Am Telefon

Die sehr beschäftigt wirkende jüngere Frau in der Apotheke reicht mir einen Zettel. Naja – zumindest sieht sie beschäftigt aus. Sie ist am Handy.

Ich schaue den Zettel an.

Pharmama: „Das ist ein Arztzeugnis für die Schule.“

Sie hört mich nicht – wie auch? Sie ist am Telefon. Ich warte einen Moment, bis sie merkt, dass ich etwas von ihr brauche und mich anschaut.

Pharmama: „Das ist kein Rezept. Das ist ein Arztzeugnis für die Schule“

Frau: „Oohhh…“

Sie hat dann das richtige Rezept noch gefunden, so dass ich meine Arbeit noch machen konnte. Dauerte halt etwas länger – aber das macht ja nichts, wenn man nebenbei beschäftigt ist … oder?

Zwischen Paranoia und Patientengeheimnis

Telefon.

Klassisches Begrüssungsspiel meinerseits: "Pharmama's Apotheke, Pharmama, Grüezi"

Frau: "Grüezi. Ich hab da eine Frage .."

Sie hat keinen Namen gesagt, finde ich unschön. Aber … ok.

Frau: "Ist ein Rezept gefaxt worden?"

Pharmama: "Auf was für einen Namen?"

Frau: "Ich meine heute."

Pharmama: "Ja. Aber der Name des Patienten für den das Rezept ist, den brauche ich zum nachschauen."

Frau (Widerstrebend) : "Mahler."

Pharmama: "Moment … für diesen Namen habe ich nichts."

Frau: "Es könnte auch für einen anderen Namen sein. Ich gebe nicht gerne meinen Namen heraus. Der Arzt hat vielleicht einen anderen …"

Pharmama: "Okay, welchen?"

Frau: "Das möchte ich lieber nicht sagen. Haben Sie denn heute ein Fax bekommen für jemanden?"

Pharmama: "Also die Faxmaschine funktioniert. Ob und für wen ich sonst einen Fax bekommen habe … das darf ich ihnen nicht sagen. Patientengeheimnis und so. Ich darf Ihnen nur sagen ob für Sie etwas gekommen ist … Und das kann ich nur, wenn Sie mir den Namen sagen."

Frau: "Ich komme vorbei und frage dann noch einmal …"

*klick*

Okay?

Nicht dass die Auskunft dann anders sein wird. Ich fange ganz sicher nicht an mit: "Da hätten wir ein Blutdruckmittel für Müller, ein Antibiotikum für Meier und ein Schlafmittel für Schulze … was darf's denn sein?"

Manche Tage

Manche Tage sind schlimm. Gestern war so einer. Keine Ahnung, an was es lag, aber … den ganzen Tag nichts als Hindernisse, Fehlerkorrekturen und seltsame Kunden.

Das ist gut für den Blog, aber für uns ist es … anstrengend.

Zum Beispiel:

Die Pharmaassistentin am Telefonieren mit der Versicherung.

Sie wählt, hört zu, wählt eine Nummer …

Ihr kennt das: 'Für Deutsch pressen Sie bitte die 1, pour Francais …' usw.

Die PA hört zu, wählt wieder eine Nummer, hört zu und bekommt auf einmal einen ganz seltsamen Ausdruck im Gesicht und hängt wieder auf.

Pharmama: "Was ist passiert?"

PA: "Du kennst die Ansage: „Alle unsere Mitarbeiter sind zur Zeit besetzt. Der nächste freie Mitarbeiter wird sich gleich um Sie kümmern. Sie befinden sich auf Platz …"

Pharmama: "Jaja. Und?"

"Platz Dreissig." Sagt meine Pharmaassistentin.

30!!

Wir versuchen's an einem anderen Tag wieder.

Schreibgehler

Telefon.

ein Mann am Apparat.

"Ich muss wissen, was dieses Medikament, das mein Zahnarzt aufgeschrieben hat kostet."

Pharmama: "Wie heisst es?"

Mann: (buchstabiert) "C-i-p-r-o-g-l-a-x-a-c-i-n"

Pharmama: "Meinen Sie Ciprofloxacin?"

Mann: "Nein, da steht deutlich Ciproglaxacin"

Pharmama: "Ist es ein Antibiotikum?"

Mann: "Ja."

Pharmama: "Ich bin sicher, das soll Ciprofloxacin heissen. Ein f kann manchmal aussehen wie ein g …"

Mann: (in abwertendem Tonfall) "Ich bin sicher, es ist richtig geschrieben. Wenn Sie es nicht haben, dann gehe ich einfach woanders hin."

Pharmama: "Aber wir…"

*Klick*

und die Pharmaassistentin fragt sich, warum ich jetzt einfach nur dastehe mit dem Hörer noch in der Hand.

Was ist da eben passiert?

Unnötige Telefonanrufe

Notiz vom Vortag: 'Der Arzt hat Coversum verschrieben. Haben Herrn Unsicher das Generikum angeboten. Der hat gesagt, wir sollen erst beim Arzt anrufen, ob das für ihn ok ist.'

 

Oh, *Seufz*. Ich darf als Apothekerin in der Schweiz Medikamente durch ihre Generika ersetzen. Dafür brauche ICH nicht die Einwilligung vom Arzt – nur das Einverständnis des Patienten. Der Arzt kann – wenn er einen Ersatz absolut ausschliessen möchte auf das Rezept schreiben: „Sic!“ oder „aus medizinischen Gründen nicht substituieren!“. Ich brauche ihm also deswegen nicht anzurufen. Aber … wenn der Patient das will …

„Hallo hier ist Pharmama aus der Apotheke. Ich habe eine Frage an den Arzt. Er hat Herrn … Coversum verschrieben. Herr Unsicher will wissen, ob das auch für den Arzt okay ist, dass wir das mit dem Generikum austauschen.“

Praxisassistentin: „Wirklich? Das wird ihn nerven.“

Pharmama: „Kann ich mir vorstellen. Es war der ausdrückliche Wunsch von Herrn Unsicher dass wir nachfragen.“

Praxisassistentin: „Na dann. Moment. …

Er sagt, sie dürfen das jederzeit austauschen. Nachfragen ist nicht nötig.“

Pharmama: „Ich weiss. Bitte Entschuldigen sie die Störung!“

Nun, zumindest wird der Arzt, falls der Patient auf die Idee kommt nachzufragen, ob sie wirklich von uns angefragt wurden positiv darauf antworten :-)

Zumindest in dem Sinn, dass wir angefragt haben …