

Ich vermute mal, Alexander hat mit seinem Geschwätz und Besserwisserei den Anästhesisten geärgert. Anders kann ich mir nicht erklären, warum der ihm zuerst das Muskelrelaxans gegeben hat und ihm gesagt hat „Wenn sie anfangen zu merken, wie es wirkt, geben sie uns ein Zeichen oder sagen sie etwas, dann bekommen sie das Schlafmittel“.
Das war wohl seine persönliche Retourkutsche, denn, sobald das Muskelrelaxans anfängt zu wirken kann man keine Zeichen mehr machen oder etwas sagen …. aber man bekommt noch alles mit, einschliesslich der Tatsache, dass die Atmung aussetzt …
Eine ziemlich beängstigende Erfahrung – ich bin sicher, Alexander wird in Zukunft etwas zurückhaltender umgehen mit den Ärzten.

Zur Ehrenrettung des Anästhesisten ist zu sagen: das Schlafmittel wirkt (weil intravenös gegeben) sehr schnell und es bleibt noch viel Zeit den Patienten zu intubieren. Es waren also nur ein paar Schrecksekunden…

Ein Kollege der Anästhesist ist, hat mir übrigens bestätigt, dass er das auch schon gemacht hat, allerdings ist das alles andere als üblich.
Trotzdem: ich werde sicher immer nett sein mit dem Anästhesisten!

CoMarketing Produkte: Was und Wieso

«Co-Marketing-Arzneimittel»: Ein Unternehmen registriert dasselbe Produkt unter zwei oder mehr verschiedenen Namen, die dann auch unter diesen unterschiedlichen Namen vermarktet werden.

Wieso macht man das?

In der Schweiz ist es so: für Arzneimittel, die von der Krankenkasse übernommen werden (auf der Spezialitätenliste stehen), darf man keine Werbung machen.

Da aber nicht alle von denen rezeptpflichtig sind, und die Pharmafirmen ja ihre Produkte auch dem breiten Publikum (Dir und mir) zugänglich machen wollen, haben sie einen Trick entwickelt, um das zu umgehen.

Man stellt also ein Medikament her, das auf der SL Liste steht und von den Ärzten verschrieben wird und dann nimmt man dasselbe Medikament, gibt ihm einen leicht anderen Namen, eine andere Verpackung und macht Werbung dafür.

Inzwischen haben wir einige von der Sorte, zum Beispiel:

Padma 28 – Padmed Circosan

Hyperiforce – Hyperimed

Echinaforce – Echinamed

Aesculaforce – Aesculamed

Lamisil Pedisan – Lamisil

Voltaren Dolo – Voltaren

Bioflorina – Bioflorin

Hyperval – Remotiv

Premens – Prefemin

Rebalance – Redormin

Zeller Entspannungsdragees – Relaxane

Valverde Schlafdragees – Zeller Schlafdragees

=genau dasselbe!=

Man kann nicht sagen, dass es sich dabei um Generika handelt, denn die Produkte sind ja identisch, werden von derselben Firma hergestellt und auch vom Preis her unterscheiden sie sich meist kaum bis gar nicht.

Und dann gibt es noch einige, die zwar von einer Firma hergestellt werden, aber von verschiedenen anderen Firmen vermarktet werden. In dem Fall können auch beide Präparate auf der SL Liste sein und es wird für beide nicht Werbung gemacht. Hier besteht oft ein Preisunterschied und eines der beiden gilt als Generikum – bei denen soll mir keiner mehr kommen und sagen, es wirke nicht gleich wie das Original!

Beispiele:

Augmentin – Aziclav Spirig

Durogesic Matrix – Fentanyl Sandoz

Tramal – Tramadol Mepha


Inzwischen gibt es Listen, wo man das nachschauen kann – und die intelligenteren Computersysteme in der Apotheke zeigen das auch an: https://www.swissmedic.ch/arzneimittel/00156/00221/00222/00239/index.html?lang=de

Im falschen Jahrhundert

Ein Thema passend zu Halloween: Hexen!

Ja, wenn ich ein paar Jahrhunderte früher geboren worden wäre, wäre ich vielleicht eine Kräuterfrau oder gar eine Hexe geworden. Zur Hexe würde auch die Haarfarbe passen … :-)  und so negativ besetzt ist der Begriff heute auch nicht mehr, auch wenn sich die Kirche alle Mühe gegeben hat, den schlechten Ruf zu etablieren.

Wahrscheinlich ist sie so vehement gegen diese Naturheilerinnen vorgegangen  weil ein paar Männer offensichtlich nicht zufrieden war, dass da Frauen Wissen – und damit Macht hatten.

Aus Shakespeares Macbeth, Auftritt der 3 Hexen:

All: Double, double, toil and trouble;

Fire burn and cauldron bubble.

2nd witch: Fillet of a fenny snake,

In the cauldron boil and bake;

Eye of newt, and toe of frog,

Wool of bat, and tongue of dog,

Adders fork, and blind worm’s sting,

Lizard’s leg and owlet’s wing,

For a charm of powerful trouble,

Like a hell-broth boil and bubble!

Tönt ziemlich gruselig, nicht?

Aber als Hexe hätte ich auch derartiges verwendet:

Teufelsfleisch, Ziegenbart, Hammelschwanz, Schlangenzunge, Eselshuf, Blitzpulver, Wurzel von der Fledermaus, Affenöhrli …

das tönt doch eindrucksvoller als:

Weisskleeblüten, Spierblume, Wollblume, Spitzwegerich, Huflattich, Bärlapppulver, Iriswurzel, Veilchen, …

dabei wäre es genau dasselbe.

Die Pflanzen sind auch so wirksam – als Tee, Extrakt oder Pulver, aber sie tönen vielleicht etwas eindrücklicher und geheimnisvoller, was wohl auch zu ihrer Wirkung beigetragen hat – eine Art Placeboeffekt, vielleicht (man sollte nie die Macht der Vorstellung unterschätzen!).

Das oben sind übrigens Namen, die im Volksmund heute noch existieren, andere Bezeichnungen sind dagegen mit dem Wissen der Hexen verbrannt worden.

Hier sind noch ein paar witzige Pflanzen-Namen, die ich gefunden habe:

Hexenhasel, Wünschelrutenstrauch, Zauberstrauch – Hamamelidis (Zaubernuss)

Scheissbeerholz, Brechwegdorn, Stinkbaum, –  Rhamni frangulae cortex (Faulbaum)

Zahnkoralle, Giftrose – Paeonia (Pfingstrose)

Frauenschühli, Himmelsschlüssel, Bährenöhrli – Primula veris (Schlüsselblume)

Fieberblume, Schwitztee –  Sambucus nigra (Hollunder)

Igelskopfblatt, Teufelsapfel – Stramonii folium (Stechapfel)

Wunderblasen, Schlotterblume – Physialis alkekengi (Lampionfrucht)

Bettpisserwurzel, Hundszunge, Tüfelsblume  – Taraxaci herba (Löwenzahn)

Grübelnusschale – Pericardium Nuglandis (Baumnusschale)

Hasenohr – Melissa folium (Melisse)

Katzenschwanz – Equiseti herba

Schluckwehrohr – Levistici herba (Liebstöckel)

Sonnauge – Matricaria flos (Kamille)

Stinkwurzel – Valerianae radix (Baldrian)