Nur nicht aufregen

Ein Kunde kommt mit einer  Flasche Comilfo, die er bei uns bestellt und gekauft hat, knallt sie der jüngsten Lehrtochter auf den Ladentisch und fährt fort sie praktisch anzuschreien:

„Ich will einen Ersatz! Diese Flasche ist defekt! Sie hat einen falschen Einsatz! Das müsste einer zum Tropfen sein und nicht zum schütten! Und das ist schon einmal passiert! Ich verlange, dass sie eine neue bestellen und sie mir ersetzen!“

Er wirft ihr noch seine Visitenkarte auf den Tisch und stürmt aus der Drogerie. Die erschreckte Lehrtochter hat währenddem kein Wort herausgebracht.

Auch gut, bei Reklamationen soll man nämlich zuerst einmal zuhören. Ich beruhige sie erstmal und sage ihr, dass ich mich darum kümmere und ihn auch nehme, wenn er wiederkommt.

Das Ganze ist mir allerdings etwas suspekt. Ein falscher Einsatz? Aussen auf der Comilfo Flasche steht nur „äusserliche Anwendung“ …

Nun, bestellen wir mal eine neue Flasche und sehen sie uns an.

Die neue Flasche kommt und hat genau denselben Ausguss. Sie kommt in einer Schachtel – allerdings ohne Packungsbeilage.

Zeit die Firma anzurufen.

„Ah“ sagt die nette Dame am Telefon, „ich denke ich weiss, warum sie anrufen.“

„Ja? Sage ich, warum denn?“

Dame: „Sie wollen fragen, ob man das noch Einnehmen kann, weil ja nichts mehr draufsteht.“

Pharmama: „Fast. Es geht um einen Kunden, der sich beschwert, weil es keinen Tropfer mehr auf der Flasche hat …. aber wahrscheinlich nimmt er es schon ein, sonst bräuchte er es ja nicht zu tropfen.“

Die Sache war dann schliesslich so: Comilfo Kräutertropfen sind ein Produkt vergleichbar mit Melisana Klosterfrau Melissengeist oder Carmol Tropfen. Nur hat die Frau des bisherigen Inhabers des Patentes es nach seinem Tod unterlassen die Tropfen neu registrieren zu lassen als Heilmittel. Demnach darf nicht mehr draufstehen, dass man es auch einnehmen kann und nicht nur äusserlich für Umschläge brauchen … und demnach darf offenbar auch kein Tropfer mehr drauf-sein.

Das Produkt wurde nun aber von einer neuen Firma übernommen und sie arbeiten an einer Neuregistrierung, wie mir die nette Dame zusicherte. Man könne es auch weiterhin einnehmen bei Magenbeschwerden und ähnlichem … und ich dürfe das dem Kunden auch so sagen.

Das mache ich dann auch. Ich telefoniere ihm und erkläre das Ganze. Am Telefon ist er einiges anständiger als im Geschäft.

Und ich biete ihm an, eine Flasche mit Pipette dazuzugeben – da ja der Einsatz offensichtlich nicht bald ändern wird.

… Kunde zufrieden – und ich hab‘ auch wieder etwas gelernt.

Vom Umtausch ausgeschlossen

Kundin kommt mit Fussbandage zurück, die sie am vorigen Tag gekauft hat. Sie redet mit der Pharmaassistentin, die sie bedient hat, die kommt dann mit ihr zu mir:

PA: „Die Kundin möchte das umtauschen.“

Pharmama: „Aus was für einem Grund?“

Kundin:Ich komme damit nicht zurecht.“

Währenddessen packe ich die Bandage aus. Sie ist schwarz und Hautschüppchen sind überall (speziell an dem Fersenteil).

Pharmama: Entschuldigen Sie bitte, aber das kann ich so nicht zurücknehmen, sie ist gebraucht und nicht mehr sauber.“

Kundin: „Waaaaas?! Aber ich hatte sie nie an!“

Pharmama: „Tut mir leid, aber sehen sie hier …“

Kundin: Schnappt sich die Bandage und stürmt wütend aus dem Laden.

Pharmama zur Pharmaaassistentin: „Hat sie es gestern anprobiert?“

PA: „Ja, aber über dem Socken, ich war dabei. Sie war begeistert davon.“

Pharmama: „Offensichtlich nicht mehr so sehr.“

Was denken die Leute? Dass ich das so weitergeben kann? Und der nächste bekommt Fusspilz? Igitt.

Das ist eine Art Hygieneartikel – vom Umtausch ausgeschlossen, sorry.

Die Kunst der Reklamation

Ich weiss noch, wie ich das Problem mit einem anderen Kunde hatte, aber trotzdem war das hier … anders.

Ein herziges älteres Fräulein kommt in die Apotheke und fragt: „Ist die nette Dame von gestern nicht hier heute?“

Weil sie mir die Haarlänge zeigt, weiss ich, dass es sich um meine Kollegin handeln muss. „Nein, sie arbeitet heute nicht, aber vielleicht kann ich ihnen helfen?“

Frau: „Ja, vielleicht. Sehen sie, ich habe bei ihr gestern das hier gekauft (zieht eine Packung Bepanthen plus Salbe heraus) und zuhause zeigt mir meine Freundin das hier“ (zeigt auf den Aufdruck auf der Lasche, wo Charge und Verfall draufsind).

Pharmama: „Ja? Darf ich mal sehen?“

Frau: „Ja. Ich glaube hier steht … Feb 09 … könnte es sein, dass die Packung abgelaufen ist?“

Ich schaue es mir an. Da steht wirklich Feb09, allerdings steht davor: MFD Feb09,

also erkläre ich: „Sehen Sie das MFD? Das heisst ManuFacturing Date. Das ist das Herstellungsdatum. Schauen Sie, darüber steht EXP Okt12: Das ist das Verfallsdatum. Die Packung ist noch 3 Jahre lang gut.“

Frau: „Oh, da bin ich aber erleichtert …. vor allem, das ich nicht hier hineingestürmt bin und sie angeschrieen habe …“

Pharmama: „Ja, da bin ich auch froh!“

Wir lachen uns an und sie geht zufrieden wieder.

Für Verluste wird nicht gehaftet

Kundin kommt zurück mit einer leeren Packung Vitamin Brausetabletten.

Kundin: „Die habe ich vorgestern gekauft.“

Drogistin: „Ok, war etwas nicht in Ordnung damit?“

Kundin: „Nein, aber ich habe gestern versehentlich den ganzen Rest der Packung ins Lavabo fallen lassen. Jetzt hätte ich gerne eine neue.“

Drogistin: „Oh, das ist Pech. Ich hole sie ihnen“ (holt sie und liest sie ein in der Kasse) Darf es sonst noch etwas sein?“

Kundin: „Nein.“

Drogistin: „Das macht xxx Franken.“

Kundin: Was? Ich bekomme sie nicht ersetzt?“

Drogistin: Äh, nein.“

Kundin: „Aber ich hab den Kassabon von der Packung hier. Sehen Sie? Von vorgestern!“

Drogistin: „Ja, aber ich kann sie ihnen trotzdem nicht gratis geben.“

Kundin: „Warum nicht?“

Drogistin: „Nun, es  ist weder ein Produktefehler noch ein Fehler von uns – sie sind für ihre gekauften Sachen verantwortlich – wir können ja nichts dafür, wenn sie sie kaputtmachen, verlieren oder sie ihnen gestohlen werden.“

Kundin (zahlt, stinksauer): „Hier kaufe ich nicht mehr ein!“

… Ehrlich, versuchen sie das auch mit anderen Sachen?

„Geben Sie mir ein neues Auto, das letzte habe ich in einen Baum gefahren.“

Oder: „Ich hab mein Natel verloren, ersetzen sie es mir bitte.“

Ferienmitbringsel umtauschen?

Kommt ein Kunde mit einer Packung Fenistil in die Apotheke:

Kunde: „Kann ich das umtauschen?“

Pharmama – schaut sich das Fenistil an und sieht, dass die Packung aus Thailand ist: die thailändische Schrift unter dem Fenistil zeigt das deutlich, ansonsten sieht die Packung aus wie unsere: „Tut mir leid, aber die ist wohl aus Thailand, die kann ich nicht umtauschen.“

Kunde: „Ich dachte weil die Novartis ja eine schweizer Firma ist, ginge das.“

Pharmama: „Leider nicht so einfach … ausser sie gehen vielleicht direkt zur Novartis. Was ist denn nicht in Ordnung mit der Packung?“

Kunde: „Ich habe in einer thailändischen Apotheke sehr günstig ein paar Packungen gekauft … und erst später bemerkt, dass sie abgelaufen sind.“

Pharmama: „Ja, so was ähnliches hatte ich dort mit einer Körpercreme auch schon. Aber ich fürchte da werden sie kein Glück haben, dass sie hier Geld oder eine andere Packung dafür bekommen.“

Kunde: „Naja, ich dachte ich versuch’s mal.“

So sieht übrigens „Apotheke“ auf Thailändisch aus:

Und dieses Bild zeigt eine Apotheke in Rayong, Thailand mit dem weltgrössten Abakus (5.5m lang). Den Angaben nach ist die Apothekerin damit schneller im ausrechnen als mit einem elektronischen Rechner…

gefunden hier.

Nicht richtig!

Ein Mann kommt mit einer kürzlich gekauften ungeöffneten Packung Burgerstein Vitamin C Kapseln (die in der Büchse) und möchte sie retournieren.

Drogistin: „Ok, ist denn irgendetwas mit dem Verfalldatum?“

Kunde: „Nein.“

Drogistin:  „Ist es nicht das, was sie wollten?“

Kunde: „Doch.“

Drogistin: „ … Aber … was ist dann der Grund?“

Kunde schüttelt die Dose: „Hören sie mal!“ Schüttelt sie noch mal neben dem Ohr der Drogistin: „Das hört sich nicht richtig an!“

Drogistin:  „Aha.“

Kunde: ,,Vitamin C sollte sich nicht so anhören!“

… was gibt’s da noch zu sagen?