Frag die Apothekerin … einfach alles.

Mann in den späten 50ern – frühen 60ern, klein, rundlich, wenig Haare auf dem Kopf kommt in die Apotheke.

„Sie sind Apothekerin, richtig?“ fragt er mit Blick von sehr Nahe auf mein Namensschild „Wissen Sie, ich vertraue Apothekern mehr als Ärzten oder Zahnärzten. Ihr kennt Euch aus.“

Ich lächle geschmeichelt und frage: „Und wie kann ich ihnen helfen?“

„Denken Sie man bekommt Zahnfleischprobleme von Oralsex?“

„Oh, äh …“ aber er lässt mir keine Chance etwas darauf zu antworten.

„Ja, ich mach das noch viel. Seit Jahren. Mit einer Menge Frauen. Sie mögen es. Ich mag es. Jetzt war ich beim Zahnarzt und er sagt mir, ich habe Zahnfleischprobleme. Also frage ich ihn, ob er denkt, dass das vom Oralverkehr kommt und er sagt nein, das sei nicht möglich. Also frage ich meinen Hausarzt und der sagt dasselbe. Aber ich weiss, dass da eine Menge Keime und Viren und andere Sachen da unten sind und darum dachte ich, ich frage die Apothekerin, denn ich werde nicht damit aufhören, aber ich will wissen, was es da gibt und ob es etwas gibt gegen die Zahnfleischprobleme, weil ich, wie ich gesagt habe nicht damit aufhöre, immerhin bin ich ziemlich gut dabei, wissen Sie und warum sollte ich mit etwas aufhören wo ich gut drin bin, richtig?“

Äh, ich … ja“ ist alles, was aus meinem Mund kommt, denn ich habe keine Idee, was ich dazu sagen soll. Keine Idee.

Und er ist noch nicht fertig: „Also, was können Sie mir geben, das gegen die Zahnfleischprobleme hilft? Ich will keinen Rückgang vom Zahnfleisch, weil das turnt die Frauen doch eher ab, wenn man das machen will und egal wie gut ich bin dabei, sie werden das nicht haben wollen, wenn ich Zahnfleischprobleme habe, also brauche ich etwas, was ich meinem Arzt sagen kann. Wissen Sie, ich habe im Fernsehen gesehen, dass man von oralen Sex Krebs bekommen kann. Haben Sie mir etwas, das ich nehmen kann?“

Alles was ich rausbekomme ist „Vielleicht Plak Out?“ und ich zeige ihm die Flasche.

Er: „Ja, das hat mir mein Zahnarzt auch mitgegeben. Ich bin seit Tagen am Spülen und Spucken mit dem Zeug, weil ich hoffe, das hilft gegen die Zahnfleischprobleme. Ich denke, ich mach dann einfach weiter damit, das kann nicht schaden, oder? Und ich höre auch nicht damit auf, weil ich da praktisch ein Experte bin. Ein bisschen Zahnfleischprobleme stoppt mich da auch nicht. Und wissen Sie …“

Und er lehnt sich weit über die Theke und flüstert laut: „Die Frauen lassen mich auch nicht aufhören.“

Er zwinkert mir zu.

Er richtet sich wieder auf und sagt: „Also, ja, dann mache ich mit Plak out weiter, so wie Sie gesagt haben weil das offenbar so ziemlich das beste ist gegen Zahnfleischprobleme und zum Teufel mit diesen Ärzten und Zahnärzten. Ich wusste doch, Sie als Apothekerin wissen, was ich machen soll. Ihr wisst alles über Medikamente und so, richtig?“

Er zwinkert mir wieder zu.

Die Pharmaassistentin hat sich (endlich) in die Nähe getraut und reicht mir ein Rezept zum kontrollieren.

Ich schaue den Mann rasch an.

Er: „Ich sehe, Ihr seid beschäftigt. Ihr wisst wirklich euer Zeug. Danke für die gute Info und die Hilfe. Schätze ich wirklich.“

Und er geht wieder.

Ich kann euch versprechen, ich habe die gesamte Zeit ein möglichst neutrales Gesicht gemacht. Aber für das nächste Mal empfehle ich ihm einen Dental Dam – diese Latextüchlein auch Lecktüchlein genannt. Ich glaube, die können wir bestellen.

Vorsicht ist geboten

Eine Minute mit Venus, ein Jahr mit Merkur … wobei „Mercury“ das Quecksilber ist, mit dem man früher Syphilis behandelt hat. Eine ziemlich giftige Angelegenheit – aber damals (das Plakat stammt aus Amerika um 1930-1940 und stammt aus der Sammlung hier ) gab es noch nicht so wirksame Antibiotika wie heute.

Heute haben wir mehr Möglichkeiten Geschlechtskrankheiten zu behandeln … zumindest die durch Bakterien verursachten, die Viren-übertragenen, die hat man trotzdem sein Leben lang … dafür sehen wir auch wieder eine ziemliche Zunahme im Auftreten derselben.

Hier ist eine ziemlich gute Seite mit Infos über Geschlechtskrankheiten, Safer Sex etc:

http://www.check-your-lovelife.ch/

Da kann man auch einen Riskotest machen … da wollte ich doch wissen, was sie bei mir (verheiratet, keine Partner  neben der Ehe etc.) schreiben. Was die gefragten Symptome betrifft … etwas Ausfluss hatte ich auch schon, und Symptome einer beginnenden Blasenentzündung sind ähnlich wie manch anderes. Das Ergebnis:

Wenn Sie in einer festen Beziehung leben und mit Ihrem Partner, ihre Partnerin Geschlechtsverkehr ohne Präservativ haben: Sind Sie sicher, dass auch er bzw. sie keine Risikosituationen eingegangen ist oder eingeht? Sind Sie sicher, dass Ihr Partner, Ihre Partnerin HIV-negativ war, als Sie ihn/sie kennengelernt haben? Sprechen Sie ihn/sie gegebenenfalls direkt an, wenn Sie es nicht wissen oder Zweifel haben. Ein gemeinsam durchgeführter Test bei Ihrem  Hausarzt, Ihrer Hausärztin bringt bei Bedarf Klarheit.

Für weitere Fragen: www.aids.ch

Und übrigens:
Ungeschützter Geschlechtsverkehr kann auch eine ungewollte Schwangerschaft zur Folge haben. Wenn Sie hierzu Beratung wünschen, finden Sie die geeignete Beratungsstelle in Ihrer Region über www.isis-info.ch.

Hmmm …. sie sind erwartungsgemäss vorsichtig. Tatsächlich aber haben sowohl Kuschelbär als auch ich vor … äh, Aufnahme sexueller Beziehung einen HIV-Test gemacht. Aber die Seite ist wirklich empfehlenswert.