Nicht richtig!

Ein Mann kommt mit einer kürzlich gekauften ungeöffneten Packung Burgerstein Vitamin C Kapseln (die in der Büchse) und möchte sie retournieren.

Drogistin: „Ok, ist denn irgendetwas mit dem Verfalldatum?“

Kunde: „Nein.“

Drogistin:  „Ist es nicht das, was sie wollten?“

Kunde: „Doch.“

Drogistin: „ … Aber … was ist dann der Grund?“

Kunde schüttelt die Dose: „Hören sie mal!“ Schüttelt sie noch mal neben dem Ohr der Drogistin: „Das hört sich nicht richtig an!“

Drogistin:  „Aha.“

Kunde: ,,Vitamin C sollte sich nicht so anhören!“

… was gibt’s da noch zu sagen?

Billig hat seinen Preis

Es gibt ja Apotheken, die ihren Kunden die die Checks* erlassen. Du denkst, das sei eine gute Sache? Denk mal an das: diese „Checks“ sind ein Grossteil des Einkommens der Apotheke. Wie machen die das also?

Es sind Riesenketten welche viele Ihrer Produkte günstiger einkaufen können (die Masse machts) – v.a. weil 2 (inzwischen dank Aufkauf sogar 3) dieser Ketten direkte Abkömmlinge von Grossisten sind. Die kaufen sozusagen bei sich selbst ein.

Die Anstellungsbedingungen sind mässig. Mag sein, dass sie die Apotheker gut bezahlen (ohne die können sie ja auch keine Apotheke haben), aber Pharmaasistentinnen und Drogistinnen … na ja. Verwalter erhalten derartige Knebelverträge, dass auch schon die Kantonsapotheker interveniert haben.

Deshalb leidet auf die Dauer auch die Qualität. Wenn nur das Geld die Motivation für die Arbeit ist, ist das wohl zu erwarten.

Ich weiss von mindestens einem Fall, wo die Apothekerin dann auch morgens jeweils bei der Öffnungszeit nicht anwesend war und auch sonst öfters durch Abwesenheit glänzte – und das ist gesetzlich nicht erlaubt. Während der Öffnungszeit einer Apotheke hat die Apothekerin anwesend zu sein. Sonst darf die Apotheke nicht aufmachen.

Dementsprechend (und das sieht man auch), schneiden diese Ketten in Tests wie dem Mystery shopping regelmässig schlechter ab. -Leider sind bei den meisten der Tests, die von Zeitschriften durchgeführt werden die Ergebnisse nicht nach einzelnen Apotheken und den verschiedenen Ketten aufgesplittet, sonst würde das vielleicht auch das Publikum merken.

Solche grossen, rein wirtschaftlich orientierten Apothekenketten scheuen sich nicht, Medikamente zu verkaufen als wären sie Duschmittel und mit Discountermethoden den Konsum anzukurbeln. Die Wirkung: Apotheken mit medizinischer Orientierung verlieren um Umfeld der Discounter ihre wirtschaftliche Basis vollends und geben auf.

Wichtig für die Konsumenten zu wissen: die Beratung über die richtige Einnahme, über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und über Störungen und Unverträglichkeiten wurde aktiv aus dem Angebot verdrängt. Das Produkt wurde zwar billiger, die Versorgung aber schlechter.

* die Checks (wie von abchecken, abklären) hiessen früher mal Taxen, dann Pauschalen. Ersteres tönt sehr nach irgendwas steuerlichem, was es nicht ist, letzteres irgendwie unpersönlich. Jedenfalls finde ich es interessant, dass die Discount-Apotheken die Checks immer noch Taxen nennen…

Unverständliches

Unleserliche Rezepte sind eines der (wenigen) Dinge, die ich in der Apotheke nicht ausstehen kann.

Sie verursachen enorme Mehrarbeit – ich muss es entziffern, eventuell die Kundin fragen was oder für was es ist und dann noch sicherheitshalber dem Arzt nachtelefonieren. Denn unleserliche Rezepte sind auch ein Sicherheitsrisiko: was, wenn ich mal versehentlich das falsche abgebe? Das ist eine Gesundheitsgefährdung und gibt noch mehr Arbeit das wieder – so möglich – in Ordnung zu bringen.

Letzten Samstag hatte ich ein Rezept, das ich tatsächlich nicht lesen konnte. Nada, njet, nix. Es hätte genausogut in arabisch oder chinesisch geschrieben sein können. Ich konnte es nicht entziffern (und ich bin sonst wirklich gut!), die Pharmaassistentin auch nicht, die Kundin hatte keine Ahnung für was es ist (das lasse ich hier mal unkommentiert) und der Arzt war – wie Samstag so üblich nicht erreichbar.

Weil die Kundin nicht aus der Gegend war, blieb mir nichts übrig als ihr das Rezept achselzuckend wieder zurückzugeben.

Das ist frustrierend.

Für sie und für mich.

Höhenkrankheit

Frau: „Ich glaube ich habe die Höhenkrankheit, seit ich letzthin mit dem Flugzeug geflogen bin.“

Pharmaassistentin „Das kann kaum sein, es sei denn sie haben während dem Flug auf dem Flügel gesessen.“

Man kann übrigens trotzdem bei langen Flugreisen eine abgemilderte Form der Höhenkrankheit bekommen, weil die Fluggesellschaften den Luftdruck nicht so hoch anheben (Standard ist ein Luftdruck wie auf etwa 2000 m.ü.m). Die Symptome sind dann Schwindel, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, die aber bald nach der Landung wieder verschwinden.

(Viel) mehr Info zur richtigen Höhenkrankheit hier.

Zur Komplementärmedizin Abstimmung

Für einmal ein paar eher kritische Gedanken.

Die Abstimmungsfrage lautet:

Wollen Sie den Verfassungsartikel „Zukunft mit Komplementärmedizin“ annehmen?

Art. 118a (neu) Komplementärmedizin

Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin

Der Artikel ist sehr offen formuliert und enthält keine Angaben darüber, wie diese Berücksichtigung konkret aussehen soll.

Es tönt ja im Prinzip nicht schlecht, gibt aber ein paar Dinge zu bemerken:

Es gibt in der Schweiz etwa 200 verschiedene Arten und Methoden, die unter das Label „Komplementärmedizin, „alternative Medizin“ oder „traditionelle Medizin“ fallen. Das reicht von der bekannten, bewährten und in Studien getesteten Phytotherapie über relativ seriöse Dinge wie die Homöopathie, die anthroposophische Medizin und Akupunktur, über zumindest lang bewährtes wie der traditionellen chinesischen Medizin zu sehr esotherischem wie Aura Soma, Kinesiologie, Pulsierende Magnetfeld Therapie, Steinheilkunde … eigentlich sogar Uriellas gesegnetes Badewannenwasser…

Bei den letztgenannten und vielen weiteren Methoden hat man weder Studien noch Nachweise über die Wirkung  noch die Sicherheit. Oft hat man nur Erfahrungsberichte: „Ja, es hat meiner Oma geholfen, also …“

Im Moment ist es so, dass gemäss dem Schweizerischen Krankenversicherungsgesetz (KVG) Leistungen unter der Bedingung bezahlt werden, „wenn nachgewiesen ist, dass sie wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind.“

Ich kann nicht einsehen, warum ein Standard festgelegt wird, wie die Wirksamkeit nachgewiesen werden muss, nur um dann eine ganze Gruppe von genau diesem Nachweis zu befreien.

Es gibt darüber hinaus eine Menge Zusatzversicherungen, die man für wenige Franken im Monat bekommen kann, welche dann doch eine Menge der obengenannten Methoden übernehmen. Das ist keine „Zweiklassenmedizin“!.

Und zur „Wirtschaftlichkeit“: Ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust, meine Krankenkassenprämie für die Grundversicherung noch mehr steigen zu sehen – und das wäre unter Garantie der Fall, wenn auf einmal einfach alles übernommen wird,

Sicher sollte man die verschiedenen Methoden einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Eine Voraussetzung für die Zulassung einer Methode sollte sein, dass der Sicherheitsnachweis der Methode und der entsprechenden Produkte vorliegt und dass ausschliesslich Personen, die eine anerkannte Aus- Weiter- und Fortbildung absolviert haben, autorisiert werden. Sonst besteht die Gefahr, dass die Komplementärmedizin unprofessionell angewendet wird.

Das ist übrigens auch der Standpunkt des Schweizer Apothekervereins, der sich aber in der Abstimmung vornehm zurückhält.

Im Moment finde ich den Artikel nicht annehmenswert. Da fehlt noch viel zu viel.