Kaputtgemacht

In der Apotheke bereiten wir vor Abgabe Antibiotika-suspensionen zu, damit die Patienten das nicht machen müssen. Das vermeidet auch Anwendungsfehler, denn so einfach ist das nicht, wenn man es richtig machen will. Aber es gibt noch andere Sirupe, die vor Anwendung erst zubereitet werden müssen. Solmucol und Solmucalm Sirup zum Beispiel. Auch hier ist es deshalb nötig, weil die Haltbarkeit nach Zubereitung nicht sehr lange ist. Diese Sirupe sind OTC, also ohne Rezept erhältlich, werden aber gelegentlich auch verschrieben.  Bei denen habe ich meinen Mitarbeitern inzwischen beigebracht, dass sie immer fragen (auch bei einem Verkauf), ob sie den Sirup gleich zubereiten dürfen für den Patienten. Das ist in dem Fall wirklich nicht schwierig: Ring abziehen unter dem Deckel und den Deckel (der innen das Wirkstoffpulver enthält) nach unten drehen (wie schliessen, damit es den Deckelboden öffnet und das Pulver in den Trägersirup fallen kann). Schütteln, fertig. Steht auch so mit Bildern aussen auf der Packung.

Schön dann, wenn der (erwachsene) Patient der das auf Rezept verschrieben bekommen hat, das ablehnt … nur um dann 30 Minuten später zurückzukommen mit der Flasche, die jetzt SO aussieht:

Defekted

Das Pulver befindet sich immer noch im Deckel. Was er offenbar gemacht hat, war den Schütt-Einsatz, der beim drehen heruntergedrückt wird herauszuoperieren (keine Ahnung wie) und den Deckel wieder zu verschliessen.

Ich weiss schon, weshalb ich frage, ob ich das machen kann.

Ich habe das dann ausgetauscht. Hat der Vertreter beim nächsten Besuch etwas, das er seiner Entwicklungsabteilung zeigen kann.

Eigentlich haben sie das System ja schon verbessert. Bis vor zwei (?) Jahren musste man den Einsatz nämlich nicht herunterdrehen, sondern herunterstossen. Das konnten gewisse Patienten auch nicht (es war auch etwas schwer-gängig).

Hat denn sonst keiner gemerkt …?

… dass da ein Loch im Messbecher ist?

Der Messbecher ist hier zum abmessen der Menge Wasser, die man zum Zubereiten (Lösen) des Antibiotikums braucht.

Im Normalfall mache ich das in der Apotheke noch gerne auf der Waage, wo ich das Wasser dazu wäge. Das hat den Vorteil, dass ich nicht von den Strichen auf der Flasche abhängig bin, die anzeigen, bis wohin man auffüllen muss. Denn das geht, wenn man es richtig machen will, nur in 2 Etappen mit einer langen Wartezeit dazwischen, da der gezwungenermassen heftig geschüttelte Sirup (Lös.Dich.Endlich!) erst wieder die Bläschen loswerden muss, bis man sieht, wo der Flüssigkeitspegel denn jetzt ist. Dazu ist es so einiges genauer.

Dafür brauche ich aber die Angabe der Menge Wasser, die dazu kommt. Die steht heute (Danke, liebe Pharmafirmen) sogar meist aussen auf der Verpackung drauf. Nur nicht beim Cedax. Da musste ich den Beipackzettel auseinandernehmen und suchen. Dafür geben sie einem diesen Messbecher mit.

Die Flasche mit dem Pulver leicht beklopfen, um das Pulver aufzuschütteln. Bei der 30-ml-Packung den Messbecher bis genau zur 28-ml-Markierung mit Leitungswasser auffüllen. Das Leitungswasser in die Flasche mit dem Pulver geben. Die Flasche verschliessen und solange schütteln, bis sich das Pulver im Wasser gleichmässig verteilt hat. Dies ergibt 30 ml gebrauchsfertige Suspension. Vor jedem Gebrauch ist die Flasche erneut zu schütteln.

Aha. 28ml. (Steht zwar nicht auf dem Messbecher, aber glauben wir jetzt mal).

Aber … das Loch?

Lustigerweise liegt das Loch unterhalb des Striches, bis zu dem man Wasser einfüllen muss. Es funktioniert (Dank der Oberflächenspannung des Wassers) trotzdem. Hat aber den netten Effekt, dass, wenn man das auch nur etwas überfüllt, es da rausläuft. (Hoppla).

Vorteil: Da kann man gar nicht zuviel abmessen – was zuviel ist, läuft automatisch raus. Das könnten also auch nicht so fingerfertige Leute: sonst ist das Abmessen des Antibiotikasirups fast schon als „Feinarbeit“ zu bezeichnen, wenn man das zu Hause mit dem Wasserhahn macht.

Aber man muss dann gut schauen, welche Seite des Bechers man nach unten nimmt beim Eingiessen (Hoppla 2).

Also: eigentlich eine coole Erfindung. Habe ich vorher noch nirgends gesehen.

Die Geschmäcker sind verschieden

Ich selber mag Tabletten viiiiel lieber als die flüssigen Medikamente. Ein Grund dafür ist sicher der Geschmack.

Ich erinnere mich noch gut an früher, als ich Hustensaft nehmen musste.

Ich hasste ihn.

Lieber hustete ich den ganzen Tag (und die Nacht) als das Zeug zu schlucken.

Meine Eltern waren natürlich nicht der gleichen Meinung –  was sicher auch daran lag, dass sie gerne mal etwas geschlafen hätten – statt mir und meinem Husten zuzuhören.

So jagte mich meine Mama mehr als einmal mit dem Löffel Saft um den Wohnzimmertisch herum.

Noch heute mag ich den Geschmack von manchen Arzneimitteln nicht sehr, auch wenn es da Verbesserungen gegeben hat. Einmal ist mir ein Hustensirup in der Apotheke heruntergefallen. Das war ein Retro-Flash, Brrrrr! Famel – den gibt’s inzwischen nicht mehr. Das Zeug war eklig.

Darum frage ich auch im Normalfall nach, wenn eine erwachsene Person nach einem Sirup verlangt: „Soll es wirklich ein Sirup sein? Da gäbe es noch langwirkende Kapseln oder ersatzweise Tropfen….“

 

Mögt ihr Arzneimittelsirupe?

Wann hattet Ihr das letzte Mal einen und nach was hat das geschmeckt?