Etwas mehr Eigenverantwortung für die Gesundheit

Ich bin sehr für Eigenverantwortung. Sehr. Dazu gehört auch, dass die Patienten selbst ihre Rezepte beim Arzt bestellen müssen. Das gilt auch für Vorbezüge. (Ein Vorbezug ist übrigens die Abgabe eines Medikamentes, das über Rezept läuft, noch ohne Rezept. Z.B. Bei Dauermedikation etc). Ich bin im Normalfall auch grosszügig mit den Vorbezügen, aber wenn jemand dann das Rezept trotz Erinnerung unsererseits daran dann nicht besorgt, der bekommt das nächste Mal keinen Vorbezug mehr. Ganz einfach.

Es gibt noch einige solche Fälle, so auch letzthin: Die Spitex schickt ein Fax für eine Medikamentenbestellung für eine Kundin. Mit der Spitex haben wir eine Abmachung, dass wir uns um die Rezepte kümmern. Besagte Kundin war allerdings schon eine ganze Zeit lang nicht mehr beim Arzt und wir haben Order (vom Arzt) bis er sie wieder gesehen hat, nichts abzugeben. Also rufe ich der Spitex an, um ihnen das mitzuteilen (zum 2. Mal übrigens). Die Frau von der Spitex meint:Frau XY? Die hatte gestern einen Arzttermin“ – da tönt es aus dem Hintergrund: „Ja, aber Sie hat sich geweigert zu gehen!“ – Eben.

Weder wir noch die Spitex können die Frau zwingen zum Arzt zu gehen.

Wahrscheinlich muss sie erst wieder vor der Apotheke umkippen und wir müssen ihr die Sanität holen, dann bekommt sie wenigstens ein Rezept vom Spital.

Oder dann war da die Kundin, die 3 offene Vorbezüge hatte (!) und am Freitag Nachmittag die Nachbarin schickte für noch etwas. Nein, sorry, zuerst bringt sie mir die Rezepte für die anderen 3. „Aber ich kann erst am Montag zum Arzt….“ Egal. Ich habe ihr dann (am Telefon) gesagt, sie kann das Medikament das sie will -und für das es nicht mal unbedingt ein Rezept braucht- jetzt zahlen. Wenn sie dann am Montag die Vorbezüge bringt und ein Rezept dafür, können wir es immer noch über die Krankenkasse machen.

Echt! Ich bin doch nicht die Bank!

Oder die Kundin, die eigentlich bei einer anderen Apotheke Stammkundin ist und jetzt zum 5. Mal an dem Samstagnachmittag telefoniert. Sie habe Bauchschmerzen, was sie da machen kann. Nachdem ich via Telefon fast 30 Minuten lang versucht habe herauszufinden, an was es liegt, dass sie Bauchweh hat (und sie dabei immer neue Symptome entwickelt) – will sie, dass die Apothekerin persönlich vorbeikommt und sie untersucht.

Sorry, das geht nicht.

Ich darf während der Arbeitszeit die Apotheke nicht verlassen (ich habe eine gesetzlich vorgeschriebene Anwesenheitspflicht) und dann bin ich kein Arzt: mehr tun als durch Fragen herauszufinden was sie hat und sie bei Verdacht auf etwas gefährlicheres zum Arzt zu schicken, kann ich nicht. Wenn sie das Gefühl hat, es sei etwas ernsthafteres (und ich glaube das nach dem halbstündigen Telefon nicht), dann soll sie in den Notfall gehen oder sonst die Sanität rufen. Sie meint dann noch: „Sie haben mir gar nicht geholfen, sie reden nur viel“ und hängt mir das Telefon auf.

Ehrlich, ich war sooo knapp daran ihr die Sanität zu rufen. Grrrrr.

Warum ich Telefone nicht mag

Ja, ich halte Telefone für eine ganz erstaunliche Erfindung, die unser Leben enorm erleichtert … wenn sie richtig gebraucht werden. Ich war nie jemand, der stundenlang an der Strippe hängt, um den neusten Tratsch auszutauschen, das mache ich lieber direkt mit dem Gegenüber. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich meine Stimme nicht sehr mag? Im Geschäft überwinde ich meine Aversion gezwungenermassen.

Jedenfalls, für mich sind Telefone da um Information auszutauschen. Aber das geht auch speditiver als gewisse Leute das machen.

Einige Sachen, die ich gar nicht haben kann im Zusammenhang mit Telefonieren:

Leute, die anrufen, keinen Namen sagen, sondern sofort anfangen zu reden.

Das mag ja bei einem Anruf Zuhause noch gehen, aber in der Apotheke? „Guten Tag, ich hätte gerne von meinem Rezept die Tabletten gegen Bluthochdruck und die Schmerzmittel und ….“  „Ah, Moment bitte. Wie war noch der Name?“. Gedankenlesen haben sie uns bisher nicht beigebracht.

Im gleichen Zusammenhang Leute, die das Telefon nur mit „Hallo“ , „Pronto“, „Ja?“ oder ähnlichem abnehmen.

Ich muss wissen, dass ich die richtige Person erreicht habe, sonst könnte es peinlich werden. Dazu gehört auch der Arzt, der das Telefon mit den Worten abnimmt: „WAS IST?!?“ (in sehr hässigem Ton) „Hier ist Pharmama von der Apotheke. Wer bitte spricht denn da?“ – Ich mache ja die Telefone nicht zu meinem Vergnügen!

Dann gibt es die, die ständig wegen Irgendetwas anrufen.

„Ich habe heute im Coop Vitamintabletten gekauft, vertragen sich die mit dem Blutverdünner?“. „Meine Nachbarin hat mir gesagt, ich soll Fischöl einnehmen, das sei gut für die Gelenke. Wie wirkt das?“

Und eine Stunde später: „Haben sie Fischölkapseln?“

Und noch eine Stunde später: „Aber kann ich die Fischölkapseln denn auch mit den Vitamintabletten zusammen nehmen?“

Und noch später: „Ok, ich kaufe sie, könnten sie jemanden schicken, der sie vorbeibringt?“

Und noch später: „Die Kapseln riechen aber nach Fisch, gibt es denn keine, die nicht riechen?“ …..

Argh!

Oder die Kunden, bei denen während dem Telefongespräch ständig im Hintergrund der Fernseher laut mitläuft.

Üblicherweise irgendeine Talkshow. So laut, dass ich nicht verstehe was die Kundin will (die Show aber gut mitbekomme) – „Könnten sie bitte den Fernseher oder Radio im Hintergrund ausschalten? Ich verstehe Sie so schlecht!“

Am schlimmsten aber sind Telefone ins Spital, z.B. um den Arzt auf einen Verschreibungsfehler aufmerksam zu machen. Das dauert ewig. Manchmal wird man 3 – 4 x weiter verbunden, bis man die richtige Person am Draht hat. Vorausgesetzt, sie ist überhaupt da und man wird vorher nicht aus der Leitung geworfen, worauf dasselbe Spiel wieder von vorne beginnt.

Und dann bekommt man sogar in der Apotheke Werbeanrufe von irgendwelchen Leuten oder Firmen, die einem ihr Produkt andrehen wollen.

„Das Neueste für ihr Zeitmanagement!“ (Huh?) , „Der tolle Oberflächen-Dampfreiniger, gratis Demonstration!“ (Danke, wir haben eine Reinigungsfirma), „Mit was für einem Telefonanbieter telefonieren Sie?“ (Eigentlich mit Ihnen, es spricht nicht gerade für sie, dass sie das nicht mal wissen …). „Hier ist die Süddeutsche Klassenlotterie …“ (sehr witzig), „Wir machen eine Umfrage zum Thema …“ (Aber sicher nicht während der Arbeitszeit!).

Und natürlich wollen alle diese Leute immer mit dem Chef sprechen.

Seufz.

Junior und die Technik

Wir haben ja ein sehr Technik-interessiertes Kind. Auf jedes Knöpfchen muss gedrückt, an jedem Rädchen gedreht und jeder Schalter betätigt werden.

Ich frag mich ja, von wem er das hat ;-)

Besonders interessant ist es ja, wenn das Betätigen der Knöpfe einen unmittelbaren Effekt hat. Darum ist die Stereoanlage so beliebt und die Fernbedienung und natürlich auch das Telefon.

Vor allem das Telefon. Wir haben eines dieser neuen, drahtlosen Dinger, ausgestattet mit Rafinessen wie Anruferkennung, Wahlwiederholung, gespeicherten Telefonnummern… Ich glaube andere Eltern wissen schon, worauf ich hinauswill.

Als es das erste Mal passiert ist, dass Junior bei seinen Grosseltern angerufen hat, waren sie sehr beunruhigt. An der Nummer erkannten sie, dass der Anruf von uns kam, aber das einzige was sie hörten war angestrengtes Atmen. In Ihrer Vorstellung sah Oma die Pharmama nach einem Unfall am Boden liegen und mit letzter Kraft ihre Nummer wählen.

Inzwischen hat Junior sein eigenes „Telefon“ bekommen. Ein Ding von Fisher Price, das auf Knopfdruck verschiedene Melodien und Klingeltöne hören lässt und „Hallo“ und Tschüss“ sagt. Das ist toll, aber das Telefon der Eltern ist toller. Letzhin hat er die beiden darum unauffällig ausgetauscht, als es neben mir lag, während ich am Computer war – und hat prompt wieder bei den Grosseltern angerufen …

Ich muss unbedingt einen guten Blick auf die Telefonrechnung werfen diesen Monat …