Gute Zusammenarbeit

Ich schreibe häufiger mal von Problemen mit Ärzten, aber jetzt will ich auch einmal ein Beispiel von einer Vorbildlichen Zusammenarbeit bringen. Das gibt es nämlich auch.

Die Stammkundin hatte vor ein paar Monaten eine Glaukomoperation (an beiden Augen), die problemlos abgelaufen ist. Sie sah danach sogar besser als vorher, da sie gleichzeitig an der Linse ihre Fehlsicht etwas korrigieren konnten. Darum ist es um so erstaunlicher als sie kommt und über einen plötzlichen Sehverlust im einen Auge klagt.

Ich schicke sie sofort zum Augenarzt. Gehen Sie nicht über Start, ziehen sie keine 20’000 Franken ein, gehen Sie sofort zum Arzt. Jetzt!

Sehverlust und / oder plötzliche Schmerzen in den Augen – das sind klassische Warnsignale.

Etwas später kommt sie mit einem Rezept für befeuchtende Augentropfen und einem Mittel gegen entzündete Augen wieder.

„Was hat er gefunden?“ frage ich

Kundin: „Er ist sich nicht ganz sicher, er hat eine Probe aus dem Auge genommen, die er noch anschauen will, bis dahin hat er mir das hier aufgeschrieben.“

Sie geht, aber nur wenig später bekomme ich direkt ein Telefon vom Augenarzt.

Augenarzt: „Es ist eine Herpes Zoster Infektion. Was haben Sie am Lager, das ich ihr aufschreiben kann? – sie braucht gleich etwas.“

Das ist toll – er schreibt nicht einfach etwas aus, was ich vielleicht nicht habe und das ich erst ersetzen oder besorgen muss – es schaut, was ich hier habe! Eile tut Not und so … geht es tatsächlich am schnellsten.

Zusammen mit dem Augenarzt finde ich ein geeignetes Antivirenmittel (Valacyclovir), das wir auch an Lager haben, das sie zusammen mit Cortison Augentropfen und einem Schmerzmittel dazu noch bekommt. Er faxt das Rezept, ich führe es aus und lasse es sofort vorbeibringen.

Herpes Zoster ist das Virus, das erstens Windpocken und später Gürtelrose macht. Die Gürtelrose kann man an allen möglichen Nervensträngen bekommen – leider auch an denen im Auge. Unbehandelt kann das üble Langzeitfolgen haben – Schmerzen und in ihrem Fall bleibender Sehverlust. Je früher man da eine Behandlung beginnt, desto besser.

Kleiner Nachtrag: Sie hat ihre Sehkraft praktisch wieder vollständig zurückbekommen – aber das musste einige Wochen behandelt werden. Sie ist heute eine unserer dankbarsten Kundinnen.

Nicht lieferbar (die zweite)

Nach der ersten Geschichte „Lieferunfähig“ von kelef, folgt nun das zweite Beispiel. Wiederum ohne Erwähnung des betroffenen Medikamentes oder der Herstellerfirma (aber ich kenne beide und kann das zumindest bestätigen, dass das leider gelegentlich wirklich so läuft).

Viel Spass beim Lesen!

Es gab ein altes, gut eingeführtes Mittel gegen Zwangsstörungen. Dieses Mittel war eines der ersten auf dem Markt, gut erprobt und vielfach verschrieben. Nun muss man dazusagen, dass Zwangsstörungen ja an sich das Leben eines Menschen ganz schön schwer machen können – ob sich das nun in zwanghaftem Händewaschen, Zählen aller vorbeifahrenden Autos, farblichem Sortieren von was auch immer, oder auch „nur“ dem Benützen ausschließlich eines einzigen Weges z.B. zur Bank äußert. Nicht nur der Patient selbst, sondern vielfach auch seine Umgebung werden davon stark beeinflusst. Dabei sind sich diese Patienten aber durchaus sehr oft im Klaren darüber dass ihr Verhalten nicht „serienmäßig“ ist und einer Behandlung bedarf, und sind ansonsten in keiner Weise auffällig. Auch intellektuell stehen viele eher im oberen Bereich, und haben entsprechende Ausbildungen und Berufe.

Ein Mittel, das diese Zwangsstörungen mindert oder überhaupt verschwinden lässt ist also ein durchaus wichtiges und, wie alle Psychopharmaka, sehr regelmäßig einzunehmendes Medikament.

Damit nun alle Tabletten, die ein Patient einnehmen muss, voneinander unterschieden werden können wurden schon immer verschiedene Formen, Überzüge und Farben gewählt. Das erleichtert einerseits dem Patienten den Überblick (früher gab es Tabletten ja in Röhrchen oder Fläschchen, versehentlich ausgeleert war das Auseinandersortieren sehr wichtig), andererseits können anhand von Form und Farbe in Notfällen Ärzte und Apotheker sofort und ohne chemischen Test feststellen um welches Medikament es sich handelt.

Die Verwendung eines anderen Farbstoffes wäre eine Änderung in der Zusammensetzung gewesen, und war auf Grund der internationalen Gesetzeslage ein schwieriges und langdauerndes Verfahren, kostenintensiv und mit einer Unzahl von Auflagen verbunden. Einfacher war es, die Farbe wegzulassen und das Medikament in Hinkunft statt in blau in weiß zu produzieren.

Nun, was vor vielen Jahrzehnten möglich, erhältlich oder sinnvoll war, das war später einfach anders. Unser vielerprobtes und bewährtes Mittelchen gegen Zwangsstörungen war  hellblau. Die Farbe kam von einem natürlichen Farbstoff aus einem fernen Kontinent, ungefährlich, biologisch, toll. Leider war dieser Farbstoff aus verschiedenen Gründen (ich sag‘ nur: „Rettet den Regenwald“ hat viele Gründe) nicht mehr in der erforderlichen Qualität und Menge verfügbar. Das war vorhersehbar, der Hersteller des Farbstoffes schloss sein Werk, und der Hersteller des Medikamentes begann zu überlegen. Es handelte sich um ein sehr altes Präparat, in der Zwischenzeit gab es eine Menge neuerer, selektiverer Präparate, die Ärzte hatten schon lange begonnen diese neuen Präparate vermehrt zu verschreiben und das gute alte Mittel nur mehr den Patienten zu rezeptieren die schon sehr lange damit lebten. Patienten mit Zwangsstörungen und Änderungen – von was auch immer – sind logischerweise keine gute Kombination.

 

Die Herstellfirma also dachte nach was alles zu beachten sei, und schrieb zwei Jahre im Voraus alle Ärzte an. Und alle Apotheker. Und alle Grossisten. Und alle, die noch damit zu tun haben könnten: Kliniken, Gesundheitsministerien, etc. – eine Unmenge von Papier wurde auf den Weg geschickt. Die Ärzte wurden gleichzeitig auch darauf aufmerksam gemacht dass durch die Änderungen in der Gesetzgebung (gleiche Indikationen für Substanzen in allen EU-Ländern) die Indikation Zwangsstörung für dieses Medikament wohl nicht aufrechterhalten werden könne, weil dazu eine Anzahl von neuen Studien durchgeführt werden müsste, und es ja in der Zwischenzeit eine Menge anderer, neuerer und selektiverer Präparate gebe. Falls möglich, sollten also neue Patienten gleich auf ein anderes Präparat eingestellt werden, bei den anderen Patienten solle eine Umstellung in Betracht gezogen werden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt werde das betreffende Medikament jedenfalls nicht mehr blau sondern weiß sein. Die Pharmareferenten wurden entsprechend geschult, das Werbematerial entsprechend überarbeitet, eine Menge Leute hatten eine Menge zu tun. Damit ja nichts passiert wurden Erinnerungsschreiben an die o.a. Empfänger in schöner Regelmäßigkeit verschickt, ebenso wie dann das Schreiben das kund und zu wissen tat dass nunmehr der Tag gekommen sei: Tablette weiß statt blau.

Es kam wie es kommen musste: die Patienten beschwerten sich über die „Tabletten ohne Wirkstoff“. Aber auch eine Unzahl von Ärzten, Apothekern, Grossisten beschwerte sich über die „falschen“ Tabletten. Das ging telefonisch, per Fax und per Einschreiben, via Rechtsanwalt und Behörde. Herstellerschlamperei, Gesundheitsgefährdung, Pharmamörder, das Angebot an Beschimpfungen war groß, die Grossisten hielten die Ware bis zur Klärung des Sachverhaltes zurück, das Medikament wurde von Apotheken nicht mehr abgegeben auch wenn es auf Lager war, die Behörden überlegten schon Sonder-Sachbearbeiter einzusetzen. Ein derart wichtiges Medikament – und das war es ja tatsächlich – war vom bösen, bösen Pharmahersteller einfach falsch hergestellt worden, oder es war ein falsches Medikament in der Schachtel, und überhaupt: Angehörige gingen mit den Patienten in die Notaufnahme, Notärzte wurden gerufen, alles was man sich vorstellen kann. Die Meldungen an alle die zuständig waren (oder auch nicht) überschlugen sich.

 

Der Hersteller erhielt seitenlange Briefe von Patienten mit wüsten Beschimpfungen und Drohungen, die Arzneimittelsicherheits-Abteilung machte Überstunden, den Rechtsschutzversicherungen seien die Drohungen wegen Gesundheitsgefährdung, absichtlicher schwerer Körperverletzung etc. gedankt.

 

Das Präparat wurde immer wieder als „nicht lieferbar“ bezeichnet, obwohl der Hersteller eine Menge auf Lager hatte, und obwohl alle Zuständigen immer wieder informiert wurden. Dauerte einige Monate, bis sich die Wellen gelegt hatten.

 Natürlich musste das so kommen, meinte der Medical Director des Herstellers, was bitte erwartet man denn von Patienten mit Zwangsstörungen? Die KÖNNEN ja so eine Farbänderung nicht akzeptieren, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil Zwangsstörungen das eben so mit sich bringen, könnten die Patienten mit solchen Änderungen umgehen dann wären sie ja gesund. Deshalb wurden ja alle verständigt …

 

Dass die Ärzte, Apotheker, Grossisten nichts von der Änderung wussten war auch schnell geklärt: alle, die die vielen Schreiben bekommen hatten – lt. Adressliste ist das ja nicht so schwierig nachzuvollziehen – meinten, sie würden die Zuschriften von Pharmafirmen gar nicht lesen. Die würden entweder auf einen Haufen gelegt zur gelegentlichen späteren Lektüre, oder gleich weggeworfen. Wozu die Pharmareferenten den Fachärzten mehrfach die Farbänderung angekündigt hatten erschloss sich nie.

Was blieb von der Geschichte? Der böse Nachgeschmack: ein großer Pharmakonzern, und dann ist so ein wichtiges Präparat nicht lieferbar weil bei der Herstellung geschlampt wurde und kein Wirkstoff in der Tablette war. Oder war nur das Falsche abgepackt worden? Sabotage? Missachtung psychisch kranker Menschen? Hm. Jedenfalls: böse Firma.

Wie sag ich’s meinem Patienten?

Immer schwierig: Wechselwirkungen. Noch schwieriger: Wechselwirkunge bei Medikamenten wie Antidepressiva und Antipsychotika.

Leider gibt es gerade bei den erwähnten Medikamenten häufig welche … auch „wichtigere“ wie Herzrhythmus-störungen und gegenseitige Wirkverstärkungen – letztere können auch gewollt sein, können sich aber auch in verstärkten Nebenwirkungen äussern.

Und viele, die das nehmen müssen haben schon eine kompliziertere Persönlichkeitsstruktur und Probleme mit Wechseln / neuen Medikamenten / Anpassungen und derartigem. Sie auf Wechselwirkungen aufmerksam zu machen (wie ich eigentlich sollte*) verwirrt sie oft noch mehr und verunsichert sie, so dass sie am Schluss die (nötigen) Tabletten doch nicht nehmen.

Was tun? Bisher habe ich es so gehandhabt, dass – wenn so etwas auftritt und das Medikament neu ist – ich dem Patienten erst mal sage, dass ich rasch noch etwas mit dem Arzt klären muss (ich sage nicht unbedingt was) … und dann das mache. Der Arzt soll dann – mit dem Wissen um die Wechselwirkung -entscheiden, wie wichtig es ist, dass der Patient informiert ist und ob er auf eine mögliche Wechselwirkung oder auch Nebenwirkung achten soll.

Also ist es ein bisschen ein Dilemma. Wie viel soll / kann ich sagen?

Und meine Kollegin ist da letztens ein bisschen „reingelaufen“. Sie hatte abends eine Patientin, die sich schon reichlich beunruhigt in der Apotheke präsentierte. Auf dem Rezept ein neues Antidepressivum zu ihren bereits vorhandenen. Bei Eingabe in den Computer zeigt dann auch eine schwerwiegende Wechselwirkung an – noch nicht kontrainduziert aber im Sinne von „von einer Kombination wird stark abgeraten“.

…. was soll ich schreiben? Den Rest könnt ihr dem Brief entnehmen, den ich dem Arzt auf dessen erboste Reaktion hin geschrieben habe. In seinem Brief  beklagt er sich darüber, wie wir die Patientin behandelt haben, speziell, dass wir ihr gesagt hätten, sie solle das Medikament nicht nehmen. Sie braucht für ihre Behandlung dringend das – und wie wir dazu kämen, sie zu verunsichern?

Sehr geehrter Herr Dr. …

Erstmals: vielen Dank für Ihren Brief. Ich nehme ihn als konstruktive Kritik gerne an.

Dann möchte ich mich entschuldigen, dass das so unglücklich gelaufen ist. Es liegt natürlich auch in unserem Interesse, dass die Patientin die bestmögliche Behandlung und Beratung bekommt.

Am betreffenden Tag arbeitete (meine Kollegin). Sie hat mir erklärt, dass die Patientin zu einem Zeitpunkt mit dem Rezept kam, an dem Sie nicht mehr erreichbar waren. Darum hat sie der Patientin erklärt, dass sie wegen einer Wechselwirkung erst mit Ihnen, dem Arzt Rücksprache nehmen möchte. Die Patientin hat darauf erklärt, dass sie das dann lieber selbst mit Ihnen besprechen möchte.

Wir haben also der Patientin nicht gesagt, dass sie das Medikament nicht nehmen soll. Wir haben ausserdem versucht, sie als verschreibender Arzt zu erreichen, respektive angeboten, es gleich am nächsten Tag abzuklären, was die Patientin abgelehnt hat.

Wir sind uns bewusst, dass ein sensibler Umgang vor allem auch mit depressiven Patienten wichtig ist und dass es wichtig ist, dass diese ihre Medikamente (regelmässig) nehmen. Leider können wir angezeigte Wechselwirkungen nicht vollständig ignorieren. In dem Sinne wäre es das nächste Mal vielleicht sinnvoll, etwas weniger Info an die Patientin zu geben – vor allem wenn der Arzt gerade nicht erreichbar ist.

Dennoch denke ich nicht, dass meine Kollegin falsch gehandelt hat. Falls Sie aber eine bessere Vorgehensweise vorzuschlagen haben, nehme ich diese gerne entgegen.

mit freundlichen Grüssen Pharmama

Vielleicht sage ich das nächste Mal in so einem Fall am besten „ich muss das Medikament erst bestellen, ab morgen habe ich es hier.“ ?

* mehr zum Thema: die Arbeit der Apotheke am Beispiel Wechselwirkungen

Alle Patienten lügen (rerun)

(rerun vom 17. Januar 2009)

„Everybody lies.“

Dr. House

Offensichtlich ist nicht nur der oberzynische Dr. House der Meinung, dass Patienten ihre Ärzte anlügen, sondern auch etwa 2/3 der Mediziner in Deutschland, wie es sich bei einer Umfrage herausstellte. Ich vermute mal auch in der Schweiz ist die Situation ähnlich.

Ich selbst hatte ja auch schon die Situation, dass der Arzt der Patientin partout nicht glauben wollte, dass sie keinen Alkohol trinkt – die Leberwerte waren schlecht.

Ich bin überzeugt, dass die Patienten den Ärzten nicht alles sagen. Es liegt in der Natur des Menschen Dinge, die ihn selbst betreffen, zu beschönigen und negatives auszulassen oder gar zu schwindeln, wenn jemand anderes / autoritärereres / der Arzt sie nach den Lebensumständen fragt.

Sagst Du dem Arzt denn die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, wenn er Dich fragt, wie es denn ums Essen und wie es um Deine körperliche Fitness steht? Zum Beispiel:

– Wie ist das mit den 5x Früchten und Gemüse pro Tag? „Jaja, ich esse abwechslungsreich …“ (also eigentlich ernähre ich mich abwechselnd von Pizza und Hamburgern …)

– und trinken? Trinkst Du auch Deine 2-3 l Wasser täglich? „Ich bemühe mich ….“ (aber meistens klappt das nicht)

– Nimmst Du die Treppe statt dem Lift?… „Ääähhh… klar.“ (so einmal im Monat).

Dasselbe gilt auch für die Einnahme von Medikamenten: Nimmst Du sie wirklich regelmässig?

Es kommt natürlich vor, dass man mal eine Tablette vergisst – das ist meistens auch nicht so tragisch und kein Grund zu lügen. Aber wenn man das Medikament nicht (mehr) nimmt, dann ist es wichtig, dass der Arzt das auch weiss. Ansonsten denkt er nämlich das Medikament wirke nicht und sucht -vergebens- nach einem Grund für den Therapieversager, macht eine Menge Abklärungen, steigert die Dosis – dann nimmt man es erst recht nicht … und das Grundproblem löst man dadurch auch nicht.

Im Endeffekt stört man mit Lügen beim Arzt das Vertrauensverhältnis Arzt -Patient. V.a. wenn der Arzt schliesslich herausfindet, dass man ihn angelogen hat … und man gefährdet dadurch seine Gesundheit.

Generikum gefällig?

In der Schweiz ist es so, dass es, wenn es für ein Medikament, ein (einiges) günstigeres Medikament gibt, man für das verschriebene 20% Selbstbehalt zahlt, statt den normalen 10%.

Wenn ein Patient also so eines auf Rezept hat, wird er von uns in die Richtung informiert: „Von dem Medikament existiert ein günstigeres Generikum. Darf ich ihnen das abgeben? Es ist gleichwertig wie das aufgeschriebene und sie zahlen weniger Selbstbehalt.“

und was bekommen wir zu hören?

Einige Male: „Ja? Oh, gut, gerne.“

Aber mindestens so häufig:

  • „Nein, ich will das, was der Arzt verordnet hat.“
  • „Nein, ich will das richtige Medikament!“
  • „Welches ist besser?“ (Keines, gleichwertig bedeutet nicht anders)
  • „Nein, ich vertrage keine Generika.“ (Sicher. Nicht.)
  • „Nein, ich bin allergisch gegen Generika!“ (alle ? Blödsinn)
  • „Nein, das letzte Generikum habe ich auch nicht vertragen.“
  • „Ist das auch sicher dasselbe?“

Der Kommentar hier, auf den ich beim Rezepte kontrollieren gestossen bin, hat mich zum lachen gebracht:

Wahrscheinlich hält eher sie selber nichts von Generika – und dass die Apothekerin, die das aufschreibt so auch vermutet, sieht man am smiley dahinter.

Wenn der Arzt nicht will, dass etwas ersetzt wird, kann er nämlich auf’s Rezept schreiben: „sic“ oder besser „aus medizinischen Gründen nicht ersetzen“ – und dann steht bei uns im PC „Substitution abgelehnt durch Arzt“.

Auch wir in der Apotheke haben die Möglichkeit Substitutionen abzulehnen – zum Beispiel bei kritischen Wirkstoffen. Dann kann auch ich einen Austausch ablehnen. Dann ist es im Sinne des Patienten. Wenn ich allerdings frage und ein Generikum anbiete, dann geht das im Normalfall ohne Probleme.

Mehr Infos zu Generika:

Generika – eine Betrachtung (1)

Generika – eine Betrachtung (2)

Generika – eine Betrachtung (3)

Das geht auch nicht, weil ….

Wir haben da einen Kunden / Patienten. Er – schon etwas älter- ist einer unserer Schmerzpatienten. Er hat seit einem Unfall vor vielen Jahren Rückenprobleme. Dazu kommt noch, dass er Asthma hat (behandelt), eine Menge Allergien und sonstige Unverträglichkeiten, Schilddrüsenprobleme (in Behandlung), Bluthochdruck (in Behandlung)… und habe ich schon erwähnt, dass er ziemlich Übergewichtig ist? Das ist den Rückenschmerzen sicher auch nicht zuträglich, aber das ist manchmal, wie das Huhn und das Ei … was war wohl zuerst da? Wegen der Rückenschmerzen kann er nicht mehr so laufen und bewegt sich weniger, dadurch nimmt man eher zu, dadurch schmerzt der Rücken mehr, dadurch läuft man weniger … jedenfalls um zum Huhn und dem Ei zurückzukommen: jetzt hat man beides.

Das alles macht ihm das Leben sicher nicht einfacher, aber ich finde, dass er sich selber das persönlich noch schwerer macht, als nötig. Er …. hat entweder enorm Pech, oder er verbaut sich seine Möglichkeiten selber … manchmal auch eine Kombination von beidem. Er selber sieht sich wahrscheinlich vor allem als Opfer der Umstände.

Zum Beispiel mit seinen Ärzten. Nach über 20 Jahren hat er … schon einige durch. Es ist nicht mal so als würde er Ärztehopping machen, oder viele Ärzte gleichzeitig besuchen. Gut, er hat mehrere gleichzeitig. Im Moment zwar nur einen Lungenspezialist und einen Hausarzt … aber in den letzten Jahren war es so, dass er zu einem Arzt gegangen ist, bis der ihn irgendwo enttäuscht hat, zum Beispiel, indem er keine Hausbesuche machte, oder ein Rezept für einen Vorbezug lange nicht ausgestellt hat, oder nicht zurückgerufen, oder … was auch immer. Wenn so etwas vorfiel, suchte er den nächsten Arzt auf. Und zum alten ging er dann nie mehr.

Jetzt aber haben wir das Problem, das die Rückenschmerzen stark zunahmen. Der Hausarzt wollte ihn an einem Schmerzspezialisten verweisen, nur … an welchen? In unserer Stadt hat er so ziemlich alle durch: „Zu dem gehe ich nie mehr! Der hat mir damals…!“, Und ins Spital am Berg „kann“ er auch nicht mehr „Da haben sie nach dem Unfall meinen Rücken vollkommen vermurkst, da bekommt mich keiner mehr hin!“ und Spital beim See? „Nein, da arbeitet Doktor … den will ich auch nicht mehr sehen, da kann ich nicht mehr hin!“.

Es ist nicht so, dass die Ärzte unfähig wären, aber er überwirft sich mit ihnen aus -meist persönlichen Ursachen. Oder solchen, die er als Problem ansieht – und für andere wäre das wahrscheinlich keins. Wie auch immer, das Ergebnis ist dasselbe: Kann nicht, geht nicht, nicht möglich … an allen Ecken.

Am Ende hat er nach langem Suchen dann einen Termin in einem Spital bekommen, das etwa 1 Stunde entfernt liegt.

Nur … wie kommt er da hin?

„Meine Tochter kann mich nicht bringen, die hat kein Auto“

„Mit dem Zug fahren kann ich auch nicht – ich kann keine so hohen Stufen steigen und eine Stunde sitzen … das kann ich auch nicht?“

„Ein Taxi will ich auch nicht nehmen, das wäre wahnsinnig teuer und … eigentlich wäre es gut, wenn ich liegen könnte“

Pharmama: „… Was ist mit einem Krankenwagen? Da könnten sie liegen?“

„Nein, das geht auch nicht.“

Pharmama: „Wieso?“ (Irgendwie habe ich das Gefühl, ich bereue diese Frage noch)

„Einmal, da habe ich auf der Autobahn gesehen, wie ein Krankenwagen einen Unfall hatte … und seitdem bekommt man mich in die Dinger nicht mehr rein.“

Pharmama: „Finden sie nicht, dass sie sich da selbst etwas zu sehr einschränken?“

Am Ende hat es dann doch irgendwie funktioniert. Ein Freund hat ihn hingefahren mit dem Auto – und vorher haben wir seine Schmerzmedikamente bis an den Anschlag ausgereizt …