Habe ich oder habe ich nicht?

Telefon in der Apotheke.

Eine ältere Frau: „Ich habe hier meine neuen Tabletten, die ich täglich nehmen muss … jetzt weiss ich nicht mehr, ob ich die heutige Tablette schon genommen habe oder nicht. Was soll ich tun?

Apothekerin: „Sie haben die Packung neu, nicht?“

Frau: „Ja.“

Apothekerin: „Moment, bitte.“

Geht ins Dossier der Frau, sieht, wann die Packung bezogen wurde und rechnet nach.

Apothekerin: „Also, wenn sie an dem Tag begonnen haben, an denen sie die Packung bezogen haben, dann müssten es noch 18 Tabletten darin sein. Wenn sie 19 haben, haben sie sie heute vergessen.“

Kundin: „Oh, danke.“

Bitte sehr!

Schwierige Schweigepflicht

Telefon:

Mann: „Hallo, ich habe im Medikamentenschrank meiner Freundin ein Medikament gesehen und ich würde gerne wissen, für was das ist. Der Name ist V-A-L-T-R-E-X …“

Apotheker: „Das ist etwas, das sie unbedingt direkt mit ihrer Freundin besprechen müssen.“

Valtrex ist zur Behandlung von Herpes-Virusinfektionen gedacht, das kann sein Windpocken, Gürtelrose … oder Genital-Herpes.

Das Problem ist hier die Schweigepflicht. Ich darf ihn nicht über die eventuelle Geschlechtskrankheit seiner Freundin aufklären, das muss sie selbst tun.

Andererseits: wenn er jetzt gefragt hätte was es ist -ohne sie zu erwähnen, liegt der Fall wieder anders, dann wäre es eine einfache Medikamenteninformation. Oder?

Schwangerschaftstest (3)

Junge Frau ruft an:

„Mein Arzt hat mir Elevit aufgeschrieben. Jetzt habe ich einen Schwangerschaftstest gemacht und er war positiv. –aber was ich wissen möchte ist: haben die pränatalen Vitamine gemacht, dass er positiv ist?“

Wohl eher nicht. (Vitamine für vor und während der Schwangerschaft machen nicht schwanger).

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist …

Samstag

Ein junger Mann kommt in die Apotheke. Es fällt auf, wie nervös er ist, während er wartet. Ausserdem schwitzt er enorm, dabei ist es nicht sehr heiss. Als er drankommt: „Ein Valium 5mg, 25 Stück, bitte.“

Apothekerin: „Dafür brauchen Sie ein Rezept.“

Mann: „Aber es ist Samstag! Könnten Sie mir nicht eines geben und ich liefere das Rezept nach?“

Apothekerin: „Das machen wir eigentlich nur bei Stammkunden. Wie ist ihr Name?“

Stellt sich heraus, dass der Mann im Computer ist, aber nicht als Kunde, sondern weil schon einmal eine Warnung über ihn kam, dass er mittels gefälschter Rezepte versucht an … Valium zu kommen. Keine Überraschung hier.

Apothekerin: „Tut mir leid, aber ich kann ihnen keinen Vorbezug machen. Sie müssen ein Rezept bringen.“

Mann: „Gut, dann rufe ich halt meinen Arzt an.“

Er geht hinaus.

Es dauert etwa eine halbe Stunde, dann kommt ein Telefon.

„Guten Tag, ich bin Doktor M, Herr … war vorhin in ihrer Apotheke und wollte ein Valium. Bitte geben sie ihm das Valium, ich schicke ihnen ein Rezept sobald ich am Montag wieder in meiner Praxis bin.“

Die Apothekerin schreibt sich das auf, sagt erst einmal „Danke und auf Wiederhören“, hängt auf … und öffnet das Internet-Telefonbuch, wo sie die Nummer des Arztes heraussucht – er hat auch eine Privatnummer angegeben. Toll.

Dann ruft sie die Nummer an. Vorhin war die Rufnummer unterdrückt – was bei einem Arzt eher ungewöhnlich ist.

Es nimmt ein Mann ab, der sich auch mit „M.“ meldet – aber eine ganz andere Stimme hat. (Oha.)

Die Apothekerin entschuldigt sich für die Störung und erklärt ihm kurz den Grund des Anrufes. Der Arzt bestätigt ihren Verdacht: Nämlich dass nicht er das war, der das Medikament bestätigt hat.

Inzwischen steht der junge Mann schon wieder in der Apotheke –selbstbewusst grinsend, weil er denkt, er bekommt jetzt sein Valium.

Da enttäuscht ihn aber die Apothekerin: „Herr … ich habe gerade mit Doktor M. telefoniert …“

Junger Mann: „Ja, und er hat die Abgabe bestätigt, richtig?“

Apothekerin: „Nein. Der richtige Doktor M überlegt sich im Moment gerade, ob er sie wegen Betrug anzeigen will … und wenn sie nicht ganz schnell verschwinden … tue ich das auch.“

Der Gerechtigkeit nach will ich sagen, dass ich das auch schon anders gehabt habe, wo der Arzt in einem ähnlichen Fall die Abgabe erlaubte. Das gab noch ein nettes Gespräch über das Suchtverhalten des Kunden – das dem Arzt bekannt war und an dem er “am dran arbeiten war.“

Aber: Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.

Es läuft über!

Telefon einer Kundin: „Der Antibiotikumsirup, den ich von ihnen bekommen habe läuft über!“

Pharmaassistentin: „Wie meinen sie das?“

Kundin: „Ich habe – wie in der Packungsbeilage angegeben- 92 ml Wasser dazugegeben … und die Flasche ist zu klein, es läuft oben über.“

Pharmaassistentin: „Oh, das hätten sie nicht tun sollen, der Sirup wurde schon in der Apotheke für sie fertig zubereitet!“

Antibiotikasirup wird meist in noch ungelöster Form als Pulver in der Flasche geliefert und von uns vor der Abgabe zubereitet. Theoretisch könnte das der Kunde schon selber machen, aber die Angabe: „bis zum Strich mit Wasser füllen“ liefert sehr unterschiedliche Resultate und wir können die 92 ml (oder was auch immer) die gebraucht werden, genau abmessen.

Aber dass jemand versucht einen schon gelösten Sirup zuzubereiten … das ist neu.

Aufdringliche Kunden

Es ist wieder soweit, wir haben einen dieser …. aufdringlichen Kunden. Lange hatten wir relative Ruhe – damit scheint es jetzt aber vorbei zu sein.

Dieser Typ Kunde ist meist weiblich, älter, häufig alleine lebend (wobei hier die Ausnahmen die Regel bestätigen) und geht kaum aus dem Haus. Das machen sie damit wett, indem sie telefonieren – und zwar an die Ärzte, die Apotheke, die Spitex … vielleicht auch an Freunde und Verwandte, das weiss ich nicht, aber uns beehren sie dann täglich und oft noch mehrmals mit ihren Anrufen. Dass sie dabei unbedingt immer mit der Apothekerin reden will, verschärft das ganze noch.

So auch diese Kundin. Wir haben sie von einer Nachbarapotheke geerbt, wobei ich nicht weiss, ob ich da dankbar sein soll. Nach heute bin ich eher der Meinung, dass ich auf sie verzichten könnte.

12.45 Uhr. Telefon.  Frau: „Meine Nase läuft wie ein Wasserfall, aber ich bin gar nicht sehr erkältet, was könnte das sein? Haben sie da etwas dagegen? Könnten sie es vorbeibringen?“

Pharmama: „Ja kann ich, aber erst nach der Mittagspause.“

Langes Lamento darüber, dass sie jetzt leidet und unbedingt gerade sofort etwas braucht.

Pharmama: „Nein, es geht nicht. Wir kommen zwischen 2 und 3 Uhr vorbei, das ist der frühstmögliche Moment.“

13.30 Uhr Telefon: Frau: „Sie brauchen es doch nicht zu bringen. Ich habe noch etwas zuhause gefunden.“

14.15 Uhr Telefon:  Frau: „Die Nase läuft immer noch, ist aber besser. Was würden Sie denn empfehlen? Kann man das doch noch vorbeibringen?“ Nein, sonst braucht sie nichts. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass morgen Samstag ist und da nichts gebracht werden kann.

16 Uhr der Lehrling bringt ihr das Medikament auf seiner Auslieferungstour vorbei. Sie drückt ihm das Geld in die Hand und zieht die Türe vor der Nase zu – ziemlich unhöflich ist der Tenor des Lehrlings.

16.45 Uhr Telefon: Frau: „Ich habe noch etwas vergessen! Und die Person, die das Medikament gebracht hat, war so schnell weg, dass ich nicht fragen konnte! Ich habe seit einer Woche so Bauchschmerzen und kann nicht richtig essen. Haben sie mir da etwas dagegen? Den Arzt habe ich auch schon gefragt, aber er wollte mir nichts aufschreiben … Nein, das habe ich schon, das wirkt nicht. … Nein, das habe ich auch schon mal probiert, da wird mir schlecht davon … Nein, ich habe auch nichts sonst zuhause – könnten sie es mir nicht bringen? Das ist ein Notfall! Ich leide! Was ‚Nein’ – wollen sie mich sterben lassen?“

Meine Ansicht nach ist schon, dass diese Leute ein Problem haben. Unter anderem viel zu viel Zeit sich mit sich selbst zu beschäftigen. Da wird jede Unannehmlichkeit oder Missempfindung zum richtigen Problem …. manchmal aufgebauscht, manchmal wirklich. Dazu kommt, dass sie wohl nicht viele Leute (und nicht viele Themen) haben, mit denen sie reden können, also machen sie das ausführlich über ihre Beschwerden mit dem Arzt und dem Apotheker.

Und ganz schlecht ist es, diese Personen zu fragen, ob sie Symptom XY haben. Wenn sie es vorher nicht hatten … jetzt (wo mans sagt) haben sie’s!