Noch nie …

Vorausschickend: wir verlangen für die etwa 15 Minütige, persönliche Beratung für die Abgabe der „Pille danach“ eine kleine Beratungspauschale- dabei sind wir immer noch günstiger als ein Besuch bei der Frauenärztin oder im Spital. Darauf weise ich die Frauen auch vor Beginn des ganzen Procedere hin.

So wie heute.

Reaktion der jungen Frau im O-Ton:

„Waaas? Seit wann denn das? Das hatte ich ja noch nie!“

… womit dann wohl auch Frage 10 (oder so) geklärt wäre: „Haben Sie die Pille danach schon einmal genommen? (Bitte weisen Sie die Patientin darauf hin, dass die Pille danach nur eine Notfallkontrazeption ist und nicht für die regelmässige Verhütung gedacht ist)“.

Die ‚Pille danach‘ auf Vorrat

Ferienzeit ist Reisezeit und auch wenn ich dafür bin, vorbereitet zu gehen, kann man es auch etwas übertreiben:

Junge Frau: „Ich brauche die Pille danach. Ich gehe nämlich auf Afrika in die Ferien und für den Fall …“
Pharmama: „Ich kann ihnen die Pille danach nicht geben. Gesetzlich gesehen dürfen wir sie erst nach einem Vorfall abgeben. Die ist für „danach“ gedacht und nicht um sie auf Vorrat mitzunehmen!“
Frau: „Aber … was soll ich denn tun, wenn das Kondom reisst oder so? Ich meine, mitten in Afrika kann ich nicht einfach in die Apotheke die Pille holen gehen!“
Pharmama: „Für den Fall dass .. und ich hoffe wirklich, das kommt nicht vor … gibt es auch später noch Möglichkeiten, wenn sie nach den Ferien wieder zurück sind.“
Frau: „Aber ….“
Pharmama: „Wenn sie die Pille danach wirklich auf Vorrat mitnehmen wollen, gehen sie doch zum Frauenarzt und lassen sie sich verschreiben. Dann gebe ich sie ihnen ab.“
(Ausser Zeitmässig ist das kein grösserer Aufwand, da wir ja auch für die Pille danach eine Beratungstaxe verlangen – ein Geldverlust wäre das nicht für sie.)

Also ich denke, wer bereit ist die Pille danach zu nehmen, kann, –falls Kondom reissen würde und falls es gerade die fruchtbaren Tage gewesen wären und falls sie wirklich schwanger würde … nach den Ferien zum Frauenarzt. Es gibt immer noch die wirkliche Abtreibungspille.
Aber das sind ein bisschen viele „Falls“.

Au ja, sie war sauer – aber wie viel Sicherheitsnetz braucht sie denn? Früher gab es das ja auch nicht?
Und am liebsten hätte ich sie noch gefragt, ob sie denn nicht grad die HIV Expositionsprophylaxe mitnehmen will – denn wenn das Kondom reisst … ist eine mögliche Schwangerschaft nur die Hälfte des Problems.

Und im Notfall die „Pille danach“…

Inzwischen dürfte es auch einer breiteren Bevölkerung bekannt sein, dass man in der Schweiz die Notfallkontrazeption, die sogenannte Pille danach nicht nur vom Arzt, sondern auch in der Apotheke bekommt.

Allerdings müssen dabei ein paar Dinge abgeklärt werden, darum ist ein persönliches Gespräch mit der Apothekerin nötig.

Keine Abgabe ohne dieses Gespräch.

Dass es wichtig (und richtig) ist, zeigte sich schon bei verschiedenen Fällen:

Fall 1

Ein Mann kommt in die Apotheke und verlangt die Pille danach.

Apothekerin: „Ich muss direkt mit der Frau sprechen, die sie dann nimmt, ansonsten kann ich sie nicht abgeben.“

Mann: „Ja, das ist ein bisschen kompliziert. Wissen Sie, es handelt sich dabei nicht um meine Frau, sondern um meine Freundin. Die ist auch verheiratet und ihr Mann soll nicht herausbekommen, dass sie ein Verhältnis hat.“

Apothekerin: „Ok. Ich muss ja auch nicht mit ihrem Mann sprechen, sondern nur mit der Frau, die es bekommt.- Ich bezweifle, dass sie mir die nötigen Informationen über die gesundheitliche Vorgeschichte geben können.“

Immerhin muss ich auch über Allergien, andere Medikamente und die medizinische Vorgeschichte fragen.

Fall 2

Kundin (in den späten 30ern): „Ich brauche die Pille danach.“

Im Verlauf der Fragen: Apotheker: „Wie verhüten sie normalerweise?“

Frau: „Ich nehme Gynera.“ (eine Pille)

Apotheker: „Haben sie eine Dosis ausgelassen?“

Frau: „Ja, 4“

Apotheker: „Und wo in der Packung sind sie?“

Frau: „Am Ende.“

Apotheker: „Wie viele Tabletten sind noch übrig?“

Frau: „Keine, Ich fange erst in 3 Tagen wieder an.“

Es stellt sich also heraus, dass sie in der 7 tägigen Einnahmepause ist. Der Apotheker erklärt ihr, wie die Pille funktioniert und dass sie die Pille danach nicht braucht (Sie ist auch in der Einnahmepause geschützt)

Frau: „Ich glaube ihnen nicht. Kann ich die Pille danach trotzdem haben?“

Nein! Sie brauchen sie nicht.

Fall 3

Eine andere Kundin antwortete auf die Frage, wann der ungeschützte Geschlechtsverkehr denn stattgefunden hat mit: „Noch nicht.“

Apothekerin: „Erklären sie das bitte.“

Kundin: „Mein Freund kommt heute abend von der Geschäftsreise zurück und da will ich mit ihm schlafen. Ich nehme aber im Moment keine Pille und will nicht schwanger werden.“

Apothekerin: Aha. Sie wissen, dass es auch Kondome gibt?“

Kundin: „Ja, aber mein Freund sagt, dass Kondome ihn stören und er dann nicht so viel spürt.“

Apothekerin: „Ich kann Ihnen die Pille danach nicht geben. Sie ist keine Methode zur Empfängnisverhütung sondern eine Notfallmassnahme.“

Aber Echt!

Fall 4

Anfrage von einem Mädchen am Telefon (sie tönte sehr jung): „Also, wenn ich 5-6 Wochen Schwanger bin und die Pille danach nehme – verliere ich dann das Baby?“

Nein! Die Pille danach wirkt nur innert der ersten 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr (in Amerika nennt man sie auch die Morning after Pill) – danach kann man sie nicht mehr verwenden. Sie bewirkt auch keinen Schwangerschaftsabbruch, also keinen Abort. Sie verhindert nur, dass sich das Ei in der Gebärmutterschleimhaut einnisten kann.