Nicht zutreffendes streichen …

Wir haben eine Zahnklinik in der Nähe, die gerne vorgedruckte Rezepte abgibt. Da stehen dann 3 Antibiotika drauf und die, die man nicht braucht, haben sie durchgestrichen.

Das ginge ja noch, aber … wissen die nicht, dass man Kindern kein Doxycyclin verschreiben soll?

Die Anwendung von Antibiotika der Tetracyclin-Gruppe während der Zahnentwicklung (zweite Hälfte der Schwangerschaft, Kleinkinder und Kinder bis zu 8 Jahren) kann zu einer bleibenden gelb-grau-braunen Verfärbung der Zähne führen. Diese unerwünschte Wirkung tritt häufiger nach Langzeitanwendung auf, wurde aber auch schon nach wiederholten kurzfristigen Therapien beobachtet. Es liegen auch Berichte über Hypoplasie des Zahnschmelzes vor. Doxycycline sollten deshalb bei diesen Patienten nur angewendet werden, wenn andere Antibiotika nicht verfügbar, wahrscheinlich nicht wirksam oder kontraindiziert sind.

Und dass es nicht andere Antibiotika gibt für das ist auch nicht der Fall. Das gibt halt (wieder) ein Telefon.

irgendwas … indisches?

Weil mit dem Rezept etwas unklar ist, muss ich mit dem Arzt Rücksprache nehmen. Das Problem: es ist ein Spitalrezept und auf den Rezepten steht dann oft nur der Stempel des Oberarztes, aber nicht des Assistenzarztes, den man hatte. Der hat wohl unterschrieben, aber …. was heisst das jetzt?

Pharmama zur Kundin: „Wissen sie, wie der Arzt hiess? Ich kann es leider nicht entziffern.“

Kundin: „Ich weiss nicht … es war etwas langes und ich glaub Indisches…“

…

Mein Beileid an die Ärzte (Assistenz- und andere), die an Neujahr Notfalldienst haben – ich wünsche Euch (und uns allen) einen ruhigen Rutsch.

Stiiilllle Naaacht ….

Kundin: „Ich hätte gerne, dass sie ein Medikament von meinem Dauerrezept bereitmachen, ich komme es heute Mittag abholen, nachdem ….“ es folgt eine halbe Lebensgeschichte inklusive Hund, Coiffeur, Verwandtenbesuch und Weihnachtsproblemen. Nur die wichtige Info, die fehlt mir noch.

Dann … Stille

Pharmama: „Gerne, und wie ist ihr Name?“

Kundin: „Maier.“

Pharmama „…und der Vorname?“

Kundin: „Anna-Katharina“

…. Stille

Pharmama: „Und welches Medikament sollen wir Ihnen bereit machen?“

Kundin: „Oh, ich weiss nicht. Dr. Repete hat es verschrieben.“

Pharmama: „Nun, sie haben da ein paar Medikamente, die dieser Arzt verschrieben hat. Welches davon brauchen sie?“

Kundin: „Es ist für meinen Bluthochdruck.“

Pharmama: „Also, da hätten sie MetoZerok und Amlodipin…“

Kundin: „Nein, das ist es nicht. Es heisst Sor … irgendwas“

Pharmama: „Sortis? Das ist für das Cholesterin- alles ok, wir machen das auf heute Mittag parat, Frau Maier.“

…

und viel Glück mit ihrem Hund und nicht zuviel Stress.

Für was brauchen Sie schon meinen Namen??

Ja, tut mir leid, aber wenn Sie mir ihre Angaben nicht geben – und damit meine ich mindestens den Namen und das Geburtsdatum, dann bekommen Sie auch das Medikament nicht von mir. Ich bin vom Gesetz verpflichtet die Abgabe aller rezeptpflichtigen Medikamente festzuhalten und da können sie auch nicht kommen mit „Sie verletzen meine Privatsphäre“ oder „Datenschutz“. Ja, das ist auch so, wenn Sie ihr Medikament gleich bezahlen.
….
Dass das „noch nie von mir verlangt wurde in einer Apotheke!“ kann ich auch nicht glauben. Selbst wenn Sie etwas im Internet bestellen bei einer Versandapotheke, müssen Sie das angeben.
….
Ihre Daten sind bei uns sicher – und ehrlich, aus meiner Erfahrung ist es so, dass die Leute, die am meisten einen Aufstand machen wegen ein paar Angaben, die sind, wo nachher irgendetwas nicht koscher ist.
….
Also ich überlass es Ihnen: Wollen Sie das Medikament jetzt oder nicht?

…

(War das unbedingt nötig, heute?)

Ich habe die Packungsbeilage gelesen! (uh, oh)

Der Augenarzt verschreibt dem Patienten Azopt Augentropfen – das ist ein Mittel gegen erhöhten Augeninnendruck (Glaukom). Ich erkläre dem Mann die Anwendung und er geht seines Weges.

Am nächsten Tag kommt er zurück in die Apotheke.

Mann: „Ich habe die Packungsbeilage gelesen….“
Pharmama denkt: Uh, oh…
Mann: „…und die Nebenwirkungen, die sind wirklich …“
Pharmama: „beängstigend?“
Mann: „Ja! Haben sie gelesen, was da alles drinsteht?“
Pharmama denkt: Ich kann es mir vorstellen. „Darf ich ihnen ein paar Sachen erzählen über die Nebenwirkungen?
Erstens: Man muss nicht alles bekommen, was da drin steht – die meisten Leute haben sogar keinerlei Probleme. Sie müssen aus rechtlichen Gründen einfach alles hineinschreiben, was irgendwie vorkommen kann. Lassen Sie uns das doch einmal zusammen anschauen.“
Da steht:

Häufig (bis zu 10 von 100 Personen).  Auswirkungen auf das Auge: Verschwommensehen, Augenreizung, Augenschmerz, Augenausfluss, Augenjuckreiz, trockenes Auge, anomale Sinnesempfindungen des Auges, Augenrötung; Juckreiz am Augenlid, Rötung oder Schwellungen des Augenlids…..

Pharmama: „Ich würde sagen, das kann bei allem auftreten, mit dem ihr Auge in Berührung kommt. Staubkorn, Schwimmbadwasser … und so weiter.“

Auswirkungen auf den Körper: schlechter Geschmack, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit.

Pharmama: „Das liegt daran, dass ein Teil der Tropfen in den Körper aufgenommen wird – es läuft ihnen durch den Tränenkanal in die Nase und von da in den Mund. Man kann den Teil aber sehr verringern, wenn sie gleich nach dem Eintropfen der Augentropfen mit den Fingern Druck aufüben auf die Nasenwurzel, gleich beim Auge – dann schliessen sie den Tränenkanal und es kommt nicht soviel durch.“
Patient: „Das hat mein Augenarzt auch gesagt!“
Pharmama: „Ja, sehen Sie.“ :-)  denkt: das ist immer gut, wenn zwei genau dasselbe erzählen.
„Dann kommen wir schon zu den Sachen, die weit weniger häufig auftreten:“ 

Gelegentlich (bis zu 10 von 1000 Personen)…

Pharmama: „Haben sie die Tropfen überhaupt schon genommen?“
Mann: „Nein, das fand ich zu abschreckend.“
Pharmama: „Hat ihnen der Arzt erklärt, weshalb sie die Tropfen brauchen?“
Mann: „Er meinte mein Augeninnendruck sei zu hoch.“
Pharmama: „Und wissen Sie, was das für Sie bedeutet?“
Mann: „Nicht so genau …“
Pharmama: „Wenn der Augeninnendruck zu hoch ist, kann das die Sehnerven schädigen und zwar nicht umkehrbar. Man sieht immer schlechter. Ich denke, es ist das kleinere Übel, wenn Sie die Augentropfen nehmen, wie der Augenarzt Ihnen verschrieben hat …
… falls bei Ihnen wirklich Nebenwirkungen auftreten, kommen sie doch noch mal vorbei. Aber wenn Sie es nicht versuchen, wissen Sie das nicht. Und der Nutzen der Augentropfen ist sicher höher als das Risiko – vor allem, wenn Sie sie so anwenden, wie ich Ihnen vorher gezeigt habe.“

… der Mann scheint beruhigt, bedankt sich und verspricht die Augentropfen anzuwenden. Und ich habe das Gefühl, gute Arbeit geleistet zu haben.

Aber ich verstehe ihn gut. Da denkt man, man bekommt etwas so einfaches wie Augentropfen und dann steht das in der Packungsbeilage:

Auswirkungen auf den Körper: verringerte oder unregelmässige Herzschlagfrequenz, verringerte Herzfunktion, Brustkorbschmerzen, Asthma, erschwerte Atmung, Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, eingeschränktes Erinnerungsvermögen, Depressionen, Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit, Müdigkeit, allgemeines Schwächegefühl, Verwirrtheit, Schmerzen, Zucken, Ohrgeräusche, verringertes Lustgefühl, Erektionsprobleme, Erkältungssymptome, Engegefühl in der Brust, Husten, Nasennebenhöhlenentzündung, Rachenreizung, anomales oder verringertes Gefühl im Mund, Speiseröhrenentzündung, Bauchschmerzen, Übelkeit, Magenbeschwerden, Durchfall, Blähungen, Magendarmbeschwerden, Nierenschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelzucken, Rückenschmerzen, Nasenbluten, trockene Nase, laufende Nase, verstopfte Nase, Niesen, Ausschlag, anomales Hautgefühl, Jucken, Haarausfall.

Steht da irgendetwas *nicht* drin?