Auf einem Rezept:
Sofradex
3 x täglich 1 gtt in Rohr
Was für ein Rohr?
Sofradex sind Ohrentropfen, sollte wohl heissen: 3 mal täglich 1 Tropfen in R (=rechtes) Ohr – nur hat der Arzt den Abstand vergessen …
Auf einem Rezept:
Sofradex
3 x täglich 1 gtt in Rohr
Was für ein Rohr?
Sofradex sind Ohrentropfen, sollte wohl heissen: 3 mal täglich 1 Tropfen in R (=rechtes) Ohr – nur hat der Arzt den Abstand vergessen …
Rezept:
„1OP Placebo XXX Tbl“
Das habe ich in den jetzt 10 Jahren erst ein einziges Mal gesehen. Von daher hat mich das Rezept erst mal vor ein paar grössere Probleme gestellt, denn: an Lager habe ich das nicht.
Für Laien: Placebo (vom lateinischen „ich gefalle“ ) sind im Prinzip Arzneimittel die keinen Wirkstoff enthalten. Dummies sozusagen.
Unser Grossist hat das nicht. Bei der telefonischen Nachfrage meinten sie, ich könne es noch in Deutschland oder bei der Firma Spirig probieren.
Die Firma Spirig stellt tatsächlich Placebotabletten her, wie sie mir am Telefon erklären. „Was für welche sollen es denn sein?“ Sie haben alle Arten, im Prinzip kann ich ihnen sagen wie sie aussehen sollen (rund, oval, mit oder ohne Bruchrille, verschiedene Grössen, Farben ..) aber … ich muss gleich 5000 Stück nehmen.
Wow. Ich brauche höchstens 100. Der Grund für die Riesenmenge ist wohl, dass sie Placebotabletten hauptsächlich für Studien herstellen.
In Deutschland bekomme ich schliesslich meine Placebos. Offensichtlich brauchen sie das dort doch noch ab und zu.
Ich hab dem Arzt noch angerufen, was ich denn auf die Packung schreiben soll. „Ach ja“, sagt er „Schreiben sie es an mit ‚bei Bedarf 1 Tablette einnehmen.’“
Die Kundin war zufrieden.
Natürlich kann ich auch noch selbst Kapseln abfüllen mit z.B. Mannitol oder Traubenzucker, aber dann sind sie nicht in einem Blister, sondern in einem Döschen abgepackt – und natürlich ohne spezielle Packung, so sieht das nicht soooo professionell aus – und das Aussehen ist die halbe Wirkung, nicht nur was Placebos betrifft …
Ich wundere mich immer wieder über die Leute, die mit einem Rezept in die Apotheke kommen und keine Ahnung haben, was der Arzt ihnen da aufgeschrieben hat.
„Muss ich das nehmen?“ und: „Für was ist das?“ sind Fragen, die darauf hindeuten oder manchmal auch: „Ist das alles?“ -Ja, weil der Rest auf dem Rezept war die Beschreibung, wie man es anwenden muss.
Was ich auch gar nicht mag ist, wenn der Patient keine Zusatzversicherung hat und der Arzt schreibt ein NLP Produkt auf – etwas das eben nicht von der Grundversicherung übernommen wird. Das, obwohl es in manchen Fällen durchaus Varianten gäbe, die übernommen werden.
Und wer bekommt dann den Ärger darüber ab? Der Arzt? Kaum. Wir sind es. Unter gewissen Umständen kann ich es ersetzen, manchmal aber auch nicht.
Ziemlich schwierig sind auch homöopathische Mittel, die Anwendung ist oft so individuell, dass nur der Verschreibende Arzt auf die Frage: „Für was ist das?“ antworten kann. Es gibt es zwar ein paar allgemeine Antworten, aber die beste ist wohl: „Was für ein Problem haben sie denn?“ Und dann zu sagen: „Für das, für Sie.“
Und ganz toll dies: die Kundin streckt mir ein Rezept hin und sagt: „Ich will erst wissen, was das ist.“
Ein Blick darauf: Betnovate Creme.
Also sage ich: „Das ist eine Cortisonhaltige Creme – wahrscheinlich haben sie einen Ausschlag?.“
Kundin: „Cortison??! Dann will ich es nicht!“
Sagt’s und geht. Das Rezept lässt sie hier.
Und jetzt erklär mir mal jemand, warum sie das den Arzt nicht schon gefragt hat, was er aufschreibt … da hätte sie sich die Gebühr fürs Rezeptausstellen und den Weg zu uns sparen können.
Gefälschte Rezepte scheinen im Moment wieder ziemlich am kommen zu sein. Allein letzte Woche hat meine Kollegin 2 aus dem Verkehr gezogen.
Der erste war klassisch: Rezept aus einer anderen Stadt, für 2 Packungen Schlafmittel, der „Herr“ nur ‚auf der Durchreise’ will selbst bezahlen. Rasches Telefon beim schockierten Arzt bestätigt den Verdacht: Rezept ist gefälscht.
Der Zweite Fall war etwas kniffliger. Rezept vom lokalen Spital für Tramal Tabletten 200mg (ein starkes Schmerzmittel). Aufmerksam wird die Apothekerin, als ihr der Kunde eine Krankenkassenkarte für ein Kind gibt – und das einfach nicht mit der Dosierung auf dem Rezept zusammenpasst. Das Telefon an die Ärztin im Spital zur Abklärung wegen der Dosierung zeigt auch hier, dass das Rezept gestohlen und gefälscht ist. Die Ärztin ist ausserdem recht beeindruckt, weil wir schon die zweite Apotheke sind, die darum anruft – „gute Arbeit“ meint sie.
Bei beiden wurden die Rezepte eingezogen und eine Meldung an das örtliche Gesundheitsamt gemacht, die die Warnung dann an die anderen Apotheken der Gegend weiterleitet.
Aber: das Problem ist, dass Rezepte ziemlich einfach gefälscht werden können – noch einfacher, wenn man Original-Rezepte und Stempel als Grundlagen hat – wie in den beiden Fällen. Darum meine Bitte an die Ärzte – egal, ob im Spital oder in der Praxis: passt auf eure Rezepte auf. Das sind nicht nur Dokumente sondern Wert-papiere für ein gewisses Klientel.
Letztens war ich ja in einer Praxis … und der Arzt hat mich etwa eine Viertelstunde in seinem Behandlungsraum allein warten gelassen – genug Zeit, mir ein paar Rezepte zu nehmen von seinem Schreibtisch und sie mit dem Stempel direkt daneben vorzustempeln.
Ich hab das natürlich nicht gemacht. Was ich stattdessen gemacht habe, ist das Foto oben – und den Arzt nachher auf das Problem hingewiesen.
Also nochmals: haltet Eure Rezepte im Auge!
Wegen dem 4-Augen-prinzip werden schon einige solche Fehler vermieden, aber manchmal … ja eben.
Imacort oder Imazol? Rhinopront oder Rhinocort? Dafalgan oder Dafnegil? Zu schnell geschrieben und wahrscheinlich auch schon das 20. Rezept heute mit dem gleichen drauf … da wird man schludderig, das verstehe ich ja. Aber kann man es am Schluss nicht nochmal schnell anschauen, ob es auch für andere lesbar ist?
Nein, ich rufe nicht gerne an wegen schon wieder einem nicht lesbaren Rezept, aber ich mache es, wenn nötig.
Peinlich wird es, wenn die Praxisassistentin (die eigene Frau) das zurück-gefaxte Rezept auch nicht entziffern kann.
Manchmal stehen auch Sachen drauf …
Wie letzthin. Das unleserliche entpuppte sich schliesslich als „mit freundlichen Grüssen“ … :-)
Auf einem Zahnarztrezept:
1 Packung Celebrex.
Zahnarztrezepte werden nicht bezahlt von der Krankenkasse, der Patient muss es selber zahlen.
Celebrex ist ein Schmerzmittel das (immer noch) relativ teuer ist – und im Normalfall für Leute mit chronischen Schmerzen wie Arthritis oder so eingesetzt wird. Kaum zur Nachbehandlung von Zahnarztprozeduren.
Nachdem der Patient fast einen Aufstand gemacht hat in der Apotheke, rufen wir den Zahnarzt an, ob wir das nicht auf etwas anderes wechseln können.
Zahnarzt: „Natürlich, kein Problem. Eigentlich habe ich es nur aufgeschrieben, weil der Patient es verlangt hat – er meinte, das habe ihm in der Vergangenheit gut geholfen.“
…
Der Patient ist unter 20 Jahre alt.
Ist demnächst Vollmond oder so?
